Upper Mustang - Lo Mantang

Auf den Spuren des alten Karawanenweges
von Beni bis zur Grenze nach Tibet

 

 

 

Reisebericht 05.10. - 20.10.2014

 

Tal des Kali Ghandaki in Richtung Kagbeni Strecke Kangbeni - Tanbe - Chele in Upper Mustang Chorten zwischen Syangboche und Gemi, Upper Mustang
Chörten in den Farben der Sakyapa vor dem roten Felsband nach Dhagmar Platz vor dem Palast in Lo Mantang Lo Mantang, Upper Mustang
Lopa Frau im Norden Mustangs Tal des Nhichunga zum Kali Ghandaki Mani-Mauer im Norden von Lo Mantang

 

 

Vorwort

 

Angelika, Kristina und Peter sind gestern pünktlich in Kathmandu eingetroffen. Nach 10 Tagen Kathmandu mit Besichtigungen, Einkäufen und Beisammensein mit der Familie in Sitapaila  während des Dashain Festivals, wird es Zeit endlich auf Tour zu gehen. Was gibt es Neues in Upper Mustang gegenüber meinem ersten Besuch im Frühjahr 2008? Drei Wochen sind für dieses Trekking geplant und wenn alles klappt, werden wir von Lo Mantang über den Teri Bhanjyang (5.590 m) nach Nar wandern. Chabi, der schon 2008 mit dabei war, wird uns als Guide begleiten.

 

 

 

© Klaus Töpfer

HIMATREK

Gelsenkirchen, Dezember 2014

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Mit Yeti Airlines nach Pokhara1. Tag - 05.10.2014

 

Abschied von der Familie in Sitapaila. Meine 3 Gefährten/innen gabeln wir im Hotel Manang am Frühstückstisch auf. Weiter zum Flughafen, am Schalter der Yeti Air einchecken und ab durch die Sicherheitskontrolle, planmäßiger Abflug 08:30 Uhr. Manaslu auf dem Flug nach PokharaAufgrund tief hängender Wolken über Pokhara verschiebt sich dieser um 45 Minuten. Dann sind wir schnell über den Wolken. Das imposante Massiv von Langtang, Manaslu bis hinüber zum Annapurna zieht am Horizont vorbei. Eine halbe Stunde später rollt die Maschine zunächst in Warteposition, denn dicht hinter uns setzen 2 weitere zur Landung an. Dann endlich zur Abfertigung. Während wir auf unser Gepäck warten, entdecke ich draußen Chabi.

 

Namaste, herzliche Begrüßung auch mit den beiden Trägern Sanjeep und Tek sowie unserem Fahrer, der uns nach Beni bringen wird. Ruckzuck werden Trekking-Taschen und Rucksäcke auf das Dach des Jeeps gehievt. Für die Fahrt noch schnell etwas Proviant einkaufen. Alsbald liegt Pokhara hinter uns. An Phedi vorbei, hinauf nach Kande und hinunter nach Nayapul, den drei Trekking-Ausgangspunkten ins südliche Annapurna, verläuft die Straße an Kusma, der Distrikthauptstadt von Parbat vorbei. Entlang des tosenden Kali Ghandaki, der aufgrund des noch im September heftigen Monsun mehr Wasser als üblich führt, erreichen wir mittags Beni. Während Chabi für die Weiterfahrt einen lokalen Jeep organisiert, lassen wir uns im nahegelegenen Restaurant mit Köstlichkeiten der nepalischen Küche verwöhnen.

 

Von Beni nach Tatopani, AnnapurnaWar die Straße bis Beni (890 m) in recht ordentlichen und asphaltierten Zustand, so holpert und schliddert man nun auf der schmalen, stellenweise rutschigen Piste dahin. An einem tief verschlammten Teilstück hilft nur noch aussteigen und schieben. Erst als Leute eines entgegenkommenden Busses mit anpacken, gelingt es unser Fahrzeug wieder auf den Weg zu bringen. Nach 3 ½ Stunden Schaukelei ist Tatopani (1.190 m) erreicht. Unser Basisquartier, die Dhaulagiri Lodge ist ausgebucht. Chabi empfiehlt die Old Kamala Lodge mit neu errichteten Anbau. Die  Zimmer verfügen sogar über ein Bad. Nachdem der Staub des Tages abgespült ist, genießen wir einen lauen Sommerabend auf der Terrasse vor dem Haus.

 

2. Tag - 06.10.2014

 

Strahlend blauer Himmel. Frühstück um 7:15 Uhr, denn wir wollen zeitig starten. Während die meisten Touristen in Richtung Beni oder Ghorepani aufbrechen, begeben wir uns zum Bus-/Jeep-Park. Lokale Busse nehmen von hier eine Fahrt nach Ghasa nur voll besetzt auf. Der erste durchgehende, aus Beni kommende Bus, wird zur Mittagzeit erwartet und ob Platz ist, ist zu bezweifeln. Wir möchten keine Zeit verschwenden. Unser gestriger Fahrer bietet die Tour nach Ghasa für 6.000 Rupien an. Dies sind etwa 12 EUR/Person. Nicht nur, dass wir gleich starten können, hinzu kommen die Vorteile einer privaten Fahrt mit Stopps an interessanten Punkten. Blick in die tiefste Schlucht der Welt zwischen Annapurna und DhaulagiriDa ist der tosende Wasserfall zu nennen, der den Fahrweg überschwemmt. Für den Jeep kein Problem die rauschende Flut zu durchqueren. Nasse Füße, eine Menge Kraft und Geschick erfordert jedoch ein Motorrad hindurch zu schieben. Schließlich ein Blick in die tiefste Schlucht der Welt zwischen den beiden Achttausendern Dhaulagiri und Annapurna.

