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Kultur und Trekken im Annapurna Reisebericht
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Klaus Töpfer
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| Mit Govinda und Dhurbar nehmen wir auf der
Dachterrasse den Begrüßungstee ein. Wie versprochen hat Govinda begonnen Deutsch zu
lernen. So erhält er ein weiteres Lehrbuch, um seine Kenntnisse vertiefen zu können. Die
Grüße und Bilder von Joachim werden überreicht. Abschließend verabreden wir uns für
morgen um 9 Uhr. Die Nachricht über unsere Ankunft wird Govinda gleich nach Hause senden.
Sind wir müde? Noch sind wir aufgedreht. Dorlis ist überrascht, dass es erst Mittag ist und wir noch einen langen Tag vor uns haben. Etwas erfrischen, umziehen und dann geht es hinein in den Trubel von Kathmandu. Für Dorlis ist natürlich alles ungewohnt und neu. Zwischen Menschen, Fahrrädern, Mopeds und Autos begeben wir uns in Richtung Königsplatz (Dhurba Square). Es wird gehupt, geklingelt und niemand umgefahren. Leider erwischen uns ein paar Schauer, bis ich meinen Freund, den "Schwarzen Kala Bairava" wieder begrüßen kann. Dorlis ist erstaunt über seine wahre Größe. In der letzten Nacht hat es kräftig geregnet. So müssen wir teilweise in den engen Gassen durch Schlamm waten. Schuhe und Hose sehen entsprechend aus. Nach Besuch der Wohnstätte von der Kindgöttin "Kumari" landen wir in der "Grünen Oase". Richtigen Appetit habe ich nicht, dagegen Dorlis um so mehr. Letztendlich bleibt es bei einer mageren Zwiebelsuppe. Auf dem Rückweg finden wir das indische Restaurant nicht und so kehren wir in einem anderem Restaurant ein. Ich fühle mich schrecklich müde. Dorlis geht es auch nicht besser. Bereits um 6 Uhr liegen wir in den Federn bzw. im Schlafsack.
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3. Tag - 30.01.1999
14 Stunden Schlaf liegen hinter uns. Die Sonne durchbricht langsam den morgendlichen Dunst. Zum Frühstück sind wir natürlich auf der Dachterrasse. Ein neuer Besitzer bedeutet auch andere Gepflogenheiten: Nepali Tee mit Milch und ? (mind. 3 Löffel/Tasse) Zucker. Dazu Toast mit 3 Spiegeleiern. Morgen werden wir umbestellen.
Kurz vor 9 Uhr taucht Govinda und etwas später sein Bruder Dhurbar auf. Ausführlich besprechen wir unseren weiteren Aufenthalt. In Sachen Trekking schlägt Govinda eine Alternative vor: Über Ghorepani, aber langsam in kleinen Etappen. Dorlis könnte es schaffen. Über "Stop + Go" und den weiteren Weg wird Dorlis aber jederzeit entscheiden. Am Dienstag werden wir nach Pokhara aufbrechen.
Gemütlich machen wir uns gemeinsam auf den Weg nach Swyambunath. Auf einer Anhöhe am Rande Kathmandus erhebt sich die buddhistische Stupa mit angrenzenden hinduistischen Tempeln. Heute am Samstag (wöchentlicher Feiertag) sind viele Gläubige hier versammelt. Vorbei an den im Eingangsbereich stehenden Buddha-Statuen erreichen wir auf den immer steiler werdenden Treppenstufen schwitzend die Stupa.
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Zum Mittagessen hat uns Govinda eingeladen. Die ganze in Kathmandu
lebende Familie ist versammelt. So einfach wie man hier auch lebt, in Govindas 1-räumigen
Wohn-, Schlaf- und Esszimmer ist auch noch das Büro mit PC und Telefon untergebracht. Ein
Email wird in Richtung Heimat geschickt.
