|
Erkundungen in Nepal
Reisebericht 20.03. - 30.04.2009Vorwort
Meine zweite Heimat ruft, obwohl ich erst vor gut 4 Monaten aus Nepal zurück gekehrt bin. Manchmal ist es gar nicht so schlecht, wenn die Zeit auch einmal recht schnell vergeht. Die Weihnachtszeit liegt schon weit zurück. Meine Enkelin Lara ist inzwischen drei Jahre alt und den zweiten Geburtstag von Nick haben wir vor 4 Tagen gefeiert. Also der richtige Zeitpunkt, dem tristen nasskalten Wetter in unseren Breitengraden zu entfliehen.
Wie bereits in den letzten 3 Jahren, möchte ich mit unserem Team in Kathmandu möglichst wieder Neuland, zumindest aber vor Jahren in Nepal besuchtes Terrain erneut erkunden. Eine konkrete Planung haben Govinda und ich noch nicht vorgenommen. Alle Einzelheiten werden wir flexibel vor Ort entscheiden.
© Klaus Töpfer HIMATREK Gelsenkirchen, Dezember 2008
|
|||||||||
|
Tschüss ihr Lieben bis in 6 Wochen. Meine Frau Dorlis, die dieses mal nicht mit nach Nepal kommt, Tanja, Carina und die Enkelkinder Nick und Lara haben mich zum Bahnhof Gelsenkirchen gebracht. Der Regionalexpress nach Duisburg rollt ein. Winke, winke. Eingepfercht stehe ich zwischen Fußballfans mit meinem Gepäck an der sich gerade schließenden Tür. Heute Abend findet das Abstiegsduell zwischen dem VFL Bochum und Mönchengladbach statt. Irgendwie finde ich doch noch einen Sitzplatz.
Mit dem ICE erreiche ich ab Duisburg pünktlich den Flughafen Frankfurt. Im Terminal 2, Halle E macht kurz darauf der Schalter der GULF auf. Einchecken, den Koffer bin ich los und der „Urlaub“ kann beginnen, wie üblich mit dem Warten zum Boarding. So vertiefe ich mich in den Roman einer meiner Lieblingsautoren. Wer glaubt, das es etwas über das Himalaya, Nepal, den Buddhismus oder ähnliches ist, der irrt. Mit einem packenden Horror von Stephen King vertreibe ich mir die Zeit.
|
|||||||||
|
Nach einer Schlummerpause während des Fluges im modernen Airbus, setze ich das Schmökern in Bahrain fort. Die dicke Jeans und Socken sind bereits im Rucksack verschwunden. Ein dünnes Hemd, die leichte ¾-Hose und Sandalen werden auch in den kommenden Tagen in Kathmandu als Bekleidung ausreichen.
Wie gemäß Wetterbericht zu erwarten, sind die Gipfel des Himalaya beim Anflug in dicke Wolken gehüllt. Erst kurz vor dem Aufsetzen durchbricht das Flugzeug die Wolkendecke. Die sofort vom Piloten eingeleitete Vollbremsung folgt wie erwartet. Wie das Leben halt so spielt: Bei der Einreisekontrolle bin ich der Erste, unten am Gepäckband wieder einmal einer der Letzten. Während des Wartens auf meinen Koffer, lerne ich unsere Kunden Hans-Dieter, Wolfgang und Franz kennen, die ebenfalls an Bord der GULF waren. Vor dem Flughafen begrüßen uns wie üblich Govinda mit Frau Radhika und Prasanta. Im Hotel Manang angekommen, ist „mein“ Zimmer 501 reserviert. So beginnt gleich das Training, denn die Ortsteile Kathmandus werden nur stundenweise mit Strom versorgt. Die verfügbare Energie reicht für die Millionenstadt Kathmandu, gerade jetzt zur Trockenzeit, bei weiten nicht aus. Statt mit den Lift, geht es zu Fuß in die 5. Etage hinauf.
Am Abend feiern wir bei Kerzenschein mit unseren Kunden im Delima Garden gemütlich den Einstieg in die nepalische Küche. Zu gut gekühlten Gorka Bier, einer deftigen Hot & Sour Soup lasse ich mir Fried Momos schmecken. Da es ab 21 Uhr für 4 Stunden im Stadtteil Galkopakha (nördlich von Thamel, dort wo unser Büro liegt) wieder Strom gibt, begeben wir uns trotz der Finsternis dorthin. Ein kurzer Blick in die eingegangenen Emails, ein Anruft nach Hause und dann wird es Zeit, sich aufs Ohr zu legen. Ein langer Tag geht zu Ende.
|
|||||||||
|
03. Tag - 22.03.2009
Unsere Gäste Marco und Rico aus Österreich sind bereits nach Lukla abgeflogen, als ich gegen 8:30 Uhr im Büro eintreffe. Hans-Dieter, Wolfgang und Franz hatten gestern Abend noch entschieden, mit einem privaten Kleinbus nach Beshi Sahar zu fahren und werden mit Guide Ram erst gegen 10 Uhr in Richtung Annapurna aufbrechen. Bis zur nächsten Stromunterbrechung um 11 Uhr schaffen wir es, mein Notebook online zu bringen. Ein Email zu Dorlis und den Kindern, der erste Bürotag ist zwangsweise beendet.
Elke trifft ein, die mit Tara einige Tage im Langtang „on trek“ war. Sie hat sich etwa 3 Monate „Auszeit“ in Nepal genommen und entschieden, wie bereits vorab in Deutschland angeboten, mit mir an der Tour ins Annapurna teilnehmen. Tara, der begonnen hat Deutsch zu lernen, wird uns als Guide begleiten, um seine Kenntnisse in der Praxis zu verbessern. Zuvor werde ich mit Govinda 3 Tage nach Chitwan fahren, um ein paar Resorts/Hotels in Sauraha in Augenschein zu nehmen, insbesondere um auch zwei im Park liegende Resorts erstmals zu begutachten.
|
|||||||||
|
04. Tag - 23.03.2009
Um 8 Uhr flammt im Hotel die Beleuchtung auf. Im Büro stehen wir jedoch weiterhin ohne Power da. Es wird Zeit nach Chitwan aufzubrechen. Dort soll die Energieversorgung angeblich besser sein. Zumindest ist es dort wärmer. Heute zeigt sich Kathmandu schon wieder von seiner sonnigen Seite. Am Abend sind Govinda und ich seit langen wieder im City Heaven. Ein neuer Besitzer seit Anfang dieses Jahres und schon ist die Qualität von Speisen und Getränken wieder in Ordnung und das weiterhin zu sehr günstigen Preisen.
|
|||||||||
|
05. Tag - 24.03.2009 Chitwan
Zur Erkundungsreise nach Chitwan hat
Govinda einen Privatwagen mit Fahrer, namens Ganesh, gemietet, damit wir
dort möglichst flexibel unterwegs sein können. Mit an Bord ist Elke, die
sich kurzfristig entschlossen hat, den Chitwan Nationalpark zu besuchen. Wir
werden sie im bekannten Tiger Camp in Sauraha unterbringen, wo sie an den
verschieden Programmen im Park teilnehmen kann.