 

IBuspark in Ghasa am Kali Ghandakin Ghasa (2.010 m) endet die Fahrt. Von hier bis nach Jomsom ist ein anderer „Verkehrsbetrieb“ zuständig. Die Wartezeit bis zur Abfahrt des nächsten Busses wird mit einem etwas vorgezogenen Mittagsessen verkürzt. Eine gute Nudel-Gemüse-Suppe aus lokaler Küche, unter den wachsamen Augen von Chabi zubereitet, lassen wir uns schmecken. Klar, dass ein guter Tee dazu gehört.

 

Nach Lete und KalopaniKnapp eine Stunde dauert die Schaukelei im vollen Bus bis zur Abzweigung zum Titi Lake kurz vor Lete. Das Ränzlein aufschnallen, die Wanderstecken ausfahren und auf richtige Länge justieren und los marschieren. Die Trekking-Taschen übernehmen Sanjeep und Tek. Chabi und ich kennen den Weg. Im Frühjahr dieses Jahres bin ich mit Ramu diese Strecke vom Titi Lake zurück gewandert und wir trafen Chabi mit unseren Gästen in Ghasa. In Kunju eingetroffen, gönnen wir uns eine kleine Teepause. Während des Nachmittages sind Wolken aufgezogen und es beginnt zu tröpfeln. Kurzer Dank an die freundlichen Gastgeber für den Tee. Die Regencapes werden übergezogen und vorbei an abgeernteten Feldern führt der Weg durch Tannenwald auf eine Anhöhe hinauf. Dort treffen wir auf eine Forststrasse, die zum See und kurz danach in die gleichnamige Siedlung (2.670 m) führt. Zur Übernachtung wird die dortige Lodge aufgesucht, wo Ramu und ich Anfang April zur Mittagsrast einkehrten. Heute sind wir die ersten Gäste in dieser Herbstsaison.

 

Titi Lake

 

Mit Sonnenuntergang lösen sich die Wolken auf. Dhaulagiri und Tukuche Peak verabschieden sich zur Nachtruhe.

 

Sonnenaufgang hinter dem Annapurna am Titi See3. Tag - 07.10.2014

 

… und die ersten Strahlen der aufgehenden Sonne sagen „Guten Morgen“ noch bevor diese Gipfel mit goldenem Glanz verzaubert werden. Ein herrlicher Tag beginnt. Der Aufstieg nach Nupsang Danda (3.000 m) führt in weiten, neu ausgebauten Kehren zur Yak Alm. Ständig im Blick der mehr und mehr tiefer unten liegende Titi Lake, im grellen Gegenlicht Annapurna I und in entgegen gesetzter Richtung ist der Dhaulagiri ein ständiger Begleiter.

 

 

Yak Alm Nupsang Danda

 

Die weitläufigen Weiden auf denen etwa 500 Yaks im kargen Grün grasen ist erklommen. Das weibliche Tier ist die Nak. Jedoch hat sich Yak als Gattungsbegriff etabliert. Der Ort lädt zwangsläufig zur ausgiebigen Rast ein, um Natur und die zotteligen Tiere in verschiedenen Farben von schwarz über braun bis weiß und ihre im Frühjahr geborenen Kälber zu beobachten.

 

So herrlich es hier auch ist, der Abstieg zurück ins Tal des Kali Ghandaki ist unvermeidbar. Der Pfad schlängelt sich nun durch meist schattigen Tannen und Pinienwald hinunter nach Sirkung. Die im Frühjahr angekündigten Lodges mit Übernachtungsmöglichkeit wird man weiterhin vergeblich suchen. Staubwolken im Flussbett des Kali GhandakiZumindest bietet das eine oder andere Haus einen Gastraum mit einfacher, landestypischer Verpflegung. Draußen toben sich die Winde im Flussbett des Kali Ghandaki aus. Eine Querung hinüber nach Larjung ist aufgrund des hohen Wasserstandes unmöglich. Also wird der neue Höhenweg nach Marpha angetreten.

 

Tal des Kali GhandakiZunächst folgen wir den mir bekannten Weg. Irgendwann führt ein schier nie endender Zickzack durch in den zurückliegenden JahrenKali Ghandaki entstandene Erdrutsche aufwärts. Auf der anderen Seite liegt für uns unerreichbar Tukuche (2.590 m). Nach einigen weiteren Auf und Ab geht es schließlich abwärts zum Flussbett.  Haben wir es endlich geschafft? Eine Siedlung! Apfelplantagen so weit das ‚Auge reicht. Dicke, rote Früchte hängen an noch nicht abgeernteten Bäumen. Pause, zum gemeinsamen Apfelschmaus.

 

Apfelplantagen nahe MarphaNachdem der gewaltige Erdrutsch am Chimang Khola hinter uns liegt, treffen wir mit Einbruch der Dämmerung auf eine Brücke, die über den Kali Ghandaki zur Straße führt. Dann erwischt uns die Glücksträhne. Ein Bus taucht auf. Handzeichen!. Das Fahrzeug nach Marpha hält. Finden wir noch Platz in diesen überfüllten Bus? Nichts ist unmöglich in Nepal. Man rückt noch enger zusammen und wir können einsteigen. Ein Sitz auf der Armlehne ist besser, als noch mindestens eine Stunde bis Marpha (2.670 m) weiter laufen zu müssen. In ein wahrliches Paradies (Paradise Guest House) kehren wir ein und treffen dort zum ersten Mal an diesem Tage ein paar Touristen.

 

Marpha, Handelsplatz am Kali Ghandaki4 Tag - 08.10.2014

 

Marpha ist neben Tukuche und Kagbeni eines der alten Umschlagplätze entlang der ehemals bedeutenden Handelsroute zwischen Tibet und Indien. Die Volksgruppe der Thakalis kontrollierte seinerzeit die Geschäfte mit Salz aus dem Norden, Getreide und Stoffe aus dem Süden. Zum Glück verläuft die neu gebaute Straße auch hier außerhalb des idyllischen Städtchens. Der malerische Charakter mit seinen engen mit Natursteinplatten gepflasterten Gassen und seinen weiß getünchten Häusern ist erhalten geblieben. Die stattlichen 2-stöckigen Gehöfte sind in Atriumbauweise errichtet und verfügen meist über einen geräumigen windgeschützten Innenhof. Türen und Fenster sind mit Schnitzereien verziert. Auf den flachen Dächern ist das Holz für die kalte Jahreszeit geschichtet.

