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Neue Wege, neue Welten
 Eine kulturelle Rundreise durch

  Thailand

Nepal
Bhutan

 

Thailand - Bangkok Elefanten Frauen in Nepal
Bauernhaus in Nepal Neugierige Mönche Bhutan Tigernest

 Reisebericht 08.01. - 31.01.2005

© Klaus Töpfer, Gelsenkirchen Mai 2006
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Bangkok bei Nacht1. Tag - 08.01.2005 Thailand

Der erste Tag neigt sich dem Ende zu. Zwischen Weihnachtsbeleuchtung, Buddha- und Ghanesh-Tempel sowie Open Air Konzert sitze ich beim Bier und thailändischem Würstchensortiment auf dem Central World Plaza inmitten Bangkoks. Es ist bereits 19 Uhr und die Temperatur dürfte noch deutlich über 25 °C liegen. Zumindest hat die Schwüle etwas nachgelassen und eine leichte Brise ist aufgekommen.

Ich lasse die letzten Tage und Stunden Review passieren. Nach der schrecklichen Flutwelle (Tsunami), ausgelöst durch das bisher stärkste Seebeben im Indischen Ozean mit Tausenden Opfern, ergab sich zwangsläufig die Frage: Reisen oder nicht reisen? Hinzu kam dann noch, dass meine liebe Frau Dorlis plötzlich krank wurde. So bin ich heute erst einmal ganz allein und komme zu dem Ergebnis, dass meine Entscheidung zu reisen, richtig war. Das Leben geht weiter und auch hier in Bangkok nimmt alles seinen gewohnten Lauf. Bangkok, eine Zehnmillionen-Metropole, durch die der Nemam Chao Phraya (Fluss) strömt, lässt sich nach meinen ersten Eindrücken als eine Mischung aus Hongkong, Shanghai mit einer Portion Kathmandu beschreiben. Gegensätze von Moderne und Altem, Hochhäusern und Hinterhofsiedlungen, Shopping-Center und den in Asien typische Straßenhandel mit seinen kleinen Geschäftslokalen und Imbissständen treffen geballt aufeinander. Dazwischen verlaufen die teilweise mehrstöckigen, aber immer verstopften Verkehrsadern.

Kurz zurück zum gestrigen Flug, der wie gewohnt verlief. Überraschend war lediglich, das der Jumbo der Thai Airways bis zum letzten Platz ausgebucht war und via Bangkok bis Phuket weiter folg. Hier in Bangkok erschlug mich gleich die nicht in diesem Maße erwartete Hitze und Schwüle.  Nach dem heutigen ersten Erkundungsrundgang im Bereich des Hotels, einer Fahrt mit dem Tuktuk hier zum Central World Plaza, bin ich froh, alsbald wieder im klimatisierten Hotel zurück zu sein, um den versäumten Schlaf nachzuholen.

Twin Tower Hotel
2. Tag - 09.01.2005

Nach 9 Stunden Bettruhe und einem ausgiebigen Frühstück fühle ich mich prächtig. Ich stelle fest, dass mir zu der bevorstehenden 6-tägigen Rundreise durch Nordthailand noch eine kleine Reisetasche fehlt, denn bei diesem warmen Wetter werden ein paar T-Shirts, leichte Hose, Unterwäsche und Waschzeug ausreichen. Der Koffer mit den Wintersachen für Bhutan und den Geschenken für meine nepalische Familie bleibt hier.

Pünktlich um 8 Uhr spricht mich Boon, mein Guide,  an und wir starten zur umfassenden Sightseeingtour durch Bangkok. Es ist Sonntag und die  Tempelanlagen sind sehr stark besucht, denn viele Leute gedenken und beten für ihre vom Tsunami betroffenen Angehörigen und Bekannten. So auch im Tempel Wat Traimit, der den 3 m hohen aus purem Gold vor 700 Jahren gefertigten Buddha im  Sukhothai-Stiel beherbergt. Hier beschließen wir den Verlauf des Tages nicht unbedingt gemäß Programm abzuspulen, sondern es  gemütlicher anzugehen. Lieber an interessanten Plätzen länger  verweilen und intensiver erleben als von Tempel zu Tempel zu hetzten.

In einem großen,  lang und schmalen Boot beginnt unsere Fahrt über den Menan Chao Phraya zu den Klongs, den alten Wasserstraßen Bangkoks. Bangkok war das Venedig Asiens. Jedoch wurden die meisten Wasserstraßen zugeschüttet und in Autostraßen umgewandelt. Die von einem lärmenden Motor angetriebenen Boote gleichen von der Form her übergroßen Gondeln, wie wir sie von Venedig her kennen. Der Bootsführer steuert uns geschickt per Hand mittels der an einer langen Achse rotierenden Schraube durch das brackige, braune Wasser. Mit wechselndem Tempo reiten wir sozusagen  auf und ab in die kleinen Kanäle hinein, die von Holzpfahlbauten gesäumt werden. Hier vollzieht sich noch das ursprüngliche Leben der thailändischen Bevölkerung. Die Terrasse eines jeden Hauses ist gleichzeitig Bootanlegesteg, Angelplatz, Küche mit Bad und somit auch zum Spülen des Geschirrs und zum Wäschewaschen geeignet.  Nach dieser beeindruckenden aber schaukelnden Wasserfahrt, bin ich froh, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben. Boon muss mir beim Aussteigen aus dem schwankendem Boot kräftig unter die Arme greifen.

Unmittelbar hinter der Anlegestelle befinden wir uns inmitten des farbenprächtigen Obst-, Gemüse und Blumenmarktes. Dort naschen wir uns erst einmal durch eine Vielzahl exotischer Früchte, von der Annanas bis hin zur stacheligen, stinkenden, aber sehr gut schmeckenden Frucht namens Durian, deren Verzehr in geschlossenen Räumen, wie in Hotels, strikt verboten ist.  Schließlich sitzen wir in einer Garküche innerhalb der weitläufigen Markthallen. Boom fragt ob er etwas für sich bestellen darf. Natürlich stimme ich unter der Bedingung zu, zumindest einmal probieren zu dürfen. So brennt bald darauf ein frisch mit Chilli zubereiteter Papaya-Salat in meinem Hals, der nur mit Klebereis und Wasser zu löschen ist. Aber es schmeckt phantastisch. Auf dem Weg zur größten Tempelanlage Wat Phra Kaeo schlendern wir durch die betörend duftenden Blumenhallen mit Jasmin und Orchideen in allen nur erdenklichen Farben.  Plötzlich, da fehlt doch etwas! Wo ist meine Lesebrille? Habe ich sie im Boot verloren, vergessen oder …? Unsere Suche bleibt erfolglos. Nun nur nicht nervös werden. Irgendeine Ersatzlösung wird sich schon bis morgen finden, wenn die Rundreise startet. So zieht  mich erst einmal die gewaltige Anlage des Wat Phra Kaeo, wozu keine Lesebrille notwendig ist, in ihren Bann.