Zurück nach Thamel benutzen wir den Linienbus - eine weiteres Erlebnis Nepal Natur. Den Abend verbringen wir im gegenüberliegenden Gartenrestaurant Delima Garden" Dorns hat sich nun recht gut eingelebt. Die vielen neuen Eindrücke sind noch nicht ganz verdaut und schon plant Sie die nächste Reise. |
4. Tag - 31.01.1999 Heute steht die Besichtigung Bhagtapur m. E. die schönste der 3 Königstädte im Kathmandutal auf dem Programm. Aufgrund eines Missverständnisses in der Zeitübersetzung (1/2 9 = 9.30 Uhr) warteten wir 1 Stunde auf Govinda. Die ungewollte Verzögerung war sogar zum Vorteil, denn Dorlis hatte die Sch... erwischt und war demzufolge nervös hinsichtlich der bevorstehenden Busfahrt. 20 Pfennig/Person kostet die Fahrkarte mit dem Linienbus. Gegenüber Kathmandu erwartete uns hier eine ruhige und gepflegte Königstadt. In aller Ruhe schlendern wir durch die Basarstraße, enge Gassen zum Töpferplatz und zum Dhurbar Square. Keine Hektik, kaum Verkehr! Govinda ist unser Gast. Es macht Spaß mit Govinda zu plaudern: Englisch und ein bisschen Deutsch. Dorlis verständigt sich bereits hervorragend. Beim Mittagessen werden wir mit Tempelmusik verwöhnt.
Auf dem Weg zurück zur Haltestelle haben wir Sicht auf das Gosainkund Govinda zeigt uns den im vergangenen Jahr überschrittenen Laurebiniak Pass (4.610 m). Erinnerungen an diese Tour werden wach. Insbesondere der tiefe Schnee und der lange Weg nach Ghopte. Wieder zurück in Thamel unterhalten wir uns über Govindas in Ghara lebende, streng hinduistisch gläubige Familie (Frau, 3 Kinder, Schwiegermutter und -vater). Wir sind dorthin eingeladen und Dorlis ist bereits neugierig.
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Die Sonne ist mittlerweile untergegangen. Während wir die ersten Ansichtskarten nach Hause schreiben, sitzen wir plötzlich im Dunkeln: Stromausfall. Bei Kerzenschein wird der Rest erledigt. Zum Abendessen lassen wir uns mit nepalesischem Folklore (live) verwöhnen. Auch das bekannte Resham Firiri erklingt.
Seit unserer Ankunft fühlt sich Dorlis im Schlafsack pudelwohl und will diesen auch daheim weiterhin benutzen. Wir plaudern noch ein wenig über das bevorstehende Trekken. Ein wenig muss ich Sie beruhigen. Denn wer Sie kennt, weiß, dass Sie sich fast immer zu viele Gedanken über "Neuland" macht.
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6. Tag - 02.02.1999
Aufstehen um 5.45 Uhr. Als um 6.15 Uhr noch kein Frühstück da ist, gehe ich hinunter. Tiefe Finsternis in der Rezeption. Jenseits des Tores erschallt ein Hallo! Govinda ist da. Er weckt den verschlafenen Hotelier und wir erhalten gerade noch einen heißen Tee und eine Toastscheibe muss reichen, denn wir müssen schnellstens zum Bus.
Govinda hat prächtige Plätze organisiert. Die 7-ständige Fahrt ist kurzweilig. Entlang des Weges nach Pokhara erlebt man Nepal: Terrassenfelder, einsame Bauernhöfe, kleine und größere Dörfer mit buntem Treiben, wilde Gebirgsflüsse, und am Horizont lassen sich immer öfter die glitzernden Eisriesen des Himalaya sehen. Während sich Dorns zum Mittag mit Cola und ein paar Plätzchen begnügt, bestellen wir uns das Nationalgericht "Dhaal Bhaat" (Reis mit Linsensuppe und etwas Gemüse). Govinda und unser Porter Karma langen kräftig mit den Fingern zu. Für die Weiterfahrt werden noch Mandarinen und äußerst schmackhafte Bananen gekauft.
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Gegen 14 Uhr erreichen wir Pokhara am malerischem Phewasee. Die Gipfel
des Annapurna liegen im Sonnenschein, nur von ein paar Wolkenschleiern umgeben und haben
uns schon vor einiger Zeit begrüßt. Unser Hotel liegt direkt am See. Dorlis ist
begeistert. Unter Palmen mit Blick über den See bis hin zum 8.148 m hohem Dhaulagiri
verbringen wir den Nachmittag mit Apfelkuchen und Cappuccino. Da Dorlis satt und müde ist, bringen wir Sie ins Hotel
zurück. Govinda, Karma und ich unternehmen noch einen kleinen Bummel, bevor wir uns zum
gemeinsamen Abendessen treffen.
