Lower Manaslu
im Schatten von Manaslu und Ganesh Himal

von Manakamana über Dharche Danda (3.200 m)
und Sambre Kharka (2.820 m) zurück nach Gorkha

Besuch des CFO Kinderdorfes in Dhading Beshi

 

 

 

Reisebericht 17.03. - 02.04.2013

 

 

 

Manakamana Baskot - Lower Manaslu Trek Manaslu und Gorkha Himal
Urwalde oberhalb Tatakhani Schaf-/Ziegenherde vor Dharche Danda Sonnenaufgang mit Ganesh Himal, Numbe Kharka
Schulkind in Lower Manaslu Steg über den Daraud Khola Blick vom Palast in Gorkha

 

 

Vorwort

 

Wie dem aufmerksamen Leser meiner Reiseberichte der letzten Jahre nicht entgangen sein wird, bin ich zur Frühjahrs- und Herbstsaison in Nepal. Ein Ziel dieser Reisen ist es, alternative Wege/Routen abseits der Trekking-Hauptgebiete wie Annapurna, Langtang und Khumbu zu erkunden. Des weiteren aber auch neue Erkenntnisse aus den touristisch gut erschlossenen Gebieten zu checken. Seien es neue Lodges, Wege und der Zustand von Verkehrsverbindungen auf lokalen Pisten.

 

Im Herbst vergangenen Jahres wurde ich auf den neuen „Community Based Eco Trail“ aufmerksam. Aus langjähriger Erfahrung weiß ich, dass in Nepal sehr schnell etwas mit „heißer“ Feder zu Papier gebracht und publiziert wird, was sich oft als nicht realisierbar herausstellt. Ein guter Grund, diese Tour zu erproben.

 

 

 

 

© Klaus Töpfer

HIMATREK

Gelsenkirchen, Mai 2013

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1. Tag - 17.3.2013

 

Heute starte ich nach mindestens einem Jahrzehnt wieder von Düsseldorf in Richtung Kathmandu. Nachdem GULF Air die Flüge nach Nepal eingestellt hat, ist die Verbindung mit ETIHAD für mich die günstigste. So kann ich von meiner Frau Dorlis, Tochter Tanja mit den beiden Buben Nick und Lenny zum Bahnhof Gelsenkirchen Abschied nehmen, bye, bye bis in 7 Wochen. Die Fahrt mit dem Regionalexpress dauert bis zum  Düsseldorfer Airport-Bahnhof gerade einmal 30 Minuten. Im Vergleich zu Frankfurt sind die Wege bis zum Flugzeug hier recht kurz. Pünktlich um 21:05 verlässt der Airbus der AIR BERLIN, die heute den Kooperationsflug für ETIHAD bis Abu Dhabi übernimmt, den Gateway und hebt kurz darauf ab.

 

2. Tag - 18.3.2013

 

Nach 6 ½ Stunden Flugzeit setzt die Maschine in den frühen Morgenstunden in Abu Dhabi auf. Ungewöhnlich während des Fluges die Verständigung mit dem Bordpersonal, man spricht Deutsch. Nachdem der recht lange Weg vom Terminal 3 zum Terminal 1 zurück gelegt ist, verbleiben noch 2 Stunden bis zum Boarding nach Kathmandu. Fast Food Restaurants beherrschen, wie auf fast allen Flughäfen den Transitbereich. Dominierend ist Mc Donalds vertreten.

Mit einer halben Stunde Verspätung landen wir in Kathmandu. Die Sonne strahlt vom Himmel und es ist angenehm warm. Zügig sind die Einreiseformalitäten erledigt, nachdem auch hier die Elektronik eingezogen ist. Mein Reispass wird eingelesen und schon sind all meine Reisen mit den erteilten Visa und Aufenthalten „on screen“. Drunten am Gepäckband angekommen, zieht mein Koffer bereits seine Kreise.

 

Vor dem Flughafen erwartet mich das Empfangskomitee: Govindas Frau Radhika mit Kindern, sowie Prasanta, Krishna und Hari. Wie immer, ein herzliches Willkommen und mit dem Minibus sind wir zügig in Sitapaila, wo ich mein (Arbeits-)Zimmer beziehe. Internet funktioniert, ein Anruf zu Hause und nach einem lang vermissten Dhaal Bhaat zum Abendessen, falle ich todmüde ins Bett.

