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auf neuen
Wegen
Reisebericht 14.10.06 – 03.11.06© Klaus Töpfer
HIMATREK
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1. Tag - 14.10.2006
Heute ist eigentlich schon der 2. Reisetag. Obwohl gestern Nachmittag, am Freitag den 13. vom Gelsenkirchener Hbf gestartet, bin ich mit der DB pünktlich in Frankfurt angekommen. Vor dem Schalter der QATAR hatte sich bereits 2 ½ Stunden vor Abflug eine lange Schlange Reisender gebildet. Da ich einen sehr günstigen Business Class Tarif buchen konnte, ist ruck, zuck mein Gepäck aufgegeben und einige Zeit später, kann ich es mir in den modernen Liegesesseln des A 340 bequem machen. Nach einem umfassenden Menü, einen guten Rotwein ist die Uhr bereits auf 1 Uhr des heutigen Tages vorgerückt und ich genieße in paar Stunden Schlaf.
Die Sonne ist bereits aufgegangen und nun sitze ich sogar in der 1. Reihe auf Platz 1 A. Wie schon der Flug von Frankfurt nach Doha, ist auch dieser vollständig ausgebucht. Das „Take off“ erfolgt und wir fliegen Kathmandu entgegen. Während der folgenden 4 Stunden Flugzeit, lass ich mich mit weiteren Köstlichkeiten der Bordküche verwöhnen. Die Zeit vergeht mit Essen, Schlafen, Lesen bis ich mich kurz vor der Landung daran mache, den Visa-Antrag auszufüllen.
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2. Tag - 15.10.2006
In der Nacht hat es geregnet. Ausgeschlafen nehme ich bereits um 7 Uhr eine wohltuende Dusche. Vor dem Frühstück inspiziere ich noch die mir gestern übergebene Tasche mit meinen hier deponierten Trekking-Utensilien, wie Schlafsack, Stecken, Wanderschuhe usw.. All die Dinge, die ich halt nur hier benötige sind sauber und vollständig vorhanden. Nach dem Frühstück vom Buffet und Besorgung einiger Kleinigkeiten im nahe gelegenen Supermarkt begebe ich mich ins Büro. Der Arbeitstag wird zu Mittag mit dem Nationalgericht „Dhaal Bhaat“ (Reis und Linsen), wohlschmeckend zubereitet von unseren Trekking-Guides Dav und Rudra, unterbrochen.
Familie Klaas, von denen wir uns gestern Abend noch verabschiedeten, sind nach ihrer erlebnisreichen Reise durch Bhutan bereits auf dem Heimflug. Auf unsere Kundin, Frau Nuss, müssen wir noch warten, da die Maschine aus Doha kommend wegen zu dichter Wolken heute Morgen in Kathmandu nicht landen konnte. Inzwischen hat die Sonne die Wolkendecke weitestgehend aufgelöst, so dass Prasanta unsere Kundin am Nachmittag vom Flughafen abholen wird. Der Tag neigt sich bereits dem Ende zu, als Govinda und ich uns auf den Weg machen, einen dringend notwendigen neuen PC für unser Büro zu besorgen. Nach dem Friedensabkommen zwischen der 7-Partei-Allianz und den Maoisten, ist nun Ruhe in Kathmandu eingekehrt. Die Polizei geht wieder ihrer eigentlichen Funktion nach, zumindest dem Versuch, den teilweise chaotischen Verkehr in Kathmandu zu regeln. Des weiteren gleicht Kathmandu einer Großbaustelle. Umfangreiche Straßensanierungen, der Abbruch baufälliger Häuser und das Hochziehen neuer Gebäude wurde allerorts in Angriff genommen. Unangenehm ist jedoch der üble Geruch des sich seit 3 Tagen in den engen Gassen und Straßen angesammelten Abfalls, da die Müllabfuhr streikt, um höhere Löhne durchzusetzen. Am Abend, auf der Dachterrasse eines Restaurants mit Blick hinunter auf den Durbar Square, sichten Govinda und ich die gesammelten PC-Angebote und treffen die Auswahl. |
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3. Tag - 16.10.2006
Gestern haben wir u. a. neue Trekking-Routen, so genannte „Homestay Treks“, dies sind Wanderungen von Dorf zu Dorf mit Übernachtung bei ausgewählten nepalischen Familien, diskutiert und ausgearbeitet. Heute Nachmittag werden wir zur ersten Testwanderung von Nagarkot über Dhulikhel nach Namobuddha aufbrechen. Während der zurückliegenden Jahre war diese Gegend Grenzgebiet zwischen Maoisten und königlichem Militär. Jetzt wieder problemlos für Touristen zugänglich, gilt es die optimalen Wege neu zu erkunden. Insbesondere für Kulturreisende ist das östliche von Kathmandu liegende Gebiet, welches durch Bauernlandschaft, kleine malerische Siedlungen (meist ehemalige Handelsplätze auf dem Weg von Tibet nach Kathmandu) führt, als Abrundung bzw. Ergänzungsprogramm interessant. Es besteht die Möglichkeit in guten Hotels zu übernachten.