In diesen herrlichen, farbenprächtigen Hallen und Klöstern, die von mächtigen dämonischen Figuren bewacht werden, lebten niemals Mönche, da diese einzig und allein dem König für buddhistischen Zeremonien vorbehalten war. Reich verzierte goldene und bronzene Götter, Mosaiken, Perlmut, Marmor und andere architektonischen Dekore halten die Augen gefangen.  Die ganze Pracht wird ergänzt durch zähnefletschende grimmig dreinschauende Dämonen und mythologischen Schlangen und Garuda-Vögeln. Auch Hanuman, hier als Affengeneral, ist anwesend und auf keinen Fall fehlen die marmorweißen Elefantenstatuen. Gewaltig erheben sich über alle dem die vor Gold strotzenden Tempeltürme.  Im mehrstufigem Schrein thront in 11 m Höhe der Emerald Buddha (Smaragd-Buddha), das Nationalheiligtum der Thailänder. Im Strom der aus allen Provinzen an den Wochenenden anreisenden Einheimischen lassen wir uns treiben und genießen diese vom Duft der Räucherstäbchen und Lotusknospen durchzogene Atmosphäre.


Von all diesen Eindrücken sind meine Sinne und Gedanken vollkommen erschlagen und bedürfen ebenso einer längeren Verdauung, wie das nun folgende Mittagessen. Erst jetzt bemerke ich den Verlust meiner Brille wieder.  Auf dem Weg zum Marmortempel, der eine Sammlung chinesischer, japanischer, indischer und tibetischer Buddhafiguren beherbergt,  findet sich ein Optiker, dessen Geschäft heute am Sonntag geöffnet ist. Na also, hinein und eine Plastik-Notbrille kaufen. Hauptsache ich kann wenigstens eine Speisekarte lesen. Fehlanzeige, eine freundliche Dame verpasst meinem Gesicht erst einmal ein passendes Brillengestell und dann werde ich vor das optische Gerät gesetzt, mit welchem meine Augen vermessen werden. Nun wird die Sache etwas kompliziert. Ich benötige ja nur eine Lesebrille und alle Versuche der beiden Optikerinnen scheitern kläglich, mich auch von meiner zum Glück noch nicht vorhandenen Kurzsichtigkeit zu befreien. Endlich sind mittels englischen, deutschen und thailändischen Kauderwelsch alle Unklarheiten beseitigt und ich kann durch 2 vor meinen Augen sitzenden Linsen die Zeitung lesen. Schön und gut, aber ist die neue Lesebrille bis morgen früh fertig? Null Problemo, wir sind doch nicht in Deutschland. 30 Minuten später bin ich glücklicher Besitzer einer neunen Lesebrille. Bin 80 EUR los und habe als Rabattbeigabe noch eine goldene Uhr geschenkt bekommen. Diese wohl ein Zeichen des Dankes, dass ich in der ganzen Aufregung das Feilschen vergessen und einen ordentlichen Preis bezahlt habe

Gegen 16 Uhr beenden wir das offizielle Programm und verabschieden unseren Fahrer der uns diesen Tag sicher und umsichtig durch den dichten Verkehr gelenkt hat. Boon hatte ich zu einem gemeinsamen landestypischen Abendessen in einem Restaurant seiner Wahl eingeladen und so verlassen wir im Taxi Bangkok in nördlicher Richtung über die Autobahn. Nach einer etwa ½-stündigen Fahrt liegt die Großstadt hinter uns. Wir befinden uns zwischen Kanälen liegenden Reis- und Lotusfeldern, die von Bananenstauden, Kokos-, Papaya-, Mango- und weiteren Palmen umsäumt werden. Inmitten dieser Idylle liegt direkt am Ufer eines schmalen Kanals das Haus seiner Schwiegereltern. Dort werde ich von der Familie, einschließlich seiner 2 Monate alten Tochter Wa herzlichst begrüßt. Im Boot seines Schwiegervaters steuern wir vor dem gemeinsamen Abendessen einem malerischen Sonnenuntergang entgegen.  Es ist schon stockfinster, als ich endlich aufbrechen darf. Boon und sein Schwager bringen mich noch zum nahe liegendem Shopping-Center an der Autobahn, wo ich noch schnell die benötigte Reisetasche kaufe, bevor Boon dafür sorgt, dass ich per Taxi zu meinem Hotel „Twin Tower“ im Herzen Bangkoks zurück gebracht werde.


3. Tag - 10.01.2005

Unsere Reisegruppe besteht aus 3 Personen, dem Berliner Ehepaar Ruth und Philip und meiner Wenigkeit. Auf der nun beginnenden 6-tägigen Reise in den Norden Thailands wird uns weiterhin Boon begleiten. Im zähflüssigen morgendlichem Verkehr verlassen wir Bangkok. Unser Ziel sind die Ruinen von Ayutthaya, die ehemalige Hauptstadt Siams und der Welt einst größten Metropole. Von 1350 an residierten hier 33 Könige, bis im Jahre 1767 die Burmesen bei ihrem Zerstörungsfeldzug nur die heute noch imposanten Palast- und Tempelruinen zurück ließen.

Auf der weiteren Fahrt statten wir den zweitgrößten, ruhenden Buddha Thailands in Sing Buri einen Besuch ab. Am Eingang begrüßt uns Ghanesh. Diese hinduistische Gottheit mit dem Elefantenkopf, Sohn Shivas und Pavatis, werden wir immer wieder antreffen, denn er wird hier ebenfalls Glückbringer verehrt. So ist der thailändische Buddhismus mit  einigen hinduistischen Gottheiten und Tempelwächtern eng verwoben. Hierzu gehört auch die landestypische Verehrung der Hausgötter, die meist als kleine Tempel, fast mit Vogelhäuschen vergleichbar, vor jedem Anwesen zu finden sind.

Bevor wir vom glitzernden Zauber in der Kristallhalle des größten Tempels in Zentralthailand gefangen werden, ist der Menam Na mittels Autofähre zu überqueren. Hier am Ufer werden tausende Fische, meist Karpfen gezüchtet. Im Schatten der Tempel werden die Tiere zu Ehren Buddhas mit gutem Futter aufgezogen. Auch wir geben unser Opfer an die Fische. Der ganze Teich scheint überzuschäumen, wenn Futter ins Wasser geworfen wird . Die Tiere sind zahm und sie lassen sich sogar streicheln, denn ihnen droht hier keine Schlachtung. Nur diejenigen, die dieses sichere Gewahrsam verlassen, werden am gegenüberliegenden Ufer gefischt oder geangelt, landen dann auf dem Markt und schließlich im Kochtopf oder in der Pfanne.