3. Tag - 19.3.2013

 

Das schrille Summen des Telefons reißt mich aus dem morgendlichen Traum. „Hallo hier ist Govinda, wie geht es dir?. Er ist in New York seit gut 9 Monaten fleißig als Koch in einem indischen Restaurant beschäftigt, um etwas „Zubrot“ zu verdienen. Die Ausbildung seiner vier Kinder kostet halt einiges. Zur Herbstsaison 2013 wird er aber wieder zurück in Nepal sein.

 

Die Zubereitung des Frühstücks mit Masalla Omelett übernimmt Govindas Bruder Krishna, seit 14 Tagen stolzer Vater eines Sohnes. Im Februar vergangenen Jahres war ich bei seiner Hochzeit mit Sirjana zugegen. Da heute erst ab 15 Uhr hier und im Office (beide liegen im gleichen Sektor) die Stromversorgung geschaltet wird, begebe ich mich mit den lokalen Verkehrsmitteln nach Thamel und begebe mich auf Rundgang: Was gibt es Neues? Im zentralen Bereich der Supermarkets, wo einst hinter dem „Curry Citchen“ die Carlsberg Weltkugel ein unübersehbarer Orientierungspunkt war, erhebt sich der inzwischen fertig gestellte Hotelkomplex. Folgt man der Straße weiter hinunter, wurde gegenüber dem Großhandel AMRITA (Souvenir- und Handwerksartikel aller Art) mit dem Bau eines neuen Einkaufzentrums begonnen. Ansonsten tat sich in den zurückliegenden 4 Monaten nichts Außergewöhnliches. Doch, der Verkehr hat innerhalb Thamels nachgelassen, oder täusche ich mich?

 

Zum gemeinsamen Mittagessen treffe ich mich mit Prasanta, Krishna und Hari im „Bamboo Garden“. Weiter geht es mit der Eingewöhnung in die nepalische Küche: Hot & Sour Soup, Alu Jeera. Die Fortsetzung folgt nach nachmittäglicher Büroarbeit am Abend im lokalen Fast Food Restaurant in Sitapaila mit Fried Momos und Masalla Pappad.

 

4. Tag - 20.3.2013

 

Die Tourenplanungen „Lower Manaslu“ wird nach Einholung lokaler Informationen über Wege und Übernachtungsmöglichkeiten weiter konkretisiert. Da wir unterwegs mindestens einmal campieren müssen, sind Zelte und eine kleine Küchenausrüstung für diese Erkundungstour unabdingbar. Diese Ausrüstung ist schnell zusammen gestellt und vorsorglich auf Funktionsfähigkeit geprüft. Somit wird neben Hari auch Koch Sanje mit mir übermorgen auf Tour gehen.

 

5. Tag - 21.3.2013

 

Der freie Tag vor dem Start nach Manakamana, bietet die Gelegenheit einmal wieder Bhagtapur einen Besuch abzustatten. Mit dem lokalen Bus umrunden Krishna und ich halb Kathmandu. Nahe des Flughafens wechseln wir in einen „Komfortbus“ der uns auf der neu ausgebauten Strecke zur dritten Königstadt im Kathmandutal bringt. Die etwa 2-stündige Fahrt kostet uns beiden 130 Rupien (ca. 0,60 EUR/Person). Der Eintritt in das Weltkulturerbe Bhagtapur schlägt für Touristen mit ca. 10 EUR etwas stärker zu Buche.

 

 

Bhagtapur war zwischen dem 14. und 18. Jahrhundert die Hauptstadt des Malla-Reiches. Aus dieser Zeit stammen die meisten, heute restaurierten Tempelanlagen. Das Bild der Stadt wird geprägt von der Schnitz- und Töpferkunst der hier überwiegend lebenden ethnischen Gruppe der Newar. Der Rundgang beginnt am Königplatz (Dhurbar Square) mit dem goldenem Tor. Auf weitere Einzelheiten möchte ich hier verzichten. Zu nennen sind z.B. der Taumadhi-Platz mit der 5-stöckingen Nyatapola-Pagode, das berühmte Pfauenfester und letztendlich die Töpfergasse. Werden hier unerlässlich Töpfe und andere Keramikartikel gebrannt, ändert sich im Herbst das Straßenbild vollständig. Allerorts liegt Reis zum Trocknen aus.

 

Auf dem Weg zum Töpfermarkt braut sich zur Mittagzeit ein heftiges Gewitter zusammen. Blitz und Donner folgt ein heftiger Hagelschauer. Zuflucht bieten uns zwei Nepali in ihrem Souvenirgeschäft. Doch Vorsicht! Tür und Deckenhöhe entsprechen asiatischer Norm. Bums, mal wieder mit dem Kopf gegen den Türbalken gekracht. Stehen ist unmöglich, unverzüglich wird mir ein Hocker zum Sitzen geboten.

