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Erlebnisse und Erfahrungen in „Klein Tibet“ im Norden Indiens
Reisebericht 17.09.07 – 06.10.07
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1./2. Tag - 17./18.09.2007
So schnell vergeht die Zeit. 6 Wochen sind vorüber die Govinda, mein nepalischer Sohn und HIMATREK-Partner bei uns in Deutschland verweilte. Nun befinden wir uns im Anflug auf Doha.
Beim Verlassen des Airbus der QATAR in Doha trifft uns der Hitzschlag. Daheim in Deutschland hatten wir uns an kaltes, nasses Wetter und auf unserer Alpentour auch an Schnee gewöhnt. Zum Glück ist der Flughafen angenehm klimatisiert um die 3 Stunden Wartezeit bis zum Weiterflug nach Delhi zu überleben. Gegen 9 Uhr haben wir unsere Plätze im Airbus nach Delhi eingenommen. Die Klimaanlage kämpft gegen die Hitze an Bord und bewältigt diese brutal mit eisigem Dunst aus den Lüftungsschlitzen. Es wird bitter kalt und hier hilft nur der dicke Pullover, der zum Glück im Handgepäck steckt. Warten wir ab, was uns in Delhi blüht.
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3. Tag - 19.09.2007
Dem Dampfkessel Delhi sind wir entkommen. Am Inlandflughafen von Delhi ist Dorothee aus Bremen zu uns gestoßen. Damit ist das HIMATREK-Team komplett. Govinda hat sich bereits gestern verabschiedet und wird morgen nach Kathmandu fliegen. Mit der guten alten Boing 737, welche von der Ausstattung her zu urteilen eine ehemalige LH-Maschine ist, heben wir pünktlich um 6 Uhr ab. Erinnerung: In diesem Flugzeugtyp musste ich 1972 meine erste Dienstreise von Düsseldorf nach Nürnberg antreten. Damals in Angstschweiß gebadet.
Die Zeit ist auf 11 Uhr vorgerückt. Zwei Stunden Schlaf taten gut. Ich informiere Dorlis, dass ich gut angekommen bin. Auf der Terrasse treffe ich zu meiner Überraschung Helga und Hans-Jürgen, deren bei uns gebuchte Reise schon langsam zu Ende geht. Im August hatten wir uns anlässlich des Nepaltages in Essen persönlich kennengelernt. Dies war die Gelegenheit, die gemachten Erlebnisse und Erfahrungen zu hinterfragen.
Nach dem Mittagessen entscheiden Thea, Jürgen und ich einen kleinen Spaziergang in das Zentrum von Leh mit seinen Basaren zu unternehmen. Da ich/wir den vom Hotelier auf der Karte erläuterten Weg vom Hotel zur Altstadt falsch interpretiere(n), werden aus 15 Minuten Fußweg knapp 2 Stunden. So wären wir schon fast wieder am Flughafen, wenn uns nicht ein hilfreicher Polizist den richtigen Weg gewiesen hätte. Nach einer gemütlichen Rast in einem schattigen Gartenrestaurant erreichen wir schließlich doch die Innenstadt von Leh. Dort erklimmen wir das Leh-View-Restaurant und genießen die Aussicht bis die Abendsonne den alten Königpalast erstrahlen lässt. Mit Einbruch der Dunkelheit erreichen wir gerade noch unser Hotel.
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Morgens
um 7 Uhr erschallt 3-mal das große Horn vom Dach des Kloster Thikse über
das weite Tal. Es ist der Weckruf an die Mönche pünktlich zur Versammlung
in der Gebetshalle zu erscheinen. Als letzte Mahnung erklingen zum Abschluss
die kleinen Muschelhörner und auch wir begeben uns nun zur Puja, der
Morgenandacht, in die Versammlungshalle. Dem monotonen Singsang der Mantras,
dem zwischenzeitlichen Schlagen der Trommeln und dem tiefen Klang der Hörner
lauschend, versinken auch wir ebenfalls in eine Art Meditation. Während der
Zeremonie huschen geschwind die Klosterschüler (Novizen) durch die Halle
und versorgen die Anwesenden mit Buttertee und einem einfachen Frühstück,
Tsampa, zubereitet aus Mehl und Wasser.