Zunächst gilt es Frau Nuss zu begrüßen, die heute mit unserem deutsch sprechenden City-Guide Anup auf Tour gehen wird. Schließlich warten wir noch auf Herrn Baab. Er ist der erste Kunde, der bei der Abholung heute Morgen durch Prasanta das HIMATREK-Schild übersehen hat. Ein cleverer Taxifahrer kennt selbstverständlich HIMATREK und hat ihn zu einem Hotel in Thamel gefahren. Dort wird er schließlich von Rudra abgeholt und zum Hotel Durbar gebracht, wo die meisten unserer Kunden untergebracht sind. Ende gut, alles gut. Niemand geht bei uns verloren.
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Um 6 Uhr in der Früh stehen wir bereits auf der Dachterrasse. Noch ist es finster und das Himalaya nur als schwarze Silhouette erkennbar. Im Osten färbt sich der Himmel leicht rosa. Dann, plötzlich und unerwartet, erreichen die ersten Strahlen der noch nicht sichtbaren Sonne die Spitzen der Gipfel. Von dort setzt sich der helle weiße Lichterglanz beschaulich abwärts. Immer mehr Gipfel erstrahlen bis schließlich die rote Kugel der aufgehenden Sonne im Osten erscheint und die Welt in eine malerische morgendliche Dämmerung taucht. Ein Erlebnis, welches nur schwer zu beschreiben ist und selbst das beste Foto nicht wiedergeben kann, halt eine Atmosphäre, die man selbst erlebt haben muss.
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5. Tag - 18.10.2006
Nachdem wir gestern den wunderbaren Sonnenaufgang erleben konnten, ist es heute recht dunstig und auch während des ganzen Tages bleiben die Gipfel verborgen. Wie ausgehungert müssen die armen Teufel des hier im Hotel stattfindenden christlichen „Good News“-Seminars sein. Selbst Govinda dreht sich beim Anblick der voll gepappten Teller beim Frühstück der Magen um. Auf und um einige dicke Toastscheiben gesellen sich Butter, Marmelade und Honig bis zum Tellerrand. Als dann die Kursteilnehmer auch noch Bohnengemüse und Reis dazu auf den Teller schaufeln, würg, bleibt der Bissen im Hals stecken.
6. Tag - 19.10.2006
Außer Trouble am Morgen gibt es heute nicht viel zu berichten. 3 Gruppen, davon eine mit 8 Personen, sind heute vom Flughafen abzuholen. Aufregung als 2 Wattenscheider nicht eintreffen, bis sich herausstellt, dass diese erst am Nachmittag ankommen. Da seit kurzem für das Permit ins Annapurnagebiet Passkopien und Passfotos erforderlich sind, gibt es viel zu tun. Beim Versuch die aufgenommenen Bilder von unserer Tour von der Speicherkarte auf den Laptop herunter zu laden, meldet das System Fehler. Mist, was könnte passiert sein. Zumindest kann ich feststellen, dass die Dateien noch vorhanden sind. Keine weiteren Experimente. Die Karte wird so wie sie ist mit nach Hause genommen und dort „repariert“, was zumindest zum Teil gelingen wird. Leider sind die Bilder von Namobuddha verloren.
