Sonnenschein im Langtang

Trekking im goldenem November
und der dortige Wiederaufbau nach den Erdbeben
 

Reisebericht 03.11. - 14.11.2016

 

Willkommen zum Trekking im Langtang Nationalpark

Ganesh Himal auf dem Weg nach Sherpagaon

Langtang Lirung auf dem Weg nach Godathabela

der neue Pfad über die Geröll-Lawine in Langtang

Gedenkstätte in Langtang

Lantang Lirung

Kyanjing Ri und Langtang Lirung

Langshia Kharka mit Phemtang Karpo Ri (6.865 m)

Sonnenuntergang im Langtang

 

Vorwort

Nach der Schlechtwettertour im Khumbu mit Regen, Wolken und Nebel, brachte der November ein phantastisches sonniges Herbstwetter.

Sonnenschein ebenfalls im vom Erdbeben stark betroffenen oberen Langtang-Tal. Der rasche Wiederaufbau ermöglicht bereits ein problemloses Trekking in diesem Gebiet. Allerorts wurden Lodges und Gasthäusern neu aufgebaut oder repariert. Ein Kompliment an die Eigeninitiative der Einheimischen.

 

 Klaus Töpfer
HIMATREK
Gelsenkirchen, Januar 2017

www.himatrek.de

www.nepal.himatrek.de
www.berichte.himatrek.de
www.foto.himatrek.de
www.visit-nepal.de

www.facebook.com/himatrek.de
 

zur Bildershow Sonnenschein im Langtang

1. Tag - 03.11.2016Ganesh Himal

Auf dieser dritten Tour im Herbst wird mich Sanje abermals als Porter-Guide begleiten. Doch zunächst heißt es Govinda und Radhika auf Wiedersehen zu sagen, die in 3 Tagen in die Staaten nach Omaha zurück fliegen. Das familiäre Bhai Tika zum Ende des Tihar-Festivals war vorgestern. Viele Nepali kehren anschließend von den Familienfeiern nach Hause, meist in die Dörfer, zurück. Trotzdem herrscht auf den Straßen relativ wenig Verkehr, so dass wir recht zügig den Pass am Rande des Kathmandutales erreichen. Meist hinter Wolken und Dunst verborgen, erstrahlen heute die Gipfel von Langtang, Ganesh Himal und Manaslu im morgendlichen Sonnenschein. Ein gutes Omen für unsere Tour.

von Trisuli nach Syabru Beshi zum Langtang-TrekkingIn langen Kurven verläuft die Straße ins Tal des Trisuli River nach Baireni, der Abzweigung in Richtung der Stadt Trisuli. Dort wird, exakt um 11:00 Uhr zur Dhaal Bhaat Pause gehalten. Zeit für den Einkauf von Bananen, Orangen und Tomaten auf dem lokalen Markt. Nun führt die Straße in die Berge und das Angebot von frischen Obst und Gemüse wird rarer und teurer.

Die Sonne brennt herab. Die Straße wird zur Schotterpiste. Staub hängt in der Luft. Trotzdem klare Sicht auf das am Horizont in einen azurblauen, wolkenlosen Himmel ragende Ganesh Himal und Tibetan Range. Je weiter wir nach Norden kommen, um so mehr säumen provisorisch errichtete Wellblechhütten den Straßenrand. Eine LKW-Ladung eiserner mit Holz zu befeuernde Herde, einschließlich Kaminrohr, steht am Wegesrand zum Verkauf. Das Geschäft blüht. Auf dem Buckel, Moped oder Fahrrad werden die Einkäufe nach Hause transportiert.

Checkpoint LangtangImmer noch existiert dieser spezielle Checkpoint am Eingang des Langtang Nationalparks. Hier werden nicht, wie an allen anderen Kontrollstellen Permits, TIMS, … geprüft und registriert, sondern auch das gesamte Gepäck einem strengen Check durch das Militär, intensiver als am Airport, unterzogen. Warum, wieso, weshalb???Dhunche - Trekking-Ausgangspunkt ins Langtang

In Dhunche (1.960 m) scheint das Erdbeben keine Spuren hinterlassen zu haben. In engen Serpentinen windet sich ein auf der Straße verbliebenes Asphaltband zur Großbaustelle Syabru Beshi (1.460 m) hinunter. Unser Quartier, unter vielen Möglichkeiten, ist die Namaste Lodge. WiFi, ist, wie im gesamten Ort, kostenlos verfügbar. Es könnte sein, dass ich nur noch heute mit der Welt verbunden bin.

