Neue Erfahrungen 2001

NEPAL & TIBET

Blicke zum Dach der Welt
Von Kathmandu nach Lhasa

Everest View, Khumbu, Nepal Tibetisches Hochland auf der Strecke Lhasa-Kathmandu Mt Everest - Flug von Lhasa nach Kathmandu

 

 Reisebericht 05.03 - 31.03.2001

© Klaus Töpfer
HIMATREK

Gelsenkirchen, April 2001
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Vorwort

Neue Erfahrungen sammeln, neue Gebiete kennen lernen, auch über Nepals Grenzen hinaus. Tibet, das geheimnisumwobene Land jenseits des Himalaya Hauptkamms und erstmals den Everest etwas näher erleben. Das war unser Ziel. Meine Frau Dorlis war wieder mit dabei. Von Ihr gab es manchmal kritische Bemerkungen hinsichtlich der Durchführung und der gegebenen Situationen. Ich gebe diese, so wie sie waren, unvoreingenommen wieder, um dem Leser zu zeigen, mit welchen Problemen man konfrontiert werden kann.

 

1./2. Tag – 05/06.03.

Es dämmert. Wir sitzen bereits wieder im Flugzeug und warten auf den Start von Sharja in den Emiraten nach Kathmandu. 7 Stunden ohne Zigarette sind überstanden und noch einmal gut 3 ½ Stunden stehen mir bevor. Nach einem kurzen "Hopser" von Düsseldorf nach Amsterdam starteten wir pünktlich. Unsere 7 Kunden sind mit an Bord. Alle noch recht junge Leute im Vergleich zu uns alten Nepalhasen. Schröders sitzen sogar neben Dorlis. Mathias, der jüngste und als Single unterwegs, erinnert mich irgendwie an Ralf Brandl unserem Nachbarn.

Flughafen Kathmandu. Nach pünktlicher Landung stehen wir mit unseren Gästen in der Reihe vor dem Schalter "Einreise ohne Visum". Dieses Mal ist die Reihe dort länger und so dauert es ein Weilchen. Dafür entfällt das Warten am Gepäckband.

Unter den vielen Hinweisschildern vor dem Flughafen finde ich das eigene nicht sofort. Govinda stürzt mir entgegen. Umarmung, Namaste, Welcome. Wir sind wieder in unserer 2. Heimat. Die ganze Familie ist zugegen. Ein paar Minuten später fahren wir bereits im vollgepacktem Bus Richtung Thamel. Zunächst zum PILGRIMS, dann zum KATHMANDU GUESTHAUS und letztendlich zum GARDEN HOTEL, wo Govinda uns einquartiert.

Wie immer machen wir den gleichen Fehler. Zu aufgedreht gehen wir gleich zu Govindas Büro, anstatt erst einmal das Gepäck auszupacken und etwas auszuruhen. Schon sind wir beim "Geschäftlichen" und auch Govinda muss sputen, um sich um seine Kunden zu kümmern. Wir spazieren mit Radhika, klein Tochter Sumitra und Govinda 2 nach Thamel hinein, um eine Kleinigkeit zu essen und unseren Durst zu stillen.

Endlich gegen 17 Uhr sind wir wieder im Hotel. Legen uns erst einmal zur längst verdienten Ruhe hin, um anschließend das Gepäck für unseren morgigen Trekking-Start zu sortieren und zu packen. Irrtum, nun wird alles hektisch und konfus. Bereits um 18 Uhr fragt Onkel Dahl an, wann wir kommen. Govinda erwartet uns dringend. Eine halbe Stunde später sind wir wieder beisammen. Govinda ist aber immer noch mit den beiden Damen beschäftigt und alle anderen sind noch unterwegs. Nun stehen wir erste einmal da, denn auch Govinda scheint die Übersicht verloren zu haben.

Ende gut, alles gut? Nach gemeinsamen Abendessen im Dhelima Garden sind alle Unklarheiten beseitigt. Dhurbar ist ebenfalls mit seiner frisch angetrauten Frau zugegen. Zurück im Hotel ist aber erst einmal nichts mehr gut: Massig hagelt Dorlis Kritik auf mich ein. Wie könnte ich denn nur dieses und jenes, insbes. schon wieder morgen früh um 5 Uhr aufstehen, um nach Jiri zu fahren. Ich bin halt der Prügelknabe und doch so unschuldig in Sachen dieser Planung.

3. Tag – 07.03.

Erst als wir im Bus nach Jiri sitzen, hat sich Dorlis Gemüt beruhigt. 8 Stunden Fahrt mit dem Bus stehen uns bevor. Nachdem zu Mittag das erste Dhaal Bhaat verspeist wurde, holt uns alle die Müdigkeit ein. In schier unendlichen Serpentinen schlängelt sich die Straße bergan und bergab. Der Fahrer müsste eigentlich Muskelkater vom ständigem Drehen des Steuern bekommen. Unterwegs erwischt uns auch noch eine von draußen geworfene Wasserbombe. Ein Vorgeschmack auf das am Freitag stattfindende Krishna-Festival (Frühlingsfest)?

Wir sind froh, endlich in Jiri Quartier beziehen zu können. Es dauert nicht lange und meine liebe Dorlis findet wieder ein Haar in der Suppe: Morgen früh heißt es wieder um 5 Uhr aufstehen. Was sei denn dies für ein Urlaub? Gut, dass wir beide bereit um 21 Uhr tief eingeschlafen sind.

4. Tag – 08.03.

... und zu Dorlis Leidwesen: Nach einer prächtig durchschlafenen Nacht, reißt uns Govindas Klopfen um 5 Uhr aus den morgendlichen Träumen. Es wird Macht der Gewohnheit: Trekking-Sack packen, Zähne putzen und mit heißem Tee die letzte Müdigkeit vertreiben. Mit dem lokalen Bus geht es zum Helikopter Airport, besser Landeplatz. Eine Waage, Benzintank und Unmengen von Gütern, sogar wahrscheinlich fehlgeleitetes PVC-Rohmaterial, liegen hier im Freien herum. Aus der Ferne ertönt das Knattern des Hubschraubers. Wir gehen hinter dem Benzintank in Deckung. Staub und kleine Steine werden aufgewirbelt bis die Rotoren zum Stillstand kommen. In für nepalesische Verhältnisse ungewöhnlicher Windeseile wird der Hubschrauber beladen und wir dürfen direkt hinter dem Cockpit auf einer Notbank Platz nehmen. Es folgt eine neue Erfahrung in der Fliegerei. Kein Beschleunigen, sondern nur ein ohrenbetäubender Lärm und wir heben ab. Die Sicht ist klar. Vorbei ziehen in der Ferne die im morgendlichen Sonnenschein erwachenden vereisten Gipfel des Gaurishanka (7.134 m), sowie weiteren Gipfeln entlang der Grenze zu Tibet. 20 Minuten später sind wir in Lukla und werden vom 5.885 m hohem Nupla empfangen.

