NEPAL 1998

LANGTANG - GOSAINKUND - HELAMBU


 
Kyanjing Gompa, Langtang Laurebiniak, Gosainkund, Nepal Helambu, Nepal


Reisebericht 19.02. – 13.03.1998

VORWORT

Nach Aufenthalten in Nepal 1995, 1996 rief das Fernweh zum erneuten Trecken nach Nepal aufzubrechen. Dieses mal begaben wir (mein Freund Joachim, seine Frau Monika, Sohn Bernd - DAV Weiden, der Schornsteinfeger Reinhard und ich) uns nicht in die Obhut des DAV Summit Clubs, sondern organisierten unseren Aufenthalt selbst. Beruhigt waren wir nach etwa 10-ständigem Flug, als wir am Flughafen in Kathmandu von Govinda, unserem "Guide" mit einem herzlichen Namaste empfangen wurden.

1. Tag - 19.02.1998

Es ist bereits 21.15 Uhr. Das Abendessen (Lachs) liegt schon gut 1/2 Stunde zurück. Ich sitze in Reihe 35. Beide Plätze neben mir sind leer! Zwei Damen Richtung Goa saßen zunächst hier und fragten höflich, ob ich nicht - wenn genug Platz bliebe - auf die Seite meines Nachbarn wechseln könne. Auch dieser bevorzugte, wie ich, den Mittelgangplatz und neben ihm ist auch alles frei. Schließlich durften meine Nachbarrinnen in die letzte Reihe umziehen. So hatte ich 3 Plätze für mich allein.

Gerade überfliegen wir Turbulenzen: Anschnallen! Der Schuhe habe ich mich entledigt. In den Kopfhörern ertönt "Träumen und Fliegen", Musik nach meinem Geschmack und ich bin bei der 4. Horror Kurzgeschichte. Seit München sind bereits 3 h vergangen. Während der A 300 in DUS pünktlich startete, gab es in München mit der kleineren B 757 gut eine 1/2 Stunde Verspätung. Dort waren die Oberpfälzer bereits versammelt. Sie sitzen nun gut 10 Reihen vor mir im "No Smoking". Abu Dhabi werden wir in ca. 60 min erreichen. Nachdem ich Moni, Jochen, Bernd und Reinhard besuchte, gesellt sich zunächst Bernd (eine Zigarette rauchen) und anschließend Monika zu mir.

2. Tag - 20.02.1998

9 Uhr Ortszeit. Delhi liegt hinter uns und wir nähern uns Kathmandu. Die Nacht war kurz. Nach gut 1 Stunde Aufenthalt in Abu Dhabi ging es mit der gleichen Maschine weiter. Gegen 3 Uhr MEZ wurde das Frühstück gereicht: Rührei mit Speck. Rechts aus dem Bordfenster erhebt sich die gewaltige Kette des Himalajas.

Ein gebührender Empfang am Flughafen Kathmandu! Das Transparent "Klaus Töpfer + Friends° ist unübersehbar. Dann ein herzliches Namaste und schon sind wir mit Blumengirlanden um den Hals geziert. Schnell ist das Gepäck verstaut und die Fahrt geht in das Herz von Kathmandu nach Thamel. Ein weiteres Willkommen und die einfachen aber sauberen Zimmer werden uns im Hotel CAPITAL zugewiesen. Bei strahlend blauem Himmel sitze ich nun auf der Dachterrasse. Hier-- sind die Einzelzimmer für Raucher und Schnarcher? Familie Bretschneider und Reinhard sind eine Etage tiefer untergebracht. Nachdem ich mich umgezogen und erfrischt habe genieße ich nun den Blick über die umliegenden Dächer und Terrassen. Tibetische Gebetsfahnen flattern im lauwarmen Wind.

Nach einem Mittagsimbiss im Garten eines nahegelegenen Restaurants, begeben wir uns durch die Altstadt hindurch zur Stupa und den Tempeln von Swyambunath. Die steilen Stufen hinauf begleiten uns die Affen, die wir mit Erdnüssen verwöhnen. Hoch über Kathmandu sind wir vom Buddhismus eingefangen. Nach den doch recht langen Flug gönnen wir uns auf dem Weg zurück zum Hotel ein Taxi.

Gegen Abend trifft Govinda mit seinem Schwager und einem Träger ein, um mit uns die geplante Trekkingtour zu besprechen. Wir vereinbaren einen Reservetag für das Trekking einzuplanen und somit bereits am Montag aufzubrechen. Für Morgen verabreden wir einen Ausflug nach Bhagtapur.