Gegen 10 Uhr verlassen wir Kathmandu. Es wird ein sehr warmer Tag, aber es bleibt dunstig. Je mehr wir uns dem Terai im Süden Nepals nähern, nimmt die Schwüle zu. Auf bekannter Strecke zweigen wir in Mugling von der Verbindungsstraße Kathmandu-Pokhara nach Süden ab. An der Einmündung des Seti in den Trisuli gönnen wir uns eine Fotopause. Im Herbst 2006 endete hier unsere Rafting-Tour. Ein paar Kilometer weiter steigt an der gegenüber liegenden, steil aufragenden Uferböschung dicker hellgelber und weißer Qualm auf. Polternd donnert Geröll aus der Wand in den Trisuli. Stellenweise haben sich Geröllhalden im Wasser aufgetürmt. Was ist passiert? Ein Buschbrand? Nein, ein kontrollierter (?) Abbrand des alten Grases. Wie bei uns noch in den 50er und 60er Jahren praktiziert, glaubt man durch diese Maßnahme eine Düngung und zugleich ein besseres Wachstum zu erreichen. Letztendlich produziert man CO2, vernichtet die frischen Triebe und das Kleintier, welches keine Chance hat, dem Feuer zu entfliehen. Durch die enorme Hitze wird zudem der Kalkstein regelrecht aus der Wand gesprengt.
Am Nachmittag setzen wir Elke im Tiger Camp ab. Govinda und ich begeben uns zum Gaida Wildlife Camp. Das Resort liegt etwa 15 Fahrminuten außerhalb von Sauraha im Nationalpark am Ufer des Dhunre Kola, einem Zufluss zum Rapti River. Hier beziehen wir, mitten im Wald gelegen, im landesüblichen 1-Zimmer Bungalows mit Bad für eine Nacht Quartier. Da man von der Außenwelt regelrecht abgeschnitten ist und auch keine Verbindung zum Internet besteht, fahren wir am frühen Abend nochmals nach Sauhara zurück.
Im Internet-Shop gibt es zwar Strom,
doch kein Power im Tower. Ohne Stromversorgung des Sendemasten ist keine
Verbindung zur Welt möglich. Ab 20 Uhr soll alles wieder funktionieren, wird
versprochen.
Wieder zurück im Gaida Wildlife Camp endet gerade die Vorführung des Stocktanzes der hier lebenden Taurus. Eine etwa 12-köpfige Gruppe des Reiseveranstalters GeBeCo und ein paar weitere Privat-Gäste sind zugegen. Ein reichhaltiges Barbecue Buffet wird eröffnet. Wir lassen es uns schmecken.
|
|||||||||
|
Zur Mittagzeit ist es recht heiß
geworden. Inzwischen sind wir in das Unique Wild Resort, etwa 5 Gehminuten
vom Zentrum Saurahas entfernt, umgesiedelt.
Den Sonnenuntergang warten wir wieder am Ufer des Rapti ab. Elke trifft von einem abenteuerlichen Tag mit dem letzten Boot ein. Sie berichtet von ihren Erlebnissen. Nicht immer hat man das Glück neben Vögeln und Rotwild auch Affen, Nashörner und Krokodile ausgiebig in freier Natur beobachten zu können.
|
|||||||||
|
Heute wollen wir ein wirklich im Park liegendes Resort besuchen. Ziel ist das Island Jungle Resort. Einige Kilometer hinter Bharatpur zweigen wir von der nach Butwal führenden Hauptstrasse nach Süden ab. Nach 8 Kilometern endet die Schotter- und Sandpiste, die nur zur Trockenzeit mit einem normalen PKW befahrbar ist, unmittelbar am Ufer eines Seitenarms des Narayanis. Dort werfen einige Frauen die Netze zum Fischfang aus. Ein Bootsmann erwartet uns. Hinüber geht es zum anderen Ufer. Der anschließende 5-minütige Fußweg zum Resort vermittelt den ersten Eindruck einer Dschungel-Wanderung. Diese Anlage ist mit zahlreichen Doppelbungalows, die sich entlang des Ufers in den Wald schmiegen, für den Naturfreund, der die einsame Idylle sucht, zu empfehlen. Auf Wunsch ist auch eine Übernachtung im Zelt, direkt auf der Uferböschung möglich. Leider bleibt uns nicht genügend Zeit, um am Nachmittag an einem der Parkprogramme teilzunehmen.
Pünktlich zur Mittagzeit treffen wir im
Kingfisher Resort (Tiger Island) ein, dort wo wir im Frühjahr 2000 unseren
ersten Aufenthalt in Chitwan verbrachten. Mussten wir damals den Seitenarm
des Narayanis per Boot überqueren, so ist er momentan vollständig
ausgetrocknet. Diese Anlage wird z.Z. renoviert und voraussichtlich erst im
nächsten Jahr wieder eröffnet. Auf der Rückfahrt nach Sauraha gibt Ganesh
kräftig Gas als wolle er die Formel 1 gewinnen bzw. seine Fahrkünste
beweisen. Ich muss ihn bitten, doch etwas bedächtiger zu fahren.
Jetzt Ende März treffen Ernte und Pflanzzeit im Terai aufeinander. Weizen und Gerste sind bereits überwiegend geerntet. Die abgeernteten Felder werden gedüngt, gepflügt und unter Wasser gesetzt. Die vorgezogenen Reispflänzchen werden Stück für Stück per Hand gesetzt. Wie schon in den Tagen zuvor beobachtet, finden sich allerorts verkohlte, brennende und qualmende Flächen. Die Unsitte des Abbrand findet selbst im Park, obwohl verboten, zischen Büschen und Bäumen statt. Mich wundert es, dass sich hier noch kein Großbrand entfachen konnte. Eine Aufklärung der Bevölkerung ist zwingend notwendig.
Die letzte Nacht verbringen wir im Tiger Camp, direkt am Rapti gelegen. |
|||||||||
|
08. Tag - 27.03.2009 Annapurna
Govinda muss nach Kathmandu ins Büro
zurück. So verabschieden Elke und ich uns in Manakamana und warten auf den
Bus nach Pokhara. Mit etwa einstündiger Verspätung trifft der Bus mit Tara
und welch eine Überraschung auch mit Dawa an Bord ein. Dawa war mit mir auf
der Tour im Herbst vergangenen Jahres als Träger dabei und hat mich sicher
über den Laurebiniak Pass bis nach Nagarkot geleitet.