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7. Tag - 03.02.1999 Wer hätte das gedacht? Wir sind in Pothana in der gleichnamigen Lodge. Dorlis hat die 400 Höhenmeter über Steinstufen hinauf bewältigt. Langsam, Schritt für Schritt. Govinda hat das richtige Händchen: slowly aber stetig. Nach einer kleinen Teepause erreichen wir bereits Mittags Dhampus. Alle Anstrengungen sind vergessen. Leider sind die Gipfel in Wolken verhüllt. Nur die Spitze des Machhapuchare zeigt sich und verdeutlicht die Gewalt der teilweise verborgenen Eisriesen. Dorlis entscheidet nun, noch bis nach Pothana weiter zu wandern. Die Trekking Familie ist unterwegs: Himalaya Mountains high - Dorlis asks why?
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Inzwischen haben wir Quartier bezogen. Die Petroleumlampe hängt an der Decke und unter dem Tisch spendet ein kleiner Kerosin-Kocher etwas Wärme. Es ist kalt geworden, so erwärmen wir uns zusätzlich mit Zitronentee. Wir verstehen uns blendend. Dorlis und Govinda lachen wieder einmal über irgend etwas um die Wette. Dorlis Pizza ist total misslungen: Nepali Pizza oder Pizza Suppe.
8. Tag - 04.02.1999
In der Nacht habe ich angeblich fürchterlich geschnarcht. Dafür entschädigt uns bei Sonnenaufgang ein tolles Panorama: Machhapuchare, Annapurna II und III reflektieren die ersten Sonnenstrahlen. Es ist bereits warm, so dass wir das Frühstück im Freien einnehmen können. Gegen 8.30 Uhr brechen wir auf. Bereits nach einigen Metern liegt der Annapurna South vor uns, der auf dem weiteren Weg unser ständiger Begleiter sein wird. Zunächst geht es durch Urwald mit vermoosten Rhododendron, auf denen Orchideen gedeihen, langsam aufwärts. In 2.150 m erreichen wir den Pass. Im Westen zeigt sich der 8.148 m hohe Dhaulagiri mit seinen steilen Eisrinnen. Dorlis läuft wie ein Uhrwerk und so oft habe ich Sie noch nie lachen gehört.
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Über Tolka erreichen wir am frühen Nachmittag Landrung, ein malerisches Bauerndorf oberhalb des Modi Kola. Unterwegs hat sich Govinda als Plakatkleber für HIMATREK betätigt - perfektes Marketing! Nun heißt es Absteigen. Steil führen die Stufen hinunter zum Fluss und Dorlis hat ein paar Problemchen, bis wir endlich die Hängebrücke überschreiten und im "Bienenhaus" einziehen. In gemütlicher, internationaler Runde verbringen wir den Abend mit "Black Tea° und Kukri Rum. Zu späterer Stunde gesellt sich noch die Hauskatze zu Dorlis.
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Am frühen Morgen weckt uns das Rauschen des Modi Kola. Dorlis hält es für strömenden Regen und ich glaube Ihr sogar bis ich zur Tür gehe und die verblassenden Sterne am morgendlichem Himmel entdecke. Dorlis gibt zu, dass Sie heute schlechter Laune sei. Ganz davon ab, die gestrigen Treppen hinunter nach Kaymi merke ich auch etwas in den Oberschenkeln. Sollen wir heute weiter nach Ghorepani aufsteigen? Einige 1.000 Stufen zuerst hinauf nach Ghandrung! Ich kenne den Weg und auch Dorlis. Bisher ist alles so gut und erfolgreich verlaufen. Also bleibt es bei meiner ursprünglichen Planung: Abstieg nach Biretanti.
Die Sonne hat uns ganz schön zu schaffen gemacht, als wir am Nachmittag endlich Biretanti erreichen. Vor der neu erbauten Brücke über den Modi Kola empfangen uns indische Schlangenbeschwörer mit ihren Kobras. Ich nehme reiß aus. Wage aber ein Foto aus der Ferne, denn Dorlis ist so mutig eine zu streicheln. Noch eine kurze Strecke hinauf zur Hauptstraße. Govinda trifft noch einen seinen vielen Onkels und dann fahren wir mit dem Taxi zurück nach Pokhara.
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10. Tag - 06.02.1999
Ausschlafen - Am Morgen erstrahl das gesamte Panorama von Dhaulagiri bis Lamjung im aufgehendem Sonnenschein. Bis zum Mittag haben wir Zeit, da dass Taxi, welches uns nach Beni bringen soll erst für 12.30 Uhr bestellt ist. So unternehmen wir einen Spaziergang entlang des Sees und der bunten Basare.