Wir sind alle schrecklich müde und verschwinden nach dem Abendessen unverzüglich in die Kojen. Ich bin überhaupt nicht gut drauf. Mein linker Fuß schmerzt bis in die Waden und mein Kreuz macht sich wieder bemerkbar. Kommt es vom langen Sitzen im Flugzeug? Hoffentlich hilft die ABC-Salbe und schlüpfe in den Schlafsack. Eine Stunde später glaube ich in der Hölle zu sein. Es brennt, es ist heiß und ich komme gewaltig ins schwitzen. Wird alles gut werden? Bin ich in 2 Tagen wieder fit?

3. Tag - 21.02.1998

Erst um 8 Uhr haben wir uns zum Frühstück verabredet. Beim Aufstehen sind die Schmerzen weg, aber wo ist meine Zahnbürste geblieben? Wie immer, etwas wird vergessen! Kein Problem. Kathmandu ist internationaler geworden, insbes. das Touristencenter Thamel. So finde ich gleich um die Ecke einen Supermarkt. Auch die Vielzahl der Restaurants hat m.E. zugenommen. Oder war ich hier noch nicht?

Das Frühstück wird auf der Dachterrasse serviert: Tee, Toast, Eier, Marmelade. Mit Govinda brechen wir nach Bhaktapur auf. Zunächst quer durch die Stadt zur Busstation. Dieses mal ist es kein Touristenbus, sondern ein ganz normaler Linienbus: Eingang hinten, kleine und schmale Sitze entsprechend der Größe der Nepali. Eine interessante Fahrt bringt uns von Haltestelle zu Haltestelle ans Ziel.

Bhaktapur, während der zurückliegenden 2 Jahre hat sich hier viel getan. Gassen, Straßen und Plätze sind mit Ziegelsteinen neu gepflastert (deutsche Entwicklungshilfe). Der Eintritt in das saubere Freilichtmuseum muss mit 5 $ honoriert werden. Den ganzen Tag haben wir Zeit durch Bhaktapur zu bummeln und ausgiebig den Königsplatz, Tempel, Pagoden, Gassen und das Treiben in Augenschein zu nehmen. In der Holzschnitzerei kaufe ich das Dorlis versprochene Mobile, was eigentlich eine Marionette ist.

Am Nachmittag auf der Rückfahrt nach Kathmandu ist der Bus überfüllt. Wir finden keinen Sitzplatz und stehend ist das Dach etwas zu niedrig für Europäer. Mit eingezogenem Kopf ist es unbequem zu stehen und so hocke ich mich auf den Boden nieder. Auf dem Rückweg zum Hotel verbleiben Jochen und Bernd beim Musikfestival. Uns ist es zu kalt. Auf dem Weg zum Abendessen erkundige ich mich erstmals nach den Preisen für einen Teppich. Ein guter Nepal kostet ca. 450 DM, sehr teuer. Den weiteren Abend verbringen wir in der "Lucky Lips Bar" gegenüber unserem Hotel und warten schließlich auf dem Balkon auf die Rückkehr der beiden Musikfans.

4. Tag - 22.02.1998

In der Nähe vom Durbar Square sitze ich im Oasis Garden. Heute morgen haben wir uns getrennt, jeder geht seinen eigenen Sightseeing Weg. Ich begebe mich zu den Plätzen, die ich vor 2 Jahren besuchte. Auf dem Weg von Thamel trete ich in einige Teppichgeschäfte ein. Es könnte sein, dass ich etwas passendes für die Eckbank und das Wohnzimmer gefunden habe. Die Entscheidung zum Kaufen stelle ich aber auf die Zeit nach dem Trekking zurück.

Auch im Bereich des Königsplatzes erfolgen umfangreiche Restaurierungsmaßnahmen. Kathmandu wird geputzt, denn 1998 steht unter dem Slogan "VISITE NEPAL 98n. Es ist ein Genuss sich hier einfach durch den Tag treiben zu lassen, die Zeit genießen und die Eindrücke vom bunten, geschäftigen Treiben aufzunehmen. Trotz des dichten Verkehrs in den engen Gassen Kathmandus (Fußgänger, Fahrräder, Motorräder, Autos) ist man auf sicherem Wege. Rücksicht, Gelassenheit zeichnet die Einwohner aus. Vorsichtshalber wird immer gehupt.

Zurück zum Durbar Square treffe ich einen deutschsprachigen Reiseführer, der einige Monate in Düsseldorf und Essen lebte. Wir machen uns bekannt und Ranjan erklärt mir die verschiedenen Tempel und Gottheiten. Ich erfahre, daß Teppiche am preiswertesten in Patan zu bekommen sind. Nach einem Drink auf der Restaurantterrasse mit herrlichem Blick auf den Königsplatz besuchen wir noch seine Kusine in einem kleinen Antiquitätenladen. Der Elefantengott "Ghanesh", für Glück und Reichtum, gefällt mir großartig. Kostet aber 100 DM.Ich werde es mir überlegen. Voll mit neuen und aufgefrischten Informationen kehre ich gegen 15.30 Uhr ins Hotel zurück. Reinhard ist bereits anwesend und kurz darauf treffen auch Moni und Jochen ein.