Wie all die Jahre, ziehen wir in Pokhara in das Lake View Resort ein. Die letzten Besorgungen für das morgen beginnende Trekking, noch einmal zum Barbier, schnell die neusten Emails abrufen und wo nötig beantworten, dann ist der Tag um. Auch Dorlis gratuliere ich vorab zum morgigen Geburtstag, denn in den kommenden Tagen sind wir abseits der elektronischen Kommunikation. Bis schließlich alle Dinge im Rucksack und in der Trekking-Tasche verstaut sind, ist die Uhr schon fast auf Mitternacht vorgerückt.
|
|||||||||
|
Für die Fahrt nach Beni, gönnen wir uns ein Taxi. Sehr schnell hat man die Dauer solch einer Fahrt im Frühjahr vergangenen Jahres vergessen. Vier Stunden sind es bis Beni auf verhältnismäßig guter Straße. Der Monsun, die Hitze und die starke Belastung durch schwer beladene LKWs haben die Asphaltdecke gewaltig an der Rändern angeknabbert. Die Schlaglöcher mit lockerem Schotter sind unübersehbar mehr geworden. Noch 2 Jahre und von dieser „Straße“ wird kaum etwas übrig geblieben sein. Ab Beni folgen wir 1 ½ Stunden der Schotterpiste entlang des Kali Ghandaki, die durch einige Schlammlöcher unterbrochen ist. Kurz vor Tatopani, der letzten Haltestelle für Busse und Taxen, endet die Fahrt.
Während wir im April 2008 nach Tatopani wanderten, zweigen wir heute in das
Tal des Ghara Khola ab. Unser heutiges Ziel ist Ghara (1.700 m), das
Heimatdorf von Tara, Govindas Frau Radhika, Prasanta, Rudra, Dev, Dipendra,
... .
|
|||||||||
|
Ghara erwacht zum Leben. Der Morgennebel löst sich auf. Es grüßen die Gipfel des Nilgiri und Tukuche Peak. Fast genau 10 Jahre sind vergangen und ich befinde mich wieder auf der Terrasse von Govindas Haus. Das Zimmer auf der rechten Seite war für mich und Dorlis als Gastzimmer eingerichtet. Rudra, damals 15 Jahre jung, baute für uns das „Örtchen“, wie er mir später in Kathmandu erzählte. Dieser morgendliche Rundweg führt uns auch zu Taras Familie. Am Rande des Dorfes wohnen seine Eltern, die Schwester und seine betagten Großeltern, Opa im Alter von 84, Oma im Alter von 83 Jahren. Zum Abschluss steigen wir hinauf zum mächtigen Wacholder Baum, der über Ghara thront. Im Schatten dessen befindet sich ein kleiner Tempel, der Shiva geweiht ist.
Zurück in der Namaste Lodge ist es die passende Zeit für das Frühstück von Tara und Dawa. Was wohl? Dhaal Bhaat!. Die ersten nach Ghorepani aufsteigenden Trekker kommen schwitzend an der Lodge vorbei. Wir hingegen verlassen diesen Hauptweg und steigen erst einmal hinunter zum Ghara Khola. Nach etwa 30 Minuten Abstieg kommen wir auf dem schmalen, teilweise recht steilen Pfad nach Paudwar (1.900 m) gehörig ins Schwitzen, denn die Mittagsonne brennt gewaltig vom Firmament. Wesentlich eher, als von Tara prognostiziert, erreichen wir das heutige Ziel.
Unser Spaziergang am Nachmittag wird durch ein plötzlich heran nahendes Gewitter beendet. So eben wieder ein Dach über den Kopf beginnt es zu hageln. Danach folgt ein langer ausgiebiger Regenguss, so dass wir uns die restliche Zeit des Tages mit Karten spielen vertreiben.
|
|||||||||
|
Guten Morgen Dhaulagiri. Er begrüßt uns
im Morgengrauen, versteckt sich dann aber schnell hinter dicken Wolken.
Trotzdem, der Tag bleibt zunächst sonnig, aber dann.
Wir beschließen, dass Dawa voraus geht, um den weiteren Weg zur Lodge zu erkunden. Elke und ich folgen mit Tara. Der Weg zieht sich weiter mühselig berauf. Glaubt man endlich die Kammhöhe erreicht zu haben, folgt an der nächsten Biegung die große Enttäuschung. Ein weiterer Absatz ist zu erklimmen. Inzwischen sind wir in dichte Wolken gehüllt und es beginnt zu schneien. Von Dawa keine Spur. Wo ist die Lodge? Tara sputet nun auch voraus. Irgendwo muss die Lodge ja sein. Im tiefer werdenden Schnee werden die Beine immer schwerer. Ein kalter Wind kommt auf. Ich bekomme ein mulmiges Gefühl, denn sieben Stunden sind wir bereits unterwegs. Geht alles gut? Sollten wir nicht besser zurück zur Alm mit dem Viehstall absteigen, um dort die Nacht zu überleben?
Unerwartet die Erlösung. Dawa kommt uns
mit dem Besitzer der Lodge entgegen. Mit dabei eine Kanne heißen Tee, ein
paar Kekse. Wie durch ein Wunder reist der heftige Wind die Wolken
auseinander. Nicht nur unsere Unterkunft wird sichtbar, sondern auch das
gewaltige Panorama des Annapurna. Die letzen Meter sind nun nur noch ein
Klacks. Hier bekommen wir es bestätigt: Khopra Danda , 3.660 m hoch, 1.800
Höhenmeter sind bewältigt.
Eine wohltuende Wärme umgibt uns in der Küche am offenem Herd der Lodge. Gemeinsam mit dem Wirt, Tara und Dawa kreieren wir eine Knoblauch-Zwiebel-Ingwer-Suppe mit Ei und weiteren Zutaten. Was gibt es danach noch schöneres als ein warmes Bad. In einer großen Schüssel stehen und das Wasser mit der Schöpfkelle über sich zu gießen. Alle Strapazen des Tages sind schnell vergessen. Beim gemeinsamen Abendessen mit Dhaal Bhaat, gibt es allen Grund den mitgebrachten Schinken aufzuschneiden.
|
|||||||||
|
12. Tag - 31.03.2009
Um 6 Uhr wache ich auf. Ein Blick durch das kleine beschlagene Fenster, sagt mir, dass die Berge noch hinter morgendlichen Dunst verborgen sind. Eine Stunde später. Ein unbeschreibliches Panorama reist mich aus den Federn. Zum Greifen nahe glitzern die gewaltigen Eisriesen des Himalaya im Schein der aufgehenden Sonne. Der Dhaulagiri im Westen, es folgen Tukuche Peak, Nilgiri und Annapurna South im Norden. Nur der Machhapuchare befindet sich im vollem Gegenlicht.
Da es gestern zu heftig geschneit hat
und auch das Nebelrisiko zu groß ist, entfällt der geplante Ausflug zum
Khari Baraha Tempel (4.100 m). Während Elke es sich in der Küche gemütlich
macht, unternehmen Tara und ich einen Spaziergang. Von der Lodge steigen wir
den Sattel hinauf. Auf der gefrorenen Schneedecke folgen mindestens 90 kg
nur 55 kg Körpergewicht. Während Tara bequem voran schreitet, breche ich
zumindest bei jedem 2. Schritt ein. Im Süden türmen sich gewaltige
Wolkenmassen auf. Über uns tost ein Kampf der Wettergrenzen. Es ist ein
einmaliges Schauspiel den Sieg der Warmfront aus dem Süden in dieser Höhe
erleben zu können, obwohl damit unser Ausflug beendet wird.