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Pünktlich treffen Heike und Gregor quasi zum 2. Frühstück im Hotel Manang ein. Unserem gemeinsam ausgetüftelten Programm mit etwas Rafting, Tihar-Fest mit Newar New Year bis zum gemeinsamen Start ins Annapurna steht nun nichts mehr im Wege, nachdem wir im Laufe des Tages die Einzelheiten abstimmen.
Am Nachmittag bleibt endlich Zeit, Strom ist auch verfügbar, mit der Konfiguration des neuen PCs zu beginnen. Den Abend lassen wir gemeinsam, wie so oft im „City Heaven“ mit diversen nepalischen Snacks ausklingen.
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8. Tag - 21.10.2006
Früh am Morgen holt uns unser
bewährter Taxifahrer Shayam mit seinem Van vom Hotel ab. Unterwegs
steigt Govinda zu und ab geht es in Richtung Pokhara zum Mardi River, wo
uns am Nachmittag die Rafting Crew erwartet. Der Tag beginnt mit
Regenwetter. Gerade haben wir das Kathmandutal verlassen, ein Knacks und
schon stehen wir. Das Gaszugseil ist gerissen. Hier hilft nur nepalische
Improvisation und Gelassenheit. Ein paar Minuten später fahren wir
bereits weiter. Das Ende des Zugseiles mit einem Lappen umwickelt in der
rechten Hand, in der linken das Handy und den Lenker zwischen den Knien
fährt uns Shayam weiter. Auf der kurvenreichen Strecke wird mir doch
gewaltig mulmig. Was ist wenn nun die Bremsseile reißen? Blödsinn, gibt
es da nicht ein hydraulisches 2-Kreissystem? Hab ich doch vor vielen,
vielen Jahren in der Fahrschule gelernt, oder? Beruhigend ist es dann
doch, dass an der nächsten Raststätte der Schaden behoben wird und wir
nach Einkauf von frischen Obst, Bananen, Papaya und Mango, die Reise
zügig fortsetzen können.
Zwischenzeitlich hat die Sonne Regen und Wolken vertrieben. Unser „Gummiboot“ steht schon zum Ablegen bereit. Zunächst sind aber all unsere Sachen fest und ordnungsgemäß zu verstauen. Die Sicherheitsausrüstung, bestehend aus Schutzhelm und Schwimmweste ist anzulegen. Anschließend erfolgt die theoretische Unterweisung durch unseren Rafting-Guide Kamal. Erst dann legen wir im ruhigen und seichten Gewässer des Mardi ab, auf dem wir den Seti River zutreiben. In den folgenden 2 Stunden bewältigen wir die ersten, noch recht leichten Stromschnellen, lassen uns durch ruhiges Wasser dahin treiben, genießen die Ruhe und Abgeschiedenheit der Landschaft.
9. Tag - 22.10.2006
Das Sand so hart wie Beton ist, habe ich in der Nacht gemerkt. Trotz Liegematte und dickem Schafsack war das Nachlager nicht sehr angenehm. Eine einfache Luftmatratze wäre sicherlich optimaler als Unterlage gewesen. Nach einem ausgiebigen Frühstück sind die Zelte abzubauen. Die ersten Sonnenstrahlen werden bereits von der Wasseroberfläche des sich hier im tiefen Tal schlängelnden Flusses reflektiert, als wir unser Boot voll bepackt zu Wasser lassen.
Dichte Wälder und kleine Siedlungen säumen abwechselnd das Ufer. Hin und wieder wird der Seti von einer schwankenden Hängebrücke überspannt, welche die einzige Verbindung zwischen abseits gelegenen Dörfern ist. Unterwegs nehmen wir eine junge Familie mit 2 Kindern an Bord um sie ein paar hundert Meter weiter am gegenüber liegenden Ufer abzusetzen. Damit blieb ihnen ein langer Umweg zum Besuch ihrer Bekannten erspart. Wir rasten zu Mittag nahe einer Siedlung und bekommen umgehend Besuch einiger neugieriger Kinder.
