Lower Dolpo

Abseits der Zivilisation
im Shey Phoksundo Nationalpark

Eine anspruchsvolle Tour durch dichte Wälder,
 über alpine Weiden, wüstenhafte Steppen
und den Pässen Numa La und Baga La
 zum Phoksundo See

 

Reisebericht 14.09. - 04.10.2012

 

 

Juphal, Lower Dolpo Schlucht am Karap Kholo, Lower Dolpo Ernte in Dho Tarap (3.950 m), Dolpo
Siedlung Dho Tharap, Shey Phosundo Nationalpark Chörten oberhalb Tarap - Tal zum Numa La - Dolpo Numa La (5.200 m), Shes Phosundo Nationalpark, Dolpo
Sonnenaufgang am Camp nach dem Baga La (5.100 m), Dolpo, Nepal Alm auf dem Weg zum Phoksundo Lake, Dolpo Phosundo See, Dolpo, Nepal

 

 

 

Vorwort

 

Es wurde Zeit, endlich einmal das Land der Dolpopas westlich des Dhaulagiri kennen zu lernen. Als Kristina, die mit mir im September 2011 in Zanskar dem „Pferdepfad“ folgte, und ihre Freundin Geli zusagten, wurde die Planung in Angriff genommen. Interesse signalisierte Petra aus Hamburg. Petra und ich hatten 2011 nach Nar-Phu Trek auch die Pässe am Tilicho Lakes im Schneesturm bewältigt. Nachdem ihr Urlaub genehmigt und der Flug gebucht, war das Team komplett, um zur kleinen „Expedition“ zu starten. Auf der Suche nach einer möglichst individuellen/privaten Tour schloss sich Peter aus Berlin an.

 

Da jeder seinen Flug nach Kathmandu selbst gebucht hatte, trudelten alle zu unterschiedlichen Zeiten in Kathmandu ein.

 

 

 

© Klaus Töpfer

HIMATREK

Gelsenkirchen, Dezember 2012

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1. Tag - 14.09.2012

 

Abermals bin ich pünktlich in Bahrain eingetroffen. Wie auf meinem Rückflug von dort Anfang Mai hat GULF auch heute nur den kleinen A 320 ab Frankfurt eingesetzt. Habe den Eindruck, der einzige aus Frankfurt kommende Passagier zu sein, der nach Kathmandu weiter fliegt. Trotz Klimaanlage ist es im Flughafen schwül-warm. Schnell ist die Kleidung gewechselt: T-Shirt, Shorts, barfuss in Sandalen. So vertreibe ich mir die Zeit wie immer mit Lesen, Musik hören, Email nach Hause schreiben und warte auf den Weiterflug Richtung Kathmandu, kurz nach Mitternacht (Ortzeit).

 

2. Tag - 15.09.2012

 

Eher als geplant setzt der Airbus im Tribhuvan Airport auf. Ruckzuck bin ich durch die „Without Visa“ Einreisekontrolle, abermals mit Aufenthaltsgenehmigung für 90 Tage in diesem Jahr. Und noch mehr Glück. Mein Koffer kreist bereits auf dem Gepäckband. Am Ausgang warten Radhika, Sachi, Suraj, Prasanta und Hari. Fast die ganze Familie mit Office-Team heißt mich auf herzlichste willkommen. Schon kurz darauf sind wir in Sitapaila, denn heute ist Samstag. Keine Rush Hour, kein Stopp and Go, so dass wir gegen 9:30 Uhr das gemeinsame Frühstück in Radhikas Küche genießen können. Krishna, Govindas Bruder, ist ebenfalls anwesend.

 

Zur Mittagzeit begebe ich mich mit Krishna zum Office. Heute ist es kein Problem die lokalen Busse zu nutzen. Statt etwa 3 EUR mit dem Taxi sind es nur 30 Cent. Govinda 2 und Sanje sind anwesend, die mit uns ins Lower Dolpo gehen werden und die abschließenden Vorbereitungen der Tour organisieren. Hoffentlich können wir übermorgen starten, denn ein heftiger Regen ergießt sich über Kathmandu.

3. Tag - 16.09.2012

 

Im Laufe des gestrigen Nachmittag und Abend sind Kristina, Angi bzw. Geli (auf keinen Fall Angelika!), Petra und Peter gelandet. Zur gemeinsamen Besprechung der Tour mit Govinda 2 verabreden wir uns um 17 Uhr, denn vorher sind ein paar weitere Gäste zu begrüßen, die morgen nach Bhutan fliegen.