Mit Erreichen von Lukla merkt man sofort, dass man das buddhistisch geprägte Reich der Sherpas betreten hat. Überall flattern weiße und bunte Gebetsfahnen im Winde. Govinda arrangiert noch einen Träger, namens .... . Vorbei führt der Weg an den "heiligen" Steinen und zu Mittag besichtigen wir das erste buddhistische Kloster. Hinter diesem wehen den ganzen Berghang hinauf unzählige Gebetsfahnen.

Wir sind bereit in Phakding. Was war bloß heute mit Dorlis los? Keine Kraft, keine Kondition, schwindelig. Wir machen uns Sorgen. Ist es der Stress der letzten Tage oder die Umstellung/Akklimatisierung? Morgen sehen wir weiter.

In der letzten Stunde auf unserem Weg nach Phakding versteckte sich die Sonne hinter dicken Regenwolken, die nun unermüdlich Tropfen für Tropfen fallen lassen. Hier drinnen in der Lodge ist es gemütlich und wir sitzen in der Stube um der einzigen Wärmewelle, einem fast glühendem Ofen. Dorlis erscheint frisch geduscht mit folgendem Kommentar: "Habe die Dusche nicht gefunden. So habe ich mich mit Wasser gewaschen.

5. Tag – 09.03.

Nach 3 Nächten können wir heute erstmals ausschlafen und auch unsere am Dienstag in der Eile nicht gerade perfekt zusammengestelltes Gepäck sichten und sortieren. Da ist doch nun tatsächlich der Haarföhn mit dabei und noch ein paar weiterer unnötiger Dinge. Dafür fehlt das Rasierzeug und ... . Nun denn, wir nehmen es gelassen.

Gefrühstückt wird erst gegen 8 Uhr. Der morgendliche Himmel ist klar, aber es ist sehr kalt. Erst als kurz nach unserem Aufbruch die ersten Sonnenstrahlen den Talgrund erreichen, wird es sehr schnell warm. Im ständigem Auf und Ab führt der Weg entlang des rauschenden Dudh Koshi. Plötzlich zeigt sich der eisglitzernde 6.608 m hohe Thamserku im hellem Sonnenlicht. Dorlis fühlt sich wieder recht gut, doch das ungewohnte ständige auf- und absteigen lassen ihre Kondition schell erschlaffen. So beschließen wir rechtzeitig heute nicht mehr Namche Bazar anzusteuern, sondern die Etappe bereits in Jorsale zu beenden. Wie bereits gestern, ziehen am frühem Nachmittag wieder Wolken auf. Gerade haben wir die Lodge erreicht und es beginnt zu regnen. Perfektes Timing kann man dazu nur sagen.

Ohne Unterbrechung klopfen nun schein seit etwa 2 Stunden die Tropfen auf das Wellblechdach. So bleibt die Runde um den wärmenden Kanonenofen mit heißen Kartoffeln und mit Govinda als Mr. Bean vergeht die Zeit im Fluge.

6. Tag – 10.03.

Bereits gestern Abend wurde die Nacht sternenklar und sehr kalt. Frühstücken ist nur in der verqualmten Küche möglich. Gesättigt mit Tapati und Ei, erwärmt mit heißem Nepali Tee machen wir uns auf den Weg. Immer entlang des tosenden Dudh Koshi, der noch zwei weitere male über leicht schwankende Hängebrücken zu überqueren ist. Der Khumbi Yul La (5.761 m) begrüßt uns bereits im Sonnenschein. Ein letztes Mal wechseln wir das Flussufer. Wir erblicken einen schmalen vereisten Streifen des Pokalde (5.806 m) und seitlich hinter uns glitzert bereits der Kusum Kanguru mit seinen 6.369 m im morgendlichem Gegenlicht. Nun wird es steiler. Langsam, Schritt für Schritt geht es in scheinbar unendlich wiederkehrenden Serpentinen aufwärts. Mit Govindas Unterstützung kommt auch Dorlis mit eigener Kraft voran. Unerwartet überrascht uns der erste Blick auf den Everest. So nah und doch noch so fern. Einige Meter aufwärts gesellen sich noch Lhotse und Nuptse hinzu. Das Dach der Welt.

Kurz vor Mittag erreichen wir Namche Bazar. Mit 3.440 m Höhe hat Dorlis nun den 2. Platz in unserer Familie errungen. Bravo und Gratulation zu ihrer Leistung. Wir bummeln durch die "Stadt der 100 Lodges" und kosten den Sonnenschein bis zur letzen Minute aus, bevor sich wieder die Wolken vor die Sonne schieben. Namche, eine kleine "Großstadt" mit Basarstraße, Banken, deutscher Bäckerei und Email-Cafe. Zur Hochsaison im Oktober sollen hier alle Unterkünfte und Campingplätze belegt und sogar überbucht sein. Unvorstellbar!

7. Tag – 11.03.

Wie vereinbart, weckt mich Govinda um 6.30 Uhr. Schnell in die warmen bereitgelegten Sachen und auf zum Aussichtspunkt: Sonnenaufgang am Everest. Ich spute Govinda hinterher, der ein gewaltiges Tempo vorlegt. Schon geht mir die Puste aus. Langsam, erst einmal stehen bleiben und Luft schnappen. Ohne einen Gehrhythmus zu finden, gelange ich völlig ausgelaugt zum Aussichtspunkt. In diesem Moment erhaschen die ersten Sonnenstrahlen die Gipfelspitzen von Everest und Lhotse. Ein einmaliges Schauspiel, das Dach der Welt erwachen zu sehen. Selbst das beste Foto kann solch ein Erlebnis nicht wiedergeben. Trotzdem frieren meine Finger beim Fotografieren fast ein und tauen erst nach unserer Rückkehr in der Lodge langsam wieder auf.