Das nächste Ziel ist die örtliche Dorfschule. Bereits im Kindergartenalter von 4 Jahren werden die Jüngsten spielerisch in die englische Sprache eingewiesen. Gelehrt werden neben der Landessprachen Indisch und Lakaki auch Tibetisch. Hinzu kommt noch die lokale Muttersprache. So wachsen die Kinder 5-sprachig auf. In den höheren Klassen wird meist in englisch unterrichtet. Bleiben wir bei den Kleinsten. Unserem Wunsch folgend werden uns einige Lieder und Tänze vorgeführt, nachdem wir versprochen hatten, auch ein Ständchen aus unserer Heimat zum Besten zu geben. Mit viel Beifall erledigten Beate, Dorothee und Gundula dies mit dem Kinderlied „Hänschen klein“.
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Nur
Dorothee, Thea und ich begeben uns auf den Weg zum Kloster Hemis. All die
anderen haben die Akklimatisierungsphase nicht so recht überstanden bzw.
sich irgendeinen Virus (aus Delhi?) eingefangen. Nach kontinentalem Frühstück
mit Toast, Marmelade und Ei fahren wir mit Lobsang, diesmal in einem
Fahrzeug, wieder entlang des Indus flussaufwärts in Richtung tibetischer
Grenze.
Mit 500 Mönchen ist Hemis das größte und wohl auch reichste Kloster von Ladakh. Vor 350 Jahren von Tagtsang Repa gegründet, entging es Dank seiner versteckten Lage den Plünderungen feindlicher Armeen und konnte so seine Schätze wahren.
Plötzlich
erschallt das dumpfe Dröhnen einer Pauke. Kommt dort etwa eine Prozession
des Weges? Nichts ist zu sehen, denn wir stehen auf dem Dach der
Gebetshalle, in welcher gerade die mittägliche Puja beginnt. Eine steile
Steintreppe hinunter nehmen wir die Chance wahr, gemeinsam mit den
anwesenden 6 Mönchen an der Zeremonie teilzunehmen. Anschließend führt
uns der Abt durch die gesamte Anlage bis wir schließlich in der Küche
landen und dort zum gemeinsamen Essen eingeladen werden. Wir zwängen uns
auf die niedrige Bank und falten so gut es geht unsere Beine.
Noch ein paar Worte zur Einsiedelei. Diese wird in den Sommermonaten nur von wenigen Mönchen bewohnt. Die meisten Mönche (auch der Klöster) kommen z.B. zur Erntezeit zu ihren Familien ins Dorf, um dort zu helfen. Ist die Arbeit getan, kehren die Mönche wieder ins Kloster zurück und bringen teilweise wie hier zur Einsiedelei auch ihre Verwandten mit, um die eisigen Tage der Monate Dezember bis Februar gemeinsam zu verbringen.
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6. Tag - 22.09.2007
Der
Vormittag steht zur freien Verfügung. Zum Frühstück ist unser Team wieder
vollständig. Alle sind so weit genesen, nur Gundula wird wohl einen Arzt
konsultieren müssen. Das tibetische Halsband habe ich inzwischen gekauft,
sogar etwas Wäsche gewaschen und genieße Sonnenschein und Aussicht von der
Terrasse des Hotels.
Oberhalb der 15.000 Einwohner zählenden Hauptstadt Ladakhs erhebt sich auf einem Felsrücken der Königspalast . Der Löwenkönig Sennge Namgyla lies diesen neunstöckigen Palast mit seinen 100 Zimmern im Stil des Potala anlegen. Derzeitig ist er eine Baustelle und würde von jedem europäischen Sicherheitsbeauftragten sofort geschlossen werden. Unter Leitung schweizer Architekten wird der baufällige Palast, als auch das zu seinen Füßen liegende alte Leh im ursprünglichen Stil restauriert. Über etwas unsichere Leitern und Stufen durchstreifen wir die Baustelle und lernen dabei die mittelalterliche Bautechnik kennen. Tief drunten betreten wir schließlich die königliche Gebetshalle. Gespenstig, wie in Frankensteins Gruselkammer, blicken uns finstere und verstaubte Dämonen entgegen.
Den Abschluss des Tages krönt der herrliche Blick von der neu erbauten Shanti Stupa über die fruchtbare, weitläufige Oase im Seitental des Indus. Von dort führt die Straße über den höchsten befahrbaren Pass (5.606 m) der Welt in das Nubra Tal.