 

Hoch über dem Dorf ist das Dreieck, der am Fels klebenden buddhistischen Gebetsstätte, unübersehbar. Wir begeben uns zum erweiterten Kloster und steigen die steilen Treppen hinauf. Ein junger Mönch (Novize) gewährt uns Einlass in den neu erbauten Bereich. Dahinter verbirgt sich der alte Versammlungs-/Gebetsraum mit seinem individuellen Flair. Von hier oben hat man einen wunderbaren Blick über die Dächer von Marpha.

 

 

 

Erwähnenswert sind die riesigen Apfel und Aprikosen-Plantagen, die sich bis hinauf nach Jomsom erstrecken. Ein Teil der Früchte wird in der Destille des Ortes zu köstlichen Wässerchen veredelt.

 

Shops und Lodges warten hingegen auf Kundschaft. Der Tourismus ist mit Fertigstellung der Straße stark eingebrochen. Alle Mühen alternative Wege abseits der Piste streckenweise neu zu bauen und zu markieren, scheinen bislang kaum Erfolg zu haben.

 

Aufgrund des Dashain und der folgenden Feiertage Edul Aajaha und Kujagrat Purmina am 6. und 7.10. können unsere Permits für das Upper Mustang erst heute besorgt werden. Demzufolge wird Bote und Assistent Saja erst morgen mit den benötigten Papieren in Kagbeni eintreffen. So entscheiden wir uns zu einen Abstecher nach Muktinath, statt einen Tag im staubigen Jomsom zu vertrödeln. Gesagt, getan. Die kurze Etappe bis Jomsom erfolgt per Jeep. Nach Mittagspause im Hotel Mustang und Verbindung mit der Welt per Internet (WiFi ist hier in fast jeder Unterkunft Standard) ziehen wir weiter zum Bus-/Jeepbahnhof am nördlichen Rand von Jomsom, direkt neben einem neu erbauten Kloster. Gleich dahinter nimmt die Landschaft wüstenähnlichen Charakter an. Das Tal des Kali Ghandaki weitet sich. Der mittags einsetzende heftige Wind wirbelt Staubfontänen gen Norden. Wir vertrauen auf den Bus. Nachdem der Fahrer dem strapazierten Motor frisches Kühlwasser und Öl gegönnt hat, rumpeln wir der Schotterpiste am Hang entlang. Eine Abkürzung im Flussbett ist undenkbar. Zu hoch steht das Wasser und dessen Läufe sind unüberschaubar verzweigt.

 

Mit Sonnenuntergang ist in Muktinath (3.760 m) Endstation. Chabi führt uns zum gerade neu erbauten 5*Hotel. Super Zimmer, aber vieles ist noch nicht fertig. Kein Gastraum/Restaurant, alles wirkt kalt. Da wir das Abendessen als auch das morgigen Frühstück im benachbarten „Muktinath Hotel“ einnehmen müssen, ziehe ich sofort in dieses Quartier um und verzichte auf den Zimmer-Komfort.

 

Tor zu den Pilgerorten in Muktinath5.Tag - 09.10.2014

 

Muktinath, ein Pilgerort für Hindus und Buddhisten. Auf zum Tempelbezirk. Inzwischen umsäumt eine Mauer den Bereich und man schreitet durch ein riesiges Tor mit Ornamenten und Figuren beider Glaubenrichtungen. Die 108 speienden Köpfe sind überwiegend den Hindus heilig. 108 Wasserspeier in MuktinathIm Tempel mit dem brennendem Wasser treffen sich Buddhisten und Hindus, um Buddha auf der einen, Shiva auf der anderen Seite zur verehren. Über all diesem wehen tausende Gebetsfahnen. Im Wind flatternd, werden die Gebete in Richtung der Götter gesandt. Noch imposanter ist hingegen der Ausblick. Gen Norden die karge Wüste, im Westen die Gipfel des Dhaulagiri und Tukuche Peak.

 

Jharkot auf dem Weg nach KagbeniUm den alternativen Weg über Jhong nach Kagbeni auszuprobieren, ist es leider zu spät geworden. So bleibt überwiegend die Jeep-Piste. Für Jharkot mit seiner historischen Altstadt und Festung lassen wir uns Zeit. Nach einem Streifzug durch die engen Gassen kehre wir zum Imbiss ein und folgen anschließend der „Never Ending Road“ hinunter nach Kagbeni. Der auf der gegenüber liegende Talseite verlaufende Weg ist gut sichtbar. Er führt durch eine atemberaubende Landschaft oberhalb des Jhong Khola.

 

Am südlichen Eingang von Kagbeni ziehen wir in das neu erbaute Annapurna Hotel ein. Nicht nur Zimmer, auch die Speisekarte lassen für unseren Geschmack nichts zu wünschen übrig. Unser Bote Saja trifft mit den Permits für Upper Mustang ein.

 

6. Tag - 10.10.2014

zur Bilder-Show Upper Mustang 2014

 

Die Altstadt von Kagbeni. Ein Labyrinth aus Gassen. Dort ein schmaler, niedriger Durchgang, da in der Ecke der „fruchtbare“ Geist, zwischendurch Chörten und Manimauern. Dann der Zugang zum Kloster. Normalerweise spendet man, aber hier wird jeder Tourist mit Betreten des Innenhofes sofort mit 200 Rupien Eintrittgeld abgezockt.