Erst gegen 8:30 Uhr gelingt es mir, Dorlis so langsam aus den warmen Schlafsack in die Kälte zu erwecken. Ja, ja, wie kann man hier nur Urlaub machen, wenn es doch so viel wärmere Orte gibt. Doch auch hier wird es angenehm warm, als wir zu einer ausgiebigen Rundtour aufbrechen. Vom buddhistischem Tempel bis zum Blick auf die "Top of the World" genießen wir ausgiebig den wärmenden Sonnenschein. Als wir zum Abschluss gerade eine sonniges Plätzchen in der Basarstraße gefunden haben, treffen 3 Emails ein: Probleme mit Wollwerts Flugtickets! Das kann doch wohl nicht wahr sein, hier auch noch gefunden zu werden. Erst einmal Aufregung. Doch wie sich einige Tage später herausstellte, ist alles gut gegangen.

Nach einem frischen Apfelstrudel in der deutschen Bäckerei unternehmen wir den nächsten Anlauf zum Barbier. Meine Bartstoppeln bedürfen der Entfernung. Da der Salon weiterhin geschlossen ist, muss Govinda diesen Part übernehmen. Frisch rasiert folge ich Dorlis nun auch unter die heiße Dusche, die aus einem großem Bottich aus der Küche gespeist wird. Guter Laune setzen wir uns nun der Höhensonne aus. Leider nicht all zu lange, denn dunkle tief hängende Wolken ziehen nach Namche hinein. Es beginnt zu schneien. So bleibt uns nichts weiteres übrig, als wieder einmal am warmen Ofen der Lodge Zuflucht zu nehmen.

8. Tag – 12.03.

Der Morgen ist trübe, grau und sehr kalt, als unser Abstieg nach Phakding beginnt. Nun zeigt es sich, welch steigen Aufstieg wir vor 2 Tagen nehmen mussten. Mit der stärker werdenden Sonne verschwinden die Wolken und so können wir dem Everest doch noch Ade sagen. Es bleibt auch genügend Zeit den kleinen buddhistischen Tempel nahe dem Kontrollpunkt zum Nationalpark zu besuchen. Hier werden wir freundlichst empfangen und zu Tee und einer Kostprobe Reiswein in die Wohnung der tibetischen Familie eingeladen. Auf der einfachen Feuerstelle wird frischer Reiswein gebrannt/destilliert . Auf einer Seite des einzigen aber alles umfassenden Raumes (Küche, Wohn- und Schlafzimmer) der Hütte befindet sich die landestypische Nachbildung eines buddhistischen Tempels (Ghompa). Wir besichtigen den einfachen Tempel. Beeindruckend sind die vielen im Winde flatternden bunten Fähnchen, die die 5 buddhistischen Elemente präsentieren.

Am frühem Nachmittag sind wir in Phakding zurück. Herzlichst werden wir von der Familie der Snow Fall Lodge gegrüßt. Leider verschwindet die Sonne wieder einmal zu schnell hinter dicken Wolken und so richten wir uns wie bereits gewohnt frühzeitig zur "Ofenrunde" ein.

9. Tag – 13.03.

Die ganze Nacht hat es geregnet. Möglicherweise haben wir noch Glück gegen Mittag in Lukla einen Rückflug nach Jiri zu erwischen und brechen somit rechtzeitig auf. Irgendwie zieht sich der Weg und will heute einfach kein Ende nehmen. Wir erwischen auch keinen Flug mehr und verbringen somit den weiteren Tag in Lukla. Von ... nehmen wir nun Abschied.

Dorlis ist nicht ganz gut drauf und hat sich auf das Zimmer zurückgezogen. Govinda und ich vertreiben uns die Zeit mit einem weitläufigen Rundgang und besuchen die Thanka Malschule der Kinderhilfe Nepal, das Touristen-Informationszentrum und beobachten die Reparatur-Arbeiten an der Landepiste des Flughafens. Lukla ist eine Großbaustelle. Nicht nur der Flughafen, sondern ein neues Haus nach dem anderem wird hier errichtet.

10. Tag – 14.03.

Wieder einmal heißt es früh und pünktlich auf zu stehen. Und wenn dann noch um 5 Uhr früh das "Bedürfnis" drängt und dabei Govinda auf dem Flur trifft, ist man auch einmal zu zeitig. So muss man halt warten, denn alles schläft noch, so auch das Personal in der Gaststube.

Aber bereits um 7 Uhr heben wir mit dem Helikopter, diesmal mit einer 10-köpfigen Wikinger-Reisegruppe, nach Jiri ab. Dort erwischen wir auch noch 3 Plätze im Bus nach Kathmandu. Dieses mal einen typischen "Lokal Bus", der in jeder Siedlung hält. Dorlis vergleicht ihn richtigerweise mit dem 83er nach Heßler. Eine Hand Bananen ersetzt erst einmal das Frühstück. So schaukeln wir von Ort zu Ort. Unterwegs gekaufte Orangen wollen sich absolut nicht von ihrer Schale trennen, dafür schmeckt die Ra Ra Suppe in Trockenform. Die Fahrt hingegen scheint kein Ende nehmen zu wollen.

Im Hotel erst einmal raus aus den staubigen Klamotten, unter die Dusche und schon ist man ein neuer Mensch. Zum Abendessen begeben wir uns wieder nach Thamel. Es beginnt zu blitzen und zu donnern. Der Strom fällt aus bzw. er wird vorsichtshalber abgeschaltet. Alles liegt im Dunkeln. Gut dass man sich auskennt. Vor dem einsetzenden Regen erreichen wir gerade noch unser Stammrestaurant und lassen dort den Tag gemütlich ausklingen.

11. Tag – 15.03

Ausschlafen und gemütlich im Garten frühstücken. Um 10 Uhr sind wir wie verabredet im Büro. Anfragen beantworten, Angebote schreiben etc.

Bis zum späten Nachmittag bummeln wir anschließend durch die Gassen zum Königsplatz und durch die Hauptgeschäftsstraßen. Wieder hat sich innerhalb eines Jahres viel geändert. Der Shiva-Tempel ist nun komplett restauriert, so dass Shiva und seine Gattin Parvati uns wieder begrüßen. An anderen wird fleißig gearbeitet. Neue Häuser sind entstanden oder befinden sich in der Bauphase. In fast allen Wechselstuben werden nun Kreditkarten (VISA, MASTER) akzeptiert und wir finden die ersten Geldautomaten in Thamel. Der Fortschritt ist nicht aufzuhalten. Ich glaube, wer ein paar Jahre nicht mehr in Kathmandu war, wird einige Straßenzüge nicht mehr wiedererkennen.