2. Tag - 04.11.2016

Briddhim (2.229 m) heißt das heutige Etappenziel. Neben Timure eines der möglichen Endpunkte des Tamang Heritage Trek. Da ich dieses Dorf noch nicht kenne, wird es Ausgangspunkt zu unserer Langtang-Tour. Von Syabru Besi führen zwei Wege dorthin. Zunächst entlang der Straße, die in Richtung Rasuwagadhi (ehemalige Festung) und Grenzübergang nach Tibet führt. Einige Kilometer vor dem Grenzübergang zweigt ein Fahrweg nach Briddhim ab. Sanje kennt den interessanteren Weg, welchen nur Einheimische wissen und vielleicht auch noch nutzen.

Der ständig schmaler werdender Pfad windet sich durch Wald, Wiesen und Gehölz aufwärts. Eine kleinere, vom Erdbeben zerstörte und verlassene Siedlungen, ist zu durchqueren. Zum Glück wandern wir auf der Schattenseite. Nichtsdestotrotz geht der Aufstieg gewaltig in die Beine, denn es sind einige, wenn auch kleine Erdrutsche zu überqueren. Jedenfalls erreichen wir zur Mittagszeit die Potala Lodge in Briddhim.

Das Dorf wurde vom Erdbeben fast vollständig zerstört. Von den historischen Tamang-Häusern stehen vereinzelt nur noch die hölzernen Fassaden mit ihren wunderschönen Schnitzereien. Der Wiederaufbau ist mit direkter Unterstützung verschiedener Organisationen im vollem Gange. Der Rohbau der Gompa des Dorfes ist fertig. Einige Homestay-Unterkünfte (mittlerweile eher Lodges) bieten Unterkunft. Letztendlich sind drei Touristen vor Ort. Zwei Gäste aus Aachen und meine Wenigkeit.

Schul-Ruine in Briddhim - Langtang Briddhim nach dem Erdbeben - Tamang Heritage Trekking

von Briddhim nach Khumjin - Langtang3. Tag - 05.11.2016

Fast eben verläuft der Waldweg nach Khumjin (2.235 m). Auf der gegenüberliegenden Talseite befindet sich der Aussichtspunkt Nagthali (3.145 m) mit fast rundum Mountain-Panorama. Tief drunten im Tal Syabru Besi. Ganesh Himal In Khumjin eingetroffen, stellen wir überraschend fest, dass dieser Ort keine sichtbaren Spuren des Erdbebens aufweist. Das Gasthaus, wo Dipendra und ich im Frühjahr 2013 von Sherpagaon kommend einkehrten, als auch die alte Gompa sind unbeschädigt. Neue Unterkünfte wurden inzwischen entlang des den Hang hinauf führenden Weges gebaut. Etwa 150 Höhenmeter oberhalb des Dorfes steht das neue Surka Hotel. Eigentümer ist der Onkel der Potala Lodge in Briddhim. Hier begegnet uns an diesem Tage der erste Tourist mit seinem Guide. Man ist auf große Touristenströme vorbereitet. Ob diese jemals kommen? Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Nach kurzer Rast, Sanje ist wie immer hungrig, folgen wir dem gut ausgebauten Weg zum namenlosen Doppelpass auf knapp 2.800 m Höhe. Muli Karawanen vor SherpagaonNach einem letzten Blick auf das Ganesh Himal verläuft der Waldweg im langen Bogen zum zweiten Pass. Dort öffnet sich ein tolles Bergpanorama von Laurebiniak bis zum Naya Konga. Bis hinunter nach Sherpagaon (2.563 m) ist es nicht mehr weit. Eine Muli-Karawane kommt uns auf deren Rückweg nach Syabru Besi entgegen. Selbstverständlich übernachten wir im dortigen Himatrek BC, der Super View Lodge. Wären da nicht ein paar Nepali, welche mit einem Guide auf einer kleinen Rundwanderung sind, wären Sanje und ich die einzigen Gäste.