Im Laufe des weiteren Tages bleibt es wie zu erwarten bewölkt. Zeitweise fällt wieder etwas Schnee und ein eisiger Wind tobt sich hier oben aus. Dies ist die Gelegenheit, ein Nickerchen am Nachmittag zu machen. Anschließend lassen wir die Dining Hall für 100 Rupien aufwärmen. Erst lesen, Musik hören und der Abend endet mit Kartenspiel. Übrigens, wir sind hier die einzigen Gäste. Nach Auskunft des Wirtes besuchen zur Saison maximal 2 Gruppen diesen Ort pro Monat.
|
|||||||||
|
13. Tag - 01.04.2009
In der Nacht tobt der Sturm um das Schlafhaus. Ich träume davon, dass wir morgen früh tief eingeschneit sind. Es ist schon eine recht außergewöhnliche Wettersituation zu dieser Jahreszeit. Normalerweise beginnt spätestens Anfang März die Trockenperiode nach dem Winter. Das erste Licht des Tages dringt ins Zimmer. Ein Blick hinaus. Kein Wölkchen am azurblauen Himmel. Ein atemberaubender Rundblick.
Der Wirt der Lodge begleitet uns durch
den im Schnee anfangs nur schwer erkennbaren Pfad hinunter. Nach etwa 800 m Abstieg
ereichen wir die im Rohbau fertige Lodge in Chhistibang. Handwerker sind
fleißig mit dem Innenausbau und Herstellung der Inneneinrichtung
beschäftigt. Zur kommenden Herbstsaison ist die Einweihung geplant, so dass
der Aufstieg nach Khopra Danda auf diesem Wege für Trekker optimal möglich
ist.
Der wolkenlose Himmel bleibt uns weiter
treu. So wird es angenehm schattig, als wir in den Dschungel mit seinen
vermoosten Rhododendren eindringen, der schließlich in Mischwald übergeht.
In Swatha kehren wir in die gemütliche neu gebaute Magar Lodge ein.
Diese
wird von einer Lehrerin bewirtet. Wie sich später herausstellt, stammt sie
aus Ghara und ist eine ehemalige Schulkameradin von Prasanta. Die bislang
einsame Tour, auf der wir keinen Touristen trafen, führte uns durch das
Siedlungsgebiet der Magar.
Nach Sonnenuntergang entwickelt sich ein gewaltiges Gewitter. Nach heftigem Wetterleuchten rings herum in den Bergen, öffnen sich die Himmelsschleusen.
|
|||||||||
|
Es ist und bleibt trübe. Heute beim 4. Anlauf zum Poon Hill spielt das Wetter wieder einmal nicht mit. Wir überqueren den Ghara Kola und steigen über Terrassenfelder hinauf nach Citre und erreichen den Trekking Highway Tatopani - Ghorepani. Prompt begegnen uns 2 leicht bekleidete Damen in Sandalen, die sich schwitzend den Weg hinauf kämpfen. In der Dhaulagiri Lodge kehren wir zu einen Glas Tee ein. Beim Aufbruch trifft eine 15-köpfige Gruppe aus Japan ein. Zur Mittagzeit sitzen wir in der Snowland Lodge in Ghorepani am Kanonenofen, auf dem Helmut im Jahre 2000 seine Turnschuhe verschmoren lies. Gerne würden wir bleiben, doch die Wolken hängen tief herab. Ein Ausflug im Nebel zum Poon Hill hinauf, ist sinnlos. Die Entscheidung fällt leicht. Wir wandern weiter zum Deurali Pass (3.100 m) und sollte morgen das Wetter wieder klar sein, können wir auch dort zu einen Aussichtpunkt mit fast gleichen Panorama wie vom Poon Hill hinauf.
Verdammt noch mal, wo ist meine Brille
geblieben? Ich durchstöbere all meine Sachen und bin absolut sicher, dass
ich die Brille nicht in Ghorepani liegen gelassen habe. Unterwegs habe ich
doch die leeren Akkus der Kamera ausgetauscht. Dies wäre ohne Sehhilfe nicht
möglich gewesen. Unterwegs verloren? Ich begrabe schon alle Hoffnungen in
den nächsten Tagen die Speisekarte lesen, geschweige denn mein Tagebuch
weiter führen zu können. Hätte ich doch eine der Ersatzbrillen, die im Büro
in Kathmandu liegen, mitgenommen. Mit Elke, Tara und Dawa recherchieren wir,
wo die Brille verloren gegangen oder vergessen worden ist. Da ist sie ja!
Elke hat sie auf einem ihrer Fotos entdeckt. Dank der hohen Auflösung. Sie
liegt auf dem Sockel, wo ich mit Tara die Gebetsfahnen aufhängte.
Zum Abend hin füllt sich der Gastraum. Nicht mit Touristen, da bleiben wir die einzigen, sondern alle hier lebenden Einheimische versammeln sich vor dem Fernseher. Die Unterhaltung beginnt mit einem recht ansehnlichen Videoclip mit Musik und Bildern aus Tibet. Danach folgt ein typischer Bollywood Movie. Die Damen des Hauses spielen während dessen Rommee. |
|||||||||
|
Von 0 auf 100 Touren. Tara schmeißt uns wie vereinbart aus den Federn. Sonnenaufgang! Mit Vollgas geht es in 15 Minuten zum Aussichtsturm. Dhaulagiri und Annapurna sagen „Guten Morgen“. Da es schon in dieser frühen Morgenstunde sehr dunstig ist, zeigt sich der Machhapuchare nur als schwache Silhouette. Bereits beim Rückweg zur Lodge bilden sich die ersten Wolkenbänke. Das für diese Jahreszeit sehr ungewöhnliche Wetter bleibt beständig.
Während des Abstiegs kommen uns einige
Träger der Agentur „Himalayan Trekking“ aus England (UK) entgegen. Wir
zählen mindestens 10 Träger. Aber wo bleiben die Touristen? Es ist schon
recht spät. Ein Guide, gibt uns die Auskunft, dass die Gruppe folgt und man
heute noch bis Tadapani möchte.
In der Breeze Lodge, schon fast ein Hotel, ist der Schweiß der zurückliegenden Tage schnell im Abfluss der Dusche verschwunden. Draußen rinnt wieder der Regen. Das eigentliche Gurung-Dorf
Ghandruk besteht aus einer Ansammlung eng aneinander stehender
2-geschossiger Häuser, die mit Schiefer bedeckt sind. Die gesamte
Vorderfront nimmt eine Veranda ein, auf der sich tagsüber das Leben der
Einheimischen abspielt, falls man nicht auf den umliegenden Feldern aktiv
ist. Das Dorf mit seinen verwinkelten Gassen wird inzwischen von mehr als 40
Hotels und Lodges umgeben, so dass man dieses Zentrum leicht übersehen kann.
An Unterkünften mangelt es hier keinesfalls. Außer einer 5-köpfigen Gruppe
aus Belgien und uns ist sonst niemand mehr in der Breeze Lodge zu Gast. Über
die Hälfte der Zimmer steht leer, was auch für die umliegenden Quartiere
gilt. |
|||||||||
|
16. Tag - 04.04.2009
Es dämmert, Annapurna und Machhapuchare ragen in das morgendliche Grau empor. Dann treffen die Strahlen der noch nicht sichtbaren Sonne auf die Spitzen der Gipfel. Von dort wandert das Licht langsam die vereisten Wände hinunter. Der Tag erwacht.