Morgen werden wir aufbrechen. Vorsorglich inspiziert Govinda am Abend noch unsere Ausrüstung von Anorak bis zum Schlafsack, damit für die Tour alles o.K. ist. Wir erhalten nur gute Noten. Abschließend besprechen wir noch einmal ausführlich den Tourenverlauf der nächsten 14 Tage.

5. Tag - 23.02.1998 - 1. Tourtag

Die Langtang View ist erreicht und Quartier bezogen. Über 8 Stunden dauerte die Fahrt mit dem Linienbus für nur knapp 120 km bis nach Dhunche (1965 m). Die Straße? war zuerst ein besserer Forstweg. Von Kathmandu schaukelten wir es auf ca. 2.000 m hinauf und dann auf 500 m zum Trisuli Ganga hinunter. Zwischendurch versperrt ein umgestürzter Baum den Weg. Mit der Axt wird er geteilt und an die Seite geräumt. In beide Richtungen haben sich mittlerweile mehrere Fährzeuge gestaut. Nach einiger Rangiererei auf schmalen Wege geht die Fahrt weiter. In jedem Dorf steigen Fahrgäste aus und zu bzw. auf und ab vom Dach des Busses: Zeitweise ist er bis auf die letzte Ecke belegt. Im Schneckentempo kriecht der Bus die steinigen, steilen und holprigen Serpentinen hinauf. Hin und wieder schlummert man mal kurz ein, doch schon reißt uns das nächste Schlagloch hoch.

Bevor wir nach Dhunche hineinfahren, passieren wird die Grenze zum Langtang Nationalpark. Der Bus zwischen 2 Schlagbäumen. Alle aussteigen. Das Gepäck wird durchsucht, wie zu DDR-Zeiten. Die Einfuhr von Waffen, Videokameras etc. ist strengstens verboten. Im Vergleich zum Annapurna Gebiet ist diese Region abgeschiedener und einsamer. Selbst hier in Dhunche gibt es keine Ansichtskarten zu kaufen. So können/müssen wir uns das Schreiben ersparen. Statt dessen wird am Abend Skat gezockt.

6. Tag - 24.02.1998 - 2. Tourtag

In der Nacht hat es geregnet. Wie schon gestern ist vom Gipfelpanorama nichts zu sehen. Auf dem weiterführenden Fahrweg wandern wir nach Bharku. Von hier geht es durch Mischwald (Kiefern, Rhododendron) stetig hinauf. Leider bleibt die Sonne hinter dichten Wolken verborgen. Zum Mittag treffen wir in Barabal ein. Genau zum richtigen Zeitpunkt, denn es beginnt zu regnen. Hinein in die gute Küche der Lodge, denn auf ebenerdigem Tonofen wird das Lunch zubereitet. Reinhard ruft zum Aufbruch, denn der Regen hat aufgehört. Schon wenig später öffnen sich die Himmelsschleusen erneut. Ich Glücklicher besitze einen Regenschirm und brauche kein Regenkep aus dem Rucksack zu kramen. Leider sind meine Handschuhe im Seesack, was kalte Finger bedeutet.

Nach gut einer Stunde sind wir auf der Snowfall Lodge in Syabru (2.230 m). Wird sich der Regen noch in Schneefall wandeln? In der gemütlichen Stube wird es ein langer Abend. Zum Bier serviert Reinhard seine bayrische Brotzeit. Zudem ist Fasching. Ein paar Schunkellieder bringen uns in Stimmung. Das Resam Pri Di bleibt zwangsläufig auch nicht aus. Wir kommen in Form und Skat ist angesagt: Contar, Re und Bock bis die tibetischen Wirtsleute als auch unsere Träger endlich schlafen möchten.