Wir besteigen eine umgebaute Reisbarke und schaukeln flussaufwärts Uthai Thani entgegen. In diesem gemächlich dahin fließenden Wasser, dürfen wir uns bei langsamer Fahrt auch als Steuermann üben. Entlang des Ufers gewinnen wir einen Eindruck über das ländliche Leben bis wir uns schließlich inmitten eines bunten und lebendigen Markttreibens befinden.  Die Sonne versinkt langsam zwischen  einem Antennenwald der hoch auf den Dächern der Hochhäuser steht und einem altem Tempel am Flussufer.Es wird Zeit, die letzte Etappe in das Country Lake Ressort  zu nehmen, wo wir die Zimmer in einer weitläufigen Bungalowanlage am See Nong Nam Song beziehen. Zum Abendessen mit Country-Musik gesellen sich noch ein paar Mücken, die es im Laufe des Abends leider auf meine Füße abgesehen haben.


4. Tag - 11.01.2005

Es ist noch stockfinster als wir geweckt werden, um den Sonnenaufgang am Ufer des Non Nam Song nicht zu verschlafen. Um 6:30 stehen wir am See. Der Horizont hat sich bereits blassrosa verfärbt. Es wird heller und heller. Die Tierwelt erwacht. Dunst steigt über dem Wasser auf, der geisterhaft die Bäume auf gegenüberliegendem Ufer umwabbelt. Und plötzlich steigt eine dunkelrote Scheibe aus dem Wald auf. Sie steigt höher und höher und spiegelt sich alsbald auf der klaren Wasseroberfläche.

Nach dem Frühstück beginnt eine recht lange Fahrt. Bis nach Sukhothai sind einige km auf meist schnurgeraden und gut ausgebauten Straßen zu bewältigen.  Entlang des Weges wechseln Kautschukplantagen mit Annanas- und Zuckerrohrfeldern. Es folgen weitläufige Obsthaine mit Papaya und Mangobäumen. Kokospalmen und Bananenstauden dürfen der Vollständigkeit halber nicht fehlen. Bis zum Abend habe ich u.a. gelernt, wie man Kautschuk erntet und dass Annanas nicht auf Bäumen wachsen. Das monotone Brummen des Motors und das leichte Schaukeln unseres Toyotas lässt uns immer wieder einschlummern. Etwas Abwechslung bietet unterwegs das Hub-Pa-Tad-Tal, ein urwäldliches Naturparadies, eingeschlossen in einem hohen Felskessel, der nur durch einen dunklen Tunnel begehbar ist. Bevor wir am späten Nachmittag Sukhothai erreichen, erfrischen wir uns vorher  im kühlen Nass am Klong-Lan-Wasserfalls. Hier hätte man etwas länger verweilen müssen und seine Badesachen mitbringen sollen.

Zum Sonnenuntergang schaffen wir es gerade noch, der ersten Königstadt und der Wiege Thailands, einen kurzen Besuch abzustatten. Die imposanten Ruinen der Tempel und die gewaltigen Buddhafiguren von Sukhothai (Dämmerung der Glückseligkeit) erleuchten noch einmal rötlich im Schein der untergehenden Sonne auf, bevor sie von der Finsternis verschluckt werden.


5. Tag - 12.01.2005

Wir haben genügend Zeit zur ausgiebigen Besichtigung des historischen Parks von Sukhothai, wo Thailand vor rund 750 Jahren geboren wurde, nachdem die Khmer nach Kambodscha zurück gedrängt worden waren. Das Wat Mahjathat war einst das religiöse Zentrum. Inmitten zahlloser Säulen und Grundmauern der ehemaligen Kapellen und Hallen erheben sich monumentalen Buddhastatuen und Pagoden (Chedi) in Lotosknospenform und ceylonesischer Glockenform. Unser Rundgang endet schließlich am kleinem Wat Sorasak, dessen Chedi von Elefantenskulpturen getragen wird.

Am Wege nach Chiang Rai entsteht eine gewaltige neue Klosteranlage. Den Eingang krönt ein riesiger noch in Bau befindlicher ruhender Buddha zu dessen Füßen der steile Haupteingang zur Tempelanlage hinauf führt. Der Bau des „Wat Phra Dat Suton“ in der Nähe von Denchai begann bereits im Jahre 1984 als Lebenswerk des Mönch Dhamma Medhee Bhikku. Dieser weitläufige Komplex beherbergt eine nachgebildete Sammlung der gesamten nördlichen thailändischen Kunstschätze und ist somit nicht nur ein Kulturzentrum sondern gleichzeitig ein Museum.

Zur Kaffeezeit erreichen wir den Phayao-See. Hier fühlt man sich wie in einen südeuropäischen Badeort versetzt. In der Bar bietet die große Kaffeemaschine alle Arten der bekannten Kaffeekreationen vom Cappuccino bis zum Cafe Latte, und der benachbarte Laden bietet all die Dinge, die von einem Strandshop gewohnt ist.

Am Abend lassen wir uns mit dem Tuktuk zum Nachtmarkt in die Innenstadt von Chiang Rai fahren. Dort werden alle nützlichen und unnützlichen Dinge feil geboten. Das Angebot entspricht weitestgehend unseren Flohmärkten, jedoch im asiatischen Stil. Die Auswahl an asiatischen Souvenirs ist riesig. So findet sich hier das gesamte Sortiment wieder, welches man meist bereits bestens kennt: made in Hongkong, Singapur, Taiwan … .


6. Tag - 13.01.2005

Auch heute rauschen einige Kilometer Asphalt unter uns hindurch. Nach einer Orientierung am „Goldenen Dreieck“ über die Lage von Burma (Myanmar) und Laos, getrennt durch den gewaltigen Mekong, dem längsten Fluss der Welt, müssen wir feststellen, dass uns hier kein Opiumpfeifchen mehr gegönnt wird. Nur das Museum erinnert noch an die alten „glücklichen“ Tage. So besuchen wir eine Stunde später in der Grenzstadt Mai Sai den Grenzmarkt auf burmesischer Seite. Das Tagesvisum kostet 5 US$ und bedeutet eine komplette Ausreise aus Thailand und eine neue Einreise, so dass mein thailändisches Touristenvisum erneut für 3 Wochen Aufenthalt gültig ist. Hier in Myanmar scheint die Zeit noch einige Jahre weiter zurück geblieben zu sein. Angeboten wird hier alles, was anderswo strengstens verboten ist, seien es Schädel von unter Artenschutz stehender Tiere, Antiquitäten usw. Jedenfalls reagierten einige Händler wild gestikulierend, als ich versuche Fotos von den Auslagen zu schießen. Leider war die verfügbare Zeit viel zu kurz, um sich einen umfassenderen Überblick zu verschaffen.

Ziemlich müde erreichen wir Chiang Mai. Entspannung und Unterhaltung finden wir  schließlich am Abend beim traditionellen „Kantoke-Dinner“ und thailändischer Folklore.