4. Tag - 06.11.2016

Good Morning Sunshine! Das morgendliche Licht erreicht pünktlich zum Abmarsch die Hangseite unseres Weges. Einer Gruppe mit Zementsäcken beladenen Mulis folgend, erreichen wir, mal im Schatten, mal im grellen Sonnenlicht, die Abzweigung Rimche. Lama Hotel - LangtangVon hier sozusagen um die Ecke, befindet sich am rauschenden Langtang Khola das Lama Hotel (2.450 m). Stand im Jahre 1998 hier nur eine Lodge namens Lama Hotel, so hat sich daraus eine Lodge-Village mit 7 oder 8 Unterkünften entwickelt. Keine Spur vom Erdbeben. Jedoch besteht hier momentan die letzte Möglichkeit per Mobil zu telefonieren, da die Mobile-Tower oberhalb zerstört und noch nicht wieder aufgebaut wurden. So melde ich mich bei Krishna ab, dass wir in den kommenden Tagen „offline“ sind.

Der gemütlich durch Mischwald führende Aufstieg nach Godathabela ist vom Erdbeben kaum betroffen. Unterwegs: Die River Side Lodge wurde vollständig neu aufgebaut. Kurz danach die unversehrte Lodge in Thomna (2.750 m). Ein längeres Geröllfeld ist zu queren, welches jedoch durch all die Muli-Karawanen gut gespurt ist. Dann befindet man sich wieder auf altbekannten Wege.

River Side mit Langtang Lirung Lovely Guesthouse in Godathabela

Der Wald mit seinen im Frühjahr blühenden Rhododendren endet. Zur linken Seite eine steile Felsenwand, darüber der vereiste Langtang Lirung. Vor uns ein Schutthaufen, der ehemaligen Lodges in Godathabela (3.000 m). Das Tibetan Gasthaus, in welchen wir bislang übernachteten, steht kurz vor seiner Wiedereröffnung. Sonnenuntergang am Langtang LirungEin Viertelstündchen weiter, direkt hinter dem geschlossenem Kontrollpunkt, bietet das neu gebaute Lovely Guesthouse eine hervorragende Herberge. Hier treffen wir 2 Touristen aus Deutschland, die ein Projekt in Langtang unterstützen. Später trudelt eine Gruppe von 6 jungen Nepali ein, die sich auf Urlaubstour befinden.

Die untergehende Sonne färbt den Langtang Lirung dunkelrot. Ein atemberaubendes Erlebnis. Ein perfektes Alpenglühen würde man bei uns daheim sagen.

5. Tag - 07.11.2016

In diesem tiefen Tal ist es frostig kalt. Erst als die Sonnenstrahlen den östlichen Kamm überschreiten und wir Thyangjapu (3.140 m) erreichen, wird es angenehm warm. Ein kurzer Besuch im Buddhas Gasthaus, dem obligatorischen Rastplatz auf all meinen Touren. Wie auch diese, sind all die anderen nach dem Erdbeben neu hergerichtet worden.

Lawine, die Langtang begrubDann folgt der Schock: Wo sind die Hängebücken? Wo ist die alte Gompa? Wo ist die tiefe Rinne durch welche das Wasser von der fast senkrecht aufragenden Felswand zum Langtang Khola rauschte? Wo ist der Ort Langtang? All dieses ist unter einer gewaltigen Steinmasse begraben. Beim Erdbeben ist ein gewaltiger Eisblock vom Gletscher des Langtang Lirung abgebrochen und in den darunter liegendem See gekracht. Durch den dadurch ausgelösten Tsunami donnerten Gesteins- und Wassermassen die steile Felswand hinunter und begruben den Ort Langtang.

Mit etwas mulmigen Gefühl im Bauch folge ich dem ausgetretenen Pfad über die Geröllhalde. Immer wieder schweift mein Blick zur Felswand und zum darüber liegenden Gletscher. Tief unter dem Gestein rauscht der Bach des Wasserfalls der von der steinernen Wand herunter donnert. Da und dort markiert eine Gebetsfahne den Platz eines verschütteten Hauses. Wir erreichen die Gedenkstätte für all diejenigen, welche am 25.04.2015 in den Tod gerissen wurden. Minuten des Schweigens, der StilleMemorial Mani Wall Langtang.