 

Am Abend lassen wir uns das klassische nepalische Dhaal Bhaat im einheimischen Imbiss namens DONALD (abgeleitet von Mc Donald’s) mit gutem Gorka Bier munden. Govinda 2 (er ist der Cousin von Govinda, daher die 2) erläutert ausführlich die Tour, die er zum 3. mal unternehmen wird. In Juphal wird letztendlich eingekauft, ein Pferdemann all unser Gepäck, Zelte, etc. übernehmen und mit seinen Mulis transportieren. Sanje, unser Koch, ist bereits mit seinen Helfern per Bus auf den Weg nach Nepalgunj. Dort werden wir morgen das Küchenteam treffen und am Tag darauf gemeinsam nach Juphal fliegen. Hoffen wir, dass es klappt, denn der Regen der rinnt und rinnt und rinnt.

 

4. Tag - 17.09.2012

 

Frühstück mit Masala Omelette und Chapati. Dann noch schnell zum Barbier. Wer weiß, wann in den kommenden Tagen die nächste Möglichkeit für eine Rasur besteht. Anschließend ein kurzer Check ob all die nötigen Dinge eingepackt sind. Das Fahrzeug wartet, im Hotel Manang die anderen aufgabeln und ab zum Flughafen.

 

Dauerregen! Ob wir überhaupt heute nach Nepalgunj fliegen können? Sämtliche Flüge nach Pokhara sind aufgrund der Wetterlage bereits verspätet. In Richtung Lukla läuft gar nichts mehr, Flüge „canceled“. Blüht uns das gleiche Dilemma wie im Frühjahr mit dem Flug nach Lukla? Nein, wir starten planmäßig mit Yeti Air und 30 Personen an Bord. Nach gut einer Stunde Flugzeit setzt der kleine Jet auf der pitschnassen Landebahn in Nepalgunj auf. Das Abenteuer nimmt seinen Lauf.

 

Aufgrund des schlechten Wetters, waren keine Flüge nach Juphal möglich und die wenigen Maschinen, die diese Strecke bedienen, sind hoffnungslos überbucht. Auch bei guten Wetter haben wir keine Chance morgen nach Juphal fliegen zu können. Wie auch immer, Govinda hat kurzfristig unsere Anreise nach Juphal neu organisiert. Vor dem Flughafen wartet ein Minibus, der uns nach Surkhet bringen wird. Von dort ist morgen der 2. Flug nach Juphal garantiert. Zwei Franzosen und drei Engländer mit ihren Guides sind froh, sich uns auf der Fahrt anschließen zu können.

 

Durch den Bardia Nationalpark schlängelt sich der Fahrweg. Auf holpriger Piste schliddern wir dahin. Während des vor kurzem endenden Monsun verhindern Erdrutsche ein zügiges voran kommen. In der Dunkelheit schleicht der Bus durch diese unwegsame Strecke. Keine Sorge, ein nepalischer Fahrer hat all dieses im Griff. Hinter mir schnarchen Sanje und sein Küchenhelfer, wohlig zwischen all dem Gepäck.

 

Auf den Tag und zur Stunde genau, treffen wir zur Eröffnungsfeier des Shani Village Resorts ein. Zur Feier des Tages sind wir zum Dinner eingeladen. Ob da nicht jemand unseren Bus in die gewünschte Richtung manövedriert hat? Jedenfalls ist die Unterkunft sehr empfehlenswert.

 

5. Tag - 18.09.2012

 

Halb sechs, raus aus den Federn. Die ganze Nacht hat es geregnet und die Himmelschleusen sind weiterhin geöffnet. Es ist unwahrscheinlich, dass wir heute nach Juphal raus kommen. Das letzte Fünkchen Hoffnung erlischt, als Govinda uns um 9 Uhr mitteilt, dass sämtliche Flüge storniert wurden. Nur nicht den Kopf hängen lassen. Ein Alternativplan wird entwickelt. Schauen wir einmal, was die Umgebung zu bieten hat. Umgehend wird ein Fahrzeug mit Fahrer gemietet und los geht es. Auf einem Hügel, umgeben von dichten Wald, befindet sich die Ruine des im 8ten Jahrhundert erbauten Karari Bhira Tempels. Durch islamische Eroberer wurde er im 13. Jahrhundert zerstört. Erst jetzt bemüht man sich um seinen Wiederaufbau. Als wunderschönes Fleckchen entpuppt sich der Bulbule See, den wir auf dem Rückweg ansteuern. Schließlich landen wir beim Teej Festival, dem 3-tägigen hinduistischen Frauentag zu Ehren Pavati, der Gattin Shivas. Ein farbenfrohes Fest mit viel Tanz und Gesang.