Mit
1-stündiger Verspätung fahren wird endlich ab. Auf gleichem Weg zurück
nach Biretanti und dann folgt ein scheinbar unendlicher Schottenweg mit
unzähligen Schlaglöchern nach Beni. Nun verstehe ich, dass Govinda von
einer 3-ständigen Fahrt gesprochen hat. Da der Fahrweg recht staubig ist,
bittet der Fahrer die Fenster zu schließen. Die verfügbare Kurbel wird
dem Handschuhfach entnommen und herumgereicht. Bevor wir auf diesem
holprigen Weg entlang des unteren Kali Gandaki mit zeitweise herrlicher
Aussicht auf die Eiswände des Dhaulagiri Beni erreichen, besucht Govinda
noch kurz seine Schwester.
Am späten Nachmittag wandern wir bereits gut eine Stunde entlang des Kali Gandaki nach Gateshwor. Wir sind alle hungrig, das Mittagessen ist ausgefallen, und wählen "Dhaal Bhaat". Als Vorspeise wird der westfälische Schinken angeschnitten.
11. Tag 07.02.1999
Nachdem ich 3 Kugelschreiber verbummelt habe, zwischendurch mir Govindas Schreiber ausgeliehen habe, kann ich nun die Fortsetzung mit original "Nepal pencils" fortsetzen. Um der Mittagshitze zu entgehen, brachen wir bereits kurz nach 7 Uhr auf. Kein Problem, denn um 5.30 Uhr weckte uns das Geläut der ersten vorbeiziehenden Mullkarawanen, die in den nächsten Tagen unsere ständigen Begleiter sind. Heute bestimmt Dorlis das Tempo. Sie hat kräftig Kondition getankt und marschiert voran. Erst nach 3 Stunden gönnt Sie uns eine Teepause. Noch ist es kühl und schattig, so dass wir den heißen Tee in der Küche einer kleinen Hütte, auf dem Boden sitzend, zu uns nehmen. Als die ersten Sonnenstrahlen den Talboden erreichen, erblicken wir durch die vor uns liegende Schlucht erstmals den 7.200 m hohen Nilgirl.
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Nun ist es nicht mehr weit bis "Klein Tatopani". In der Lodge Hot Spring" kehren wir ein. Unser Lager liegt direkt über der Böschung des Kali Gandaki. Während Dorlis die Lager vorbereitet und für entsprechende Unordnung sorgt, machen wir Männer uns auf, um in den direkt am Fluss liegenden heißen Quellen ein Bad zu nehmen. Hier habe ich mich bereits 1995 anlässlich meiner ersten Trekkingtour erfrischt. Aber das warme Wasser macht eher müde und durstig.
Beim Abendessen muss Govinda sich bremsen: Kein Bier, kein Speck. Er ist nun ein ganz frommer Hindu geworden, denn die Familie ist nah. Einige Verwandte sowie seine Schwiegermutter haben wir bereits getroffen, denn der neue Shiva-Tempel auf der gegenüberliegenden Flussseite wird mit 7-tägiger Feier eingeweiht. Nach Einbruch der Dunkelheit machen wir uns auf steinigem Pfad über eine schwankende Hängebrücke auf den Weg, um an den Feierlichkeiten teilzunehmen. Nur die Taschenlampen spenden dürftiges Licht. Über uns erstrahlt das Sternenmeer. Um den Tempel herum sitzen die Hindus auf dem Boden eng beieinander, unterhalten sich und lauschen der Melodie und dem für uns eintönigen Rhythmus der Trommeln der Tempelmusiker. |
12. Tag - 08.02.1999
Heute meldet sich erstmals Dorlis "Schweinehund" des öfteren, denn zunächst sind einige steile Treppen zu überwinden und dann zieht sich der Weg bis wir endlich Ghara erreichen. Govindas Haus liegt dazu auch noch oberhalb des Dorfes. Nach einer herzlichen Begrüßung und Übergabe eines kleinen Geschenkes (Stoff) an Govindas Frau Radhika wird es für uns zunächst etwas langweilig, denn Govinda und seine Frau bereiten das Essen und unsere Nachtlager vor. Für uns Gäste wird auch noch eine Toilette errichtet, bestehend aus Erdloch, 4 Holzstöcken und Bambusmatte.