7. Tag - 25.02.1998 - 3. Tourtag

Es regnet immer noch. Nebelschwaden hängen im Tal. Also bleiben Regenschirm und Kep weiterhin im Einsatz. Bevor wir aufbrechen, besichtigen wir kurz die oberhalb unserer Lodge liegende Ghompa. Durch Wald und Bambusgebüsch steigen wir bis auf ca. 1.500 m zum Langtang Kola ab. Wie in Tatopani entspringt auch hier eine kleine heiße Quelle, die wir erst auf dem Rückweg ansteuern werden. Steile Wände erheben sich einige 100 m hoch entlang des gegenüberliegenden Ufers. Der Pfad führt wie durch eine Klamm. Einmal entdecken wir wilde Bienen und ein paar Affen in den Baumwipfeln. Erst als wir den Langtang Kola überschreiten, hat der Dauerregen etwas nachgelassen und erste blaue Streifen zeigen sich am Himmel. Steil führt der Weg nun hinauf und die ersten Sonnenstrahlen scheinen zu uns hinunter. Nach gut 900 m Aufstieg erreichen wir das "Lama Hotel°, eine Ansiedlung mehrerer Lodges. Der 6.571 m hohen Ghangt Liru begrüßt uns im abendlichem Sonnenschein.

Eigentlich wollten wir heute duschen, doch es steht nur warmes Wasser in Eimern zur Verfügung. Immer noch besser als eiskaltes Brunnenwasser. Reinhards Schinkenspeck wird mit Salami ergänzt. Ich bevorzuge ein "deutsches" Essen: Bratkartoffeln mit Spiegelei - auch das ist möglich!

8. Tag - 26.02.1998 - 4. Tourtag

Die Nacht war kalt und das Bett sehr schmal. Gut, dass man sich mit langer Unterhose, Schlafsackeinlage tief einkuscheln kann. In der Nacht kam ich mir zeitweise wie auf einem Regal liegend vor.

Morgens strahlend blauer Himmel. Doch die ersten Sonnenstrahlen werden uns in diesem tiefen Tal des Langtang Kola noch lange nicht erreichen. Immer wieder ziehe ich Vergleiche zum Annapuma. Dörfer mit ihren lebhaften Handelszentren, Yak- und Mulikarawanen sucht man vergebens. Nur hier und da ein einzelne Bauernhütte mit ein paar Yaks.

Durch Mischwald führt unser Weg auf und ab, aber doch stetig ansteigend durch schattigen Mischwald. Als nach gut einer Stunde uns die ersten Sonnenstrahlen erreichen, erblicken wir vor uns den 7.246 m hohen Langtang Lirung. Im Sonnenschein wird es recht warm, doch die Luft ist noch relativ kalt. Man gerät weder ins Schwitzen noch kann man auf den Pullover verzichten.

Zur Mittagszeit haben wir die 3.000 m Grenze in Ghore Tabela überschritten. Weiter geht es hinauf. Anstelle Wald tritt Weidelandschaft. Hier ist der Frühling noch nicht erwacht. Schneereste liegen auf braunem Untergrund. Steil geht es hinauf und Govinda dosiert das Tempo: Langsam in Langtang'. Mehrere Verschnaufpausen werden nötig. Endlich liegt Langtang (3.307 m) vor uns und im Talhintergrund erhebt sich der 6.387 m hohe Gangchenpo. Eine Stunde später haben wir uns im "Tibetan Hotel" gemütlich gemacht. Ein anstrengender Tag mit 1.000 Höhenmetern liegt hinter uns. Die Sonne geht unter und es wird sehr kalt. Ein heißer Lemon-Tea wärmt auf. Bänke und Tische sind um den Kaminofen gereiht. Licht spendet die Petroleumlampe, während wir auf das Abendessen warten. Bernd spielt wieder Karten mit Govinda und unseren Trägem.

9. Tag - 27.02.1998 - 5. Tourtag

Bei sternklarem Wetter war die Nacht arschkalt, zumal es durch alle Ritzen zog. Am Morgen erwartete uns ein strahlend blauer Himmel mit entsprechenden Minustemperaturen. Das Wasser im Klo ist gefroren. Zum Waschen, wenigstens Zähne putzen, wird eine Schüssel warmes Wasser gereicht. Heute steht uns eigentlich nur eine kurze 3-ständige Etappe bis ins 3.849 m hoch gelegene Kyangjing Ghompa bevor. Dick eingepackt, mit langer Unterhose, Schal, Handschuhen etc. brechen wir um 9 Uhr auf. Durch den in den vergangenen Tagen gefallenen Schnee stapfen wir aufwärts. Es geht gehörig an die Kondition. Wieder einmal müssen wir Govindas Führungsqualitäten bestätigen, wie er uns Schrift für Schritt hinauf führt. Im Sonnenschein wird es langsam wärmer und die dicken Sachen verschwinden im Rucksack. Vor uns liegen die vereisten 6000er Gipfel von Langshisa Ri und Urkinmang, die mich an den Dhaulagiri erinnern. Nach gut einer Stunde ist eine kurze Rast fällig. Nun zeigt sich auch der 8.046 m hohe Shisha Pangma. Das Stapfen im Schnee kostet Zeit und Kraft, so daß wir erst nach 5 Stunden unser Tagesziel erreichen. Alles liegt hier im tiefen glitzerndem Schnee. Auf den letzten Metern war meine Kondition zu Ende. Während Moni und Jochen noch eine Wanderung zum Kyang Ri Gletscher unternehmen, ziehen Reinhard und ich es vor, ein Nachmittagsschläfchen zu halten.