 

Am Nachmittag durchbrechen erste Sonnenstrahlen die tief herabhängenden Wolken. Vor dem Hotel genießen wir in froher Runde den Tagesausklang bei Bier und Oldies, die aus den kleinen Lautsprechern meines MP3-Players ertönen. Alle sind optimistisch, morgen wird Wettergott unseren Flug nach Juphal nicht verhindern, denn der Himmel zeigt sich beim Sonnenuntergang strahlend blau.

 

6. Tag - 19.09.2012

 

Zeit zum Aufbruch, es ist 5:30 Uhr. Zelte und Ausrüstung stapeln sich vor dem Hotel. Schnell einen Kaffee. Wie gestern, abermals bah, Zuckerwasser! Heißes Wasser und Milch sind auf nepalische Art zum Aufgießen mehr als kräftig gesüßt. Na ja, habe es überlebt und meine Zähne sind nicht kariesverseucht und ab jetzt übernehmen Sanje und sein Team die Verpflegung.

 

150 kg Gepäck müssen als Cargo aufgegeben werden und kosten etwa 170 EUR. Wir haben den zweiten Flug der Tara Air nach Juphal (2.475 m) und müssen uns etwas gedulden. Um 9:30 ist es soweit. Die kleine Propellermaschine, deren Passagierraum zur Hälfte mit Gepäck gefüllt ist, hebt ab. Nach 40 Minuten der Schwenk hinunter in ein schmales Seitental. Kurz darauf dröhnen die Motoren im Gegenschub auf. Rumpelnd kommen wir auf der kurzen Schotterpiste zum Stehen.

 

 

Govinda und Sanje begeben sich umgehend zum Depot, um das notwendige Proviant als auch Kerosin für die kommenden Tage einzukaufen. Den überwiegenden Teil des Gepäcks wird der bestellte Pferdeführer mit seinen Mulis übernehmen, der in Kürze eintreffen soll

 

Durch Maisfelder führt der Weg hinunter zum Bheri River. Wir durchqueren das für Dolpo charakteristische mittelalterliche Bauerndorf Dangibada. In Sulighat mündet der vom Phoksundo See kommende Sali Gad in den Bheri River. Nun ist es nur noch eine kurze Etappe bis Dunai (2.140 m), der Distrikthauptstadt. Obwohl Dolpo eines der größten Distrikte Nepals ist, liegt die Anzahl der Bevölkerung bei lediglich 35.000 Einwohnern. Da wir einen Tag später als geplant eintreffen muss Govinda die Übernachtung neu organisieren. Bedingt durch die Flugausfälle der zurückliegenden Tage ist der örtliche Campingplatz belegt. Man bedenke, dass lediglich 3 - 4 Flüge pro Tag nach/von Juphal stattfinden. Im einen neuen, noch nicht vollständig eingerichteten Gasthof finden wir Unterkunft. Kein Problem, Betten sind vorhanden und unser Küchenteam sorgt für Speis und Trank. Jedoch fehlt das Gepäck, wo bleibt der Pferdemann? Na endlich, Glöckchen erklingen. Sieben voll beladenen Pferde stehen vor der Tür und möchten entladen, anschließend gefüttert werden. Inzwischen ist es 21 Uhr, die richtige Zeit nach diesem langen Tag ins Bett zu verschwinden.

 

7. Tag - 20.09.2012

 

Wir verlassen die Zivilisation. Bislang waren ein paar Wanderer auf gleichen Wege in Richtung Dhorpatan unterwegs oder von dort kommend. Diese wenigen Touristen sind verschwunden, wir sind allein. Der gemütliche Weg folgt dem Bheri River flussaufwärts. Das Tal wird enger und grüne steile Wände ragen hoch hinauf. Vereinzelt stehen einfache Hütten am Wegesrand, Unterkünfte einheimischer Hirten, die ihr Vieh auf die hoch gelegenen Weiden treiben. Im Oktober folgt spätestens der Abtrieb von Schafen, Ziegen und Yaks. Man kehrt nach Dunai oder in andere niedriger gelegenen Ortschaften zurück.