 

 

Am Checkpoint, dem Tor zu Upper Mustang, treffen wir weitere Touristen-Gruppen, die anscheinend ebenfalls auf ihre Permits haben warten müssen. Während 2008 ein schmaler Pfad den Hang entlang führte, und teilweise durch das Flussbett verlief, müssen wir jetzt der Jeep-Piste nach Chele folgen. Zum Glück herrscht so gut wie kein Verkehr. Insgesamt zähle ich 6 oder 7 Jeeps auf der ganzen Strecke. Auf der Straße von Kagbeni nach CheleDiese ist jedoch länger als der alte durch den Straßenbau zustörte Weg, da die Piste in weiten, langen Kehren den Verlauf des Hangs folgt. Kurz vor Tangbe geht ein Pfad steil hinunter in den tiefen Canyon, durch welchem sich der Dhingklo Kola dem Kali Ghandaki entgegen windet. Auf der gegenüber liegenden Seite trifft man wieder auf die Piste die oberhalb der grünen Oase Tangbe verläuft. Entlang des Weges und in den Dörfern sieht man immer wieder die landestypischen Chörten. Meist eine größere und drei kleinere in den Farben blau, rot und weiß. Es sind die Farben der Sakyapa, einer buddhistischen Rotmützenschule aus Zentraltibet.

 

Eingebettet zwischen von der Witterung zerklüfteten Felswänden erstreckt sich das weite Flussbett des Kali Ghandaki. Ähnlich den Prielen im Wattenmeer verlaufen die sich ständig verändernden Wasseradern durch das Geröll. Die zu beiden Seiten steil und in verschiedenen Formen und allen erdenklichen erdfarbenen erodierten Gesteinschichten erzählen die Millionen Jahre alte Entstehung der tibetischen Hochebene aus dem Urmeer. Es geht auf Mittag zu und der Wind aus Süden wird heftiger. Böen wirbeln Staub und kleine Steinchen auf. Mulikarawanen ziehen vorüber. Voraus liegt das Örtchen Chhusang (2.980 m), ein grüner Fleck in dieser atemberaubenden Landschaft. Es wird Zeit für eine Rast.

 

Das Geröllbett des Narsing Khola ist zu durchqueren. Hier zweigt der Weg nach Tetang ab. Von dort kann man über den Gyu La (4.077 m) in einem Tag Muktinath erreichen oder man folgt den mehrtägigen Weg über Tange und Yara/Dhi nach Lo Mantang, welcher als Camping-Trek machbar ist. Nun ist es nur noch eine kurze Etappe im enger werdenden Tal. Die gewaltigen roten Felsen schieben sich zusammen bis schließlich eine enge Klamm verbleibt, durch welche die Wassermassen des Kali Ghandaki donnern. Die Straße endet vor der Fußgängerbrücke. Lediglich ein verrückter Motorradfahrer versucht mit ständig abgewürgtem Motor hinüber zu kommen. Auf der anderen Seite stehen Jeeps für die Weiterfahrt bereit.

 

Da die Piste abseits von Chele (3.100 m) verläuft, gilt es für die letzten 100 Höhenmeter alle Kräfte zu mobilisieren, um den schmalen Pfad zum Ort zu erklimmen. Geschafft. CheleWer winkt dort vom ‚Dach? Es ist Karma mit dem Küchenteam. Da wir hier 2 Tage verspätet eintreffen, sind die Jungs schon vor Ort. Ein frisch aufgebrühter Tee zum Willkommen im zur Lodge gehörenden Küchenraum erwartet uns.

 

Aufgrund der Feiertage sind heute wohl mehr Touristen als üblich von Kagbeni aufgebrochen. Alle Gasthäuser im Ort sind ausgebucht. Wir haben noch die beiden letzten Zimmer erwischt und brauchen nicht im Hinterhof zu campieren.

 

7. Tag - 11.10.2014

 

Wir lassen es gemütlich angehen und brechen wie üblich gegen 8 Uhr auf. Sonnenschein und blauer Himmel, was will man mehr. Da sind die immergrünen Wacholder und Tannen am Rande der abgeernteten Felder. Direkt dahinter die Wüste im Schein der aufgehenden Sonne. Nach etwa einer halben Stunde zweigt der ehemalige Handelsweg von der Jeep-Trasse ab. Juhu, durch die Felswand steigen wir zum ersten Pass hinauf. Eine schwindelerregende Hängebrücke verbindet eine kleine Siedlung jenseits der tiefen Schlucht. Wenn ich richtig zähle stehen uns 4 Pässe bevor; Taklam La, Dajong La, Bena La und der höchste mit etwa 4.000 m der Yamda La. Am Dajong La mündet unser Steig in die Fahrbahn, der wir zwangsläufig bis Samar (3.630 m) folgen müssen. In der dortigen Himali Lodge wird zur Mittagspause eingekehrt.

 

Nach Ab- und Aufstieg in/aus dem Canyon eines Nebenflusses des Kali Ghandaki geht es abermals aufwärts zum Yamda La  (4.040 m). Welch ein herrliches Panorama in nachmittäglichem Sonnenlicht.

 

 

Unvorstellbar, das diese bizarre Landschaft auf dem Meer empor gehoben wurde. Den verbliebenen Relikten des ursprünglichen Handelsweges folgend, queren wir die langen Serpentinen der Straße und erreichen Syangboche (3.800 m). Karma hat sich mit seinem Team bereits im Hotel Dhaulagiri einquartiert und für Zimmer in der gegenüber liegenden Lodge gesorgt.

 

Ein recht langer Wandertag geht zu Ende, Hier gibt es noch keine Verbindung zur Welt per Internet mittels WiFi und Handy. Daher auf diesem Wege an Enkel Lenny: Herzlichen Glückwunsch zum 4. Geburtstag aus dem Land der höchsten Berge und der fünftgrößten Wüste der Welt.

 

8. Tag - 12.10.2014

 

Nachdem wir gestern fast 10 Stunden unterwegs waren, kürzen wir unsere heutige Etappe. Da Karma mit seinem Team bereits zugegen ist, werden wir in Gemi (3.520 m) übernachten und morgen die Tour über Ghar  Gompa (3.920 m) mit anschließender Überschreitung des Marang La (4..230 m) nach Lo Mantang fortsetzen.