Für Dorlis kaufen wir einen neunen wärmeren Schlafsack, damit sie in Tibet nicht mehr frieren muss, bevor wir in der Ying Yang-Agentur ausführlich über unsere gebuchte Reise nach Tibet informiert werden. Obwohl die Unterweisung in Englisch erfolgt, versteht Dorlis alle diese schrecklichen Dinge, die uns dort erwarten könnten: Kälte, Staub, Massen-Schlaflager, Höhenkoller etc. Dorlis ist nun erst einmal völlig fertig. Es bedarf nun einiger Mühe sie zu beruhigen und dass das bevorstehende Abendessen nicht ihre Henkersmalzeit ist.

12. Tag – 16.03.

Nach morgendlichem Besuch der Familie Streich im sehr hübschen, aber etwas abseits gelegenem Haus Namaste, machen wir uns auf den Weg nach Patan. Wie immer, bei kurzer Strecke, mit der Motorrikscha. Auch hier ist vieles im Umbruch. Der Königplatz hier gefällt mir wesentlich besser als in Kathmandu. Es ist hier wesentlich ruhiger und der Stiel der Tempel und Pagoden, z.B. der steinerne in newarischer Architektur erbaute Krishna-Mandir, vielseitiger. Einige letzte Einkäufe gegen die bevorstehende tibetische Kälte (Handschuhe, Socken, Schal) sind für Dorlis noch zu tätigen, bevor wir den "letzten" Abend mit nepalesischer Lifemusik ausklingen lassen.

13. Tag – 17.03.

Ein letztes Mal ausschlafen und duschen? Dann heißt es packen. Govinda hat neue HIMATREK-Reisetaschen besorgt als auch einheitliche T-Shirts. Professionelles, einheitliches Auftreten während unserer "Geschäftsreise" ist angesagt.

Die Abfahrt verzögert sich wegen irgendwelcher Formalitäten um 1 Stunde. So lernen wir bereits einige Mitreisende, z.B. den Kameramann Werner und Kurt aus Wien näher kennen. Von 11 bis 15 Uhr gibt dann unser Busfahrer ohne Unterbrechung Gas. Gut versorgt mit Proviant einschließlich Torte geht die Fahrt im recht bequemen Touristenbus vorüber. Die Straße führt immer höher in das ständig enger werdende Tal hinein. Tief unten rausch der Bhote Koshi. Im Grenzort Kodari (1.770 m) wird uns eine kleine Pause gegönnt. Nach den ersten Formalitäten auf nepalesischer Seite dürfen wir nun mit unserem Gepäck über die Brücke der Freundschaft nach Tibet hinein. 2 Berliner gesellen sich zu uns, denen ein paar Tage zuvor die Einreise ohne Gruppenvisum verweigert wurde. Hier erwartet uns unsere chinesische Reiseleiterin Sin Tin und ein LKW auf dessen Ladefläche nicht nur unser Gepäck sondern auch wir Reisende verstaut werden. Nur Dorlis hat das Glück als "Queen of Germany" in der Fahrerkabine Platz nehmen zu dürfen. Fast eine Stunde werden wir auf der Ladefläche hin- und her geschaukelt. In engen Serpentinen kämpft sich das Fahrzeug auf der Schotterpiste mit tiefen Spurrillen und unzähligen Schlaglöchern langsam auf 2.300 m hinauf.

Im chinesischem Grenzort Zhangmu endet die heutige Fahrt. Die Uhr müssen wir um 2 ¼ Stunden vorstellen (Pekingzeit). Es ist somit bereits zu spät für eine Weiterfahrt. Nach weiteren Passformalitäten werden wir in einem 2-Sterne-Hotel im 4-Bettzimmer mit TV einquartiert. Die Waschgelegenheit besteht aus einigen Waschschüsseln aus Uromas Zeiten. Eine Toilette finden wir nur neben dem Restaurant mit viel versprechender Speisekarte. Am Nebentisch hat gerade die Offiziersrunde getafelt, aber für uns wohl nichts mehr übrig gelassen. Von allen angebotenen Gerichten sind gerade nur 4 verfügbar, wie sich nach langer Klärung mit dem nur chinesisch sprechendem Kellner herausstellt: Nudelgerichte in 4 verschiedenen Variationen. Wir nehmen es gelassen, als auch noch um 21 Uhr Ortzeit die Tische abgeräumt und wir sozusagen ins Bett geschickt werden. Mal abwarten was uns morgen blüht.

14. Tag – 18.03.

Die Abfahrt war um 10 Uhr vorgesehen. Doch daraus wird nichts. Nach einem recht guten Frühstück müssen wir noch einmal die Passkontrolle über uns ergehen lassen und dürfen dann aus welchen Gründen immer warten, warten. Irgendwie hat es Govinda organisiert, dass wir die Weiterfahrt zu viert im Land-Cruiser fortsetzen können anstatt im wesentlich unbequemeren Kleinbus mit 20 Personen auf recht engen Sitzen. Zu uns gesellt sich Dikky aus Singapur. Ein weiterer Vorteil, denn er spricht chinesisch.

Endlich gegen 11.30 Uhr beginnt die Weiterfahrt mit unserem Fahrer Fakdha, zumindest erst einmal zum gerade 1 km entfernten Checkpoint. Der Bus zottelt hinterher. Wieder Passkontrolle. Die Zeit rinnt von dannen. Unser heutiges Tagesziel Lhatse liegt noch weit entfernt. Mindestens 8 Stunden Fahrt über ca. 380 km und über zwei 5.000 m-Pässe sind heute noch zu bewältigen. Kurz darauf erreichen wir Nyalam (3.750 m), wo wir eigentlich schon gestern Quartier hätten beziehen sollen. Mit unserem Toyota sind wir dem Bus immer ein gutes Stück voraus und haben nun bereits die Himalaya Hauptkette durch eine enge, malerische Schlucht durchbrochen. Das Landschaftsbild wechselt ständig. Die vereisten Gipfel lassen wir hinter uns und nähern uns der mit kargen Bergen durchsetzte tibetische Hochebene. Der Schotterpiste folgend, Friendship Highway genannt, schaukeln wir am Fluss Po Chu in immer enger werdenden Serpentinen dem Latang La (5.050 m) entgegen. Zur Überwindung der letzten Höhenmeter nimmt unser guter Fahrer eine Abkürzung durch jede Menge Schlaglöcher. Kräftig durchgerüttelt erreichen wir den Pass. Bunte buddhistische Fähnchen flattern im Sonnenschein und ein eiskalter Wind nimmt uns in Empfang, der trotz dicker Jacken noch auf der Haut zu spüren ist. So weit das Auge reicht, erstreckt sich im Süden das gewaltige Gebirgspanorama des Himalaya. Acht 8.000er auf einen Blick, einmalig! Erstmals in über 5.000 m Höhe und keinerlei gesundheitliche Probleme.