 

In Byasgar (2.400 m) dampft die frisch zubereitete Nudelsuppe zur Stärkung für die zweite Etappe dieses Tages hinauf nach Tarakot (2.500 m). Dunkle Wolken ziehen vor den strahlenden Himmel. Das herannahende Gewitter entlädt sich eine halbe Stunde vor erreichen des Camps. Dort eingetroffen, finden wir zu allererst Unterschlupf im neben dem Campingplatz gelegenen Haus, wo sich bereits unser Kücheteam einquartiert hat. Kurz darauf löst die Sonne die letzten Wolken auf. Die Zelte sind schnell aufgebaut. Zum Sonnenuntergang wölbt sich ein wolkenloses Firmament über uns. Das Puta Himal, Grenzgebirge nach Dhorpatan, erstrahlt im abendlichen Glanz.

8. Tag - 21.09.2012

 

Soweit das Auge reicht, zwischen schier unendlichen Hirse- und Haferfeldern schlängelt sich der Pfad. Eine Bauernfamilie hat sich hier oben in Zelten dauerhaft niedergelassen. Wir sind gern gesehene Gäste. Abermals endet ein weites Tal in eine enger werdende bewaldete Schlucht. Hinauf und wieder hinunter führt der Weg. Tief unten tost der Bheri. Als wir nach 4 Stunden den Checkpoint in Laisicap (2.670 m) erreichen, ist kaum an Höhe gewonnen. Nach der wohl verdienten Mittagspause folgt eine harte Etappe. Ein recht steiler Pfad zweigt in das Tal des Tarap Khola ab. Drei zu durchquerende Schluchten sind bis Laina Odar (3.200 m) zu bewältigen. Die letzten Kraftreserven sind verbraucht, als gegen 18 Uhr das Camp mit Pferdestation auf der Strecke nach/von Tibet erreicht ist. Es besteht zwar die Möglichkeit diese Gewaltetappe zu kürzen und oberhalb von Laisicap zu übernachten, verschiebt damit die Schinderei aber auf den folgenden Tag.

 

9. Tag - 22.09.2012

 

Morgendliches Wecken. Für mich ist es das Rauschen des Kerosinkochers. Bevor die Küchenhelfer Gelu oder Tenji mit „Good Morning Tea“ die Langschläfer aufwecken, bin ich bereits im Küchenzelt und schlürfe mit der Mannschaft den würzigen nepalischen Milchtee. Zum Frühstück bevorzuge ich meist Chapati mit Eiern in „any styl“, je nach Lust und Laune. Wichtig ist allemal mein spezieller Cappuccino auf nepalischer Art. Jeweils ein gut gehäufter Löffel Kakao und löslicher Kaffee werden mit heißer Milch aufgegossen. Das Powergetränk! Gerade heute von Nöten, denn anschließend geht es über unregelmäßige Steinstufen aufwärts. Nach gut einer Stunde ist der Hang erklommen. In Chhyugar (3.450 m) erwartet uns das Küchenteam. Smutje kommt uns mit einer großen Kanne aufgewärmten Fruchtsaft entgegen. Wir sind gut 4 Stunden unterwegs und es ist herrlich, die verlorene Körperflüssigkeit auffüllen zu können und sind nunmehr gewiss, dass ein gutes Mittagsmahl nicht mehr all zu weit entfernt ist.

 

Von hier erreichen wir in etwa 45 Minuten den Lagerplatz in Tangoan (3.500 m), die Entschädigung für all die zuvor zurück gelegte Meilen. Feierabend, es bleibt genügend Zeit zur Körperpflege und wohlverdienten Nickerchen am Nachmittag.

10. Tag - 23.09.2012

 

Der weitere Weg entlang des Karap Khola führt in eine tiefe Schlucht. Es dauert, bis die ersten Sonnenstrahlen den Talgrund erreichen. Seit unserm Aufbruch von Tarakot hat sich keine Wolke dem Sonnenschein in den Weg gelegt. Wir können dieses phantastische klare Wetter nur genießen. Was will man mehr?