Dahinter das Neubaugebiet. Mehrere Gasthäuser sind fertig gestellt, andere noch im Rohbau. Während Zement mit Muli-Karawanen herauf getragen wird, laden Träger notwendige Einrichtungsgegenstände, von der Matratze bis zur hochwertigen Solaranlage, ab. Zwischen 80 und 90 kg beträgt das Gewicht, welches die relativ kleinen Nepali schultern.

Gewaltig erhebt sich am Ende des Tales der Gangchepo (6.378 m) in den kristallblauen Himmel. Der breite Weg führt nun auf ein Plateau. Vor Erreichen des Ortes Mundu (3.500 m) teilen verwitterte Mani-Mauern den Weg, die sich vom Erdbeben nicht erschüttern ließen. Immer links entlang und das gewaltige Bergpanorama im Blick, erreicht man die erste Baustelle. Mani-Mauern und GangchepaDann das neue Golden Holiday Gasthaus, welches zur Übernachtung einlädt. Im riesigen Zimmer mit Dusche und WC richte ich mich für die Nacht ein.

Wir genießen den sonnigen Nachmittag. Die junge Wirtin des Hauses zerstampft im hölzernen Mörser mit einen Stein getrocknete rote Chili-Schoten unter Beigabe von etwas Salz zu Pulver. Einen kleinen Beutel davon, werde ich mit nach Hause nehmen. Gegenüber zeigt sich der vereiste Gipfel des nur 5.857 m hohen Naya Kanga im Schein der untergehenden Sonne. Ein paar abendliche Nebel ziehen das Tal hinauf, doch die Nacht wird sternenklar.
 

Yak im Langtang6. Tag - 08.11.2016

Yak-Joghurt mit Apfel und Müsli zum Frühstück. Mal etwas anderes. Bequem verläuft die weitere Strecke. Der Tserko Ri (4.984 m) rückt ins Blickfeld. Der majestätische Gangchepo und weitere Gipfel des Dorje Himal befinden sich im grellen Gegenlicht der aufgegangenen Sonne. Yaks grasen auf den kargen Weideflächen. Zur linken Seite öffnet sich ein Tal. Die vereisten 6000er von Changbu und Kinshung scheinen neben dem Langtang Lirung mit ihren gewaltigen Gletschern zum Greifen nahe.

Der neu angelegter Weg führt über eine Hängebrücke und schon liegt uns Kyanjing Gompa (3.870 m) zu Füßen. Eine völlig zerstörte Siedlung? Statt dessen eine Ansammlung neu erbauter Hotels und Gasthäuser. Ein grün gestrichener Neubau, der all die anderen Häuser überragt, sticht prompt ins Auge. Sanje schreitet darauf zu. In einem der Komfortzimmer mit Bad des Nurling Guesthouse kann ich mich für die kommenden 3 Tage einrichten.

Der nachmittägliche Rundgang zeigt, welche Verwüstung das Erdbeben angerichtet hat. Kein Stein ist auf dem anderen geblieben. Die alte ehrwürdige Gompa und die Käserei sind Ruinen. Einige Lodges sind an gleicher Stelle wieder aufgebaut worden, andere spurlos verschwunden. Neubauten werden hochgezogen. Allerorts häufen sich heraufgebrachte Baumaterialen: Sand, Zement und lange, gebogene Amireisen für Betonpfeiler und Decken.

Ruine der Gompa in Kyanjing

Doch darf man die armseligen primitiven Wellblechhütten nicht übersehen, die vielen Einwohnern einen notdürftige Unterkunft bieten.

Dorje Bäckerei in Kyanjing Gompa, LangtangDie sehr bekannte Dorje Bäckerei befindet sich am gleichem Platz, als wäre nichts geschehen. Wir kehren dort ein. Dorje, ein guter Bekannter und Freund von Govinda, berichtet vom Wiederaufbau und der Neueröffnung im Frühjahr.

Am Abend wird es im Gastraum unserer Unterkunft erstmals voll. Eine 15-köpfige Gruppe aus Thailand ist eingetroffen. Es wird ein langer, interessanter Abend. Man spielt Bingo!