7. Tag - 14.01.2005

Auf geht’s in das Elefantencamp. Zur Begrüßung klaut mir am Eingang ein „kleiner Jumbo“, die gerade gekaufte Hand Bananen. Den Bund Zuckerrohr kann ich noch vor dem geschickten Zugriff seines gelenkigen und kräftigen Rüssel retten. Im Camp folgt dann eine Menge Spaß mit meinen „kleinen“ Freunden,  bis schließlich eine perfekt inszenierte Elefanten-Show folgt. Ein gehöriger Applaus ist den Dickhäutern nach jeder Aktion sicher.

Nach dem Besuch der Orchideenfarm geht es hinauf zum Wat Phrathat Doi Suthep, dem berühmtesten Tempels Chiang Mais, der auf einem Hügel vor den Toren der Stadt liegt. Die letzten Höhemeter befördert uns eine am Seil gezogene Kabinenbahn hinauf. Wir durchschreiten das von 2 Elefantengöttern, die Ghanesh zum verwechseln ähnlich sehen, bewachte Eingangtore und stehen dann wie geblendet vor dem gewaltigen goldenen 20 m hohem Chedi im burmesischen Stil aus dem 16. Jahrhundert.  Mit den zahlreichen anwesenden Gläubigen und internationalen Touristen wandern wir um diesen Tempelturm, der von reich geschmückten Altären und Buddhafiguren umgeben ist. In den überdachten Galerien illustrieren Malereien das Leben Buddhas. Über 290 Stufen steigen wir zwischen zwei riesigen vierköpfigen Schlangen vom Gipfel hinunter.

Ein letztes Mal fahren wir mit Boon die kurvenreiche Strecke hinunter bis vor die Tore der Altstadt von Chiang Mai. Hier endet am Nachmittag unsere erlebnisreiche Rundreise und wir nehmen Abschied von Fahrer und Guide. Nach einer notwendigen Erfrischung in einer wahren Spelunke, die als Kulisse für jeden Triller geeignet wäre, trenne ich mich nun auch von Ruth und Phillip, um noch einmal nach den richtigen Souvenirs Ausschau zu halten.  Die Auswahl in den vielen Antiquitätenläden ist riesig. Hier finde ich dann auch die gesuchten eisernen Opium-Gewichte in Form von Hähnen. Am Abend lädt der Nachtmarkt zum weiteren Shopping ein. Schier endlos reihen sich die Basarbuden in 2 Reihen auf jeder Straßenseite. Auf dem noch verbleibenden schmalen Bürgersteig ist kaum noch ein Durchkommen. Waren aus aller Welt werden zum Schnäppchenpreis feil geboten, von den Plastiksandalen bis hin zur Rollex-Uhr. Und in einer Nebenstraße findet sich auch noch die urdeutsche Kneipe inmitten weiterer echt europäischer Restaurants. So weit die Füße tragen, viel gelaufen und nichts „gekaufen“, macht sich mein linker Fuß unangenehm bemerkbar. Die Mücken oder was auch immer haben ihn in Country Lake Ressort ganz schön in Mitleidenschaft gezogen. Gegen die Schwellungen leistet der aus Eiswürfeln der Minibar und Handtuch gebastelte kalte Umschlag in der Nacht Linderung.


8. Tag - 15.01.2005

Heute morgen ist es erstmals trübe und kühler als an den Tagen vorher. Nach dem Frühstück heißt es noch schnell von Ruth und Phillip Abschied zu nehmen und eine halbe Stunde später bin ich bereits im Flughafen von Chiang Mai. Das Umschreiben des Tickets vom 17. auf den 15.01. ist kein Problem. In der Flughafen-Apotheke kaufe ich eine kleine Tube Voltaren und hoffe damit die Schwellung und/oder Entzündung meines Fußes in den Griff zu bekommen.

Mit etwa einer Stunde Verspätung landet der Airbus im verregnetem Bangkok. Irgendwie passt das Wetter heute zu meiner nicht besonders guten Laune. Nach Neuordnung meines Gepäcks in „noch sauber“ und „muss in die Reinigung“ ergreife ich die Flucht nach vorne: Auf zum World Plaza Centre. Ich bin hungrig. Dort eingetroffen, empfiehlt mir eine Apothekerin erst einmal eine Antibiotikum-Salbe für meinen demolierten Fuß. Nun geht’s hinein in die riesigen Warenhäuser auf der Suche nach außergewöhnlichen, landestypischen Souvenirs. Wie bereits gestern auf dem Nachtmarkt habe ich keinen Erfolg. Das Sortiment bleibt, wie an den Tagen und Orten zuvor, unverändert: Krimskram. Des Laufens und vergeblichen Suchens müde, begebe ich mich auf den Rückweg. Inmitten dieser hypermodernen Shopping-Meile stehe ich an einer Straßenkreuzung unerwartet vor einem Tempel. Buddhisten entzünden Räucherstäbchen und verrichten ihr Gebet. Ob nur für Touristen, was ich bezweifle, können hier sogar Tempeltänze gegen Bezahlung bestellt werden.

Den weiteren Abend verbringe ich im Hotel und gönne meinem wieder dick angeschwollenem Fuß, eingepackt in Eiswürfeln aus der Minibar, die nötige Ruhe.


9. Tag - 16.01.2005

Tut, tut, tut. Irgendjemand hat den Wecker um 0 Uhr aktiviert. Verzweifelt versuche ich das nerventötende Ding auszuschalten. Doch die richtige Taste finde ich in der Dunkelheit nicht. Zum Glück gibt der Wecker plötzlich von allein auf und ich kann den Schlaf fortsetzen.

Es bleibt diesig. Die Sonne vermag es nicht, die Wolkendecke richtig aufzureißen, als ich  zur Besichtigungstour entlang des Menam Chao Phraya aufbreche. Das vom Hotel angebotene Taxi zum Wat Pho mit dem ruhendem Buddha ist unverschämt teuer. So starte ich halt zu Fuß und gewinne noch ein paar weitere Eindrücke abseits der Touristenattraktionen, dort wo die Mehrzahl der stets freundlichen Einheimischen zu Hause ist. In alten Siedlungen, maroden Wohnhäusern der 50er und 60er Jahre bis hin zu den einfachen Behausungen am Chao Phraya River und seinen angrenzenden Kanälen. Später lasse ich mich, ob Dummheit oder nicht, von einem Tuktuk-Fahrer dazu überreden, mich zunächst zu einer „Souvenir-Fabrik“ fahren zu lassen zumal dieser Spaß nur 15 Bhat kosten soll. Wie erwartet, ist es wieder einer dieser Juwelier-Schmieden. Bevor die Verkäuferin ihre bei mir zwecklosen Verkaufsversuche startet, frage ich direkt nach weiteren  Handwerkserzeugnissen und ich bin sogar erfolgreich. Nach ein paar Minuten habe ich 3 niedliche Elefanten im Gepäck. Von meinem Fahrer lasse ich mich dann am National Stadion absetzen. Von hier erreicht man mit der Hochbahn in wenigen Minuten den Central Pier unten am Fluss.