Wenn man hier auf dem Lande das elektrische Licht (3/4 Glühbirnen) und den nahegelegenen Wasserschlauch von der örtlichen Wasserversorgung (Bad und Spülmaschine) außer Acht lässt, befindet man sich noch im 16. oder 17. Jahrhundert. Die sich selbst versorgende Landbevölkerung lebt hier streng nach hinduistischen Sitten. So leben hier in der 3-räumigen Hütte Großvater (Religionslehrer), Großmutter, Govindas Frau mit Ihren 3 Kindern (Shova, Shila, Sumitra) und einem Ihrer Brüder. Man lebt bescheiden und die "Alten" haben noch das Sagen. Selbst Govinda hält sich hier streng an diese Regeln. Gegenüber uns ist man sehr nett und freundlich, aber etwas zurückhaltend.
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Wir sind in Tatopani, in der gleichen Lodge wie vor 4 Jahren untergebracht. Für Dorlis war es ein anstrengender Tag. Über die schier endlosen Steintreppen mussten wir zunächst wieder hinunter. Während ich in der Polizeistation unsere Permits vorlegte hatte Dorlis Ihre Begegnung mit den Mulis auf schwankender Hängebrücke. Schnell kam Karma zur Hilfe geeilt. Kurz von Tatopani bescherte uns ein Erdrutsch, des vergangenen Herbstes, einen steilen Umweg. Zum Glück war es heute bewölkt und daher nicht so heiß wie in den zurückliegenden Tagen.
Zu Mittag sitzen wir wieder unter Zitrusbäumen und Bananenstauden. Hähnchen mit Gemüse und Pommes haben Dorlis' Kondition wieder steigen lassen. Trotzdem ruht Sie sich nach einer kalten Dusche erst einmal aus, während Karma und ich die "Heißen Quellen" aufsuchen. Ich bin müde und benötige nach dem Bad ein kleines Nickerchen. Dorlis hingegen ist bereits wieder aktiv: Wäsche waschen bzw. lüften usw. Tatopani ist eine kleine Oase: Palmen, Bäume voller Orangen und Mandarinen, einige kleine Basare entlang der Dorfstraße sowie nette und gepflegte Gartenrestaurants. Meine tibetische Freundin (1996) hat mich wiedererkannt. Wir werden Sie noch aufsuchen und ein paar Kleinigkeiten kaufen. Am späten Nachmittag ist auch Govinda eingetroffen und wir vertrödeln gemeinsam den Rest des Tages. |
14. Tag -10.02.1999
Eigentlich war für heute ein Ruhetag geplant. So schlafen wir zunächst aus. Trotz Dorlis Problem mit dem linken Knie, entscheiden wir beim Frühstück langsam wieder Richtung Beni aufzubrechen. Denn über den Berg", den von der Natur erzwungenen Umweg, müssen wir so oder so. Ein gewaltiger Erdrutsch hat kurz unterhalb Tatopanis den Kali Landaki im Oktober 1998 in einen kleinen Stausee verwandelt. Nach ein paar Stunden stand ein Teil Tatopanis unter Wasser.
Es dauert seine Zeit um über den "Berg" zu kommen. Bedingt
durch starkes Verkehrs- (Muli-) aufkommen, mussten wir immer wieder zum Wegesrand
ausweichen. Die Karawanen haben grundsätzlich Vorfahrt. Des öfteren kommen sich
Karawanen entgegen, behindern sich und ihre Treiber haben auf den engen, teilweise steilen
Pfad alle Hände voll zu tun ... und wir stecken mitten drin.
Plötzlich sind wir wieder am Wasserfall. Karma hat wieder die Küche übernommen und mahlt für die Wirtin getrockneten Chilli. Zuvor haben Govinda und ich noch einmal den neuen Shiva-Tempel aufgesucht. Zum ersten Mal in meinem Leben durfte ich einen hinduistischen Tempel betreten. |
Es dämmert bereits als wir in eine einfache Lodge einkehren. Das Klo liegt weit unten abseits und ist nur über einen steilen Pfad zu erreichen. Fließendes Wasser ist nicht auffindbar. Die Wirtin macht absolut keinen glücklichen Eindruck, als sie uns beherbergen soll. Dies ändert sich aber schnell als wir mit guter Speis aus einer hervorragenden, Küche und Trunk für einen ordentlichen Umsatz sorgen. Bevor wir ins Lager verschwinden, erfolgt die Notoperation "Knie" durch Chefarzt Govinda mit seinen Assistenten Karma und Klaus vor der Lodge bei Kerzenschein. Über eine Stunde dauert die Behandlung mit viel Spaß und Witzen. So gelacht haben wir schon lange nicht mehr.