 

Da der Regen nicht enden mag, treten wir den Rückweg an. An der Bushaltestelle eingetroffen, naht der lokale Bus, der uns für 25 Rupien bis zum zentralen Busbahnhof in Kathmandu bringt.

6. Tag - 22.3.2013

 

Der Tag erwacht mit Sonnenschein. Frühstück bei Radhika. Gegen 9 Uhr trifft Prasanta ein, um noch „dies und das“ zu besprechen. Als Hari und Sanje eintreffen, geht es los. Unser Fahrer wartet!

 

Manakamana liegt kurz vor Mugling auf der Strecke nach Pokhara. Dort eingetroffen, zeigt das Thermometer 30 °C. Mit der Seilbahn geht es schnell 1.000 m hinauf zum Heiligtum der Glücksgöttin Bhagvati. Eine populäre Pilgerstätte. Unter den frommen Hindus aus Nepal und Indien sind recht viele Brautpaare anzutreffen, die Bhagvati um Erfüllung ihrer Wünsche zu bitten. Bis zu 5.000 Besucher zählt dieser Ort pro Tag. Souvenirstand reiht sich an Souvenirstand, wie überall auf dieser Welt. Bilder aller hinduistischen Gottheiten zwischen grellbunten Kitsch und billigem Plastikspielzeug werden an- geboten. Wer ein Blutopfer erbringen möchte, kann auch hier noch Hahn, Ziege oder ein anderes Tier erwerben.

 

Unser heutiges Quartier, das neue Hotel „Royal Eight“ befindet sich direkt oberhalb des Tempels. Die Speisekarte ist recht dürftig. Statt dessen wird in großen Lettern darauf hingewiesen, dass die Übernachtung von Freitag auf Samstag 500 Rupien/Bett teuerer ist. Das sehr freundliche Personal ist emsig bemüht, alle Gäste zufrieden zu stellen. Aber es hapert noch gewaltig an der Organisation.

7. Tag - 23.3.2013

 

Bim, bim, bim. Die Glöckchen am Tempel erklingen. 6 Uhr, ein sanftes Wecken. Die Aussicht auf den Manaslu verhindert ein dichter Wolkenschleier, schade! Gemäß Empfehlung unseres Wirtes folgen wir der „Straße“ nach Baskot. Auf dieser Schotterpiste verkehrt täglich ein lokaler Bus. Heute am Samstag, kommen uns viele Einheimische entgegen, die zum Tempel nach Manakamana pilgern. Es ist somit auch nicht verwunderlich, dass ein mobiler Getränkeshop am Wegesrand auf ein gutes Geschäft hofft.

 

Vor der Sonne bilden sich Wolkenschleier. Wird es in kürze regnen? Nein, eine Stunde später knallt die Sonne erbarmungslos vom Firmament. Endlich das Örtchen Bhanjyang (1.130 m), Heimatort des Maoistenführers Prachanda, wie auch wohl ein Plakat bestätigt. Jedenfalls werden Speis und Trank unter Aufsicht von Sanje im einzigen lokalen Geschäft hervorragend zubereitet.

Gut gestärkt ist es kein Problem, die folgenden 250 Höhenmeter auf gut ausgebauten Treppenweg aufzusteigen. Nur eine Pause wird durch den Anruf von Prasanta mit der Frage „Wie geht’s, alles ok?“ erforderlich. Weiterhin hält ein wie glatt poliert aussehendes Wolkenband die ansonsten phantastische Aussicht auf den Himalaya verborgen, während über uns die Sonne brennt.

 

Ein kurzer Abstieg und der Gemeinde-Vorsitzende von Baskot (1.170 m) führt uns zur Unterkunft. Drei Homestay-Häuser gibt es derzeit mit jeweils einem Zimmer für 2 Personen, die im Umlauf vergeben werden. Das Gästezimmer wird für mich hergerichtet, da Krishan ein Mitglied der Familie (Trekking-Guide in Kathmandu) dort untergebracht war. Ansonsten bietet noch ein kleines landestypisches Gasthaus Quartier. Wir genießen den Nachmittag auf der Terrasse vor dem Haus. Fließend Wasser bietet nur der einige Schritte entfernte Bachlauf. Gleichzeitig Wasserversorgung und Waschsaloon für das Dorf. Zum Abend hin ist der Andrang groß. Frauen füllen ihre Kannen für die Zubereitung des Abendessen. Waschen, Zähne putzen ist nachrangig! Die angebotene Bevorzugung als Gast lehne ich ab, komme später wieder.