Abwärts fahren wir nach Gutsuo (4.400 m) hinunter und biegen nach Osten in eine sich weitendes Tal ein. Zu beiden Seiten erheben sich bis zu 6.000 m hohe Hügel in den vielfältigsten Formen. Die Perspektive der zu den umliegenden Erhebungen täuscht, denn wir befinden uns weiterhin in etwa 4.500 m Höhe. Die gesamte Landschaft zeigt sich in den verschiedensten Brauntönen. Immer wieder tauchen kleine tibetische Siedlungen am Flussufer auf. Die weiß getünchten Häuser mit ihren überwiegend bunten Holzfenstern und auf den Dächern flatternden buddhistischen Gebetsfahnen wirken wie Farbflecken in der sonst öden Landschaft.

Die Fahrt zieht sich nun in die Länge und scheint kein Ende nehmen zu wollen. Es ist bereits finster als wir die kurz hintereinander folgenden Pässe Maphu La und Gyatso La mit über 5.250 m überqueren. Von der Fahrpiste ist im Scheinwerferlicht kaum etwas zu erkennen. Nur die Kette der in regelmäßigen Abständen stehenden Strommasten lassen in etwa die Fahrtrichtung erkennen. Trotz der auf Hochtouren laufenden Heizung ist es mittlerweile auch im Auto arschkalt geworden. Hier helfen nur noch die dicken Jacken. Immer wieder schlummern wir kurz ein und werden regelmäßig beim nächsten Schlagloch aus den kurzen Träumen gerissen. Kompliment an unseren unermüdlichen Fahrer, der selbst in dieser Situation mit bis zu 80 km/h die Holperpiste beherrscht.

Es geht bereits auf Mitternacht zu, als wir Lhatse (4.000 m) erreichen. Eine "Komfort-Lodge" mit TV auf dem Zimmer, welches wir gemeinsam mit Govinda teilen. Aber alles andere? Primitiver geht es m.E. schon gar nicht mehr.

15. Tag – 19.03.

Wunder gibt es immer wieder, auch in China. Nach Katzenwäsche – mehr war nicht möglich – und Frühstück mit reichlichen Ei-Variationen beginnt die Fahrt pünktlich um 9 Uhr nach Shigatse. Die kurze Etappe führt noch einmal über den 4.500 m hohen Yulang La. Die Aussicht von hier erstreckt sich ausschließlich auf die rundherum liegende karge, steinige Berglandschaft, bevor es hinunter ins nur noch 3.860 m hoch gelegene Shigatse geht. Unterwegs wird unser Van von neugierigen Einheimischen umringt. Wir scheinen für die hier in einfachen und recht armseligen Verhältnissen lebenden Tibeter eine willkommene Abwechslung zu sein. Bereits gegen 1 Uhr sind wir am Ziel und quartieren uns im "Freundschaftshotel" (Thu Fung) mit gehobenem Standard ein. Vom 3-Bett-Zimmer mit Du/WC sind wir echt überrascht. Und es gibt tatsächlich alle auf der Speisekarte angebotenen Gerichte. Die Verständigung mit der Bedienung ist schwierig, denn niemand versteht hier den kleinsten Brocken Englisch. Trotzdem gelingt es uns einen sehr guten Kaffee zu ordern. Auch die Speisen sind sehr gut und schmackhaft zubereitet. Während ich mich über einen riesigen Fisch hermache, hat Dorlis Pech. Ihre bestellten Kartoffeln entpuppen sich als kalte Pommes.

Tashilhumpo, die Besichtigung des buddhistischen Klosters und Sitz des Panchen Lamas steht auf dem Programm. Mit seinen 4 Tempeln, gegründet 1447 vom 1. Dalai Lama ist es eine wahre Pracht, z.B. der 26 m hohe bronzene Buddha. Beeindruckend, man kann es nicht in Worten beschreiben. So etwas muss man erlebt haben. Alle bislang besuchten nepalesischen Klöster und Ghompas stehen deutlich im Schatten dieser prächtigen, gewaltigen hölzernen Bauwerke und der bunten, im fahlem Schein der Butterkerzen glitzernden Statuen und Wandmalereien. Hier drinnen herrscht eine für uns fremd wirkende teilweise heilige Atmosphäre, die durch den strengen Duft der flackernden Kerzen noch verstärkt wird.

Auf dem Rückweg zum Hotel unternehmen wir noch einen Abstecher zum Markt. Leider nichts besonderes. Wie in allen bislang gesehenen Städten wird das Zentrum ausschließlich durch chinesische Standard-Bauten, einer breiten Paradestraße mit kleinen Geschäften und Marktständen am Straßenrand geprägt. Hier als auch im Eingangsbereich der Klöster trifft man ständig auf bettelnde Kinder und Mütter. Der soziale Unterschied zwischen Chinesen und der tibetischen Bevölkerung ist gewaltig.

Zurück zum Hotel leisten wir uns auf der ansteigenden Straße zwei Muskelrikschas. So kommen wir bequem voran, doch beide Fahrer müssen sich kräftig ins Zeug legen. Inzwischen ist es 20:30 Uhr geworden. Wieder sitzen wir gemeinsam im wohl einzigem Restaurant am Platze und lassen uns überraschen, was die Speisen bringen, die wir bestellt haben. Eines ist schon einmal gewiss: Tibetan Magic Water ist nichts anderes als Mineralwasser.