Kurz geht es hinauf zur Anhöhe. Danach verläuft ein fast ebener und recht breiter Weg oberhalb der Fahrbahn oder gar auf derselben. Inmitten herbstlich gefärbter Weiden erbebt sich ein mächtiger Chörten. Auf dem viereckigen Sockel sind jeweils paarweise die 8 buddhistischen Glücksymbole, die man auch im Hinduismus findet, als Reliefe dargestellt. Rote, weiße und dunkelblauen Farbbänder kennzeichnen es als Heiligtum der Sakyapa.

In der kleinen Siedlung Zhaite lassen wir uns durch Karmas Küche verwöhnen. Es ist immer wieder eine Sensation, was das Team mit recht bescheidenen Mitteln auf einen Teller zaubern kann: Pommes, Salat, Bohnen und … . Alles echt ÖKO und schmackhaft zubereitet. Nepalische Kochkunst!

 

Noch einmal aufwärts zum Nyi La (4.030 m). Rund herum erheben sich gewaltige, schroffe Felsformationen und spiegeln die Urzeiten unserer Erde wieder. Gen Süden ragen die vergletscherten Gipfel des Annapurna in den nachmittäglichen klaren Himmel. Der weitere Weg zieht sich dahin. Ein mit roten Segmenten durchstreiftes Felsband zeigt sich am Horizont. Ein Tal zuvor liegt Gemi (3.510 m), wo wir im Hofe der Lodge erstmals unsere Zelte aufschlagen.

 

Peter hat sich irgendeine Infektion zugezogen. Um sich möglichst auszukurieren, wird er morgen hier oder im nahe gelegenem Charang einen Ruhetag einlegen und übemorgen auf dem Normalweg mit Assistent Saja nach Lo Mantang folgen.

 

9. Tag - 13.10.2014

 

Ein kurzer Aufstieg. In herbstlichen Farben leuchtet das Laub der Bäume. Ein Prachtwetter! Wir nähern uns  einer gewaltigen Felsformation mit Farben vom tristen Grau bis zum überwiegend dunklen Rot. Es sind Zeugen einer Millionen Jahre alten Erdgeschichte. In den steil aufragenden Wänden befinden sich zahlreiche Höhlen, die heute unerreichbar scheinen. Es handelt sich um die ersten Siedlungen der Urbevölkerung, als die Täler noch nicht so tief ausgewaschen waren.

 

Parallel des korallenroten Felsbandes verläuft der Weg durch die herbstliche Landschaft nach Dhagmar (3.820 m). Auch hier überrascht uns das Küchenteam zur Mittagzeit mit einer schmackhaft zubereitet Gemüse-Nudel-Suppe. Diese ist zur Stärkung zwingend nötig, denn uns steht ein recht anstrengender Aufstieg zum Doppelpass Mulla Bhanjyang / Mui La (4.170 m) bevor. Im Süden hängen dicke dunkelgraue Wolken über dem Annapurna. Tobt sich dort ein Unwetter aus? Uns erreichen lediglich dünne Wolkenschleier, die die Sonne etwas abschatten, sodass der Aufstieg nicht allzu schweißtreibend wird. Trotzdem, als wir den Pass hinter den beidseitig aufragenden Felsen erreicht haben, ist eine Pause zum Verschnaufen von Nöten. Eine gemischte Gruppe Einheimischer und Touristen kommt uns vom zweiten Pass auf Pferden entgegen. Hello und Bye.

 

Wir begeben uns zum zweiten Pass. Nun geht es bergab. Im Schatten der im 8. Jahrhundert errichteten Gompa (3.920 m) stehen bereits unsere Zelte. Im Nebengebäude ist unsere Küche eingerichtet. Wurde gestern Dhaal Bhaat serviert so erfreuen wir uns heute an den mit Ei und Käse überbackenen Nudeln und Gemüse. Das zuvor eine heiße Suppe und anschließend eine Nachspeise serviert wird, ist selbstverständlich. Zu bedauern sind vier Wanderer aus Spanien, die im unbeheizten Gastraum nächtigen und auf die karge Verpflegung durch den gerade anwesenden Mönch angewiesen sind. Als wir zu später Stunde in die Zelte kriechen, beginnt es zu regnen.

10. Tag - 14.10.2014

 

Auf den Zelten liegt eine etwa 5 cm dicke Schneeschicht und es schneit weiterhin. Rings herum eine Winterlandschaft. Die vom Süden heran gerauschte Schlechtwetterfront ist bis hierhin übergeschwappt, was zu dieser Jahreszeit äußerst ungewöhnlich ist. Wie schaut es wohl auf den Hauptkamm aus? Dort müssen Schneemassen gefallen sein. Was sollen wir tun? Heute über den Marang La (4.230 m)? Das können wir vergessen. Es bleibt somit nur der Abstieg zum von Charang kommenden Fahrweg, den wir nach Lo Mantang nehmen werden.

 

Leise rieselt der Schnee. Außer einem einsamen Pferdemann mit seinen Mulis ist heute niemand unterwegs. Peter, der uns heute eigentlich folgen sollte, bleibt in Charang. Unermüdlich stapfen wir durch den tiefer werdenden Schnee. Der gewaltige Sungda Chörten wird sichtbar. Vielleicht finden wir in seinem Schatten ein etwas trockenes und windgeschütztes Plätzchen für eine kurze Rast. Leider nein, denn ein hoher Maschendrahtzaun verläuft um dieses Bauwerk. Also weiter, so weit die Füße zum Lo La (3.980 m) tragen. Kurz hinter der Abzweigung nach Dhi und Yara endlich der Pass über den sich vereiste Gebetsfahnen spannen.