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Das Abenteuer Nubra Tal nimmt seinen Lauf. Die beiden Toyota mit unseren Fahrern Sonam und Stansin sind bepackt und alle Mann an Bord. Auf geht es zum 5.606 m hohen Khardong La. Weiteres durch unseren mitreisenden Korrespondenten Volker:
Am Sonntag, den 23. September 2007 meldete die Bildzeitung auf ihrer Titelseite:
Was steckt dahinter, fragt sich der interessierte Leser? Musste der deutsche Außenminister intervenieren? Oder ist die Frage nur von Reinhold Messner zu beantworten? Wahr ist, das ein gut vorbereitetes deutsches Team nach vielfältigen Gesundheitskomplikationen sich an jenem Sonntag anschickte, den höchsten Pass der Welt zu überqueren – 5.600 m -, um dann im reizvollen Nubra-Tal die leckeren Lunchpakete zu konsumieren.
Aber nichtsdestotrotz schickte sich das Team am nächsten Tag wieder an, die beiden Goliathe Wetter und „Sesam-öffne-dich“ zu überwinden. Diese ereignete sich, und nicht wie manche spitze Zungen behaupteten, es hätte an der fehlenden Kondition des Teams oder am fehlenden Gipfelwillen gelegen. Und es stimmt auch nicht, dass Frank Walter und Angela diesmal Lösegeldforderungen ausschlagen wollten. Ach ja, und Reinhold hat gerade auf dem Nanga Parbat den Yeti mit dem Yak gekreuzt und hatte für das Himatrek-Team in ca. viertausendsiebenhundert Meter Höhe eben keine Zeit.
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Wir
nehmen den 3. Anlauf ins Nubra Tal. Das Permit ist nun ordnungsgemäß
ausgestellt. Vier Engländer sind nun durch 4 Deutsche unseres Teams
ersetzt. Das Wetter zeigt sich leider nicht von der besten Seite. Dunkle
Schneewolken hängen über den Gipfeln. Wir starten trotzdem und überwinden
nach den üblichen Formalitäten die indische Kontrollstelle. Inzwischen hat
es zu schneien begonnen. Mit sicherem Geschick steuern Sonam
und Stansin
die Fahrzeuge die kurvenreiche schmale Straße zum Pass hinauf.
Die Rutschpartie beginnt. Die ersten 200 Höhenmeter schliddern wir auf festgefahrener, stellenweise vereister Schneedecke hinunter. Es erscheint sicherer bis zur Schneefallgrenze auf etwa 5.400 m zu Fuß zu gehen. Unsere Fahrzeuge folgen. Glatte Stellen werden mit vom Wegesrand per Schaufel gekratztem Schotter entschärft. Entgegenkommende Fahrzeuge müssen angeschoben werden. Diese winterliche Situation scheint hier nicht ungewöhnlich zu sein und wird von den Einheimischen beherrscht.
In engen Serpentinen verläuft das schwarze Band des Asphalts hinunter in das Nubra Tal. Rechts und links erheben sich in allen Gelb- und Brauntönen gefärbte Felswände. Drunten schlängelt sich der Sheyok durch einen tiefen Canyon bis er bei Khalsar in den Nubra mündet. Hier angekommen, gönnen wir uns die redlich verdiente Teepause. Kompliment an die beiden Rallyefahrer.
Gegen 18 Uhr erreichen wir endlich unser Camp in Tyrhit, eine wunderschöne im grünen gelegene Zeltanlage mit komfortabler sanitärer Einrichtung und einem gemütlichen Gastraum.
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9. Tag - 25.09.2007
Der Blumengarten, wie Nubra übersetzt heißt, liegt klimatisch geschützt zwischen der Karakoram und der Ladakh Gebirgskette und hat eine wesentlich üppigere Vegetation als Zentralladakh. Heute morgen ist es weiterhin wolkig und in den Höhenlagen hat es in der Nacht wieder geschneit. Wir begeben uns zum Kloster Diskit. Mit einem Alter von fast 600 Jahren ist es das älteste Kloster Nubras und beherbergt etwa 80 Mönche. Es klebt an einem steilen Berghang zu dem ein schmaler Fahrweg entlang zahlreicher Stupas und Manimauern führt. Die Rückseite beherbergt einen schwindelerregenden Pfad durch eine Steilwand hinab zum Wildbach, der bis vor kurzem die einzige Wasserquelle des Klosters war.