Mit den ständig verkehrenden Booten besteht die schnellste und bequemste Möglichkeit einige der bedeutesten Sehenswürdigkeiten Bangkoks anzusteuern. Ein Tagesticket kostet 75 Bhat (1,50 €) und ein Aufkleber auf der Brusttasche meines Hemdes gewährt mir nun freie Fahrt.  Die erste Etappe auf dem schwankenden Boot führt  flussaufwärts zum Wat Arun, zu dem ich mit der Fähre (2 Bhat) zum gegenüberliegenden Ufer wechseln muss. Dieser „Tempel der Morgenröte“ besticht durch seine 5 markanten steil aufragenden Türme (Prangs), die über und über mit Dämonen, Elefanten, Blumen und Blüten aus Millionen chinesischen Porzellansteinchen bedeckt sind.  Als nächstes erwartet mich im Wat Pho, dem ältesten Kloster Bangkoks, der 45 m lange vergoldete ruhende Buddha. Beeindruckt von der Tempelbaukunst, 95 Pagoden erbaut in der Zeit vom 16. bis zum 18 Jahrhundert; überrascht mich ein Kinderfest inmitten dieser Tempelanlage.

Mit dem Ticket in der Hand, reist man durchs ganze Land. Gesagt, getan, gesättigt von Tempeln und Pagoden schiffe ich weiter stromaufwärts. Mal schauen, ob ich bis zur Endstation Nr. 30 komme. Bereits weit außerhalb des Stadtkerns von Bangkok lockt mich an der Station 20 ein gewaltiger, neu erbauter Tempel ans Ufer. Nur ein paar Schritte davon entfernt  befinde ich mich in einer der vielen landestypischen Wassersiedlungen. Fernab des Tourismus leben hier die Menschen auf engen Raum in einfachen auf Pfählen über dem Wasser erbauten Holzhütten. Ich werde freundlich von glücklich und zufrieden hier zusammen lebenden Generationen begrüßt. Das Leben findet überwiegend vor den Häusern statt. Tür und Tor stehen meist offen und lassen einen Blick in die Wohnräume zu. Es fehlt weder ein Fernseher noch ein Kühlschrank. Ebenso gehört der Haustempel zur Einrichtung. Im Gewirr dieser engen Gassen finden sich ebenso die Geschäfte des täglichen Bedarfs, vom Lebensmittelgeschäft, dem Friseur bis hin zum Waschsalon.

Langsam melden sich Hunger und Durst, nachdem ich mich zwischendurch mit frischen Ananas und frittierten Bananen  versorgt hatte. So trete ich mit dem Boot die Rückfahrt an. Die Schaffnerin versucht mir irgend etwas zu erklären, indem sie immer wieder auf mein Ticket deutet. Es dauert eine Weile, bis ich kapiere, was Sache ist. Mein Tagesticket gilt nur für den zentralen, touristischen Bereich und ich bin ja schon sehr weit davon entfernt. So muss ich 8 Bhat nachlösen.

Inzwischen habe ich in einem kleinen Restaurant am Ufer meinen Hunger mit einer scharf-sauren Gemüsesuppe gestillt. Die gestrigen und heutigen Erlebnisse sind zu Papier gebracht. Langsam nähert sich die Sonne dem Horizont und es heißt nun von Bangkok Abschied zu nehmen, denn morgen früh geht es weiter nach Nepal. zurück


10. Tag - 17.01.2005
Nepal

Alle Jahre wieder feiert man Geburtstag. Heute, an meinem 55sten ist mal alles anders. Als ich um 6 Uhr in der Frühe (0 Uhr MEZ) aufwache, darf ich die mir von meinen daheim gebliebenen Lieben mitgegebenen Geschenke auspacken. Die Überraschungen sind gelungen und danke für die neue Armbanduhr.

Heute regnet es in Bangkok. Es könnten Tränen des Abschieds sein. Nach 4 Stunden Flug tröpfelt es in Kathmandu bei wesentlich niedrigeren Temperaturen weiter. Hello und namaste, meine nepalischen Söhne Govinda und Prasanta nehmen mich wie immer herzlichst in Empfang. Mit dem Taxi erreichen wir umgehend Thamel, denn die Straßen sind leergefegt und die Geschäfte geschlossen. Es wird wieder einmal gestreikt. Nicht desto trotz erreichen wir das Krankenhaus, damit ich meinen Fuß für 20 US$ (einschließlich Medikamente) ärztlich untersuchen lassen kann. Das Resultat ist die Verschreibung von 3 verschiedenen (auch farblich unterschiedlich) Pillen, die ich zu festgelegten Zeiten einzunehmen habe. Die Verantwortung für dieses Timing übertrage ich Govinda.

Am späten Nachmittag treffen wir bei Govinda zu Hause ein. Das neue Haus ist zwar noch im Rohbau und gerade bis zum 1. Geschoss fertig, aber Govinda ist bereits mit seiner Familie eingezogen und auch mein Gästezimmer ist hergerichtet. Nun beginnt im Wohnzimmer die vorbereitete Geburtstagsparty. Alle Familienangehörigen sind anwesend. Ich darf Geschenke und Glückwünsche entgegen nehmen.


10. bis 13. Tag - 17. bis 20.01.2005

Kathmandu liegt weiterhin unter einer dichten Wolkendecke und Petrus scheint kein Erbarmen mit uns zu haben. Das langjährige Mittel von 3 Regentagen im Januar ergießt sich an diesen 3 Tagen über uns. Die Folge ist, es wird ungemütlich kalt. So verbringen wir die meiste Zeit im Büro mit den notwendigen geschäftlichen Aktivitäten und Planungen.  An einem dieser Tage verliere ich ein Glas aus meiner vor kurzen in Bangkok neu gekauften Lesebrille. Trotz allen Suchens bleibt es unauffindbar. Auf dem Weg nach Thamel finden wir einen Optiker, der hinten in seinem Geschäft auch als Zahnarzt praktiziert. Innerhalb von 12 Stunden ist für ein passendes Ersatzglas sorgt. Das zu einem Preis von nicht einmal 150 Rupien.


14. Tag - 21.01.2005

Ram, ein vom DAV Summit Club ausgebildeter nepalischer Wanderführer hat uns zu sich nach Hause oberhalb von Balthali eingeladen. Wir treffen uns am zentralem Busbahnhof in Kathmandu und mit dem lokalen Bus geht die Fahrt vorbei an Bhagtapur hinaus nach Panauti. Diese kleine unberührte und malerische Stadt liegt am Zusammenfluss des Roshi Kola und Pungamati Kola und wird wegen seiner vielen alten Tempel, historischen Häuser und kunstvollen Schnitzereien auch „Klein Bhagtapur und Pashupatinath“ genannt. Neben den wohl ältesten noch erhaltenen Tempel Nepals, dem dreigeschossigem Indreshwar Mahadev-Tempel aus dem Jahre 1294 finden sich hier am Flussufer wie in Pashupatinath Feuerbestattungen statt.