 

8. Tag - 24.3.2013

 

Oh man oh man! Drei Eier und ein Glas Milchtee zum Frühstück! Auf Chapati warte ich vergeblich. Das ist hier unbekannt. So besteht mein Frühstück letztendlich aus zwei hart gekochten Eiern und zwei gut mundendem Milchtee. Die Milch wurde gerade frisch von der Kuh nebenan gezapft.

 

Krishan führt uns über einen wunderschönen Weg hinauf zum Aussichtspunkt weit oberhalb des Dorfes. Die Sicht ist durch den aus Indien heranwehenden staubigen Wind etwas dunstig, doch am Horizont erheben sich die imposanten Massive des Manaslu und Ganesh Himal. Gen Westen sind so eben noch Lamjung Himal und Annapurna erkennbar.

 

Entlang hoher Kieferwälder folgen wir den gut ausgebauten Stufen hinunter nach „Wellblech City“, eigentlich Kaulebangar (990 m) genannt. Ich taufe diesen Ort „Wellblech City“ da sämtliche Dächer und teilweise auch Fassaden dieses silberne, teilweise rostige Metall tragen. Unterwegs erlebt man das typische Leben in abgelegenen kleinen Siedlungen/Bauerngehöften. Bevor „erwachsene“ Kinder zur um 10 Uhr beginnenden Schule eilen, ist das Vieh zu versorgen.

 

Nach einem weiterem wirklich echten Öko-/Bio Frühstück mit Tomaten und … ist die Weggabelung schnell erreicht. Die „Straße“ führt nach Gorka. Ein Fußweg hinunter ins Tal zum Badh Khola. Dies muss nach Haris Erkundungen bei Einheimischen der richtige Weg nach Khanchok sein. Ansonsten gibt es nur die Fahrpiste mit dem lokalen Bus, welche weiter nach Arughat verläuft. Demzufolge stiefeln wir abwärts. Unten am Fluss ist auf den weitläufigen Feldern schon Reis gepflanzt. Nun stehen noch etwa 700 m Aufstieg bevor. Inzwischen ist es mittags und jeder kann sich ausmalen, wie schweißtreibend und anstrengend solch ein Weg unter Sonnenglut ist. Na ja, es wäre ja alles nicht so frustrierend, wenn da nicht die große Ungewissheit wäre. Sind wir auf dem richtigen Weg? Das Dorf Bhantang wird durchquert. Recht steil ansteigend geht es weiter aufwärts. Weder ein Teahouse noch ein lokales Geschäft sind in Sicht. Endlich am oberen Ende der Gemeinde, direkt gegenüber der Schule (wo auch sonst) befindet sich ein Laden, sogar mit der Möglichkeit zu Übernachtung. Puh, Pause und eine Cola!

 

Eine halbe Stunde später das ersehnte Quartier. Die Sonne ist gerade am Horizont verschwunden. Wo sind wir gestrandet? Keinesfalls in Khanchok! Nachfragen beim Wirt und seiner Tochter ergeben, der Ort heißt Asrong. Wir sind nach Osten abgedriftet, und Khanchok ist von Baskot auch für Einheimische in einem Tag nur mit den Bus erreichbar, keinesfalls zu Fuß.

 

9. Tag - 25.3.2013

 

Gut ausgeschlafen, erfreue ich mich des guten Frühstücks. Es gibt Chapati, dazu das würzige Omelett mit einem großen Pott Milchkaffee. Wie immer, brechen wir gegen 8 Uhr auf und marschieren eine halbe Stunde den staubigen Highway entlang, die Verbindung zwischen Arughat und Gorkha. Dann zweigt der ehemalige Handelsweg von der Straße ab und führt eine kleine Anhöhe hinauf. Von dort geht es hinunter nach Khanchok (990 m). Ein verstaubtes Nest mit ein paar Häusern entlang der Hauptstraße. Eine Unterkunft, geschweige denn ein Hotel gibt es hier nicht. Zwei nebeneinander liegende lokale Geschäfte, gleichzeitig die Haltestelle der lokalen Busse, die zweimal täglich verkehren. Das ist alles, was dieser Ort zu bieten hat. Nach einer kleinen Erfrischung bleibt uns keine andere Wahl, als der staubigen Piste bis nach Lamagaon zu folgen, die dort nach Arughat abzweigt.