Nach
ausgiebiger Besichtigung und Teilnahme an der Puja wandern wir durch das
gleichnamige Dorf, welches auch Verwaltungszentrum dieser Region ist. Die
Sonne lacht vom Himmel, als wir das Zentrum des Ortes mit seinen kleinen
malerischen Lädchen erreichen.
Wer
ist mutig sich vom Wüstenschiff durch die Dünen schaukeln zu lassen? Der
bestellte Kameltreiber naht mit seinen mongolischen 2-höckrigen Tieren, die
etwas kleiner als die afrikanischen sein sollen. In der mittäglichen, zur Wüste
passenden Hitze, lassen sich die Damen unseres Teams und meine Wenigkeit
durch die Dünen führen.
Den anschließenden Ausflug zu den heißen
Zum Abendessen werden wir von der ladakhischen Familie in deren Küche zum landestypischen Mahl eingeladen. Mit frisch zubereitetem Buttertee, getrocknetem Käse mit Feigen und weiteren Köstlichkeiten lassen wir uns verwöhnen. |
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Ein
strahlend blauer Himmel. Alle Wolken sind verschwunden. Was will man mehr.
Daher war es in der Nacht auch recht kalt. Erst als die Strahlen der
Morgensonne über die Gebirgskette blitzen, schwindet langsam die
morgendliche Kühle. Es heißt Abschied zu nehmen von dieser grünen Oase,
dem frischen Duft von Gras und Blumen, die schon bei der Ankunft unsere
Geruchssinne betörten. Die Kraft der Herbstsonne erweicht schnell den
Schnee in den Höhenlagen und auf der Straße schmilzt er schnell dahin.
Trotz später Abfahrt erreichen wir bereits gegen 11 Uhr den Checkpoint in
Khardong mit seiner Kaserne. Diese militärisch strategisch wichtigen Stützpunkte
findet man allerorts im Grenzgebiet zu China und Pakistan. An diesem „schönen“
Fleck müssen wir leider gut 2 Stunden ausharren. Zunächst vermuten wir,
dass der Grund für die Wartezeit die Asphaltierung der Einfahrt zur Kaserne
ist.
Oben auf 5.600 m angekommen, machen wir noch ein paar Fotos von den Gebetsfahnen, die nun im Sonnenschein daher flattern. Am Nachmittag treffen wir im Hotel Holiday ein. Dort bereiten wir uns auf die morgen beginnende Trekking-Tour vor. |
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Heute übernimmt Stenzing, unser Trekking-Guide, das Kommando. Den tief in die Landschaft eingeschnittenen Lauf des Indus folgend, geht die Fahrt nun flussabwärts nach Westen. Wir schauen hinunter auf die Einmündung des Zanskar, bekannt durch Dieter Glogowskis Dokumentarfilm „Der gefrorene Fluss“. Wir versuchen uns auszumahlen, wie es hier im Winter bei eisigen Temperaturen aussieht. Eine etwa 6 km lange Stichstraße führt in weit ausholenden Kurven an Dutzenden Chörten vorbei, bis man auf einer kleinen Anhöhe das Kloster Likir erreicht. Neben dem Tempelkomplex erhebt sich majestätisch die gewaltige Statue von Buddha Maitreya. Diesem, 1998 vollendeten Werk, hat auch der Dalai Lama seinen persönlichen Segen gegeben. Ansonsten gehört die zum Komplex gehörende Lu-Khyil-Gompa zu den ältesten Ladakhs, erbaut im Jahre 1065. Heute leben hier noch etwa 100 Gelbmützen-Mönche.
Zufall? Wieder treffen wir zur richtigen Zeit ein, als 5 Mönche draußen auf dem Dach ihre mittägliche Puja halten. Weit über das karge Tal hinaus erschallt das Dröhnen der Hörner und das Schlagen der dumpf klingenden Trommeln zu den monoton, aber wie im Kanon, gemurmelten Gebeten. Es bleibt genügend Zeit die alten Räumlichkeiten zu besichtigen und die Sammlung der uralten Kunstschätze zu bewundern.
Zum
Abendessen hocken wir gemeinsam in der Küche, wo die Mutter das Kommando
hat.