Unser Weg führt nun durch ein weites Tal von Gehöft zu Gehöft, von Dorf zu Dorf. Auf den beidseitig des Weges liegenden Feldern sind Frauen fleißig beim Setzten der Kartoffeln, denn heute lacht seit Tagen erstmals wieder die Sonne vom Himmel und es ist angenehm warm. Im Mai werden die Kartoffeln geerntet. Mit Beginn des Monsuns wird auf diesen Feldern Reis angepflanzt. Wir genießen diese Idylle und können die Bäuerinnen bei ihrer nicht leichten Pflanzarbeit beobachten, während die Kinder, die heute schulfrei haben, um uns herumlungern. Alle sind begeistert, wenn sie sich nach einem gelungenem Foto auf dem Display wieder erkennen.

Die weiten Felder liegen hinter uns und wir steigen nun langsam in eine hügelige Landschaft hinauf. In Balthali legen wir die verdiente Mittagspause ein, bevor wir dann nach kurzem steilen Anstieg in Rams Ressorthotel ankommen, welches auf einem flachen Hügel gebaut ist und einen weiten Rundblick über die vielfältige Landschaft bis hin zum Hauptkamm des Himalaya bietet. 


15. Tag - 22.01.2005

In der Nacht hat es wieder geregnet, doch nach dem Frühstück gewinnt die Sonne die Oberhand zurück, zumal heute Hochzeit im Nachbardorf gefeiert wird. Wir sind eingeladen und für mich wird dieser und der morgige Tag zu einen ganz neuen Erlebnis werden. Bis zum Haus der Braut haben wir noch einige Meter bergab und bergauf zu laufen. Zunächst geht es steil hinunter, bevor wir auf schwankender Hängebrücke, den tosenden Fluss überqueren, um dann wieder aufzusteigen. In den gegenüberliegenden Felswänden haben wilde Bienen Ihre zu Hause, erläutert uns Ram. Der Pfad schlängelt sich durch üppige Vegetation bis wir schließlich das Brauthaus erreichen. Die ersten Gäste aus den benachbarten Dörfern sind bereits eingetroffen und harren nun wie wir ungeduldig der Ankunft des Bräutigams. Aus der Ferne erklingt bereits Musik und alsbald erreicht die von der Musikkapelle angeführte Prozession das Anwesen. Die langwährende religiöse  Zeremonie beginnt unter Leitung des Priesters. Die Braut ist landestypisch in rot gekleidet und Ihr Gesicht unter einem gleichfarbigen Schleier verborgen, der Bräutigam trägt seinen besten Anzug. Die mehrstündige Trauung, in der ein Feuer die Vermählung „bezeugt“ werden, wird zumindest durch das Festmahl unterbrochen. Für  die anwesenden Gäste ist ein reichhaltiges Buffett aufgebaut. Der in riesigen Bottichen gekochte Reis würde für uns zu Hause wahrscheinlich 1 Jahr lang reichen.

Am Nachmittag fließen Tränen des Abschieds. Die Braut verlässt nun für immer Ihr Elternhaus und zieht zu Ihrem angetrauten Ehemann. So macht sich die Prozession, angeführt von der Musikkapelle mit Braut und Bräutigam auf dem Rückmarsch hinunter in das nächst größere Dorf, wo der Bus für die Rückfahrt nach Kathmandu bereit steht. Auch wir wandern zurück und genießen das Glück, dass bei Sonnenuntergang  die gewaltigen Gipfel des Himalaya über den Wolken auftauchen. Mit einigen Musikanten aus dem Dorf und mit nepalischer Folklore klingt dieser erlebnisreiche Tag aus.


16. Tag - 23.01.2005

Es regnet in Strömen. Die Wege gleichen eher kleinen Bachläufen und wir müssen gut eine Stunde lang zum Hochzeitbus absteigen, der Eltern, Geschwister und Verwandte der Braut zum Haus des Bräutigams fahren wird. Dort wird heute beim weiteren Festmahl weiter gefeiert. Es dauert einige Zeit, bis auch die letzten Mitreisenden eingetroffen sind.  So schaukeln wir auf holprigem Fahrweg und durch tiefe Pfützen in Richtung Kathmandu. An der Abzweigung nach Patan verabschieden wir uns von Ram und der Hochzeitsgesellschaft und flüchten aus der eisigen Kälte mit dem Taxi nach Hause. Auf den umliegenden Bergen hat es bis auf 1.500 m hinunter geschneit. Eine derartige Kälte hat Kathmandu zuletzt vor 16 Jahren erlebt.

Als am Nachmittag die Sonne etwas zwischen den dunklen Regenwolken hindurch scheint, begeben Govinda und ich uns auf den Weg nach Thamel. Zuvor lasse ich mich beim lokalen Barbier für 20 Rupien aalglatt rasieren. Nach Erledigung der letzten Besorgungen für unsere Reise nach Bhutan, lasse ich mir 2 Portionen sehr gut gewürzten Chili Chips schmecken. Die Konsequenz ist einige Zeit später eine gründliche Darmreinigung. zurück


17. Tag - 24.01.2005
bhutan

Govinda und ich gönnen uns noch ein Tasse Kaffe im Warteraum des Flughafens, denn die Druk Air, die uns nach Bhutan fliegen soll, hat 1 Stunde Verspätung. Das Flugzeug ist fast leer und wir sind die einzigsten Touristen an Bord. So suchen wir uns Plätze mit den besten Blick auf das Himalaya aus, an denen wir entlang fliegen werden. Da wir die Wolkendecke weit unter uns lassen, können wir das gewaltige Panorama der in der Sonne glitzernden Eisriesen genießen, aus  den sich der Mt. Everest  majestätisch hervorhebt. Nach ca. 1 ½ Stunden setzt die Maschine im Zickzack zur Landung durch die engen Täler in Paro an.

In Paro werden wir von unserem Guide Bhim und unserem Fahrer Pema, gekleidet in der Nationaltracht, dem Go,  begrüßt. Auf der Fahrt in die Hauptstadt Bhutans nach Thimphu erhalten wir die ersten Eindrücke über Kultur und Landschaft im Königreich Bhutan. Eine gut asphaltierte aber recht schmale Straße windet sich kurvenreich durch die engen Täler, die gerade mal die erlaubte Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h ermöglicht. Nach gut 2 Stunden Fahrt treffen wir im Zentrum Thimpus ein. Wir beziehen unser Zimmer, das mit einer elektrischen Heizung ausgestattet ist, was sonst in Bhutan nicht üblich ist. Den freien Nachmittag nutzen wir gleich zu einen orientierenden Bummel durch die Hauptgeschäftstasse  der 60.000 Einwohner zählenden Metropole. Unzählige kleine besuchenswerte Geschäftlokale befinden sich in den im traditionellen bhutanesischer Stil erbauten Häusern. Tradition vermischt sich hier teilweise bereits dem Modernen. Traditionell gekleidete Männer und Frauen, Mönche in roten Gewändern als auch westlich gekleidete Leute (meist Jugendliche) bevölkern die Innenstadt. Gesucht, gefunden, wir treffen wie geplant Dorje, Beates Mann von Laya Trek & Tours, um mit Ihm die zukünftige Zusammenarbeit zu besprechen.