Sollen wir morgen zum 5.033 m hohen Tserko Ri starten? Reinhard und ich halten es für zu viel des Guten. Eine Wanderung auf den hinter uns liegenden Aussichtspunkt (4.773 m) würde auch genügen. Govinda überzeugt uns, dass wir den Gipfel trotz der Schneeverhältnisse schaffen. Beschluss: 6 Uhr Aufbruch - das gesamte Gepäck übernehmen unsere Porter.

10. Tag - 28.02.1998 - 6. Tourtag

Die Sonne ist noch nicht aufgegangen, als wir bereits durch tiefen Schnee stapfen. Govinda und Träger legen die Spur, der wir gemäß Anweisung langsam "Schritt für Schritt" folgen. Der Übergang über ein verschneites Bachbett muss erst gefunden werden, bevor die 4.000 m Grenze erreichen.

Steil führt die gelegte Spur hinauf und trotzdem versinken wir des öfteren im tiefen Schnee. Auch die Sonne hat kein Erbarmen mit uns. Im Talhintergrund schaut uns der Shisha Pangma (8.046 m) und von der anderen Seite der Langtang Lirung (7.245 m) zu. Die Luft wird dünn. Immer langsam, aber auch langsam kostet Kraft. Muskeln und Lunge machen auf sich aufmerksam: 10 Schritte -Pause - Luft holen. Auch kurze Erholungspausen helfen nicht mehr. Sei ehrlich mir Dir, nach 4 Stunden gebe ich auf. Gemeinsam mit einem Träger beginne ich den Abstieg, der mir genau so schwierig wie der Aufstieg vorkommt. Leichte Kopfschmerzen machen sich bemerkbar. Nach gut 2 Stunden sind wir wieder in der Lodge.

Zunächst einmal im Sonnenschein entspannen. Bevor ich mich für eine Stunde auf die Matratze zurückziehe unterhalte ich mich ein wenig mit dem tibetanischen Wirt. Gerade habe ich mich wieder nach draußen begeben, taucht Reinhard auf. Auch Moni, Jochen und Bernd ließen nicht lange auf sich warten. Bei den gegebenen Umständen (Schnee) war es doch für alle ein bisschen zu viel.

11. Tag - 01.03.1998 - 7. Tourtag

Nach Sonnenaufgang ist es heute trotz 3.850 m Höhe sehr warm, so dass wir vor der Lodge im Freien frühstücken können. In der Käserei versorgen wir uns mit Yak-Käse. Hinunter geht es nach Ghore Tabela, zu erst wieder durch teilweise tiefen Schnee, den ich so mag. Als wir Langtang erreichen, ist der Schnee verschwunden. Langtang, das einzige richtige Dorf, welches besiedelt ist und von der Viehzucht lebt. Bereits gegen Mittag haben wir Ghore Tabela erreicht und beschließen weiter abzusteigen. Jochens Vorschlag in Gumnachov im Wiesengrund am Langtang Kola zu übernachten, schlägt leider fehl, da die Lodge belegt ist. So wandern wir eine weitere Stunde hinunter zum "Lama Hotel°. 1.400 m Abstieg liegen hinter uns und fließendes Wasser!

12. Tag - 02.03.1998 – 8. Tourtag

Trotz 1.000 m Abstieg und 600 m Aufstieg bis zurück nach Syabru in die °Snow Fall Lodge" wird es ein gemütlicher Wandertag. Jetzt scheint die Sonne und wir können die Umwelt genießen. Da wir gestern 2 Stunden länger abgestiegen sind, bleibt genügend Zeit die Affen entlang des Weges zu beobachten und ein erfrischendes Bad in den heißen Quellen zu nehmen. Erstmals ist es möglich im T-Shirt und kurzer Hose zu laufen.

Auf dem Weg nach Syabru zeigen sich nun auch die bislang verborgenen Gipfel des Tibetan Ranges und des Ghanesh Himal. Heute wird der westfälische Schinken angeschnitten und die Hussel-Tüte mit Süßigkeiten kommt auf den Tisch.