Aufstieg zum Kyanjing View Point7. Tag - 09.11.2016

Wir lassen es geruhsam angehen. Da keine Sachen zu packen sind, sind wir trotzdem um 8 Uhr abmarschbereit. Mit einer großen Thermoskanne Tee beginnt der Aufstieg zum Viewpoint oberhalb von Kyanjin (ca. 4.250 m). Die Thai-Gruppe und eine weitere ist uns voraus. Ein schmaler Pfad zieht sich in Serpentinen den Hang hinauf. Langsam, langsam. Mal steil, mal steinig, mal rutschig. Nach einer Stunde ist eine kurze Rast von Nöten. Inmitten herbstlicher Farben, blüht der hellblauer Enzian. Über uns ein wolkenloser Himmel. Da muss man verweilen. Nun sind es nur noch wenige Höhenmeter, über ein paar Felsen und es ist geschafft.

Hunderte Gebetsfahnen flattern im lauen Lüftchen. Hello, namaste werden wir von unsere nepalischen Freunden begrüßt, mit denen wir in Godathabela beisammen waren. Foto Shooting in die phantastische Gebirgswelt, die uns umrundet. Das alles überragende Massiv des Langtang mit seinen fast senkrecht abfallenden Gletschern, deren Ende in einem türkisfarbenen See auslaufen.

Sollen wir den Kyanjin Ri (4.773 m) in Angriff nehmen? Es ist erst 11 Uhr. Ein relativ leichter Pfad führt den weiteren Kamm hinauf. Da sich beim Aufstieg meine üblichen Probleme im Knie und im Rücken bemerkbar machen, entscheide ich mich für den Abstieg und wir sind zur Mittagzeit zurück.

Ab unter die Dusche. Dann zu Dorje und lasse mir ein kühles Gorka auf der sonnigen Terrasse schmecken. Anschließend Apple Pie mit Milchkaffee und zurück in unser Quartier. Am Abend sind wir einmal wieder die einzigen Gäste. Die Gruppe aus Thailand als auch die Nepali haben bereits die Rückweg nach Langtang oder gar weiter nach Godathabela angetreten.

8. Tag - 10.11.2016

Mutterseelen allein. Niemand ist zum Viewpoint unterwegs. Lediglich 2 Wanderer scheinen den Tserko Ri zum Ziel zu haben. Wir wandern durch das malerische Tal nach Langshia Kharka hinauf. Yaks weiden im weiten Flussbett des Langtang Khola. Entfaltet sich hier im Frühjahr die Flora mit all ihren frischen Blüten, so erlebe ich erstmals die herbstliche Pracht. Von gelb bis braun, mit ein paar roten und blaue Beeren am verdorrtem Gestrüpp, präsentiert sich die Landschaft unter glasklarem Firmament. Immer entlang des rauschenden Flusses schlängelt sich der Weg. Am Talende ragt im Grenzgebiet zu Tibet der gewaltige Phemtang Karpo Ri (6.865 m) empor.

Phemtang Karpo - Grenzgebiet Langtang-Tibet

An der zerstörten Sommersiedlung Numthang beenden wir den Tagesausflug und kehren zurück. Zwischenzeitlich sind in unserem Quartier 3 Koreaner und ein weiterer Gast eingekehrt. Ansonsten scheint Kyanjin touristisch leer zu sein.
 

9. Tag - 11.11.2016

Auf gleichem Wege wandern wir nach Godathabela zurück. Wie der Wirtin des Buddhas Guesthouse in Thyangjapu auf dem Hinweg versprochen, kehren wir dort zur Mittagspause ein. Während bisher überwiegend Muli-Karawanen mit Zementsäcken unterwegs waren, begegnen uns lange Balken schleppende Nepali. Jeweils 10 Stück mit einer Länge von etwa 3 m auf dem Rücken. Lediglich mit dem Stirnband ausbalanciert. Es dürften wohl 100 kg sein. Etwa alle 100 m müssen die Jungs eine Verschnaufpause einlegen. Ich wage mal einen Test. Nur mit Hilfe von Sanje und dem Träger kann ich die am Boden aufgesetzten Balken überhaupt gerade halten.