 

 

Ein Jeep versucht verzweifelt von Lo Mantang den Pass hinauf zu kommen. Trotz allen Bemühungen gibt der Fahrer auf. Unser Glück, denn er nimmt uns die letzten Meter hinunter in die mittelalterliche Stadt mit und setzt uns direkt vor der heutigen Unterkunft ab. Gab es vor 6 Jahren hier nur ein Gasthaus, so sind zwischenzeitlich einige hinzugekommen, die heute aber restlos überfüllt sind. Nur ein Zimmer steht zur Verfügung, wo sich Geli und Kristina einquartieren. Ich ziehe nebenan in den Rohbau für neue Gästezimmer, wo ein Zelt für mich errichtet wird. Um es recht bequem zu haben, füllt eine dicke breite Matratze den Boden des Zeltes aus.

 

Wir genießen den warmen Gastraum mit den anderen Touristen während draußen weiterhin die Flocken fallen.

 

11. Tag - 15.10.2014

 

Sonnenschein! Der Schnee schmilzt in wahnsinniger Geschwindigkeit dahin. Die Folge, Sturzbäche von den Dächern, Matsch auf allen Wegen und die die Stadt durchziehenden Kanäle vermögen die Wassermassen kaum zu bewältigen. Da man mir das gestern versprochene Zimmer nicht gewähren kann, machen Chabi und ich uns auf die Suche nach einer anderen Unterkunft. Im Tashi Delek Guesthouse haben wir Erfolg. Die netten Inhaber räumen zwei normalerweise selbst bzw. vom Personal genutzte Zimmer im überdachten Innenhof des zweistöckigen Hauses. Hier haben wir die Möglichkeit auch all unsere gestern feucht gewordenen Sachen zu trocknen. Weiterhin steht ein Bad mit heißer Dusche zur Verfügung.

Nachdem der Umzug vollzogen ist, starten wir mit Chabi und Karma zur Besichtigungstour durch die „Walled City“. Die Stadt ist von einer 7 Meter hohen Mauer umgeben und gleicht mit den 4 Wachtürmen an jeder Ecke einer mittelalterlichen Festung. Ein breiter Weg führt um den Stadtkern herum. Zu beiden Seiten befinden sich hinter brusthohen Steinmauern sowohl Stallungen für das Vieh als auch Wohnhäuser und Geschäfte aller Art. Die weite Ebene Mönthang, das Tal der Sehnsucht, wird umrahmt von den heute schneeweißen Bergen, die in der Sonne glitzern. Entlang einer Reihe Gebetsmühlen, drei hoch aufragenden Chörten stehen wir unvermittelt vor dem Stadttor.

 

Das Zentrum innerhalb der Mauern umfasst auf ca. 300 x 150 m etwa 200 Häuser. Vier Gebäude sind hervorzuheben: Der Königpalast und die drei Klöster Thubchen, Jampa und Chöde. Das größte Kloster ist Thubchen, gegründet im Jahre 1412 durch König Chhang Chen Tashi Gon. Die älteste Gompa ist Jampa, 1387 erbaut durch König Ame Pal, dem Gründer des einst unabhängigen Königreiches. Kulturell ist es eng mit Tibet verbunden. Erst Ende des 18. Jahrhunderts wurde das Reich von Nepal annektiert. Die Monarchie bestand bis zum Sommer 2008 fort. Der heutige König führt seine Abstammung in der 25. Generation auf den Reichsgründer Ame Pal zurück und genießt weiterhin ein hohes Ansehen in der Bevölkerung, den Lopas.

 

Chörten in Lo Mantang

 

Eine Gruppe Klosterschüler (Novizen) vergnügt sich bei einer Schneeballschlacht mit den Dorfkindern. Wir streifen weiter durch die Gassen und gelangen zum nördlichen Ausgang mit seinen hoch aufragenden Chörten und Manimauern. Schließlich findet sich ein Weg auf eines der Dächer, den uns ein freundlicher Bewohner zeigt. Hier oben öffnet sich ein prachtvolles Landschaftspanorama. Zu welcher Seite man auch blickt, wir sind gewaltigen, normalerweise kargen und sandfarbenen Bergen umgeben, die heute schneebedeckt sind. Gen Norden reicht der Blick bis hin zu den vergletscherten Gipfeln des Mustang Himal. Drei 6.000er markieren die Grenze zu Tibet. Die höchste Erbebung ist der 6.480 m hohe Dongmar.

 

Am Nachmittag geht es zurück in unser Quartier. Bis zum Abend füllt sich der gemütliche Gastraum mit weiteren Touristen. Mit Chabi diskutieren wir den weiteren Tourverlauf. Die geplante Überschreitung des Teri Bhanjyang (5.590 m) nach Nar werden wir aufgrund der dort oben gefallenen Schneemassen aufgeben müssen. Peter wird morgen Nachmittag mit Saja eintreffen. Mal schauen, wie es gesundheitlich mit ihm steht. Somit planen wir eine Tageswanderung zu den nördlichen Siedlungen, nahe der Grenze zu Tibet. Dann sehen wir weiter.

 

12. Tag - 16.10.2014

 

Zuerst die gute Nachricht. Sonnenschein, ein wolkenloser Himmel. Aber der gewaltige über den Westen Nepals hinweg gezogene Schneesturm hat im Annapurna, Dhaulagiri und wohl auch am Manaslu mehr als 50 Menschenleben gefordert. Hunderte werden noch vermisst. Wir hoffen, dass die Zahl der Opfer nicht noch weiter steigt. Über weitere Einzelheiten gibt es hier keine Informationen. Zumindest erreiche ich Govinda in Kathmandu per Mobile. Keine Sorge, von unseren Gästen ist niemand betroffen und ich habe vorsorglich auch schon Mama Dorlis daheim in Gelsenkirchen informiert.