Beim Abendessen genießen wir unsere erste typische bhutanesische Speise: Mit Käse überbackener Kartoffelauflauf und stellen fest, dass wir die einzigsten Gäste hier im Hotel sind.


18. Tag - 25.01.2005

Unter der dicken Woll- und Steppdecke habe ich wie ein Murmeltier geschlafen. Von den die ganze Nacht hindurch kläffenden und heulenden Hunden, die Govinda gehört hat, habe ich nichts mitbekommen.

Nach dem Frühstück starten wir zur Rundtour durch Thimphu.  Thimphu wurde 1953 zur Hauptstadt Bhutans ernannt  und erst in den 70er und 80er Jahren nahm die Stadt ihre heutige Form an, die dank der strengen Richtlinien der Regierung eine für das Land charakteristische Architektur beibehalten hat. Unser Rundgang führt uns vom Erinnerungs-Chorten, dem buddhistischen Grabmonument des 3. König von Bhutan, in das Textilmuseum mit seiner einzigartigen, traditionellen Webkunst, bis sich schließlich unsere Augen an dem gewaltigen Tashichoe-Dzong, dem Regierungssitz erfreuen können. Wieder zurück in Thimpus einzigsten Hauptstraße mit seinen vielen kleinen Geschäften und der einzigsten Verkehrsinsel, wo ein Polizist die Verkehr regelt, stärken wir uns beim Mittagsmahl für die Weiterfahrt nach Punakha.

Eine schmale, kurvenreiche Straße führt durch dichte Wälder hinauf zum verschneiten Dochula Pass in 3.100 m Höhe. Hier oben knattern unzählige Gebetsfahnen im Winde und es lohnt die großen liebevoll bemahlten und verzierten bhutanesischen Chorten zu besichtigen. Kinder tummeln sich dazwischen im Schnee und nebenan üben sich ein paar junge Leute im Pfeilwerfen, eine ebenso traditionelle Sportart in Bhutan wie das Bogenschießen. Leider bleiben die hohen Gipfel des östlichen Himalaya  mit dem Gangkar Punsum, mit 7.497 m der höchste Berg Bhutans, hinter dicken Wolken verborgen. Auf dem weiterem Weg verbleibt genügend Zeit, um am Wegesrand liegende Gehöfte und Dörfer in Augenschein nehmen zu können.  Auffallend ist die sich stets wiederholende landestypische meist 4-geschossige Bauweise der Wohnhäuser: Stall, Wohnbereich, Haustempel, offener Lagerraum unter dem Dach. Dort wo ein Bach zu Tale rauscht, dreht sich in einer kleinen Chorten eine mit Wasserkraft angetriebene Gebetsmühle. An einem grünen Berghang gelegen, treffen wir in unserem Hotel, umgeben von einigen kleinen, hübschen Bungalows, ein. Unser Quartier ist  vorsorglich mit einem Hausluftradiator vorgewärmt und gegen Abend wird uns auch noch einen Wärmeflasche für die Nacht angeboten. Die Bhutanesen meinen es etwas zu gut mit uns, denn so kälteempfindlich sind wir nun doch nicht. Wir sparen die Energie und machen uns auf dem rückseitigen Balkon mit herrlichem Ausblick hinunter in das Tal gemütlich.  Das indische Bier namens „Black label“ schmeckt scheußlich. Zum Glück gibt es als Alternative das bekannte nepalische Tiger-Bier. Auch heute sind wir hier die einzigsten Gäste und lassen uns die einheimische Küche schmecken. Doch Vorsicht, nicht zu viel Chilli, selbst für Govinda ist es einmal „to hot“.


19. Tag - 26.01.2005

Wie eine gewaltige Festung erhebt sich das Kloster Punakha auf einer Halbinsel am Zusammenfluss von Pho und Mo. Gegründet und erbaut wurde diese im Jahre 1637 durch Shabdrung als er aus Tibet kam, um hier die Ranjung Karsapani, die heilige Reliquie aus Tibet aufzubewahren. Punakha wurde Hauptstadt Bhutans und der Dzong ist heute noch Sitz der regionalen Verwaltung und die Winterresidenz des größten Mönchordens Bhutans. Neben der Verwaltung beherbergt die Anlage ca. 200 Mönche. Betritt ein Bhutanese ein Kloster, hängt er sich immer seinen Zeremonienschal um, so auch Bhim unser Guide.  Wir überschreiten die schmale Holzbrücke über den rauschenden Fluss und starten zu einem grandiosen  Besichtigungsrundgang, was mit Wort und Bild kaum wiederzugeben ist. 21 Tempel beherbergt diese gewaltige Anlage.  In der großen Versammlungshalle trifft sich eine Gruppe Mönche, um für die kommenden Festivals die religiösen Tänze (Cham) einzuüben. Es ist eine fröhliche, lustige Runde und einige Jüngere müssen noch kräftig üben. Zur gleichen Zeit trainieren im Innenhof einige  einheimische Bürger, denn zu den Festivals werden die Tänze oftmals im Wechselspiel zwischen Mönchen und Bürgern durchgeführt. Es dauert nicht all zu lange und wir sind von einer Gruppe Mönche umringt. Erst etwas zurückhaltend freuen sich nun alle mit uns über die gelungenen Aufnahmen, auf denen sie sich nun wieder entdecken. Inzwischen sollten die versprochenen Abzüge dort eingetroffen sein.

Die Zeit verrinnt wie im Fluge und alsbald sitzen wir im Hause einer bhutanesischen Familie und werden bestens mit Tee, Gebäck und Reisschnaps bewirtet. Es ist deren Jahrestag der Hauseinweihung und so können wir an den religiösen Zeremonien der Mönche im 2. Geschoss, der Etage mit dem Haustempel, teilhaben. Das Murmeln der Mantra, teilweise begleitet vom rhythmischem dumpfen Klang der Trommeln oder unterbrochen vom tiefen Ton der geblasenen Hörner ziehen uns in ihren mythischen Bann.

Der Weg zurück nach Thimphu und weiter nach Paro führt uns noch einmal durch Winterlandschaft und über den verschneiten Dochula Pass. Zur Mittagszeit begegnen wir hier erstmals einen alleinreisenden Touristen, der von Indien nach Bhutan gekommen ist und am kommenden Freitag ebenfalls nach Kathmandu fliegen wird. Am späten Nachmittag treffen wir in Paro ein. Im Schein der untergehenden Sonne begrüßt uns die mächtige Paro Dzong. Ihr richtiger Name lautet Rinpung-Dzong, was soviel wie „Festung des Juwelenhaufens“ heißt.  Es bleibt gerade noch genügend Zeit diese Anlage mit ihrer gewaltigen Brücke, auf der unzählige bunte Gebetesfahnen im abendlichen Winde flattern in Augenschein zu nehmen, bevor der immer länger werdende Schatten, das tiefe Tal in Dunkelheit taucht.