 

Lamagaon ist für nepalische Verhältnisse schon ein kleines Städtchen. Geschäfte bieten alles, was man zum Leben benötigt: Textilien, Haushaltswaren, Lebensmittel. Ebenso sind Handwerksbetriebe vor Ort. Im Zentrum kehren wir in einen kleinen Schnellimbiss ein. Für Sanje und Hari ist es Zeit für ein Dhaal Bhaat. Ich begnüge mich mit einer deftigen Gemüsesuppe.

 

Die Sonne hat ihren höchsten Stand erreicht. Während sich die lokale Bevölkerung zur Siesta in den Schatten zurück zieht, stapfen wir mutig durch vom Wind ständig aufwirbelnden Sand nach Deurali (1.200 m). An einem schattigen Platz, zwischen gemütlich beieinander hockenden Dorfbewohnern, gönnen wir uns nach Hitze und Staub eine ausgiebige Pause.

 

Überwiegend durch Felder führt der weitere Weg hinauf nach Tatakhani (1.400 m). Dort gibt es gemäß Haris Erkundungen ein bescheidenes Gasthaus und einen Zeltplatz. Die Unterkunft erweist sich eher als Ziegenstall, denn als Raum für die Nacht. Dann lieber zelten. Da sich über uns ein Gewitter zusammen braut, macht sich Hari auf Suche nach einem alternativen Quartier. Mit Erfolg! Eine Stunde später beziehe ich ein frisch hergerichtetes Gastzimmer. Der Besitzer des Hauses war im Hotelgewerbe in Kathmandu tätig, kennt sich somit bestens aus und seine Frau sorgt für unser leibliches Wohl. Über uns grollt und blitzt es. Die Himmelsschleusen sind geöffnet. Welch ein Glück, jetzt nicht im Zelt zu hocken.

 

10. Tag - 26.3.2013

Happy Holi! Hier auf dem Lande ist von der feucht-farbigen Festivalstimmung wie in Kathmandu und anderen touristischen Hochburgen nichts zu spüren. Nur die Kinder haben heute schulfrei. Dem Tipp unseres Gastgebers folgend, zweigen wir vom Hauptweg der nach Tallo Thotnery ab und steigen durch Mischwald zum etwa 1.700 m hoch gelegenen Aussichtspunkt auf. Dort oben erwartet uns ein atemberaubender Ausblick. Ein Panorama vom Annapurna über Lamjung, Manaslu bis zum Ganesh Himal.

300 m Aufstieg folgen, wie in den Bergen meist üblich, 300 m Abstieg. Das Dorf Tallo Thotnery liegt auf einem steil ansteigenden Bergsattel in etwa 1.700 m Höhe. Vergeblich erkundigen wir uns nach einem Gasthaus und einer Homestay-Unterkunft. Schließlich finden wir das Haus eines der Mitglieder des Gemeinderates, der nebenbei Polizist in diesem Ort ist. Sein ebenfalls anwesender Bruder im Mitglied im TAAN. Unsere Frage nach Homestay oder Gasthof wird mit „gibt es hier nicht“ kurz und knapp beantwortet. Die nächste Übernachtungsmöglichkeit ist ein kleiner Campingplatz weiter oberhalb, in etwa 2 ½ Stunden erreichbar. Diesen Platz namens Gai Kharka (2.350 m) wird man wohl in keiner Wanderkarte finden.

 

Was bleibt uns übrig? Der Dorfsheriff wird angeheuert. Er wird uns in den kommenden Tagen durch das wenig erschlossene Gebiet bis Laprak oder Barpak führen. Seine Sachen sind ruckzuck im Rucksack verstaut. Auf geht es in einen langen heißen Nachmittag hinein. Schier unendlich zieht sich der Weg durch Terrassenfelder weiter den Sattel hinauf. Schließlich eine Gabelung. Den richtigen Weg kennt nur unser Sheriff, der schließlich in schattenspendenden Wald hinein führt.

 

Gegen 17 Uhr ist der für max. 3 Zelte ausgelegte Campingplatz unterhalb der armseligen Hütte einer Bauernfamilie mit 3 Kindern erreicht. Unsere Ankunft ist für die Familie, insbes. für den älteren Jungen ein besonderes Ereignis. Obwohl schulpflichtig, wird er vom Vater zu Hause gehalten, da er für die tägliche Arbeit unverzichtbar sei. Ein riesiges, schier unlösbares Problem für Kinder in armen Familien, die abseits der Zivilisation (über)leben. Hier hat traditionell allein das Familienoberhaupt alle Entscheidungsgewalt. Unsererseits können wir nur ein wenig helfen indem wir einige angebotenen Produkte wie Milch und Gemüse kaufen. Klar, die Kinder freuen sich über die kleinen Gummibälle, die ich im Gepäck habe.