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Diskomusik wummert aus einem der Zimmer. In der Küche murmelt der Vater sein morgendliches Gebet und schwingt die Gebetsmühle. Die jüngste Tochter erledigt noch schnell ihre Hausaufgaben für die Schule. Die Schwiegertochter bereitet das Frühstück, üblicherweise Chapati (dünnes, knuspriges Fladenbrot) zu welchem Konfitüre, Honig und unterschiedlichst zubereitete Variationen aus Eiern gereicht werden.
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Die morgendlichen Sonnenstrahlen brechen durch das kleine Fenster. Über 10 Stunden habe ich sehr gut geschlafen, nachdem ich mir noch eine zweite Matratze als Unterlage besorgt hatte. Es folgt die sogenannte morgendliche Katzenwäsche vor dem Haus. Das klare, eiskalte Wasser vertreibt dann auch die letzte Müdigkeit. Obwohl weit abgelegen, hat die Solartechnik in den meisten Häusern bereits Einzug gefunden. Diese reicht für eine karge Beleuchtung und den zeitweiligen Betrieb des Fernsehers. Die warme Dusche, wie in Nepal, wird man nicht finden. Warmwasser-Kollektoren sind hier noch unbekannt.
Die heutige recht kurze Etappe führt über den 3.750 m hohen Sermanchen Pass nach Hemis Schukpachen. Heute weht ein kräftiger, kalter Wind. Zur Mittagszeit sind wir bereits am Ortseingang von Schukpachen, wo ein kleines Gasthaus mit Gartenstühlen unter einem riesigen Sonnensegel (ausrangierter Fallschirm der Armee) zur Rast lädt. Dummerweise müssen wir weiter, da wir zu Mittag bei unserer Gastfamilie erwartet werden. Und wie es halt so ist, deren Haus liegt am anderen Ortsende und bis dort hin dauert es gut eine halbe Stunde. Dorji, unser Pferde-(Esel-)mann wartet dort bereits. Wie die Tage zuvor werden wir herzlichst von unseren Gastgebern empfangen.
Nach
Reis und Gemüse zum Mittagessen ist der Tag noch recht lang. So kehren wir
zum Gasthaus zurück. Doch jetzt ist niemand mehr anwesend. Auch all die
anderen im Ort liegenden Gasthäuser haben geschlossen. Alles für die Katz?
Keine Fanta, keine Cola und kein Bier?
Den Abend verbringen wir in der geräumigen Küche innerhalb der Großfamilie. Die Jüngsten sind gerade 2 und 4 Monate alte Babys. Der Älteste ist der Urgroßvater. Wieder bewährt sich mein familiäres Bilderbuch als Hilfsmittel zur Kommunikation. Wie üblich dauert die Zubereitung des Abendessens gut 2 Stunden und gegen 21 Uhr sagt man sich gute Nacht. |
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Vor dem Haus plätschert ein Bächlein dahin und dort befindet sich eine Waschstelle. Die Gelegenheit, trotz der Kälte, eine etwas umfangreichere Morgenwäsche vorzunehmen und auch die strapazierten Füße zu erfrischen.
Frühzeitig
sind wir in Ang angekommen. Erstmals sind wir zusammen untergebracht, da das
Haus über genügend Zimmer verfügt. Auf der Terrasse haben wir die Möglichkeit
in der Sonne zu relaxen. Stenzing hat in der Nähe noch einen kleinen Laden
ausfindig gemacht, wo wir am Nachmittag noch ein wohlverdientes Bier zum
Abschluss der Tour genießen können.
Heute wird zum Abendessen ein schmackhafter Gemüseeintopf zubereitet. Wie üblich sind die Nächte lang, etwas zu lang. Zudem ist die heutige Schlafstelle trotz zusätzlich aufgelegter dünner Matratze recht hart und mein Zimmergenosse Volker übt des Nachts auch noch den Teddybär. |
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15. Tag - 01.10.2007
Es war eine schrecklich lange Nacht, die ich irgendwie überlebt habe. So wie es hell wurde, habe ich das kleine Bad mit eiskalter Dusche genutzt, um wach zu werden und zu bleiben. Alles schläft und schnarcht noch vor sich hin, während ich hier auf der Terrasse sitze und jetzt das morgendliche Spiel der Schatten beobachte.
Pünktlich
um 10 Uhr treffen unsere Fahrer ein. Hinunter geht es zum Ufer des Indus.
Nach einigen Kilometern zweigen wir in eine wahre Bergwildnis ab.