Wir fahren noch einige Kilometer hinauf zum außerhalb Paros liegenden Olathang-Hotel, einer erstklassigen Herberge inmitten eines Kiefernwaldes. Hier beziehen wir wieder ein geräumiges Bungalow. Die Zimmer sind auch hier besten vorgewärmt, so dass wir die Temperatur schnellstens auf Niveau „Schlafzimmer“ herunter regeln. Die eingesparte Energie benötigen wir heute aber dringend zum Aufladen der Akkus für Foto und Govindas Kamera.


20. Tag - 27.01.2005

Heute strahlt die Sonne vom Firmament. Unser Weg führt hinein in das obere Paro-Tal, wo der schneebedeckte heilige Berg Ihomolhari mit 7.314 m die Grenze zu Tibet kennzeichnet. Drunten im Tal erhebt sich auf einer Anhöhe die Ruine der 1951 ausgebrannten Drukyel-Dzong, eine ehemalige Trutzburg aus dem Jahre 1647, die anlässlich des Sieges über Tibet im Jahre 1644 erbaut wurde.

Wir verlassen das Tal und fahren einer steilen schwarzen Wand entgegen. Wie angeklebt thront Taktsang, das Tigernest, hoch oben auf einem Felsvorsprung 800 m über dem Paro-Tal. Taktsang gehört zu den meistverehrten Pilgerzielen im Himalaya. Gemeinsam machen wir uns mit den Pilgern an den etwa 2-stündigen Aufstieg. Irgendwann ist Govinda spurlos verschwunden. Wer ihn kennt, weiß, dass er eine Abkürzung, den steilen Pfad hinauf, genommen hat. Während ich schwitzend den kleinen Chorten mit Gebetsmühle nach etwa 2/3 des Aufstieges erreiche, winkt mir Govinda lachend entgegen. Bei einer kleinen Erfrischung im naheliegenden Restaurant genießen wir den atemberaubenden Ausblick auf die Tempelanlage, bevor Govinda und ich (Bhim bleibt hier und wird für das Mittagessen sorgen) die letzten Höhenmeter in Angriff nehmen. Noch einmal geht es steil ansteigend hinauf, bis wir schließlich dem Kloster direkt, nur getrennt durch eine tiefe Schlucht, gegenüber stehen. Da der Zutritt zum Klostern nur den Pilgern vorbehalten ist, verweilen wir hier einige Zeit und versuchen uns vorzustellen, wie der Guru Ringpoche im 8. Jahrhundert auf dem Rücken einer Tigerin hierher geflogen sein soll. Bewundernswert ist, dass Taktsang im April 1998 bis auf die Grundmauern abbrannte und mit erheblichen Anstrengungen wieder vollständig rekonstruiert wurde.

Der Tag neigt sich langsam dem Ende zu, als wir an den Tempeln von Kyichu halt machen. Der älteste der beiden Tempel stammt aus dem 7. Jahrhundert und es gelingt Bhim auch ohne der sonst üblichen behördlichen Genehmigung, den Tempel besichtigen zu dürfen. Schließlich endet unsere heutige Reise auf der Hauptgeschäftsstraße von Paro. Hinter den bunt bemalten und lieblichen verzierten Fassaden  reihen sich beidseitig der Straße viele kleine Geschäftslokale vom Antiquitäten- bis zum Lebensmittelhändler.

Am Abend sind wir von Dorji zum bhutanesischem Essen in einem lokalem Restaurant eingeladen. Wieder ist Vorsicht bei einigen auch für Govindas Geschmacknerven sehr scharf gewürzten Speisen geboten. Doch die Auswahl ist reichlich und es findet sich von Allem etwas.


21. Tag - 28.01.2005

Sehr früh klingelt uns der Wecker aus den Träumen. Es folgen Abholung und Transfer zum internationalen Flughafen Paro, auf welchem zwar nur die 4 Maschinen der Druk Air verkehren, aber die gleichen Standards hinsichtlich „Check in“ wie auf allen großen Flughäfen der Welt gelten. Nach der Aufgabe unsere Gepäcks, heißt es Abschied von Bhim und Pema zu nehmen, um anschließend im Flughafenrestaurant ein karges internationales Frühstück mit fast ungekochten Eiern einzunehmen. Wir haben es überlebt, kommen aber noch einmal beim „Boarding“ gehörig ins Schwitzen, da wir vorher unser Gepäck identifizieren und dieses mittels einer kleinen nummerierten Gepäckkarte als unser Eigentum nachweisen müssen. Ja, wo hat Govinda diese kleinen Kärtchen im nepalischen Durcheinander seiner vielen Taschen vergraben? Ich bin bereits ziemlich nervös, als Govinda die Zettelchen plötzlich herbeigezaubert hat.

Mit dem neuen Airbus A 319 landen wir pünktlich in Kathmandu und werden von Prasanta empfangen. Das Dach der Welt war während des Fluges in dichte Wolken verhüllt und in Kathmandu ist es weiterhin zu kühl. Wieder zu Hause, haben wir der Familie viel zu berichten. Im Wohnzimmer, welches immer noch mit Girlanden, Luftballons und „Happy Birthday“ meines Geburtstages geschmückt ist, nutzen wir meinen Laptop um Bilder und Govindas Film allen Anwesenden präsentieren zu können. zurück


22. Tag - 29.01.2005

Der letzte Tag in Kathmandu wird wie üblich zum abschließenden Einkaufsbummel genutzt. Die in den zurückliegenden Tagen gewachsenen Bartstoppeln, sind bereits dem scharfen Messer des Barbiers zum Opfer gefallen. Am Abend treffen wir uns zum gemeinsamen Abschiedessen in Thamel. Nur Govinda 2 fehlt. Er ist nach Hause nach Chitwan gefahren. Dort wird wohl in den kommenden Wochen die nächste Hochzeitfeier stattfinden. Übrigens, der Januar ist einer der beliebtesten Monate für heiratswillige Nepali, so dass in diesen Tagen ständig Hochzeitfeiern in Kathmandu zu beobachten sind.


23./24. Tag - 30./31.01.2005

Noch einmal bereitet Govinda die schmackhaften Kartoffel-Chapati zum Frühstück. Dann wecke ich Dorlis daheim per Telefon, um ihr mitzuteilen, dass ich auf dem Weg zum Flughafen bin. Der Airbus nach Bangkok ist vollständig ausgebucht, überwiegend mit auswärts arbeitenden Nepali in Richtung Sri Lanka und Singapur. Auch der Jumbo auf der Strecke nach Frankfurt ist bis zum letzten Platz belegt. Der Nachtflug geht schnell vorüber und in etwa einer Stunde landen wir in Frankfurt. Ich freue mich schon auf das gestern bestellte 2. Frühstück mit Dorlis.