In Mugling mündet der Seti in den Trisuli und fließt von hier gen Süden nach Chitwan. Kurz darauf endet unsere erlebnisreiche Rafting-Tour. Shayam wartet bereits mit seinem Taxi auf uns. Wir nehmen Abschied von unserem Rafting-Team und fahren zurück in Richtung Kathmandu.
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Gegen 6 Uhr erwacht der Tag. Den
über dem Kathmandutal liegenden Dunst und Nebelschwaden entsteigt
langsam die Morgensonne. Die Gipfel des Langtang Himals bis hinüber zum
Manaslu begrüßen nicht nur den neuen Tag sondern auch das neue Jahr
1129. Happy New Year der Newar. Die Newars
sind eine der bedeutendsten Kulturträger in Nepal und haben entscheidend
die Stadtarchitektur im Kathmandutal geprägt. Charakteristisch für diese
ethnische Gruppe ist, dass sie religiös Hinduismus mit Buddhismus aufs
Engste vermischen und jeden Anlass zum Feiern nutzen.
Wir schließen uns der
farbenprächtigen Prozession durch Kirtipur an, die bis in die
Abendstunden hinein dauern wird. Der Klang der Trommeln, Flöten und
Zimbeln weist den Weg zum Umzug. Die Wege durch die Stadt sind bunt
geschmückt. Blumen und Malereien zieren den Boden. Auf allen größeren
Plätzen befinden sich prächtige Mandalas, an denen Opfergaben gereicht
werden. Wir folgen dem Umzug bzw. lassen die traditionell gekleideten
Musikanten- und Frauengruppen vorbei ziehen. So nähern wir uns
zwangsläufig auch einigen Sehenswürdigkeiten, wie dem
Bhagbhairava-Tempel, der sowohl Hindus als auch Buddhisten heilig ist.
Das dreistöckige Dach ist mit Schwertern und Schildern der durch die
Gorkhas im Jahre 1770 besiegten Newars geschmückt.
Bislang haben wir hier noch keinen Touristen gesehen. Zurück zur Prozession treffen wir Anup mit unserer Kundin. Nun sind wir schon 4 Fremde, besser Gäste, unter den Einheimischen. An der Verpflegungsstelle für die Prozessionsteilnehmer - die Zubereitung und Ausgabe des Essens übernimmt jedes Jahr eine andere Familie - probieren wir zur Feier des Tages den angebotenen Reisschnaps und erhalten zum Abschied noch ein Tika auf die Stirn.
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11. Tag - 24.10.2006
Der Astrologe hat die Zeit für die heutigen familiären Tihar-Feierlichkeiten mit Segnung, Glückwünschen und gegenseitigen Beschenkungen zwischen 11 und 14 Uhr bestimmt. Gegen 10 Uhr hole ich Govinda und Prasanta vom Hotel Durbar ab, um bei dieser Gelegenheit unsere gestern angekommenen Gäste Weinert begrüßen zu können. Prasanta muss anschließend wieder zum Flughafen, um die nächsten Kunden in Empfang zu nehmen. Govinda und ich begeben uns ins Büro, wo ich nach langer Zeit, 2 Jahre ist es wohl her, Govinda 2 endlich wieder einmal begrüßen kann. Während meiner letzten Besuche war er immer „on tour“.
Die Zeiger der Uhr nähern sich bereits 13 Uhr, höchste Zeit zu Govinda nach Hause zu eilen, wo bereits die Familie beisammen ist und auf uns wartet. Heike und Gregor sind ebenfalls eingeladen. Es ist Tradition, dass der älteste Sohn Familie und Verwandtschaft zu sich nach Hause einlädt. Die feierliche Zeremonie nimmt nun ihren Lauf: Segnung, Tika, Festessen bis hin zum Kartenspiel und abschließenden Tanz.