Unser heutiges Ziel ist Chhomrong.
Obwohl der gewählte Weg über Kotdanda (2.340 m), hinunter zum Kimrong Kola
und von dort wieder hinauf zumindest gemäß Karte nicht zu den Hauptrouten
zählt, sind wir nicht allein unterwegs.
Auf den weiteren Höhenweg erreichen wir Chhomrong (2.170 m). Dieses Dort besteht eigentlich nur noch aus Lodges, die sich rechts und links des Weges säumen. Wenn da nicht die schwarzen dicken Wolken über uns hängen würden, könnte man noch etwa 1 Stunde in Richtung Sinuwa weiter wandern. Hierbei sollte man beachten, dass man erst gut 200 Höhenmeter hinunter und dann wieder aufsteigen muss. So gönne ich mir in der Mountain View Lodge eine 1-stündige Massage. Danach setzt wieder der Dauerregen ein und wir sind froh, hier zu übernachten. Zimmer, Gastraum und sanitäre Anlagen sind sehr gut. Die Küche jedoch mangelhaft, Salz und Gewürze scheinen unbekannt zu sein. Wir werden zukünftig nach einem alternativen Quartier Ausschau halten.
|
|||||||||
|
Wie gestern begrüßen uns Annapurna und Machhapuchare zum Sonnenaufgang. Nun müssen wir den einzigen Weg zum ABC folgen. In diesem engen Tal gibt es keine Alternativen. Wie bereits erwähnt, führt der gut ausgebaute Weg hinunter zum Chhomrong Kola. Hier unten haben wir vorerst den letzen Blick auf den Annapurna South. Um die Götter des Himalaya bezüglich Wetter gnädig zu stimmen, knüpfen wir ein Band mit Gebetsfahnen in die Maschen der zu überquerenden Hängebrücke.
Die Bewölkung hat zum Nachmittag hin zwar zugenommen, doch heute ist jeglicher Regen ausgeblieben. In der Dämmerung reist die Bewölkung auf. Kommt nun endlich das lang ersehnte Frühjahrwetter?
|
|||||||||
|
Ja, das unberechenbare Wetter. Die
Schlucht wird immer enger. Beidseitig ragen steil abstürzende Felswände
empor, hinter der die Sonne verborgen bleibt. Jedenfalls leuchtet über uns
das blaue Firmament. In Deurali (3.230 m) angekommen, blinzelt die Sonne
auch etwas hinunter. Wir folgen gemächlich dem Verlauf des Modi Kola durch
sein recht breites Flussbett. Dann wird es noch einmal steiler. Einige
Schneefelder, verursacht durch herabgestürzte Lawinen von oberhalb der
Felswände liegenden Gletschern, sind zu queren.
Der geplante Ausflug zum Quellgebiet des Modi Kola fällt ins Wasser. Regen und Hagelschauer wechseln sich seit unser Ankunft ab. Zum Glück habe ich meinen Triller und MP3 dabei, denn nicht jeden langen Nachmittag mag man mit Karten spielen hinter sich bringen. |
|||||||||
|
Sonnenschein! Nach dem Frühstück beginnen wir den Aufstieg über das sanft ansteigende Schneefeld zum Annapurna BC (4.170 m). Einige Leute sind schon vor uns unterwegs. Andere kommen uns bereits vom ABC entgegen. Je mehr wir uns dem ABC nähern, desto mehr verschwinden die Berge hinter den aus Süden anstürmenden Wolkenmassen. Am nahe der Lodges (Baustil ähnlich wie im MBC) gelegenen Chörten schaffen wir es noch, die Gebetsfahnen anzubringen, bevor es zu schneien beginnt. Es ist erst 10:45 Uhr. Wir sitzen fest. Draußen tobt der Sturm, ein guter Grog, gebraut mit Khukri-Rum wärmt die Gemüter etwas auf.
Zum Abend hin reißt die Bewölkung etwas auf. Der Annapurna II wird sichtbar. Der Annapurna I bleibt hinter dicken Wolken verborgen. Ein Blick in seine steile Südwand ist jedoch erlaubt. Erschreckend weit sind die Gletscher zurück gewichen. Hoch oben auf der Moräne stehend, blickt man in eine tiefe Geröllwüste, wo sich einst das Eis bis hinunter zum EBC zog. |
|||||||||
|
20. Tag - 08.04.2009
Wenn es abgeschneit hat, ist die Luft klar und der Tag wird sonnig. Diese Wetterweißheit hat bis gegen 9 Uhr Bestand. Zu dieser Zeit sind wir wieder am MBC und die Sonne dringt nur noch verschleiert durch die sich auftürmenden Wolken. Trotzdem, in den frühen Morgenstunden genossen wir ein grandiose Panorama.
Nun geht es den gleichen Weg wieder
bergab. Bis hinunter nach Bamboo kommen uns einige Gruppen entgegen. Sogar
einige Familien mit Kindern steigen auf, denn es sind z.Z. Osterferien. Auch
einige Athleten sind auf dem Weg zum ABC. Morgen startet der Annapurna
Marathon vom ABC nach Tadapani. Trotz zunehmender Bewölkung bleiben wir
vorerst vom Regen verschont.
Während über uns das nächste Gewitter tobt, diskutieren wir den weiteren Verlauf. Übermorgen werden wir von Jhinu (heiße Quellen) direkt nach Birethanti wandern und von dort nach Pokhara fahren. Die um ein Tag längere Variante über Landruk, Pothana und Dhampus streichen wir angesichts der unstabilen Wetterlage.
|
|||||||||
|
21. Tag - 09.04.2009
Mein Waschzeug hat auf mich in Chhomrong gewartet. Hatte ich es doch im Duschraum vergessen. Nach 5 Tagen mit der Behelfszahnbürste (Finger), ist es eine Wohltat, die Zähne richtig putzen zu können. Seit 10 Uhr regnet es ohne Unterbrechung. Die Trekker auf dem Weg zum MBC/ABC tun uns leid, ebenso die Marathonies, die uns auf dem recht rutschigen Weg überholen.
Momentan prasselt Hagel herab. Die zu Mittag in der Mountain View Lodge bestellte Tomatensuppe ist dünn und fad und ebenso wie die von Elke bestellte Pizza ungewürzt. Vielleicht hat die Gruppe aus England mit ihrem Küchenteam mehr Glück, die auf dem Campingplatz der Lodge im strömenden Regen ihre Zelte aufschlagen.
Wir warten eine Regenpause ab und
steigen dann so schnell wie möglich die steilen Steintreppen nach Jhinu
hinunter. Trotzdem erwischen uns ein paar Schauer. Mulmig wird mir, als der
Weg parallel, teilweise unter den Stromleitungen verläuft und über uns die
Blitze zucken. Sollte der Blitz uns treffen, sind wir direkt im Nirwana,
meint Elke. Ich vertraue darauf, dass nichts passiert, denn wir sind bei
weitem nicht allein unterwegs.