 

Nachdem die Zelte aufgebaut sind, bereitet Sanje für uns alle eine köstliches Dhaal Bhaat. Die Nacht bricht herein. Der Vollmond steigt langsam über den Bergrücken. Es ist Frühlingsanfang, Holi!

 

11. Tag - 27.3.2013

 

Die ersten Sonnenstrahlen blinzeln über den Bergsattel. Nachdem etwa 300 Höhenmeter zurück gelegt sind, genießen wir am Campingplatz Nyauli Kharka (2.660 m) erst einmal die Sicht auf die Bergwelt. Dann schluckt uns der dichte, urwäldliche Rhododendron Wald, dessen roten Blüten ihre volle Pracht entfaltet haben. Der Pfad windet sich dahin und scheint kein Ende nehmen zu wollen. Außer einigen Hirten die ihre Schafe und Ziegen auf gleichem Wege aufwärts treiben, treffen wir niemanden. Zwischen den Herden geraten, kommt es zwangsläufig zu „Stop and Go“. Sanje und „Sheriff“ (sorry, seinen Namen habe ich vergessen/nicht notiert) sind zur nächsten Wasserstelle vorausgeeilt. Die Zeit rennt dahin. Eine Pause wäre angebracht. Aber wo kein Wasser fließt, kann nicht gekocht werden! Unverhofft, inmitten des Urwaldes rauscht am Wegesrand der Kerosinkocher. Ein kleiner Bach sprudelt den Hang hinunter. Tee ist bereits zubereitet und kurz darauf lassen wir uns das von Sanje zubereitete Reis-Gemüse-Gericht schmecken. Währenddessen zieht eine weitere Hirtenfamilie mit einer Hundertschaft Ziegen und Schafen vorbei.

 

 

Bis zum Pass Dharche Danda (3.200 m) ist es nicht mehr all zu weit. Die Bewölkung hat inzwischen stark zugenommen. Es ist kühl geworden. Wir hissen die Gebetsfahnen und beginnen umgehend den Abstieg nach Sambe Kharka (2.920 m), einer weitläufigen Sommerweide. Hier findet man außerhalb der Monsunzeit kein Wasser. Camping ist im Frühjahr und Herbst an diesem Platz, d.h. zu Zeiten der üblichen Trekking-Saison, unmöglich! Erst eine Stunde weiter abwärts erreicht man die kleine Siedlung Numbe Kharka (2.650 m). Dort existiert sogar ein Wegweiser zum „Dharcho Camp“. Zur rechten Zeit am rechten Ort. Der erwartende Regenguss hat uns verschont, aber es ist kalt und windig. Zum Campingplatz gehört ein kleines Küchenhaus, aus dem es kurz nach unsere Ankunft qualmt. Sanje ist aktiv.

 

12. Tag - 28.3.2013

 

Sonnenaufgang über dem Ganesh Himal. Leider ziehen heute morgen recht schnell Wolken auf. Da wir aufgrund der sehr fehlerhaften Etappenangaben und Übernachtungsmöglichkeiten in der Karte von „Himalayan MapHouse - NS 510“ für die bisherige Tour einen Tag mehr benötigten, beschließen wir direkt nach Barpak zu wandern und auf den Umweg über Laprak zu verzichten.

 

Gesagt, getan. Doch viele Wege führen nach („Rom“) ins Tal. So erwischen wir prompt den falschen. Der Abstieg durch blühende Rhododendren-Wälder endet irgendwo auf einer kleinen Weide. Die weitere Suche, auch durch „Sheriff“, bleibt letztendlich erfolglos. Konsequenz: Zurück marsch, marsch auf den Hauptweg. Gerade einmal 50 m weiter, gibt es eine weitere Abzweigung. Dies ist die Richtige!

 

Nun gut, 1 ½ Stunden haben wir verschludert. Wichtig ist jedoch, dass rechtzeitig zur Mittagszeit Sanje nahe eines Baches seine weiteren Kochkünste unter Beweiß stellen kann: Kartoffeln mit Frühlingszwiebeln, Tomaten, div. Kräutern und letztendlich mit Käse verfeinert. Köstlich, einfach super. Habe zu Hause versucht, dieses Gericht nachzumachen. Misslungen!