Kurz oberhalb von Godathabela ist Holzaktion. Bäume werden gefällt, Balken aus den Stämmen per Hand gesägt und zum trocknen gestapelt. Von dort, wie oben beschrieben, nach Langtang und Kyanjin hinauf getragen.

Im Lovely Guesthouse sind wir die einzigen Gäste. Weiterhin gibt es kein Internet, WiFi oder telefonische Verbindung per Mobile. Der zerstörte Funk-Tower soll in Kürze wieder aufgebaut werden. Aber selbst wenn all diese Verbindungen nicht funktionieren, bieten herunter geladene Spiele Abwechslung. Kinder kennen sich damit bestens aus.

Langtang Khola10. Tag - 12.11.2016

Auf gleichen Wegen wandern wir zum Lama Hotel zurück und benachrichtigen Krishna, dass wir morgen Syabru Beshi erreichen und am Tag darauf den Überlandbus nach Kathmandu nehmen werden. In Rimche folgt nun die Abzweigung hinunter in das tiefe Tal des Langtang Khola. Lodges in BambooDurch schattigen Mischwald verläuft der Weg zum tosenden Fluss. Zwei Gasthäuser, die insbesondere beim Aufstieg eine willkommene Rast boten, wurden vom Erdbeben zerstört. Die verbliebenen Ruinen hat die Natur bereits zurück erobert. Ein kleines Geröllfeld, danach die angeknackste Brücke überqueren, folgen wir dem Weg nach Bamboo (1.970 m). Die dortigen drei Lodges sind neu aufgebaut. Während des Erbebens hatten Bewohner und Gäste einen Schutzengel. Kurz vor der oberen Lodge blieben die gewaltigen Felsbrocken der ausgelösten Lawine stecken.

11. Tag - 13.11.2016

Das Tal wird enger. Ein Anstieg und wir blicken in eine tiefe schmale Schlucht. An der gegenüber liegenden senkrecht abfallenden Felswand hängen riesige Bienenstöcke. Unerreichbar für Honey Hunter. Bei den Lodges in Landslide oberhalb der Hot Spring schaut alles wie gewohnt aus. Auch der dortige Verkaufstand mit Mützen, Schals und Souvenirs wird weiterhin vergeblich auf Kundschaft warten.

Es folgt die Abzweigung nach Thulo Syabru. Ein recht schmaler Pfad, der anscheinend ins Nirgendwo führt. Ein kleines Hinweisschild? Fehlanzeige! Ein wenig auf und ab entlang der Felswand und man erreicht die Lodges in Pahare. Statt noch einmal auf den oberen Weg nach Thulo Syabru aufsteigen zu müssen, führt eine neue Hängebrücke über den Langtang Khola. Rohbau der Gompa in Syabru BeshiDort warten zwei Lodges auf Besucher. Der angelegte Weg verkürzt die Wanderung nach Syabru Beshi. Die Hinterlassenschaften des Erdbebens sind nicht zu übersehen: Umgeknickte Stromleitungen, kleinere Geröllfelder, die zu überqueren sind. Alt Syabru gleicht einer Baustelle. Das Beton-Skelett der Gompa steht bereits.

Abermals übernachten wir in der Namaste Lodge. Der Ort ist touristisch ausgestorben. Sanje besorgt die Tickets für unsere Rückfahrt nach Kathmandu.
 

Comfort Bus nach Kathmandu12. Tag - 14.11.2016

Ein komfortabler Bus mit bequemen Sitzen, ähnlich den Touristenbussen auf der Strecke zwischen Kathmandu und Pokhara, bringt uns nach Hause. Lediglich das offerierte Free WiFi funktioniert nicht, wie in vielen anderen Überlandbussen. Statt dessen Unterhaltung mit Bollywood Movies und/oder Nepali Folksongs/Hits als Video Clips auf dem TFT-Bildschirm.
 

Festzuhalten bleibt:
Wo privates Geld vorhanden oder direkt geholfen wird, geht der Wiederaufbau zügig voran.
Mangelt es an diesem, warten die Betroffenen noch immer auf die von der Regierung versprochene Unterstützung.

Zurück zum Bericht „Kunterbuntes aus Nepal“