Endlich retten wir uns in die New Hot Spring Cottage Lodge. Während Tara und Dawa trotz des Unwetters zu den heißen Quellen absteigen, verzichten Elke und ich. Morgen sind wir in Pokhara und vermeiden somit auch die Erkältung, die sich Tara einfängt. Nach einem deftigen nepalischen Abendessen folgt schließlich das beliebte Kartenspiel Rommee. Dawa ist inzwischen fast unschlagbar.
|
|||||||||
|
Wunder gibt es immer wieder. Vom
Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang erfreuen wir uns des Wetters, wie es
normalerweise seit Tagen hätte sein sollen. Kaum ein Wölkchen am
königsblauen Himmel. Noch einmal steile Stufen hinab und wir sind in New
Bridge am tosenden Modi Khola. Von hier wird der Weg recht gemütlich.
Entlang der Terrassenfelder, auf welchen teilweise noch der reife Weizen
steht, einzelnen Bauernhöfen erreichen wir Landruk Phedi.
Nun folgen wir den Weg, leicht auf- und
absteigend durch Bauernlandschaft und kleinen Siedlungen wie im Frühjahr
1999 nach Birethanti.
In Birethanti angekommen, nimmt uns ein Einheimischer in seinem Geländewagen mit nach Pokhara. Wir sind ehrlich gesagt sehr froh darüber, denn im Laufe des Tages wurde es sehr, sehr heiß. |
|||||||||
|
Ein Super-Sonnentag. Das gewaltige Panorama des Annapurna Range erhebt sich über das nur 850 m hoch gelegene Pokhara. Den eingesparten Trekking-Tag verbringen wir hier am Phewa See. Dawa fährt nach dem Frühstück zurück nach Kathmandu. Während Elke mit Tara einen Ausflug in die Umgebung von Pokhara unternimmt, bummle ich allein los. Entlang der Uferpromenade, vorbei an den unzähligen Basaren und Restaurants begebe ich mich zur Bootsanlegestelle. Heute am Samstag, den wöchentlichen freien Tag in Nepal, besuchen viele Einheimische den Vahara gewidmeten Tempel, der auf einer kleinen Insel im See liegt. Man lässt sich in langen, schlanken Booten über den heute türkis schimmernden See paddeln. Hoch oben am Horizont erheben sich majestätisch Dhaulagiri und Machhapuchare. Vom Aussichtpunkt Sarangkot schweben die bunten Drachen der Paragleiter hinab.
Später befinde ich mich unverhofft auf einem Kirmesplatz. Anlässlich des in 3 Tagen bevorstehenden New Year 2066 sind auf dem Campingplatz am westlichen Ende der Promenade Buden, Karussells usw. aufgebaut. Alles was zum typischen Rummelplatz gehört. Jedoch sind die Fahrgeschäfte recht altertümlich, entweder durch dicke Dieselmotoren oder die Kinderkarussells werden per Hand angetrieben. Wie bei uns findet man die Schießbude, Glückspiel, Imbiss- und Eisbuden. Auch der Luftballon-Verkäufer fehlt nicht. Er füllt die bunten Ballons mittel Gasflasche. Karbid rein, Wasser drauf, Ventil drauf und die „Bombe“ ist fertig.
Den Rest des Tages genieße ich im Garten des „Bumerang“, um schließlich noch meine Post im nächsten Internet Cafe abzuholen.
|
|||||||||
|
24. Tag - 12.04.2009 Frohe Ostern, Heute ist ja Ostermontag. Haben wir die Feiertage noch total vergessen. Der Touristenbus befördert uns pünktlich nach Kathmandu zurück. Im Hotel Vajra eingetroffen, ist die Verbindung zum Internet mittels WLAN schnell hergestellt. Gegen 22 Uhr wird das Notstromaggregat des Hotels abgeschaltet und damit bricht die Verbindung zusammen. Feierabend. |
|||||||||
|
Nach getaner Arbeit in unserem Büro (den ganzen Tag stand Strom zur Verfügung), begeben wir uns am Nachmittag nach Bhagtapur. Heute am Vorabend zum New Year findet hier das Bisketjatra statt. Diese Feierlichkeiten sind der spektakulärste Willkommensgruß an des neue Jahr in Nepal. Es ist das große Wagenfest. In schwerfälligen, wackligen pagodenförmigen Prozessionswagen werden die Götter Bhadrakali und Bhairava durch die engen Gassen gezogen. Das Fest beginnt mit einem turbulenten Seilziehen. Die Männer der Ober- und Unterstadt versuchen den Wagen Bhairava jeweils in ihren Stadtteil zu ziehen. Unter lauten Anfeuerungsrufen und johlender Jungendlicher werden die Wagen schließlich unter großer Kraftanstrengung mit dicken Seilen zum Fluss hinunter gezogen. Dort wird spät abends ein 25 m hoher Lingam aufgerichtet, der am Neujahrstag, ebenfalls in einem harten Wettkampf wieder umgeworfen wird.
|
|||||||||
|
26. - 28. Tag - 14. - 16.4.2009
3 Tage haben wir, soweit
wie Strom zur Verfügung stand, fleißig im Büro gearbeitet. Die „No
Power Time“ nutzten Govinda und ich für diverse Einkäufe,
den Besuch des Königpalastes, der inzwischen zum Museum (Narayanhiti Palace
Museum) umgebaut ist. Trotz des Eintritts in Höhe von 500 Rupien lohnt sich
eine Besichtigung.
Eine unverhoffte Zeremonie bot sich am 15.04. auf dem Königplatz in Kathmandu. Unterhalb des Shiva-Tempels, wo Shiva und seine Gattin Pavati aus dem Dachfenster blicken, ist ein Zelt aufgebaut. Bhel Bibaha, im Alter zwischen 7 und 9 Jahren werden die Mädchen der Newar symbolisch mit Shiva verheiratet. Die Feierlichkeit gleicht etwa unserer Kommunion oder Konfirmation.
|
|||||||||
|
29. Tag - 17.04.2009 Langtang
Endlich, Office ade, Smoke ade. Raus aus Kathmandu, hinein in die frische Natur. Wohin? Ja, wieder ins Langtang. Zum 3. Mal innerhalb von 6 Monaten begeben wir uns auf Fahrt, zunächst bis Trisuli, von dort heute nur bis Dhunche. Für die Reise hat Govinda einen Toyota Geländewagen mit Fahrer organisiert, denn nicht schon wieder 8 Stunden im überfüllten Overland-Bus. Mit an Bord sind neben Govinda und mir, Hari unser Büroboy, der zwecks weiterer Ausbildung als Träger mitkommt. Des weiteren Tina und Tara, die bis nach Syabru Beshi fahren werden und dort mit dem Tamang-Trek beginnen und später, wie wir, ins Langtang nach Kyanjing Gompa aufsteigen wollen.
Es wird ein sehr heißer Tag und wir alle
sind froh, dass uns die Strapazen und der Schweiß im Bus erspart bleiben. In
Dhunche steigen Govinda und ich aus. Während Hari mit dem Gepäck noch bis
Bharka (1.860 m) weiterfährt, wärmen wir unsere im Büro träge gewordenen
Knochen auf und gehen etwa 1 ½ Stunden zu Fuß nach Bharka.