16. Tag – 20.03.

Nur kurz war die heutige Fahrt bis Gyantse. Die morgendliche dunstige Bewölkung hat sich weitestgehend aufgelöst, aber es ist nicht so sonnig wie an den Tagen zuvor. Die Klasse unseres Hotels hat sich gegenüber gestern weiter gesteigert. Wir sind schon fast luxuriös untergebracht. Es steht erstmals Zeit genug zur Verfügung, die Stadt auf eigene Faust zu erkunden. Es zeigen sich 2 Welten. In der chinesischen Innenstadt-Meile ist der bereits begonnene Wohlstand mit Läden, Restaurants usw. unverkennbar. Verlässt man jedoch das Zentrum in Richtung der direkt umliegenden tibetischen Siedlungen, so scheint hier die Zeit stehen geblieben zu sein. Die kleinen tibetischen Anwesen mit Innenhof wird von Wohnhaus, Stall und Mauer umringt. Die weißen Mauern und Fassaden werden meist durch bunte, hölzerne Fenster und Tore unterbrochen. So hübsch wie diese auch mit den bunten buddhistischen Fahnen auf den Dächern auch aussehen, so verbergen sich dahinter arme, einfachste Verhältnisse.

Der Nachmittag steht zur ausgiebigen Besichtigung des Klosters und der Kumbu-Stupa zur Verfügung. Innen befinden sich 112 Kapellen voll mit ehrfurchtgebietenden Statuen und Wandgemälden. Überwältigend erhebt sich gegenüberliegend die Festung Gyantse , auf einem kleinem, steilen Hügel über der Stadt. Wir haben einige steile Treppen zu bewältigen, was in 4.000 m Höhe recht anstrengend wird. Wieder lassen wir uns von Tempeln, den verschiedensten Darstellungen Buddhas, den Bibliotheken und der hier anzutreffenden Atmosphäre gefangen nehmen. Viele fromme Buddhisten ziehen in frommer Zeremonie den gleichen Weg mit uns: Beten, füllen die überall flackernden Kerzenschalen mit frischem Yakwachs auf. Gespendete kleine Scheine, meist 1 Ruan, finden sich zu Haufen gestapelt vor fast jeder Buddha-Figur oder auf den für dem Lama reservierten Platz. Teilweise fühlen wir uns hier als Touristen nicht am richtigem Platz. Wirken mit unserer Anwesenheit irgendwie störend, während die Tibeter ihrem Ritualen folgen. Fotografieren ist zwar erlaubt, wird aber durch horrende Preise von 20 Juan (etwa 5 DM) je Raum quasi verboten.

In 4.000 m Höhe wird es mit Sonnenuntergang rasch sehr kalt, denn nur die Sonnenstrahlen lassen tagsüber die Temperatur angenehm erscheinen. So kann man auf warme Bekleidung nie verzichten. Da hier Heizungen auch in Hotels und Restaurants unbekannt sind, kann man auf die dicke Jacke auch beim Speisen nicht verzichten. Selbst ein heißer Kaffee oder Tee ist nicht ausreichend für die benötigte körperliche Wärme.

17. Tag – 21.03.

Nachdem sich in den letzten 2 Tagen landschaftlich kaum etwas geändert hat, steht uns heute wohl die reizvollste und abwechslungsreichste Fahrt nach Lhasa bevor. So erwies sich die Fahrt im Toyota wieder als großer Vorteil.

Zunächst geht es mitten hinein in die tibetische Bergwelt. Am Karo La (5.045 m) sind wir umringt vom Nojin Kangoum (7.191 m) und Jetung Chusang (6.242 m). Die Gletscher scheinen fast bis an die Straße heran zu reichen. Hinunter führt nun der Weg an den blauen Yamdrok Tso, den drittgrößten See Tibets. Zuvor halten wir jedoch Rast in Nakartse (4.482 m). Blei klaren, blauem Himmel flüchten wir aus dem kalten Restaurant mit Tisch und Stühlen hinaus auf die Straße in den Sonnenschein. Auch hier ist die chinesische City eintönig geprägt. Wie schön wäre es, direkt am See sitzen zu können.

Den Yamdrok Tso können wir dafür etwas später während der Fahrt entlang seines Ufers so richtig auskosten. Ein malerischer, blauer Fleck in einer kargen, steinig braunen Gebirgslandschaft. Dazu am Horizont die zurückliegenden vereisten Gipfel. Noch einmal geht es hinauf, zum Khamba La (4.970 m). Hier oben vereint sich das Panorama von See und Gipfeln zu einem einmaligem Bild.

Auf den steilen Serpentinen hinunter nach Chusul beweist unser Fahrer bei bis zu 70 km/h wieder einmal sein Können. Und plötzlich ist die Straße asphaltiert, zweispurig gut ausgebaut. Wir nähern uns Lhasa. Ich bin völlig überrascht. Eine breite Paradestraße mit Geschäften, Gewerbe, Banken führt in das Zentrum der tibetischen Hauptstadt. Die tibetische Kultur scheint wegradiert. Erst in der Altstadt nehmen wir den tibetischen Stil wieder war. Vom Hotel sind wir begeistert: Ein Prachtbau im tibetischer Architektur, innen bunte Schnitzereinen und Malereien vom Empfang bis hinauf in die Zimmer. 3 Nächte werden wir bleiben in einem Komfort, der den Verhältnissen in diesem Lande gar nicht entspricht. Morgens und Nachmittags werden die Zimmer gereinigt und die Betten gerichtet.

Nachdem einer meiner Schuhe unterwegs die Sohle nicht mehr mochte, gab es hier die erste Chance ein Paar neue zu kaufen. Es war gar nicht so einfach für Big Foot (Größe 44) etwas passendes zu bekommen. Mit Hilfe des nepalesischen Hoteliers hatten wir nach Besuch mehrerer Geschäfte endlich Erfolg. Danach und der heutigen langen Fahrt über 260 km waren wir recht geschafft und froh uns auf das Zimmer zurückzuziehen.