13. Tag - 03. 03. 1998 – 9. Tourtag

Ein harter Tag mit 1.800 m Aufstieg bis nach Lauribinayak (3.900 m) steht uns bevor. Bereits nach Sonnenaufgang sind die Gipfel des Tibetan Range klar zu erkennen. Govinda hilft bei der Zubereitung des tibetischen Brotes zum Frühstück. Dann geht es steil bergan und quer durch Terrassenfelder, wo wir unterhalb einige Affenhorden entdecken. Je höher wir aufsteigen ,desto matschiger wird der Pfad und zur Schinderei. Ab etwa 3.000 m quälen wir uns durch Rhodedendron-Wälder, die im tiefen Schnee versunken sind.

Am Nachmittag werden wir am Chelang Pass für die Mühen entlohnt. Ein phantastisches Panorama eröffnet sich rund um uns. Die eisbedeckten Gipfel von Langtang Lirung, Tibetan Range bis hin zum 8.156 m hohem Manasalu glitzern im Sonnenschein. Auch das Annapurna ist am weitem Horizont noch zu erkennen.

Bevor wir die letzten 300 Höhenmeter in Angriff nehmen, werden Durst und Hunger mit Tee und Nudelsuppe gestillt. Der weitere leichte 2-stündigen Aufstieg vergeht bei solch einem Panorama wie im Fluge.

Nun sind wir auf der ABC-Lodge in 3.900 m Höhe und warten auf das Abendessen. Ein farbenprächtigen Sonnenuntergang liegt hinter uns. Die Lodge ist zwar etwas sehr primitiv und wir hätten lieber 100 m unterhalb übernachtet (bei einer tibetische Familie, die mit Kind und Kegel mit uns aufgestiegen ist), doch unsere Träger waren zu schnell oben und hatten alles arrangiert. Was soll es, nehmen wir mit dem "Taubenschlag" vorlieb. Noch brennt die gerade mühselig reparierte Petroleumlampe. Mit Sicherheit wird es heute Nacht wieder sehr kalt, d.h. dick anziehen.

PS: Liebe Tanja, ich habe sowohl heute morgen als auch unterwegs an Dich gedacht. Herzlichen Glückwunsch zum 19. Geburtstag – leider kann ich nicht anrufen. Dein Papa

14. Tag - 04.03.1998 - 10. Tourtag

Wir haben Gosainkund (4.365 m) an den heiligen Seen erreicht. Gute 3 Stunden kämpften wir uns die letzten 400 m hinauf. Es ist ein gewaltiger Unterschied in Höhenlagen bis 3.500 m oder darüber hinaus zu wandern. Ab 3.000 m wird man erst langsam und ab 4.000 m noch langsamer. Auf dem Weg hierher begleitete uns ein traumhaftes glitzerndes Winterparadies und ein umfassendes Gebirgspanorama. In diesem Jahr liegt hier oben überdurchschnittlich viel Schnee. Bei unserer Ankunft wird die Lodge gerade vom Schnee befreit. Es ist Saisoneröffnung.

Nach dem Mittagessen legen wir uns alle in die Koje, denn morgen steht uns wieder ein langer Tag bevor. Wir müssen den 4.610 m hohen Lauhbinayak-Pass überschreiten und der Weg bis nach Ghopte zieht sich. Bernd hat sich mittags verabschiedet, denn er möchte auch noch das Annapurna kennen lernen.

Bis zum Abend ist die Lodge ausgebucht. Wir müssen enger zusammenrücken. Reinhard und ich ziehen in ein Schlafabteil. Zur Abwechslung bereitet Reinhard zum Abendessen die mitgebrachte Erbsensuppe vor. Um den Ofen wird es sehr eng. In dieser Höhe schlafe ich schlechter als gewohnt.

15. Tag - 05.03.1998 -11. Tourtag

Die Speisekarte ist zwar lang, besteht aber nur aus 4 Grundnahrungsmitteln: Getreide, Reis, Gemüse und Eiern in allen Variationen. Kaum vorstellbar, was damit alles schmackhaft und vielseitig zubereitet werden kann. So kam Jochen auf die Idee zum Frühstück Nudelsuppe einzunehmen, um die Kondition zu stärken. Vielleicht für Bayern eine gute Idee; doch für mich nie wieder!