Mit Anbruch der Dämmerung geht es zurück zum Hotel. Die Sachen für die morgen beginnende Trekking-Tour sind noch zu packen. Morgen früh um 7 Uhr fahren wir wieder in Richtung Annapurna. Gregor und Heike werden von Beshi Sahar mit Govinda 2 zur Umrundung der Annapurna aufbrechen, während Govinda und ich den neuen „Gurung-Trail“ von dort nach Pokhara testen wollen.
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Seit etwa 2 Stunden sitzen wir hier im Busbahnhof und warten auf die Abfahrt. Da es gestern Ärger zwischen den Maoisten und Abgeordneten der 7-Parteien-Allianz gegeben hat, haben die Maoisten halt zum Generalstreik bis um 10 Uhr aufgerufen. Der Verkehr ist durch brennende Reifen auf den zentralen Kreuzungen und Demonstranten lahm gelegt. Auch wir mussten auf dem Weg dorthin einige Umwege in Kauf nehmen.
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13. Tag - 26.10.2006
In der Nacht versucht ein Autofahrer durch ständiges Hupen, das ganze Dorf zu wecken, vielleicht nur seine Freundin. Wer weiß? Jedenfalls beginnt kurz darauf ein Hund mit seinem Gebell, bis er, wohl heiser geworden, aufgibt.
Zu Fuß folgen wir der Schotterpiste nach Khudi mit ständigem Blick auf das gewaltige vergletscherte Massiv des Lamjung Himal. Drunten im Talgrund rauscht der Marsyandi, dessen Stromschnellen für Rafting-Freunde wohl im Bereich der höchsten Schwierigkeitsstufen angesiedelt sind. Nach ein paar Kilometern öffnet sich der Blick auf den Manaslu im Westen, dessen schneeweiße, steil aufragenden Gipfel, im Sonnenschein glitzern. Leere Muli-Karawanen kommen uns entgegen während schwer bepackte Muli mit uns unterwegs sind, um die Versorgung hungriger und durstiger Trekker auf der Tour über den Thorong La sicher zu stellen.
In Khudi angekommen, trennen sich wie vereinbart unsere Wege. Heike und Gregor nehmen nun mit Govinda 2 die Umrundung der Annapurna in Angriff. Govinda, unserer in Ausbildung zum Guide-Assistenten befindliche Träger Pasang und meine Wenigkeit, steht ein steiler Aufstieg von 1.200 m nach Ghalegaun bevor. Jetzt gegen 10 Uhr brennt die Sonne vom Firmament und wir sind froh, die ersten Höhenmeter durch schattigen Wald bewältigen zu dürfen. Dieser lichtet sich jedoch mehr und mehr. Bald säumen Reis und Hirsefelder den treppenartigen angelegten Weg und der Schweiß rinnt in Strömen. Stufe um Stufe wird erklommen und so können wir gegen Mittag in das kleine Dorf Bhalam Chaun abzweigen. Im Schatten des Hauses lassen wir uns von der Hausherrin verwöhnen. Mit Hilfe Pasangs kreiert sie aus frisch aus dem Garten geernteten Gemüse und Kräutern einen gebratenen Gemüsereis der mit Ingwer abgerundet wird. Ebenfalls aus Ingwer und Minze wird dazu ein erfrischender, würziger Tee aufgebrüht. Zum Nachtisch folgt ein leckerer Brei, der sich aus Tomaten, Minze, Chilly, Salz und Öl zusammen setzt. 2 süßsaure Mandarinen beenden den wahrlichen Festschmaus.
Nachdem die Sonne den Zenit
überschritten hat, hoffen wir, dass es bald etwas kühler wird. Weiter
geht es Tritt für Tritt bergan. Die Terrassenfelder bleiben zurück und
wir tauchen in dichten Urwald ein. Endlich Schatten und jeder kühle
Luftzug hier oben, ist eine Wohltat. Der Pfad ist nun nicht mehr ganz so
steil, wird dafür aber holpriger. Schließlich stehen wir auf dem
Höhensattel. Die vor Lamjung und Manaslu aufgetürmten Wolken beginnen
sich in der einsetzenden Abendsonne aufzulösen. Wir haben Ghalegaun in
2.100 m Höhe erreicht. Hier wurden Unterkünfte für Touristen bei 15
verschiedenen Familien ausgesucht. Bei welcher Familie wir heute
übernachten werden, legt der Leiter der örtlichen NTB-Kommission fest.