Am Abend lernen auch Govinda und Hari das Kartenspiel „Mau Mau“. Nun sollte eigentlich jeder des Himatrek Team, dieses Spiel können. Schließlich erlerne ich das nepalische Spiel „10“. Ziel ist es alle Zehner-Karten zu gewinnen. Üblicherweise spielt man es mit Partner, also 2 gegen 2. Zum Üben geht es auch zu Dritt, alle gegeneinander. Diesem Spiel werden wir uns in den kommenden Tagen abends in den Lodges des Öfteren widmen.
|
|||||||||
|
In der Nacht gaben alle Hunde des Dorfes
und der Umgebung ihr Stelldichein. Irgendwann waren sie dann wohl heiser und
liegen nun die Viere von sich gestreckt auf den Wegen, Treppen und Plätzen
in der prallen Sonne. Wir tauchen in einen dichten Kiefernwald ein, der mit
einigen rot blühenden Rhododendren durchsetzt ist. Im kühlen Schatten folgen
wir einen gemütlichen Panoramaweg hinauf nach Barbal (2.300 m).
Trotzdem kommen wir auf den weiteren Weg hinunter zum Langtang Khola gehörig ins Schwitzen. Im steilen Zickzack führt die letzte Etappe über ein gerölligen, zwischenzeitlich wieder bewachsenen Hang, verursacht von einem gewaltigen Erdrutsch, zur namentlich passenden Siedlung Landslide (1.800 m). Wegen der Hitze, beschließen wir heute nicht mehr bis nach Bamboo zu gehen. So genießen wir die nachmittäglichen Sonnenstrahlen auf der Terrasse. |
|||||||||
|
Im linken Ohr rauscht ununterbrochen der Langtang Khola. Wir halten uns an die 1998 geprägten Worte „Auf geht’s, langsam in Langtang“. Es ist schwierig den damals mit Joachim, Monika, Rainer und Bernd gegangenen Weg wieder zu erkennen. In den zurückliegenden 11 Jahren haben in diesem engen Tal einige Erdrutsche das Landschaftsbild geändert. Stellenweise sind die Wege neu verlegt oder ausgebaut.
Auf den herunter gegangenen Geröllhalden
wuchert dicht beieinander stehend der „Himalayan Alter“, ein sehr schnell
wachsender Laubbaum. In der gegenüber liegenden steilen Felswand hängen
einige wilde Bienenstöcke, die kaum erreichbar erscheinen.
Nach etwa 1 ½ Stunden wechseln wir über eine neue Hängebrücke auf die andere Seite. Unter uns donnern die Wassermassen. Über Rimche steigen wir zum Lama Hotel (2.480 m) auf. Standen 1998 hier nur 3 einsame Gasthäuser, haben wir von unserem Rastplatz einen Blick über die Wellblechdächer des zur kleinen Siedlung angewachsenen Ortes.
Ghoda Tabela. Im Tibetan Guesthouse gönne ich mir vorerst das letzte Bier. Die Regel: Ab 3.000 m strikter Alkoholverbot im Aufstieg. Draußen zeigen die Schilder eine Höhe von 3.008 m an, aber gemäß Wanderkarte sind es erst 2.972 m. Na dann, prost.
|
|||||||||
|
32. Tag - 20.04.2009
Den weiteren Weg nach Langtang (3.430 m) säumen Teehäuser und Lodges in 20-minütigen Abstand. Der Langtang Lirung lugt im morgendlichen Gegenlicht hinter einer steilen Felswand hervor. Auf halber Strecke öffnet sich das Tal gen Westen. In dunstiger Ferne zeigen sich Tserko Ri und der vergletscherte Gangchhempo (6.378 m).
Die Anzahl der Gasthäuser in Langtang ist in 10 Jahren von 2 auf 9 gestiegen. Über dem Bach drehen sich immer noch die drei alten wassergetriebenen Gebetsmühlen. Der Blick zur alten Siedlung und in das hintere Langtangtal wird durch die neuen Lodges verwehrt. Wir beziehen Quartier im Buddha Guesthouse, welches uns Chabi gestern empfahl. Die Auszeit nutze ich für eine wohltuende Dusche. Govinda und Hari schrubben die verschwitzen Socken und T-Shirts, die kurz danach auf der Leine flattern.
Am Nachmittag besuchen wir die nahe gelegene Gompa. Ein lohnenswerte 500 Jahre alter Ort. Das Gebäude als auch die Räume sind noch im ursprünglichen Zustand erhalten. Doch der Zahn der Zeit zeigt deutlich seine Spuren. Eine Restaurierung ist dringend erforderlich, um diesen Schatz vor den endgültigen Verfall zu bewahren. Und wen treffen wir hier? Govinda II mit 2 Kundinnen aus Schweden, die in Kathmandu bei der UN arbeiten.
|
|||||||||
|
Entlang unzähliger Manimauern und Chörten folgen wir dem Weg nach Kyanjing Gompa. Noch scheint die Sonne. Über den schroffen Absturz der asiatischen Kontinentalplatte blicken Langtang II und Langtang Lirung. Im Osten zeigt sich neben dem Gangchhempo auch der Langshisa Ri (6.310 m).
Nach der Kaffeepause mit Cappuccino und Schokoladenkuchen in der deutschen Bäckerei, setzt Regen ein. Allmählich geht er in Schnee über.
|
|||||||||
|
Ein Wintermärchen. Der Zuckerbäcker war in der Nacht aktiv. Die ganze Umgebung ist mit einer weiß glitzernden Glasur überzogen. Schneeweiße Berge ragen rund herum in den noch dunkelblauen Himmel. Der Tag erwacht endgültig, als die ersten Strahlen der aufgehenden Sonne die Gipfel golden anleuchten.
Die heutige Wanderung führt in das Tal des Langtang Khola hinauf bis hinter Langshisa Kharka. Der gemächliche Weg verläuft im wechselnden auf und ab zeitweise über Sommerweiden als auch mal durch das Flussbett. Auf den saftig grünen Wiesen weiden Yaks. Rechts und links des engen Tales erheben sich nur „kleine“ 5- und 6-Tausender, trotzdem zu einer imposanten Kulisse. Am Ende des Tales schiebt sich der Moromoti Peak (6.750 m) ins Blickfeld. Rechter Hand blicken wir ins Tal, in welchem die Gletscher des Gangchhempo und Langshisa Ri, beide über 6.300 m hoch, münden. Nach etwa 10 Kilometern hissen wir am Wendepunkt, nahe der Endmoräne des Langtang Gletschers ein Band mit Gebetsfahnen, als Dank für diesen herrlichen sonnigen Tag.