15. Tag -11.02.1999
Der letzte Trekkingtag. Im Morgengrauen brechen wir auf, um der Mittagshitze zu entgehen. So stellen wir das Frühstück zurück und begnügen uns nach Zähne putzen mit dem Rest Wasser aus der Trinkflasche mit einem heißen Tee. Wie üblich ziehen sich Rückwege fast immer unendlich in die Länge.
Eine Busfahrt zurück nach Pokhara mit Hindernissen. Die Abfahrt von Beni wird durch einen mitten auf dem Schottenweg liegengebliebenen LKW verhindert. Der Fahrer ist spurlos verschwunden. In beide Richtungen stauen sich bereits mehrere Fahrzeuge. Nach etwa einer Stunde wird der gordische Knoten auf nepalesischer Art gelöst. Man rangiert hin und her. Unser Bus setzt zurück, wendet und die Schaukelfahrt nach Pokhara beginnt. Doch in der Nähe von Biretanti stecken wir wieder fest. Ein Kleinlaster hat seine Ladung mit Kies auf der Straße verloren und kommt weder vor noch zurück. Mit Muskelkraft wird der Wagen befreit und schon geht es weiter. Und noch etwas war außergewöhnlich: Auf der gesamten Fahrt war es nicht möglich Mandarinen oder Bananen einzukaufen.
Es ist bereits dunkel, als wir in Pokhara hinein schaukeln. Wir beziehen unser neues Quartier und verabschieden uns von Karma, der den Nachtbus zurück nach Kathmandu nimmt. Beim anschließenden Abendessen treffen wir auf den "Münchener" mit seinem Guide Ganga. Für nepalesische Verhältnisse wird es ein langer Abend (23 Uhr). Beide Guides übertreffen sich gegenseitig mit Ihren Erlebnissen und Erfahrungen. Lustig wird es bei der Diskussion über Landschaft und Berge. Ein Vergleich über das Trekken: Europa = Zickzack - Nepal = up and down.
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Den Abend verbringen wir bei nepalesischer Folklore und indischem Essen. Die ersten beiden Gerichte sind sehr schmackhaft, das 3. sehr, sehr scharf. Es liegt mir die ganze Nacht und den darauffolgenden Tag schwer im Magen und Darm. |
17. Tag -13.02.1999
Es geht zurück nach Kathmandu. Um 6.45 Uhr steigen wir bereits in den Bus. Wieder hat Govinda super Plätze organisiert. Direkt hinter dem Fahrer können wir die Beine lang machen und haben zusätzlich einen weiteren Ausblick durch die Windschutzscheibe. Bereits kurz nach Mittag sind wir wieder in unserem Hotel. So nutzen wir den Nachmittag zu einen ausgedehnten Bummel durch Kathmandu und treffen unerwartet Govinda vor dem Büro seines Partners. Eine kleine Pause mit Tee und diskutieren ob wir im nächsten Jahr mit dem Gummiboot fahren (Rafting) und zur Safari aufbrechen sollen.
18. Tag -14.02.1999
Zum Frühstück sind wir wie immer auf der Terrasse und es gibt immer noch keine Messer, Salz und Pfefferstreuer auch nicht. Salz nur in einer Serviette. Statt dessen klaut uns einer der zahlreichen Raben auf dem Dach die gute Butter.
Mit der Rikscha
fahren wir nach Patan, denn Dorlis möchte auch die 3. Königstadt kennen lernen. Über
den Dhurba Square bummeln wir durch die Gassen, vorbei an den unzählbaren Tempeln,
Pagoden und Stupas. Zum Abschluss genießen wir den Ausblick über den Königsplatz von
der Dachterrasse eines Restaurants.
Am Nachmittag holt uns Govinda mit 1/2 stündiger Verspätung ab. Er hat noch neue HIMATREK T-Shirts mit neuem Logo anfertigen lassen. Wir begeben uns nach Pashupatinath, dem bedeutendsten Heiligtum, um am hinduistischen Shiva-Festival teilzunehmen.