18. Tag – 22.03.

Heute startet das umfangreiche 2-tägige Besichtigungsprogramm. Hinaus geht es zu der Tempelanlage des Kloster Sera, das etwas außerhalb Lhasas an einem Berghang liegt. Bereits am Eingang treffen wir wieder auf bettelnde Tibeter. Über 2 Stunden durchstreifen wir treppauf und ab die gewaltige Klosteranlage von Tempel zu Tempel. Bestaunen die verschiednen Buddhaformen, die umfangreichen Bibliotheken. Während draußen die Sonne scheint, ist es hier drinnen sehr kühl. Auch hier wirken alle Räume im Dämmerlicht der flackernden Butterkerzen, schwach leuchtenden Glühbirnen mythisch und heilig zugleich. Die Tibeter ziehen an uns vorbei, verrichten Ihre Andacht, als wären wir nicht zugegen. Die Vielfalt der mittelalterlichen Figuren, Schnitzwerke, Malereien als auch die Architektur ist beeindruckend. Unser Aufnahmevermögen wird einfach überfordert, so dass wir nach einiger Zeit fast alles gleichaussehend empfinden. Zum Abschluss bringt die Klosterküche und die Reiswein-Brennerei uns Abwechslung. Voll gestopft mit den vielen noch innerlich zu verarbeitenden Eindrücken, verzichten wir darauf, ein weiteres Kloster am Nachmittag zu besuchen.

Dorlis, die sich während der holprigen Fahrt irgendwie den Nacken verrenkt hat, klagt über leichte Kopfschmerzen und zieht es vor, sich auszuruhen. Govinda und ich unternehmen einen kleinen Bummel durch die bunten Einkaufstraßen der Altstadt. Schlendern ohne Ziel kreuz und quer durch Gassen und beobachten das Treiben der Händler und Leute. Am späten Nachmittag treffen wir uns mit Vertretern einer tibetischen Reiseagentur, um verschiedene Möglichkeiten von Reisen nach Tibet und Preise zu erörtern. Mit tibetischer und nepalesischer Mentalität dauert es halt wesentlich länger als geplant und nach 4 Stunden hat sich die Sonne hinter den Wolken versteckt. Es ist windig geworden und die Temperatur hat bereits wieder einmal den Gefrierpunkt unterschritten. Basare und Geschäfte schließen bereits gegen 20 Uhr und so genießen wir in einem nah gelegenem kleinen Restaurant ein vorzügliches Menü.

19. Tag – 23.03.

Die Winterresidenz des Dalai Lama, der im 17. Jahrhundert erbaute Potala-Palast ist angesagt. Mit 999 Räumen, unterteilt in weißen und roten Palast erhebt sich dieser im Zentrum Lhasas. Den Aufstieg über die steilen, langen Treppen erspart uns der Bus bis zum Seiteneingang. Sowie wir den Palast betreten und die wärmenden Sonnenstrahlen verlassen wird es sofort wieder sehr kalt. Im Gegenverkehr zu den Tibetern dürfen wir nun Raum für Raum vom 1. bis zum 14. Dalai Lama bestaunen. Hier steigen die Preise für das Fotografieren im Innern je Zimmer auf beachtliche 60 – 80 Ruan (15 – 20 DM). Videoaufnahmen sind unbezahlbar. Auch hier lassen sich die Gläubigen durch uns nicht beirren. Huldigen Buddha, spenden Geld oder Wachs zu den ewig brennenden Tempellichtern. Wie schon am Tage zuvor, können wir die Eindrücke einfach nicht alle verarbeiten und sind froh, endlich das Dach des Palastes erreicht zu haben. Die vom blauem Firmament strahlende Sonne erwärmt schnell unsere kalten Glieder und wir genießen den prächtigen Rundblick über Lhasa und die umliegenden Berge.

Den Rückweg zum Hotel gegen wir zu Fuß auf dem lebendigen, modernen Boulevard. Irgendwie passt diese Moderne mit Geschäften, Banken und Boutiquen nicht in diese tibetische, buddhistische Welt. Es wirkt wie ein Fremdkörper. Wir suchen wieder das chinesische Restaurant auf, in welchem wir gestern so gut speisten. Es wird eine totale Enttäuschung. Trotz unseres Freundes Dikky aus Singapur gelingt es nicht, trotz seiner chinesischen Sprachkenntnisse, unsere Bestellungen dem Personal bzw. dem Koch beizubringen. Außer Tomaten-/Gurkensalat und seinem chinesischem Lächeln bringt er nichts Richtiges zustande. Nachdem Schweinefleisch süß/sauer vor Fett ungenießbar und Dorlis nach ca. 2 Stunden immer noch auf ihre Nudeln wartete, gaben wir endgültig auf und sagten ade. Da der Magen knurrte, bevorzugten wir Bananen und Orangen als Ohnmachthappen. Jeglichen Abfall wirft man hier grundsätzlich in den Straßenrand. Spätestens um 6 Uhr früh sind dann die Straßenfeger im Einsatz. Straßen und Wege sind kurzum wieder sauber.

Wir begeben uns in die Altstadt (Parkhor), zum Markt und Jokhang-Tempel und beobachten die tibetischen Pilger und Einwohner die sich im Vorhof zu Boden werfen oder einen Mantras murmelnd, die Gebetsmühle drehen. Es herrscht lebhaftes Markttreiben. Vielfältig sind die Angebote der Händler, doch auf der Suche nach typischen Souvenirs werden wir etwas enttäuscht. Wir finden nichts außergewöhnlich Tibetisches, was es nicht auch in Kathmandu gäbe und dort preiswerter ist. Trotzdem erstehen wir nach langem Feilschen doch noch ein paar Kleinigkeiten.

Gestern Abend haben Govinda und ich eine Imbiss-Straße entdeckt, die wir nun suchen. Wo ist diese Straße mit den vielen Zelten geblieben? Nun wissen wir es. Die Stände werden erst gegen 19 Uhr in windesteile in einer der vielen Geschäftsstraßen aufgebaut. Wir wagen einen Versuch. Aus der großen Auswahl frisch zubereiteter Spieße wählen wir welche mit Gemüse, Kartoffeln, Pilzen sowie für Dorlis eine große Hühnerkeule. Alles zusammen verwindet in einem Topf mit siedendem Fett, wird dann kräftig gewürzt und kurz über einem Holzkohlegrill nochmals angebräunt. Wir haben inzwischen auf Kinderstühlen am niedrigem Tisch im Zelt Platz genommen. Tee wurde gereicht und nun sind wir gespannt. Etwas fettig, ein wenig zu scharf aber sonst sehr lecker. Man muss es eben probiert haben. Letztendlich wird die Rechnung fällig: 9 Ruan (1 US$) für alles!