Auf das Herzlichste werden wir von unserer Gastfamilie empfangen. Man bemüht sich, uns alles recht und bequem zu machen. Die gemütlichen, sauberen weiß getünchten Zimmerchen, die sogar mit einem kleinen Schreibtisch ausgestattet sind, befinden sich über dem Kuhstall. Etwas Vorsicht ist beim Aufstieg zu den Zimmern über die schmale Treppe geboten: Achtung ,Kopf einziehen. Unsere Körpergröße entspricht nicht der nepalischen Norm.
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Auf dem Lande beginnt der Tag mit
dem Krähen der Hähne. Genau die richtige Zeit kurz vor Sonnenaufgang zum
Aussichtpunkt aufzubrechen. Wie bereits vor ein paar Tagen in Nagarkot
erlebt, wiederholt sich das Schauspiel der plötzlich erstrahlenden
Berggipfel. Nur ist man dem gewaltigen Massiv des Himalaya hier
wesentlich näher. Der Manaslu, von unserem Standort im Osten gelegen,
steht bald im grellen Gegenlicht der aufgehenden Sonne. Nach diesem
Naturschauspiel und anschließender Katzenwäsche freuen wir uns auf das
Frühstück mit Tapati und hausgemachtem Honig.
Auf gemütlichem Höhenweg erreichen wir das größte Gurung Dorf Nepals bereits zur Mittagzeit. Govinda übernimmt es ein passendes Quartier ausfindig zu machen. Mit Pasang mache ich es mir nahe einem der vielen Dorfbrunnen gemütlich und wir schauen der geschäftigen Treiben der Frauen mit ihren kleinen Kindern beim Wäsche waschen zu. Unsere Unterkunft befindet sich schließlich etwas oberhalb des Hauses unserer Gastgeber. Der zur Küche angrenzende Raum verfügt über einen Tisch und Sitzbänke. Diese Gelegenheit nutze ich gerne, um die gestrigen und heutigen Erlebnisse zu Papier zu bringen.
Die Volksgruppe der Gurung sind im
wesentlichen Bauern, die die unzähligen, um ihre Dörfer angelegten
Terrassenfelder mit Reis (in den Tälern), Hirse und Mais bestellen.
Andere sind Schafzüchter. Während die Dörfer hoch oben auf den
Bergrücken liegen, reichen die Felder bis zu 1000 Höhenmeter tief
hinunter in die Täler. Dort wo ein Bach rauscht, befindet sich in der
Regel auch ein kleines Wasserkraftwerk, welches das Dorf mit spärlicher
Energie versorgt. Die Gurungs sind vermutlich mongolischen Ursprungs und
über Tibet nach Nepal eingewandert. Die Religion ist eine Mischung aus
Hinduismus, Buddhismus und Schamanentum, wobei die buddhistischen
Elemente zu überwiegen scheinen. Nach einer kräftigen Nudelsuppe zu
Mittag, streifen wir durch diesen malerischen Ort.
Den späten Nachmittag vertreiben wir uns mit den Kindern auf dem Hof unserer Gastgeber. Die Kleinste beweist uns ihr ausgeprägtes Talent als zukünftige Folklore-Tänzerin. Zum Abendessen wird uns Tee aus der eigenen Plantage gereicht. Ein Aufguss mit einem besonderen sehr aromatisch ausgeprägten Geschmack. |
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Nachdem uns die Sonne über dem
Lamjung Himal begrüßt hat, beschließen wir zeitig aufzubrechen. Nach
etwa 600 m Abstieg hinunter zum Midim Kola stehen 900 m Aufstieg bevor,
den wir möglichst vor Beginn der Mittagshitze hinter uns bringen
möchten. Zum Frühstück munden die knusprig goldbraun gebackenen Tapatis
aus Mais und dazu der schon gestern Abend probierte aromatische Tee.