 

Den weiteren Weg hinab folgt den Rhododendren der Mischwald, schließlich die Felder der nächsten Ortschaft auf denen bereits der Weizen steht. In der Ferne wird der Sendeturm des großen Ortes Barpak (1.950 m) sichtbar. Bevor wir die Lodge „Rubinala Guesthouse“ erreichen, erwischen uns erstmals auf dieser Tour ein paar Regentropfen. Jedoch, abermals zum richtigen Zeitpunkt sind wir am Ziel. Das Handy/Mobile funktioniert wieder: Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag liebe Dorlis.

 

Zurück in der Zivilisation treffen wir erstmals seit unserem Aufbruch in Manakamana Touristen aus Frankreich, die über Gorkha zur Umrundung des Manaslu starten.

 

13. Tag - 29.3.2013

 

Nach gefühlten 5.000 Stufen durch Terrassenfelder hinunter, überqueren wir den Daraud Khola auf einer schwankenden Hängebrücke. Bereits oberhalb in Goje war die Entscheidung getroffen, bei den sommerlich heißen Temperaturen, den Rückweg nach Gorka nicht über Ghyachchowk (1.700 m) und Sirandada (1.990 m) anzutreten. Statt dessen folgen wir dem Pfad entlang des Flusses, der ein paar mal über recht wackelige mit Steinplatten beschwerte Baumstämme zu queren ist.

 

In Ramjung (900 m) treffen wir auf die Fahrstrecke zwischen Barpak und Chanaute, die von dort weiter nach Gorkha führt. Nach einer Stunde liegt der Ort Baluwa vor uns. Großbaustelle, der Weiterbau der Straße nach Ramjung wird vorangetrieben. Die Pfeiler der neuen Brücke stehen schon. Zum Ort führt hingegen die recht altersschwache mit Bohlen und Steinen geflickte Hängebrücke.

 

Das einzige Gasthaus „Lakpa Dorji Hotel & Lodge“ ist ebenfalls noch eine Baustelle. Das Toilettenhaus wir momentan gemauert. Das Provisorium ist das übliche Loch im Garten, geschützt durch eine Plastikplane. Was soll es. Raus aus der prallen Sonne! Es ist bereits 14:45 Uhr und wir sind hungrig und durstig. Mit Einbruch der Dunkelheit entlädt sich bis in die Nacht hinein ein heftiges Gewitter.

 

14. Tag - 30.3.2013

 

Nicht das Donnergrollen und das Trommeln des Regens auf dem Wellblechdach beschert eine schlaflose Nacht, sondern das mit wenigen Unterbrechungen immer wieder ertönenden Bum, bum, bum. Am Morgen erfahre ich den Grund. Im Dorf ist jemand verstorben und der Lama verrichtet seine Nachtarbeit (Puja). So gegen 4 Uhr muss er aber eingeschlafen sein.

 

Pünktlich um 7:30 starten die beiden Busse. Einer nach Kathmandu, der andere nach Gorkha. Vier Stunden dauert die Fahrt nach Gorkha und dann sind es nur wenige Schritte zum Hotel der etwa 35.000 Einwohner zählenden Stadt. Welch eine Wonne, nach einer Woche unter einer warmen Dusche stehen zu können. Am Nachmittag bummeln wir durch ruhige und beschauliche Gassen mit blumengeschmückten Fenstern und Balkonen. Der Kolonialstil einiger alter Häuser ist unverkennbar. 1816 schlossen Großbritannien und das Königreich Gorkha den Protektoratsvertrag. Dieser erlaubte es, für die britischen Ostindienkompagnie Söldner zu rekrutieren. Hieraus entstand die englische Bezeichnung "Gurkhas“.

 

 

15. Tag - 31.3.2013

 

Die Gründung Gorkhas geht auf die Shah-Dynastie zurück. Über der heutigen Stadt thront gleich einer Festung der Palast und Tempelkomplex. Dieser wurde von König Narayan Shah errichtet, nachdem er im 18. Jahrhundert die zahlreichen kleinen Fürstentümer zum Königreich Gorkha vereinigte und schließlich der Staat Nepal entstand. Über unzählige Stufen führt der gut ausgebaute Weg hinauf zum Durbar. Verkaufstände mit allen möglichen Souvenirs und Krimskrams säumen die Strecke, bis man schließlich von den steilen Stützwänden der Bewehrung steht. Das Tragen von Ledersachen (Schuhe, Gürtel) ist innerhalb dieses Komplexes mit Kali-Tempel, Priesterhaus und Gebetsplatz für Shiva strikt verboten. Leder stammt von Tieren. Im Hinduismus wird Töten und somit "benutzen" von Tieren verboten. Widersprüchlich sind andererseits die Blutopfer, die manche Götter erwarten.