Auf gleichen Wege geht es zurück. Doch die Sonne ist mittlerweile von Osten nach Westen gewandert. So erleben wir dieses Paradies ein zweites Mal unter anderem Lichtwinkel. Am Nachmittag treffen wir Nina und Tara. Beide sind von Syabru Beshi direkt hierher aufgestiegen und waren somit einen Tag eher als wir vor Ort. Ihr Versuch, heute den Tserko Ri zu bezwingen, scheiterte am Schnee. Im Jahre 1998 hatten wir das gleiche Problem.
|
|||||||||
|
35. Tag - 23.04.2009
5:30 Uhr, es klopft an meiner Tür. Papa aufstehen, klares Wetter! Zum Frühstück ein Chapati mit Honig, den speziellen in fast allen Lodges angebotenen Trekker Honey, bestehend aus 30 % Honig, 30 % Zucker, Rest Wasser. Dazu eine große Tasse Milchkaffee. Wie gestern ist der Tagesrucksack für uns drei mit dem Nötigsten, wie gekochten Eiern, Schokolade und ein paar Kekse gepackt. Am wichtigsten sind die Getränke. All dies schultert Hari auf leichte Weise. Abgesehen vom möglichen Restschnee am Tserko Ri sehe ich mein persönliches Problem beim Abstieg über 1.000 Höhenmeter, so dass wir bereits gestern entschieden, den etwas niedrigeren Kyanjing Ri (4.760 m) in Angriff zu nehmen.
Die erste Etappe führt hinauf zum direkt über Kyanjing Gompa liegendem Aussichtspunkt in etwa 4.400 m Höhe. Der Weg liegt zur frühen Morgenstunde im Schatten. Die Temperatur bewegt sich in Minusgraden. Pudelmütze, Schal und Handschuhe sind unerlässlich. Bedächtig langsam, Schritt für Schritt gewinnt man an Höhe. Schließlich blinzelt die Sonne über den Kamm. Im Zickzack noch einige Meter einen steilen Grashang hinauf und wir stehen am Viewpoint. Unter den flatternden Gebetsfahnen haben wir uns die erste Rast redlich verdient. Bereits hier ist das Panorama einmalig. Doch wir wollen noch etwas höher hinauf. Der Gipfel des Kyanjing Ri ist bereits in Sicht. Wir folgen dem Sattel, der mal sanft mal steiler ansteigt. Dann befinden wir in einem Meer bunter Fähnchen auf dem Gipfel. Dahinter die gewaltige Wand des Langtang Lirung, eine unbeschreibliche Gletscherwelt bis hinüber den Yala Peak. Dieser nur 5.500 m hohe Gipfel wird meist als leichter Trekking-Peak verkannt. Mir ist nun klar, dass zur Besteigung ein Summit-Permit erforderlich ist und dieses nur mit Climbing Guide erteilt wird.
Knapp 2 Stunden benötigen wir für den
Abstieg, der nicht über Geröll, sondern über weichen Almboden führt. Im Yala
Peak Gasthaus stoßen wir auf den Abschluss dieser erfolgreichen Tour
gemeinsam mit einem Bier an. Es ist früh genug, um heute bis Langtang zurück
zu wandern.
36. Tag - 24.04.2009
Wie schon in Kyanjing festgestellt, sind
inzwischen relativ wenig Touristen unterwegs, denn die Osterferien sind zu
Ende. Nur vereinzelt kommen uns kleinere private Gruppen, Wanderer mit und
ohne Guide entgegen. Von Großveranstaltern keine Spur. Auffallend ist nur
eine Familie mit 2 Kindern. Während Vater und die etwa 8 und 10-jährigen
Kinder stramm aufwärts marschieren sitzt Mutter auf einem Muli.
Ghoda Tabela, Lama Hotel sind die
nächsten Stationen. In „upper“ Rimche ist trotz leer stehender Lodge
angeblich kein Zimmer mehr frei.
Wir sind und bleiben heute Abend die einzigen Gäste. Von der Küchenchefin lassen wir uns mit ihren hervorragend zubereiteten Speisen verwöhnen. Ein Vorgeschmack ist die würzig, scharfe Brennnessel-Suppe.
|
|||||||||
|
37. Tag - 25.04.2009
Ein heißer Tag steht uns bevor. Bereits
um 6:45 Uhr brechen wir auf. Noch liegt das tiefe Langtang-Tal im Schatten.
Die Lufttemperatur ist bereits recht hoch, als wir in Bamboo die
2.000-m-Grenze unterschreiten.
Dann endlich Syabru Beshi, dessen Hauptstrasse im Vergleich zum Herbst 2008 menschenleer ist. Die mittägliche Sonne knallt herab. High Noon, warten auf John Wayne! Nach erfrischender Dusche feiern wir ausgiebig das Ende dieser Tour mit dem Wirt des Hotel Sky. Sogar Govinda trinkt seine Bierchen und einen Kukhri Rum dazu. |
|||||||||
|
38. Tag - 26.04.2009
Wir haben Glück. Bereits gestern konnte Govinda noch einen Privatwagen organisieren. Oft suchen Fahrer, die Leute von Kathmandu nach Beshi Sahar gebracht haben, Passagiere für die Rückfahrt. Bei geringer Nachfrage, wie jetzt, sind diese froh wenigstens eine Kleinigkeit hinzu verdienen zu können. Trotz Reifenpanne sind wir um 14 Uhr wieder in Kathmandu. Ich übernachte wieder im Hotel Manang.
|
|||||||||
|
39. - 41. Tag - 27. - 29.04.2009
Über diese 3 Tage in Kathmandu gibt es
ist nicht viel zu berichten. Gibt es Strom, arbeiten Govinda und ich an der
Aktualisierung unserer nepalischen Webseite. Am 28.04. kehrt Elke von ihrer
Überlandfahrt aus Tibet zurück. Ihr Bericht ist nicht gerade erfreulich. Die
Chinesen halten mit Militär und Polizei alles unter strengster Kontrolle.
Den letzten Abend feiern wir im Delima Garden Abschied. Neben Govindas Familie sind alle unsere Guides und Helfer dabei, soweit sie sich in Kathmandu aufhalten. Es ist wie immer lustig und unterhaltsam. Mit Rücksicht auf die Kinder verabschieden sich Govinda und Radhika eher. Im Augenblick, als Radhika und Govinda im Ausgang verschwunden sind, entflammen 3 Feuerzeuge. Prasanta, Rudra & Dev schmachteten nach der Zigarette. Man respektiert in Nepal die Meinung der „großen“, d.h. älteren Schwester, nicht zu rauchen.
|
|||||||||
|
42./43. Tag - 30.04./01.05.2009
Der Tag meines Rückfluges ist gekommen. Das Taxi wartet im Hof. Fast hätte ich mein Notebook im Büro vergessen. Gerade am Flughafen eingetroffen, vermisse ich meine Lesebrille. Diese liegt tatsächlich noch im Büro. Govinda 2 bringt sie. Danke! Dann startet der Flug mit GULF über Bahrain zurück in die Heimat. Wie immer treffe ich pünktlich in Frankfurt ein. Nach über 20 Reisen nach Nepal, werde ich heute zum ersten mal vom Zoll kontrolliert. Mein Koffer sieht sehr ramponiert aus und war auch recht schwer. Metall hat sein Gewicht, wenn man einige Teekessel und Butterlampen aus Messing im Gepäck hat. Zum 2. Frühstück gegen 10 Uhr bin ich wie gewohnt wieder daheim
Diese Reise ist zu Ende - die nächste ist nicht nur geplant,
sondern die Flüge sind bereits gebucht |