 

Zusammen mit Chabi und Karma verlassen wir Lo Mantang gen Norden. Eine größere Gruppe startet mit Pferden zur Rundtour. Zunächst geht es entlang der Straße nach Tibet, dem Grenzpass, den nur 4.660 m hohen Kora La. Mit Erreichen der ersten Anhöhe, auf der die Ruinen einer Festung stehen, genießen wir erst einmal den Panorama-Rundblick über die gewaltige Berglandschaft. Unten, im ausgewaschenem Tal fließt der Nhichunga dem Kali Ghandaki entgegen. Nach Abstieg auf schmalem Pfad erreichen wir dessen Ufer. Eine Hängebrücke führt zur kleinen Siedlung Dhuk. Bei einer Familie sind wir herzlich willkommen und kehren in deren Haus zur Teepause ein. Die Kinder erfreuen sich der Luftballons, die Angelika, unsere 99-Luftballon-Nena, seit Tagen an die Jüngsten verteilt. Wir haben im landestypischen Innenhof Platz genommen. Karma erkundigt sich derweil per Funktelefon bei Saja, der sich mit Peter auf den Weg nach Lo Mantang begeben hat. Eine Verbindung per Mobile ist mit NCell in abgelegen Gegenden gar nicht, im NTC-Netz (Namaste) eventuell möglich.

 

 

Der in den zurückliegenden Tagen gefallene Schnee ist so gut wie verschwunden, wofür die kräftigen Strahlen der Sonne und die extrem trockene Luft sorgen. Überall dort, wo ein kleiner Wasserlauf für ausreichende Feuchte sorgt, haben sich Menschen nieder gelassen, um Ackerbau und Viehzucht zu betreiben. Jetzt im Herbst sind die Felder abgeerntet, Ziegen und Schafe bereits in den Ställen. Bäume, meist Weiden, und niedrige Gewächse zeigen sich in herbstlichen Farben. Ansonsten eine bizarre, nur schwer zu beschreibenden Landschaft. Wir durchwandern die fünftgrößte Wüste der Welt!

 

Entsteht hier eine neue Bungalow-Siedlung entlang der Straße für zukünftige „off road“ anreisende Touristen? Nein, es wird ein neues Dorf gebaut. Weiter oberhalb versiegt das Wasser und die betroffenen Bewohner sollen umgehend hierhin umgesiedelt werden.

 

Schließlich zweigt die Fahrbahn in langen Serpentinen zum Kora La ab. Bis Garphu (3.897 m) ist es nicht mehr weit. In den schroff aufragenden Felsen befinden sich unzählige Eingänge zu Höhlen, die ehemals bewohnt wurden. Wir bevorzugen ein kleines Gasthaus, deren Besitzerin Karma zu kennen scheint. Tee und eine deftige Suppe werden für uns frisch zubereitet. Chabi und Karma bevorzugen hingegen die chinesische 5-Minuten-Terrine, welche die Wirtin ruckzuck mit dem Übergießen von kochendem Wasser in ein undefinierbares Gemenge zubereitet. Draußen im Hof erfreuen sich all die Kinder des Dorfes an „Nenas“ Geschenken.

 

Kind im Norden von Upper Mustang

 

Auf der anderen Teilseite des Nhichunga treten wir den Rückweg an. Entlang einer langen roten Manimauer, die schon auf dem Hinweg unsere Aufmerksamkeit weckte, treffen wir wieder auf den Fahrweg. Noch einmal ein kurzer Blick hinab in das schmale Tal, dann hinauf und wir sind zurück in Lo Mantang.

Peter ist mit Saja eingetroffen. Es sieht nicht gut mit ihm aus. Seine Beine sind dick geschwollen. Wasser? Er wird auf jeden Fall morgen per Jeep zurück fahren. Da auch unsere weitere Tour ungewiss und das Visum für Upper Mustang in 3 Tagen endet, beschließen wir den kurzen und vielleicht bequemen Weg in Richtung Kagbeni anzutreten. Chabi organisiert und bucht umgehend die Rückfahrt.

 

13. Tag - 17.10.2014

 

Chaos am Morgen. Noch vor Sonnenaufgang stehen 6 oder 7 Jeeps zur Abfahrt bereit. Unser Fahrzeug ist bereits schwer beladen. Plötzlich wird der Gepäckträger auf dem Dach geräumt und unsere Sachen dort oben verstaut. Ebenso gibt es ein weiteres Hin und Her, bevor wir alle unsere Plätze im Jeep einnehmen können. Nun sollte es eigentlich los  gehen, aber man wartet und startet grundsätzlich im Konvoi. Mittagsrast in Syangboche. Auch ein Traktor mit Anhänger, voll beladen mit Einheimischer, trifft ein. Die Fahrer erkundigen sich über den weiteren Zustand der Straße. Machbar oder verhindern Erdrutsche die Weiterfahrt? Zumindest muss irgendwo weit oberhalb von Chele der Umstieg organisiert werden. Eine enge Kehre, in welcher sich ein Bach ergießt, ist zu Fuß zu durchschreiten. Dort warten die bestellten Fahrzeuge und nach insgesamt 6 Stunden erreichen wir die Brücke unterhalb von Chele. Diese Fahrt ist nichts für Gelis schwache Nerven, die vorsorglich zwischen Peter und mir eingeklemmt ist, um ja keinen Blick in die tiefen Abgründe werfen zu müssen. Kristina und Chabi haben es sich auf der Bank dahinter so gut wie möglich bequem gemacht. Saja, Sanjeep und Tek sitzen auf den Behelfsbänken im Gepäckraum. Sanje, unser Küchenteam und die weiteren Träger folgen zu Fuß und wir werden uns in Jomsom wiedersehen.