Hier im klösterlichen Gasthaus erwartet uns wieder ein richtiges Bett und was noch viel wichtiger ist, eine warme Dusche. Der fehlende Schlaf der letzten Nacht fordert sein Tribut. Todmüde falle ich auf die Matratze und versinke sofort in einen tiefen Schlaf aus den mich Gundula auf meine Bitte hin gegen 3 Uhr herausreist, da die Besichtigung der Klosteranlage bevorsteht. Die belegte Geschichte des Klosters beginnt im Zuge der Verbreitungswelle der buddhistischen Lehre im 11. Jahrhundert. Ich schaffe es soeben noch bis in die große Versammlungshalle und dem darüber liegenden Gonghang, den Raum der zornvollen Schutzgottheiten. Mein Schädel brummt, die Augenlider sind schwer und kurz darauf schwebe ich wieder auf Wolke 7.
Es ist bereits dunkel, aber ich habe endlich ausgeschlafen. Nun unter die warme Dusche und dann zum Abendessen. Doch Vorsicht. Ein Betonboden kann mit nassen Füssen glatt wie eine Eisfläche sein. So knalle ich unversehens auf den Hintern. Au, das tat weh! Humpelnd erreiche ich die Zimmertür, bin aber nicht in der Lage das Vorhängeschloss zu öffnen. Auch alle Mühen meiner Mitreisenden bleiben erfolglos. Der Wirt schafft es im Handumdrehen, nachdem ich ihn aus der Küche holen musste.
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Die
lange Rückfahrt nach Leh beginnt. In Khalse finden wir endlich einen
Barbier, der sich meiner inzwischen recht langen Bartstoppeln annimmt. Nach
einigen weiteren Kilometern zweigen wir von der Hauptstraße auf eine
schmale Piste ab, die sich durch ein enges Tal hinauf schlängelt. An dessen
Ende liegt in einem Talkessel die imposante Klosteranlage Rizong. Diese
einsame Lage kommt der Grundphilosophie dieses von 40 Mönchen bewohnten
Kloster sehr gelegen:
Unweit des Rizong Kloster liegt eines der in Ladakh ständig bewohnten Nonnenkloster Chulichan Chomoling. Bis vor kurzen beherbergte es lediglich vier alte Nonnen, die mehr oder weniger nur Dienstmädchen der Mönche im Kloster Rizong waren. Mit internationaler Unterstützung wurden neue Unterkünfte und ein Tempelraum geschaffen. Inzwischen sind einige junge Nonnen hier eingezogen, nachdem es wohl auch nach ISO 9000 zertifiziert wurde, wie der Aufdruck auf einer der Türen verkündet.
Der
nächste Halt ist Alchi, ein Juwel unter den Klöstern Ladakhs. Die 1000
Jahre alte Tempelanlage ist Weltkulturerbe der UNESCO. Alchi beherbergt
einige der wertvollsten Kunstschätze des westlichen Himalaya, wie z.B. die
Wandmalereien aus der Kultur des Königreiches von Kaschmir.
Am späten Nachmittag erreichen wir Leh. Es ist Oktober und merklich kühler, als noch vor 2 Wochen.
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Die Küche hat sich zum Abschiedsessen einiges einfallen lassen. Dazu gehören knusprig goldbraune Hühnchen. Ich bin nun gut 2 Wochen Vegetarier, was mir bekanntlich auch heute Abend nicht schwer fällt, da alle Flattertiere für mich grundsätzlich ungenießbar sind. Das Packen fällt mir anschließend recht leicht. Da Handgepäck in Leh nicht mit an Bord genommen werden darf, verschwinden alle Trekkingutensilien und die schmutzige Wäsche in der großen Trekkingtasche. Alles Andere, einschließlich meines Tagesrucksacks, im Koffer. Aber Achtung, den Reisepass, der im Tagesrucksack steckt, brauche ich morgen.
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18. Tag - 04.10.2007
Eine innere Uhr sagt aufwachen! In der Finsternis und ohne Brille ist das Zifferblatt nicht erkennbar. Taste mich zum Lichtschalter, Licht an! Oh Schreck, es ist bereits 5:15, um 5 sollte der Weckruf erfolgen. Habe ich diesen überhört? Ruck zuck bin ich angezogen, auf das Zähne putzen wird verzichtet. Runter in die Hotelhalle. Thea und Jürgen sind schon da. Die Übrigen, außer Dorothee die noch ein paar Tage länger in Leh bleibt, folgen wenig später. Was ist passiert? Der Rezeptionschef hat verschlafen. Ende gut, alles gut. Um 5:30 erhalten wir wie verabredet den „Good morning“-Tee und 10 Minuten danach sind wir unterwegs zum Flughafen.