Heute sind Drogen wie Marihuana ausnahmsweise erlaubt. Bereits weit vor dem Zugang zum Tempelbereich stauen sich Autos und Busse. Unzählige Massen Pilger strömen in Richtung des Shiva-Tempels, darunter viele Inder und Saddhus, die hier meditieren. Die Menschenschlange, einer hinter dem anderen, ist einige km lang und bewegt sich äußerst diszipliniert cm für cm zum Heiligtum. Polizei überwacht die Ordnung. Govinda vollbringt es, dass wir als Touristen die Absperrungen durchschreiten und gelangen so zu den interessantesten Plätzen. Von überall ertönt der Klang religiöser Musik. Dazu mischen sich Flöte und Trommel indischer Schlangenbeschwörer.
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Mit Einbruch der Dunkelheit werden mit Gesang und in religiöser Zeremonie große Feuer entzündet. Dank Govinda werden wir eingeladen und dürfen an diesem Ritual teilnehmen. Auf dem Rückweg stecken wir plötzlich im dichten Gedränge fest. Alle Straßen und Wege sind durch Polizisten gesperrt: König, Königin und Präsident von Nepal werden erwartet. Es kann lange dauern und so führt uns Govinda durch Seitengassen hinaus zur nächsten Hauptstraße. Doch hier ist es auch nicht besser, eher noch enger. 1000de säumen die Straße und es gibt kaum ein Durchkommen. Im Gewühle und Geschiebe kommt etwas Panik auf und wir sind froh, als wir in eine Seitenstraße abbiegen können. Govinda hat plötzlich auch ein Taxi organisiert mit welchem wir zu einer "Bar" eines seiner vielen Onkels fahren.
Nepalesische Popmusik - etwas zu laut - mit Tanz erwartet uns. Das Bierglas wird nimmer leer und die Zigarette schneller entzündet als man zum Feuerzeug greifen kann. Dies alles dank der schnellen, freundlichen aber etwas übereifrigen Bedienung. Wieder haben etwas mehr von Nepal gelernt.
19. Tag -15.02.1999
Arbeitstag. Zu Hause bei Govinda besprechen wir das weitere Vorgehen unserer Zusammenarbeit. Preise, Rabatte und Reisezeiten für die verschiedenen Trekking-Routen und Regionen werden diskutiert und festgelegt. Anschließend ist Besichtigung div. Hotels der unterschiedlichsten Kategorien. Preise werden ausgehandelt. Es ist bereits Abend, als Dorlis und ich zu einen kleinen Bummel aufbrechen können.
20. Tag -16.02.1999
Vor unserem Hotel lauert uns ein Schuhputzer auf: 20 Rupien (0,60 DM) für die Politur Dorlis Schuhe, die tatsächlich einer dringenden Beseitigung von Dreck und Staub bedürfen. Also lassen wir ihn sein Werk vollbringen. Der Gute putzt, poliert und beginnt auch mit der Reparatur div. Stellen. Dabei stöhnt er wie arm er ist, muss Frau und Baby ernähren, gleichzeitig steigt sein Preis. Dorlis Schuhe glänzen, defekte Nähte geflickt und mit 50 Rupien (1,50 DM) zieht er etwas beleidigt endlich von dannen.
21. Tag -17.02.1999
Der Urlaub neigt sich dem Ende. Noch einmal brechen wir zu Stupa nach Bodnath auf. Dieses Mal mit Govinda. Am Nachmittag treffen wir uns im Büro von Dhruba und lernen einen weiteren Onkel kennen. So entstehen auch Handelsbeziehungen in Sachen Handtücher. Muster und Preise werden ich morgen erhalten.22. Tag -18.02.1999
Noch ein letztes Mal im Zickzack durch Kathmandu. Etwas einkaufen und beim Mittagessen verabschieden wir uns vom "Delima Garden". Der Koffer muss gepackt werden. Zum Abschied treffen wir uns mit Govinda, Dhurba und Karma. Beim indischem Essen sagen wir "Auf Wiedersehen".
23. Tag -19.02.1999
In Nepal ist bereits Mitternacht vorüber, als wir mit etwas Verspätung in Düsseldorf landen. Trotz einiger starker Turbulenzen haben wir den Rückflug gut überstanden. Am Flughafen in KTM haben wir uns von Govinda und seinen Freunden verabschieden müssen, die bereis auf die nächsten Gäste warteten.
Bereits nach 3 Tagen in Nepal plante Dorlis den nächsten Urlaub
hierhin.
So ist es auch geblieben - Sie hat nun auch Nepal kennen und lieben gelernt.
Wir kommen gemeinsam wieder!
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