Der Laurebiniak-Pass liegt hinter uns. Pünktlich um 7 Uhr brechen wir auf. Am Morgen verhindert Hochnebel die Fernsicht. Entlang der oberen zugefrorenen Gosainkundseen geht es langsam durch Schneefelder (wie bei einer Gletschertour) aufwärts zum Pass. Nach gut 2 Stunden haben wir die 300 Höhenmeter geschafft. Sonne und Nebel wechseln ständig, das bislang gute Wetter verlässt uns. Nach einer kurzen Pause können wir teilweise durch Schneefelder abfahren. Unterhalb 4.000 m geht es überwiegend nur noch durch Geröll steil bergab. Als wir die nächste Lodge in 3.600 m Höhe erreichen, beginnt es zu graupeln. Sollen wir hier verbleiben? Es ist nicht sicher, dass die Lodge in Ghopte bereits geöffnet ist. Nach dem Mittagsmenü mit Schinken und Ei - Jochen hat sich den Magen verdorben - beschließen wir, weiter zu gehen, denn die Lodge schien hier oben äußerst klein und eng zu sein. So haben wir das. Risiko auf uns genommen und es folgte der m.E. beschwerlichste Teil unserer Tour. Bis nach Ghopte waren es gemäß Karte nur noch ein paar Meter, aber es ging stundenlang nur auf und ab. Teilweise durch Schneeflanken wie auf einer Gletschertour in den Alpen, nur befanden wir uns bereits wieder im Wald. Der Graupel ist in dicken Schneefall wie Megaperls übergegangen. Die letzten Reserven sind zu mobilisieren. Mein linker Fuß beginnt zu schmerzen. Wir sind froh als wir von entgegenkommenden Wanderern erfahren, dass die Lodge in Ghopte geöffnet ist.

Die Lodge gleicht einem Stall. Trotzdem sind wir glücklich, ein Dach über dem Kopf zu haben und schon treibt der nächste Wind den Schnee auf unsere gerade eingerichteten Lager. Schnell wird das Dach mit ein paar bereitliegenden Folien und Steinen abgedichtet. Wir hocken nun in der verräucherten 1-Zimmer Lodge: Küche, Schafzimmer, Aufenthalts- und Vorratsraum. Neben mir brennt ein Petroleum-Lämpchen (Fachmann mit Docht) und spendet ein dürftiges Licht. Im Ofen knistert das Holz und qualmt uns weiter ein. Nach diesem anstrengendem Tag sind wir froh eine warme Unterkunft zu haben. Im Vergleich zum Annapurna ist diese Region kaum erschlossen. Meint man nach der Karte ein kleines Dörfchen anzufinden, so besteht es meist nur aus 2 Lodges und ein paar Ställen. Ebenso wandert man hier überwiegend auf Bergpfaden und nicht auf gut ausgebauten Handelswegen.


16. Tag - 06.03.1998 -12. Tourtag

Es schneit. In der von Ruß geschwärzten Hütte nehmen wir das Frühstück ein. Anschließend geht es hinüber zum Thorepati Pass (3.510 m). Normalerweise eine Etappe von 2 Stunden. Doch wie gestern geht es weiter durch tief verschneite Wälder auf und nieder. Zwischendurch erhaschen wir einen Sonnenstrahl. Wird das Wetter besser'? Wie in den Bergen üblich erreicht man den tiefsten Punkt und dann geht's wieder einige hundert Meter hinauf. Ein wahrer Schneesturm bricht Ios, als wir die letzten Meter zum Pass erklimmen müssen. Im tiefem Schnee brechen wir einige Male bis zu den Oberschenkeln ein. 3 Stunden gehen vorüber, bevor wir die Lodge am Pass erreichen. Ein heißer Tee wärmt uns auf. Draußen tobt der Wind mit den Schneeflocken.

Wir müssen weiter. Es gibt keine Möglichkeit zu einem kurzen Abstieg ins Tal. Regenkep, Mütze und Handschuhe schützen zusätzlich vor dem eisigen Wind. Auf dem Weg nach Kutumsang (2.468 m) geht es nur noch bergab. Je mehr wir an Höhe verlieren, desto mehr lassen wir Schnee und Sturm hinter uns. In Mangegoth verlassen wir den Nationalpark (Grenzkontrolle). Das Unwetter tobt sich in dunklen Wolken hinter uns auf höherer Ebene aus. 800 weitere Höhenmeter führt der nun bequemere Weg hinab, bevor wir in Kutumsang erstmals wieder nach 3 Tagen unterhalb von 3.500 m übernachten können. Der Schnee liegt hinter uns. Bauemlandschaft mit Terrassenfeldem und blühende Pflanzen (Rhododendron, Jasmin und Orchideen) säumen den Weg.

In der tibetischen Lodge wird das Abendessen traditionell auf dem Boden gereicht. Nicht so einfach, wohin mit den langen Beinen? Todmüde fallen wir auf die Matratzen. In der Nacht gewittert es gewaltig. Wen stört es, hauptsächlich warm und weich liegen.