Auch hier werden wir besten Wünschen und Segen verabschiedet.
Es ist bereits 7:30 Uhr als wir aufbrechen. Steile Steinstufen führen hinunter in den Talgrund, dessen leicht zu bewässernde Felder in Nähe des Baches mit Reis, ansonsten mit Getreide bestellt werden. Jetzt im Herbst zur Erntezeit leuchten die Felder goldgelb bis hoch hinauf zu den Siedlungen. Vorbei an einen kleinem Wasserkraftwerk geht es wieder steil bergauf. Wie vor 2 Tagen führt der Weg zunächst zwischen den Feldern hindurch, bis uns der Urwald aufnimmt. Die dichten, hohen und verfilzten Bäume spenden Schatten vor den unermüdlichen Strahlen der Herbstsonne. Auf dem Bergsattel angekommen, bleibt uns heute der Panoramablick auf den Manaslu verwehrt. Dicke Kumuluswolken treiben entlang des Massives und machen nur kurzzeitig einen kleinen Ausblick auf die vergletscherten Wände und Gipfel frei. Trotz alledem ist dies ein gemütlicher Platz zur Mittagsrast. Wir sind mit den mitgenommenen Ost und Studentenfutter bestens versorgt.
Am Nachmittag in Pasgaun eingetroffen, werden wir mit einem Glas Tee herzlichst willkommen geheißen. Unaufgefordert stellt man uns Stühle zur Verfügung. Vor dem hier noch im ursprünglich ovalen Stil erbrauten Haus, an dessen Dach ein Bienenstock in Form eines Fasses befestigt ist, machen wir es uns auf dem Hof gemütlich. Zum Sonnenuntergang treffen sich einige Männer des Dorfes, um gemeinsam das Dach über der Stallung zu reparieren.
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16. Tag - 29.10.2006
Zum Frühstück wird heute die schon
einmal probierte Paste aus Minze, Tomaten, Ingwer und Chili gereicht. Es
schmeckt sehr gut, ist aber doch etwas scharf. Aber halt mal etwas
anderes, als Eier in allen Variationen. Die Verabschiedung von den
Gastgebern verläuft wie in den Tagen zuvor. Am Dorfausgang besuchen wir
noch die kleine buddhistische Ghompa in welchem ein Mönch rezitiert und
uns seinen Segen mit auf den Weg gibt.
Nun stehen uns 1.000 m Abstieg zum Rudi Kola bevor. Dann folgt der Gegenanstieg. Zu Mittag kehren wir in einem Bauernhaus ein und werden dort auf das Beste versorgt. Zuerst aber muss Pasang in den Mandarinenbaum klettern, um einen Korb mit grüngelben, süßsauer schmeckenden Früchte zu ernten. Während dessen stellt uns die Hausherrin Sitzgelegenheiten und auch Seife zum Waschen zur Verfügung. Da alle Speisen frisch geerntet und zubereitet werden, verbringen wir dort über 2 Stunden im Schatten während der Mittagshitze.
Durch Reis und Hirsefelder führt der
Weg noch etwas weiter aufwärts. Vorbei an einem keinen Shiva-Tempel
überqueren wir den Bergsattel. Am Wegesrand liegt eine kleine
Dorfschule, in der auch heute am Sonntag Kinder der umliegenden Dörfer
von 2 Lehrerinnen unterrichtet werden. Stolz zeigt man uns die
Klassenräume und das große von UNICEF gespendete Radio. Da Mädchen meist
immer noch auf ihre kleinen Geschwister aufpassen müssen, dürfen sie
diese mit zur Schule bringen. Für ein Baby ist daher eine Babyschaukel
im Klassenzimmer vorhanden.
Nach dem Abendessen folgt eine Überraschung. Fast das gesamte Dorf versammelt sich hier, um uns ein kulturelles Ständchen mit Musik, Tanz und Gesang zu geben. Bis zur ungewöhnlich späten Zeit nach 22 Uhr wird gemeinsam gefeiert. Zum Abschluss muss ich dann noch ein großes Glas Reiswein leeren, das mich kurz darauf wohlig und tief einschlafen lässt.