Das Check-in erfolgt unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen. Selbst den MP3-Player muss ich vorspielen. Anschließend werden Brustbeutel, Fotoapparat und MP3-Player mit einem Anhänger zusammen geheftet und ich darf die Kontrolle passieren.
Mit
etwas Verspätung setzt die etwas ältere B 737 am Inlandflughafen Delhis
auf. Wieder auf normaler Höhe schlägt nicht nur der höhere Luftdruck
sondern auch die Hitze zu. Die Fahrt zum Hotel scheint schier unendlich.
Stop und go im dichtesten und wohl auch verrücktesten Verkehr. Unser
Kleinbus quält sich nicht nur zwischen PKWs, LKWs und Bussen daher, sondern
auch Tucktucks, Motorräder, Fahrräder und Fußgänger behindern das Vorwärtskommen.
Die
Sonne ist hinter dem Horizont verschwunden und die Temperatur liegt immer
noch bei 35 °C. Da unser Hotel am „Karol Bagh“ liegt, stürzen wir uns
anschließend in die abendlichen Shopping- und Basarstraßen.
Den immer noch recht warmen Abend möchten wir gerne bei einem kühlen Bier auf der Dachterrasse unseres Hotels ausklingen lassen. Unverständlich aber wahr, das Swati Delux besitzt keine Lizenz zum Alkoholausschank. So bleibt uns nichts anderes übrig, als die um die Ecke liegende, sehr gut gekühlte Restaurant-Bar umzusiedeln, die wir noch vom Tag unserer Ankunft her kennen.
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19. Tag - 05.10.07
Was unternimmt man in einer chaotischen (Verkehr) und heißen (Temperatur) Stadt? Erst mal so lange wie möglich ausschlafen, denn die Zimmer sind klimatisiert. Dann zum Frühstück im neben dem Hotel gelegenen Schnellimbiss. Erst einmal gesättigt startet man einen Bummel, aber immer schön auf der im Schatten liegenden Straßenseite. Ich lasse mich treiben, Menschen bei ihrer täglichen Arbeit beobachten, generell Eindrücke aufnehmen. Irgendwann stehe ich wieder vor dem berühmten „M“. Was bietet Mc Donalds hier an? Das bunte Angebot scheint dem in Gelsenkirchen gleich zu sein. Doch da sind die kleinen Unterschiede: Die Burger bestehen nicht aus zerkleinerten heiligen Kühen, sondern aus irgendeinem Sojagemisch.
Zwei Stunden des Tages verbringe ich in einer Ecke des Restaurants „Yade Garden“ (mit Bierlizenz!) in dessen Richtung zum Glück kein Ventilator bläst. Den Garten zum Restaurant wird man in Delhi verzweifelt suchen: Speisen und Ausschank im Freien sind verboten. Hier schaffe ich es mein Tagebuch auf den aktuellen Stand zu bringen und flüchte anschließend vor der flirrenden Hitze wieder ins Hotel zurück. Hier hat der gute Etagenchef nichts Besseres zu tun, als die Klimaanlage auf Hochtouren zu schalten (brrrrrrrrr) und die Flimmerkiste anzuschmeißen. Es kostet mich einige Mühe ihm begreiflich zu machen, dass ich nicht tiefgekühlt werden möchte und von Cricket gar nichts verstehe. Irgendwie überlebe ich diesen Tag bis zur guten Nacht.
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20. Tag - 06.10.2007
Pünktlich um 7 Uhr werden wir zum Flughafen abgeholt. Hier trennen sich unsere Wege. Abschied nehmen von Beate, Gundula, Thea, Jürgen und Volker, die mit EMIRATES zurück in die Heimat fliegen. In 45 Minuten starte ich mit Yet Airways nach Kathmandu.
Gut eine Stunde später lande ich in meiner 2. Heimat. Govinda und Prasanta holen mich vom Flughafen ab. Im Büro ist mein Schreibtisch mit Notebook komplett eingerichtet. So könnte ich mich noch am Nachmittag in die Arbeit stürzen, doch dies verschiebe ich auf morgen.
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Fortsetzung: |