17. Tag - 07.03:1998 - 13. Tourtag

Sonnenschein. Nach ausgiebigem Frühstück (tibetanisches Brot mit Spiegelei) folgen wir dem Kamm entlang. Vorbei zieht der Weg von Dorf zu Dort an mit Reis, Kartoffeln, Getreide und mit anderen Früchten bestellten Feldern. Nach Norden hin sind die Gipfel des Himalaja noch immer in Wolken gehüllt. Es ist frühlingshaft warm geworden. Zum Lunch löst die mit Ingwer gewürzte Knoblauchsuppe auch noch innere Hitzewellen aus.

Mittlerweile sind wir auf 1.750 m abgestiegen. Es droht ein Gewitter. Innerhalb von 45 Minuten schaffen wir es bis nach Chisapani (2.194 m) aufzusteigen. Hier verbringen wir die letzte Nacht unserer Tour. Bei Sonnenuntergang zeigen sich alle hinter uns gelassenen Gipfel in ihrer vollen Schönheit.

18. Tag - 08.03.1998 - 14. Tourtag

Heute heißt es Abschied von den Gipfeln des Langtang zu nehmen. So empfängt uns bei Sonnenaufgang ein strahlend blauer Himmel mit einer klaren Fernsicht. Das Dach der Welt vom Annapuma bis hinüber zum Everest. Insgesamt sind 5 8.OOOer sind am Horizont auszumachen.

Noch einmal sind 250 m aufzusteigen, bis es auf 1.768 m in Mulkharka hinunter geht. Eine gemütliche Wanderung durch Wald und Wesen. Kathmandu ist bereits unter einer Dunstglocke erkennbar. Leider ist der weitere Abstieg nach Sundarijal nicht erfreulich. Betontreppen führen steil hinab und belasten noch einmal gewaltig unsere Gelenke. Die letzte Etappe nach Kathmandu übernimmt der Bus.

Die dreckigen Trekking-Sachen sind tief im Seesack verschwunden. Eine 'h Stunde unter der warmen Dusche und man fühlt sich wie neu geboren. Oben auf der Terrasse bringe ich die Zeilen des heutigen Tages zu Papier. Vor gut einer Stunde habe ich Dorlis angerufen, hat 850 Rupien, ca. 27 DM gekostet. Heute Abend haben wir Govinda mit den Trägem zum Abendessen eingeladen. In einem gemütlichen indischem Restaurant feiern wir Abschied von dieser vielseitigen und erlebnisreichen Tour. Zuvor wurden natürlich noch die ausrangierten Kleidungsstücke insbes. zur Freude unserer Träger verteilt.

19. Tag - 09.03.1998

Gemütliches Shopping in Kathmandu. Wir lassen uns durch Gassen und über die Plätze treiben. Den Nachmittag verbringen Reinhard und ich im Biergarten, während Moni und Jochen noch weitere Textilgeschäfte durchstöbern. Abends machen wir ein weiteres Restaurant ausfindig und genießen Pfeffer-, Knoblauchsteak mit Pommes und Gemüse zum Preise von nur 4,50 DM.

20. Tag - 10.03.1998

Für nur 3 DM fahren wir nach Patan, der 3. Königstadt. Hier ist es bedeutend ruhiger als in Kathmandu. Am Nachmittag mache ich mich allein auf den Weg, um im tibetischem Stadtteil nach den gesuchten Teppichen Ausschau zu halten. Ich finde das Entsprechende und hoffe die richtige Auswahl getroffen zu haben.

21. Tag - 12.03.1998

Heute ist es kühl. Die Sonne bleibt hinter den Wolken verschwunden. Anlässlich des hinduistischen Holi-Festes zu Ehren des Frühlingsgottes Krishna erfolgte eine Einladung durch Govinda. Wasser- und Farbbeutel werden von allen Dächern und Ecken, vorwiegend auf Touristen geworfen. Wie beim Fasching holt uns Govinda in roter Kriegsbemalung vom Hotel ab. Wir sind vorgewarnt und haben die Seesäcke nach entsprechender Kleidung durchstöbert. In seinem Haus stärken wir uns zunächst mit dem Nationalgericht Dhaal Bhaat (Reis und Linsen). Wir feiern kräftig mit und sind schließlich nur noch als Indianer in Kriegsbemalung zu identifizieren. Den Rückweg treten wir selbstverständlich mit dem Linienbus an. Mit buntem Gesicht und entsprechend aussehender Bekleidung genießen wir den weiteren Spaß mit guter Laune. Wem trifft die nächste Wasser- oder Farbbombe?

22. Tag - 13.03.1998

Heute heißt es leider Abschied nehmen. Eindrücke und Erlebnisse bleiben unvergesslich. Dies war mit Sicherheit nicht der letzte Besuch des Königreiches NEPAL am Dach der Welt.

VISIT NEPAL 98
VISIT NEPAL AGAIN