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... und dann doch noch: Ein Maoist
besucht uns zum Frühstück. Fragt höflich wie es uns geht und wie lange
wir hier im Annapurna unterwegs sind. Da es 5 Tage sind verlangt er von
mir eine „Spende“ in Höhe von 500 Rupien (ca. 5,50 EUR).
Selbstverständlich erhalte ich eine handschriftliche Quittung, die aber
nur ein Nepali lesen kann. Man wünscht eine erfolgreiche weitere
Wanderung hinunter nach Thumsikot wo heute unsere Tour enden wird. Da
eine Brücke auf dem direkten Weg zerstört ist, müssen wir einen Umweg
über ein Nachbardorf in Kauf nehmen. Dies bedeutet einen großen Bogen
durch schier unendliche Hirsefelder zu machen.
Auf den letzten Metern hinunter zum Mardi Kola müssen wir noch einmal über steile Steinstufen. Der Weg verläuft entlang des Wildbaches zu dessen beiden Seiten Reisfelder angelegt sind, die über ein geschickt angelegtes Kanalsystem bewässert werden. Innerhalb dieses Systems steht alle paar hundert Meter eine mit Wasserkraft angetriebene Getreidemühle.
Voll bepackt mit neu eingekauften Hosen und Hemden, m. E. gibt es in Pokhara die größte und preiswerteste Auswahl an Textilien, kehren wir zum Hotel zurück und verbringen den Abend bei der hier täglich stattfindenden Folkloreveranstaltung.
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Nach Auflösung des Morgendunstes, der über dem Phewa-See liegt, begrüßt uns das Annapurna Range von Annapurna South bis hinüber zum Lamjung Himal im klaren Sonnenschein. Nur der Dhaulagiri versteckt sich hinter dicken Wolken.
Mit dem lokalen Bus fahren wir nach Pokhara zum Busbahnhof, um die Tickets für den Nachtbus nach Kathmandu zu erwerben. Bei einen Fahrpreis von umgerechnet nur 3 EUR kaufe ich gleich 2 Plätze in der ersten Reihe, fahre heute Nacht sozusagen Business Class. Pasang fuhr bereits gestern zurück nach Kathmandu, da er dort für die nächste Trekkingtour ins Khumbu benötigt wird. Den Weg zurück zum See gehen wir zu Fuß. Pünktlich um 11 Uhr, zu Govindas Frühstückszeit mit „Nepali Pizza“, eine alternative Bezeichnung für Dhaal Bhaat, erreichen wir die Uferpromenade. Den Tag vertrödeln wir mit einer Bootfahrt und weiteren kleinen Einkäufen.
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19. Tag - 01.11.2006
Eine Nachricht meiner Tochter Tanja
ist eingetroffen: Es wird ein Junge und er wird in etwa 4 Monaten das
Licht der Welt erblicken. Ob er wohl in Opas Fußstapfen treten wird?
Nach erfolgreichem Abschluss dieser Pilotprojekte beziehe ich nun ein
Zimmer im Hotel Durbar, welches in der Nähe des *****Hotels Yak & Yeti
liegt. Obwohl nur 2 Sterne, bin ich von der Ausstattung der Zimmer
überrascht. Neben Klimaanlage, den obligatorischen, noch nie in Nepal
genutzten Fernseher ist jedes Zimmer mit einem Kühlschrank ausgestattet.
20. Tag - 02.11.2006
Der letzte Tag in Kathmandu ist Büro-Alltag. Ein paar kleinere Einkäufe sind noch zu erledigen und am Abend sitzen wir zum Abschied noch mal im City Heaven zu nepalischen Snacks beieinander.
21. Tag - 03.11.2006
Mit der QATAR starte ich am Abend den Rückflug nach Hause, wo ich morgen früh kurz vor 7:00 in Frankfurt landen und zum 2. Frühstück wieder bei Dorlis zu Hause sein werde.
Die Flüge für die nächste Reise Anfang Februar sind schon gebucht. In 3 Monaten werde ich schon wieder in Nepal sein. |