 

 

Auf dem Weg zurück zum Hotel, besuchen wir das Museum, welches sich im vollständig restauriertem Tallo Durba, wohl dem ehemaligen Sitz der Königfamilie befindet. Im Prinzip hätten wir heute noch genügend Zeit zum CFO-Kinderdorf nach Dhading Beshi zu fahren. Da der Fahrer, der uns auch nach Kathmandu bringen soll, erst für morgen bestellt ist, verbringen wir einen geruhsamen Nachmittag.

 

16. Tag - 01.4.2013

 

Gut 3 Stunden benötigt man für eine Fahrt mit dem PKW nach Dhading Beshi. Es geht auch mit dem lokalen Bus. Jedoch muss man in Malekhu umsteigen. Ob man dort einen zeitlich passenden Anschluss bekommt ist fraglich. Zudem sind die dort eintreffenden Busse meist überfüllt.

Willkommen im provisorischen Büro der „Children’s Future Organisation“ durch Olga, der Leiterin und einigen anwesenden Sponsoren der „Kinderhilfe Nepal“ aus Neustadt an der Weinstraße. Unterstützt wird dieses Projekt auch von den „Himalaya Friends“ aus Nürnberg. Eine halbe Stunde führt der Weg hinauf zum Dorf. Noch sind nicht alle der 6 Häuser fertig gestellt. Die Gemeinschaftsküche ist ein Provisorium, denn in jedem Haus wird letztendlich eine Küche eingerichtet, so dass in jeder Hausgemeinschaft bestehend aus 12 Kindern, Betreuer(in) und Haushilfe ein gewisses Familienleben geführt wird. Derzeit sind 63 Kinder (Waisen/Halbwaisen) im Alter zwischen 5 und 16 Jahren hier untergebracht. Kleinkinder im Alter bis zu 4 Jahren, leben in Kathmandu und werden dort betreut.

Das weitläufige Arenal beherbergt Ställe für Kühe und Ziegen (im Bau). Äcker für  die Selbstversorgung mit Gemüse und Reis sind angelegt. Das benötigte Gas für die Küche, wird durch 2 Biogasanlagen erzeugt. Ein weiteres Ziel ist die Einrichtung einer Ausbildungswerkstatt für Jugendliche, die die Schule abgeschlossen haben und einen handwerklichen Beruf erlernen möchten.

 

Im Dorf treffen wir 2 Paare, die vor Jahren ihre Kinder über das CFO adoptiert haben und erstmals mit den Kindern in Nepal zu Besuch sind. So treffen Schalke, Dortmund und Bayern aufeinander. Die Jungen im Dorf sind sämtlich begeistert und nutzen jede freie Minute auf dem Bolzplatz. Ihr Herzenswunsch sind passende Trikots.

 

 

Der Besuch des Kinderdorfes lässt sich auf Wunsch in eine Reise durch Nepal einbinden. Für Wanderer, deren Ziel die Gebiete Manaslu und Tsum Valley sind, liegt Dhading Beshi am Wegesrand. Eine Übernachtung wird dort ab Herbst 2013 möglich sein, wenn die Gästezimmer eingerichtet sind.

 

17. Tag - 02.4.2013

 

Gemeinsam mit einer Gruppe Kinder, die zur augenärztlichen Untersuchung in die Stadt gehen, machen wir uns ebenfalls auf den Rückweg. Um 14 Uhr bin ich wieder im Büro in Kathmandu. Manöverkritik über die Tour „Lower Manaslu“. NTB, TAAN und all die anderen haben abermals etwas, ohne Kenntnis der örtlichen Gegebenheiten, publiziert.

 

Die folgenden Tage vom 03. - 06.04. verbringe ich in Kathmandu. Neben der sich angesammelten Büroarbeit, nutze ich die Möglichkeit das neue „Kathmandu ECO Hotel“ mit 2 Übernachtungen zu testen. Obwohl ohne „Sterne“, sauber, ruhig gelegen also empfehlenswert! Ein Ausflug in die Newardörfer Kokana und Bungmati im Süden Nepals ist allemal lohnenswert, wie der halbtägige Ausflug mit Prasanta dorthin bestätigt.

 

 

Das Tourenprogramm Langtang-Gosainkund-Helambu ist festgelegt.
Am 07.04. werde ich mit Dipendra nach Dhunche aufbrechen.
Die Fortsetzung meines Frühjahrsaufenthalts in Nepal ist im Jubiläumsbericht beschrieben.