20. Tag – 24.03.

Es ist noch stockfinster, als wir um 5 in der Frühe geweckt werden. Während der 1 ½ Stunden Fahrt zum Flughafen als auch im Flughafengebäude ist es eiskalt. Nach der üblichen Abfertigung erhaschen wir die ersten wärmenden Sonnenstrahlen auf dem Weg zum Flugzeug. Es folgt nun ein 1-stündiger Panoramaflug diagonal über das Himalaya. Das Dach der Welt grüßt von unten.

In Kathmandu trifft uns der Hitzeschlag: 30 °C im Schatten. Prasanta, Dhrubar und Gopal nehmen uns in Empfang, als kämen wir von einer mehrmonatlichen Weltreise zurück. Kurz darauf sind wir wieder im Hotel.

Der tibetische Staub ist entfernt und erstmals in kurzer Hose bummeln wir nach Kathmandu hinein. Es ist Samstag, hinduistischer Wochenendfeiertag. Einige Geschäfte haben geschlossen. Dafür herrscht sonntägliches Treiben in und vor den Tempeln als auch auf dem Dhurbar Square. So geht dieser Tag zu Ende und Dorlis klagt, wie soll es anders sein, nun über die Hitze.

21. Tag – 25.03.

Einen ganzen Tag Shopping. Drei mal begeben wir uns zurück zum Hotel, um unsere Einkäufe von T-Shirts bis hin zum Feuerteufel zu deponieren.

22. Tag – 26.03.

Sitze allein beim Frühstück im Garten. Dorlis hat es erwischt. Magen und Darm rebellieren um die Wette. Eigentlich wollten wir heute nach Nargakot starten. Verschoben ist nicht aufgehoben. So kann ich am Abend bei der Verabschiedung unserer Kunden zugegen sein und erstmals live die Übergabe der Trekking-Zertifikate zu erleben. Das Wichtigste jedoch, nur zufriedene Gesichter zu sehen.

23. Tag – 27.03.

Dorlis geht es wieder besser. Morgen ist ihr Geburtstag und so sind noch einige Dinge zu besprechen und Kleinigkeiten zu besorgen. Es soll eine große Überraschung werden. Start um 17 Uhr und kein Wörtchen vorab zu Dorlis, lautet die Vereinbarung zwischen Govinda und mir.

Am Nachmittag fahren wir hinaus nach Nargakot. Den ganzen Tag über war es dunstig. Bereits am frühen Nachmittag zogen dicke Wolken auf. Ein Gewitter hängt in der Luft. Hier draußen in Nargakot reiht sich ein Hotel an das andere. Vom Panoramablick auf das Himalaya ist nichts zu sehen. Hoffen wir auf morgen früh.

24. Tag – 28.03.

Pech gehabt. Es bleibt über den Bergen bewölkt und diesig. Um 6.30 Uhr erblicken wir zwar die aufgehende Sonne als rote Scheibe, aber das war es.

Dorlis merkt, dass hinsichtlich ihres Geburtstages etwas im Busch ist. Govinda schweigt. Ich versuche es erst mit: Heute ist Mittwoch, der 27. Ohne Erfolg. Letztendlich vertröste ich sie mit einen geplanten gemeinsamen Abendessen. Und nun scheint die Zeit still zu stehen. Erschwerend kommt noch hinzu, dass wir heute in ein anderes Hotel umziehen sollen. Wir haben also in Kathmandu keine Unterkunft und ich muss nun irgendwie die Zeit bis 17 Uhr überbrücken.

Auf dem Rückweg steigen wir beide in Bhagtapur zum Sightseeing aus. Es ist immer wieder ein Erlebnis durch diese dritte Königstadt ohne Verkehr und Hektik spazieren zu gehen. Die verlangten 5 US$ für den Eintritt lohnen sich. Dorlis bohrt immer wieder nach, wir würden etwas im Schilde führen. Ich verzweifle langsam, den Unwissenden spielen zu müssen und die Zeit will nicht vergehen. Auf dem weiterem Rückweg liegt noch Bhodnath. Eigentlich ein kleiner Umweg, aber was soll ich machen. So umrunden wir dort ein paar mal die Stupa und verbringen die letzte Wartestunde auf der Terrasse eines Restaurants.

Endlich ist der Zeiger der Uhr genug vorgerückt. Etwas später als geplant erreichen wir mit dem Taxi das Office. Nun folgt für Dorlis Überraschung auf Überraschung. Ein perfekt organisierter Geburtstag und eine gelungene Feier mit Torte, Geschenken und, und, und.

Es ist bereits spät und dunkel als uns Govindas Onkel zum Hotel Ambassador bringt. Die Fahrt scheint kein Ende nehmen zu wollen. Müde fallen wir in die Betten des sehr komfortablen Hotels.

25. Tag – 29.03.

Onkel Gopal hat es wohl zu gut gemeint. Wir sind nicht gerade glücklich, denn das Hotel liegt recht weit abseits und der Weg bis nach Kathmandu zieht sich fast eine halbe Stunde entlang einer staubigen, verkehrsreichen Straße . Nichts gegen das Hotel, aber wir lassen uns noch vor dem Mittagessen wieder umquartieren. Ein einfaches Hotel, gleich hinter PILGRIMS (hat pleite gemacht) gelegen, aber wieder wie gewohnt im Zentrum.

Nach Dorlis Magenverstimmung schmeckt ihr auch nichts nepalesisches mehr. So bevorzugen wir eine der vielen Bäckereien in Thamel. Hier gibt es leckere gut belegte Baguette. Irgendwie vertrödeln wir den weiteren Tag.

26. Tag – 30.03.

Heute müssen wir Abschied nehmen. Doch unser Flug startet erst am Abend. So bleibt noch ausgiebig Zeit, nach Teppichen Ausschau zu halten. Im tibetischem Lager, nördlich Patan werden wir fündig. Wieder zurück, beginnt das leidige Packen und schließlich folgt der schwere Abschied. Hoffentlich klappt alles und Govinda erhält sein Visum für Deutschland. Dann sehen wir uns bereits in 3 Monaten wieder.

27. Tag – 31.03.

Nach Verspätung und langer Warterei in Amsterdam auf den Anschlussflug nach Düsseldorf sind wir wieder zu Hause. Ein Koffer steht noch in Amsterdam, der in Kürze per Kurier folgen wird.

Nun warten wir erst einmal auf Govinda, bevor wir mit der Planung unseres nächsten Besuches beginnen werden.