 

Abermals müssen wir über die Brücke, unter der durch das Unwetter braun gefärbte Wasser des Kali Ghandaki tost. Eine gute halbe Stunde zu Fuß weiter und Chhusang ist erreicht. Massenhaft kommen uns Touristen entgegen, deren heutiges Ziel Chele ist. Zudem scheint sich Upper Mustang in ein Paradies für Mountain Biker zu entwickeln. Wie auch immer, in Chhusang finden wir ein hervorragendes und gemütliches Quartier mit Wintergarten.  Es besteht auch endlich Verbindung per Handy. Ein paar Anrufe daheim. Erleichterung, denn alle hatten sich schon Sorgen um uns wegen der Unwetterkatastrophe gemacht.

 

14. Tag - 18.10.2014

 

Auf der Straße marschieren wir Kagbeni entgegen, denn es gibt keine Alternative. Aufgrund mehrerer kleinerer Erdrutsche ist der Jeep-Verkehr eingestellt. Überraschend kommen uns weiterhin viele organisierte Gruppen sowie Individual-Touristen entgegen. Es scheint, dass Upper Mustang jetzt Hochkonjunktur hat, bevor die gesamte Strecke durchgängig befahrbar wird. Es werden dann nicht nur ein paar Jeeps sondern auch LKWs sein, welche diese Route von Tibet nach Nepal und ggf. weiter bis Indien nutzen werden.

 

In Kagbeni kehren wir abermals zur Mittagspause im Annapurna Hotel ein. Gegen den stürmischen Wind nun nach Jomsom zu laufen, wäre Wahnsinn. So chartern wir einen Jeep, der uns über schier unzählige Kehren entlang es Hanges nach Jomsom bringt.

 

Zurück in Jomsom, ist das Hotel Mustang abermals unser Domizil. Karma trifft mit seiner Küchenmannschaft ein. Sie haben die Strecke von Lo Mantang in nur zwei Tagen bewältigt. In geselliger Runde nehmen wir am Abend Abschied voneinander und die Trinkgelder werden überreicht. Die komplette Mannschaft wird sich morgen auf den Rückweg nach Pokhara bzw. Kathmandu begeben. Nur Chabi wird bei uns bleiben.

 

15. Tag - 19.10.2014

 

Heute sind Ferien, verkündet Chabi. Govinda konnte erst morgen einen Rückflug für uns nach Pokhara buchen. Eine weitere Fahrt mit lokalem Bus oder Jeep bis nach Pokhara muss nicht sein. Wer sich in den zurückliegenden Tagen keine warme Dusche gegönnt hat, holt dies heute nach. Auch in Jomsom kann man die Zeit mit einem gemütlichen Spaziergang vertreiben. Zudem besteht Verbindung mit dem Internet. Gegenüber werden frisch geerntete Äpfel zum Verkauf angeboten. Chabi schlägt zu, denn in Kathmandu muss man bis zum dreifachen des Preises zahlen. Fallobst oder sonst wie beschädigte Früchte landen in der Destille und werden zu guten Wässerchen gebrannt oder zu einem hervorragendem Saft ausgepresst. Getrocknete Apfelringe scheinen noch mehr Ertrag zu bringen. Mit geschickten Fingern wird geschält, der Kern entfernt und die Äpfel in dünne Scheiben geschnitten. Den Rest übernimmt die Sonne.

 

Wie wir erfahren, wurde der Thorong La für Touristen gesperrt, um über 30 Verunglückte zu bergen. Ein großer Hubschrauber transportiert im ununterbrochenen Einsatz die Toten und deren aufgefundenes Gepäck zum kleinen Flughafen in Jomsom hinunter. Etwa 200 Soldaten der nepalischen Armee sind dort oben im Einsatz. Auch aus dem Dolpo und vom Dhaulagiri ist reger Heli-Verkehr zu beobachten.

 

16. Tag - 20.10.2014

 

Um 5 Uhr klopft es an der Tür. Aufstehen! Alle Dinge sind bereits in der Trekking-Tasche verpackt. Schnell eine Tasse Tee und hinüber zum Flughafen. Check in. 2.400 Rupien, etwa 20 EUR sind insgesamt für Übergepäck zu berappen. Nach der Sicherheitskontrolle folgt das fast schon zur Gewohnheit gewordene Warten. Die ersten Sonnenstrahlen treffen die vergletscherten Gipfel des Nilgiri. Ein großer Hubschrauber hebt ab und versorgt wohl die Rettungskräfte am Thorong La. Unser Flug verspätet sich. Zu dicke und tiefe Wolken verhindern in Pokhara Start und Landung. Dann endlich Motorengeräusch. Die kleine Maschine der Simrik Air setzt auf und rollt zum Gate. Tara Air folgt innerhalb weniger Minuten.

Take off! Propeller dröhnen auf. Die Landepiste verschwindet plötzlich unter uns. Zwischen Annapurna und Dhaulagiri schweben wir Pokhara entgegen. Der morgendlich blaue Himmel verschwindet. Wolkenbänke türmen sich auf. Die Maschine schenkt nach Osten, überfliegt Ghorepani und setzt einige Minuten später in Pokhara auf.

 

Dieses Mal ist es nicht das Lake View sondern das renovierte und zur Straßenseite erweiterte Lake Side. Früh am Morgen müssen wir noch etwas im hoteleigenen Cafe mit Burger-Imbiss ausharren, bis die reservierten Zimmer gereinigt sind. Peter wartet derweil auf sein Fahrzeug zur Rückkehr nach Kathmandu. Der Rückflug nach Berlin ist bereits auf morgen umgebucht. Wir alle wünschen ihm eine gute Heimkehr und eine schnelle Genesung.

 

Mit Chabi suchen wir ein lokales Restaurant auf. Dhaal Bhaat aus heimischer Küche kann von keinem internationalen Hotel übertroffen werden. Den weiteren recht lauen Abend verbringen wir gemeinsam auf der Balustrade vor unserem Zimmern.

 

Da wir unsere Tour abbrechen mussten, verbringen wir die nächsten Tage in Pokhara.
Dann geht es mit Stopp in Bandipur und Manakamana nach Kathmandu zurück.
Einzelheiten im übergreifenden
Herbstbericht