 

Am Wegesrand treffen wir öfters auf Pferdestationen und großen Lagerzelten. Dies ist einer der alten Handelswege zwischen Tibet und Nepal. Lief der Handel vor der Besetzung Tibets durch China in beide Richtungen, so beschränkt sich dieser auf den Import aus Tibet bzw. innerhalb Nepals auf die Versorgung der in Dolpo lebenden Bevölkerung. Das Wasser tost unablässig durch enge Schluchten. Hin und wieder weitet sich das Tal. Erst mit dem Anstieg zum Kesi La (3.850 m) verlässt man den relativ ebenen Weg. Ein großer Chörten thront hier oben und unzählige Gebetsfahnen flattern im Winde. Auch wir bitten mit weiterem Fahnenband, all die Götter des Himalaya, nicht nur um ein besseres Karma in ferner Zukunft, sondern auch um weiterhin gutes Wetter. Weit reicht von hier der Blick in das tibetische Hochland. Der Himalaya Hauptkamm ist durchschritten.

 

Noch eine halbe Stunde hinunter. Dort sollten unsere Zelte stehen. Doch unser Pferdemann war zu schnell voraus. Er ist bis Sildung (3.800 m) weiter gezogen. Was soll es? Also bringen wir die zusätzliche Stunde hinter uns. Auf einer weiten Wiese können wir jedenfalls noch die letzten Sonnenstrahlen dieses Tages genießen. Wir sind weiterhin allein unterwegs und seit Dunai keinen Touristen mehr begegnet.

 

Wie sich erst im Laufe des Abend herausstellt, hat eines der Mulis unterwegs den Kanister mit Kerosin verloren. Zum Glück hat das Küchenteam immer einen kleinen mit Kerosin gefüllten Behälter dabei. Somit sind Abendessen und das morgige Frühstück gesichert. In Dho Tarap befindet sich das nächste Depot, welches wir morgen erreichen.

 

11. Tag - 24.09.2012

 

Ein recht kurzer Wandertag. Entlang des Tarap Khola sind nur 150 Höhenmeter bis zum gleichnamigen Ort zu bewältigen. Das Landschaftsbild ist karg geworden und gleicht der in Upper Mustang und Ladakh. Wir befinden uns geologisch auf dem tibetischen Plateau. Nur in den Sommermonaten fällt hier etwas Niederschlag. Nach Durchschreiten eines weiten Kiesbettes, welches mich an Kali Ghandaki erinnert, liegt in einer fruchtbaren Ebene Dho Tarap (3.950 m) greifbar nahe. Größere Siedlungen befinden sich grundsätzlich an Flüssen, die zur Bewässerung der terrassierten Felder dienen, um einen bescheidenen Ackerbau mit Gerste, Weizen, Kartoffeln und etwas Gemüse für den Eigenbedarf betreiben zu können. Mehr Bedeutung hat die Viehzucht. Yaks, Schafe und Ziege werden im Sommer zu den Hochalmen aufgetrieben, wenn der den Himalaya zeitweise überschwappenden Monsun, das Hochland ergrünen lässt.

 

 

Das einzige Hotel am Platze namens „Caravan“ bietet „Komfortzimmer“. Die Chance in den beiden kommenden Nächten im Bett zu schlafen, wird einstimmig wahrgenommen, nachdem der Preis pro Bett mit 500 Rupien/Nacht ausgehandelt ist. Sanje und Co werden weiterhin für unser leibliches Wohl sorgen. Deren Räumlichkeiten stehen im Bereich des Campingplatz zur Verfügung.

 

12. Tag - 25.09.2012

 

Oh wie ist das schön im weichen Bett ausschlafen zu dürfen. Frühstück bei Sanje ab 9 Uhr. Erst nach einer warmen Dusche mit Schöpfkelle hinter dem Küchenhaus genieße ich auf dem Dach das frisch zubereite Masala Omelett, dazu den nepalischen Cappuccino und, und, und. Die Sonne strahlt dazu vom dunkelblauen, wolkenlosen Firmament. Welch ein Morgen!

 

Als die leidige Arbeit des Wäschewaschen erledigt ist, die Mädels Kristina, Geli und Petra hinter provisorisch aufgebautem Vorhang geduscht haben, ist es mittags. Zeit für einen Spaziergang durch das Dorf. Die Gehöfte umschließen meistens einen Innenhof, wo in den Stallungen das Hausvieh wie Milchkuh, Ziege und der Arbeitsochse untergebracht sind. Darüber befinden sich Wohn- und Schlaf- und Lagerräume. Das flache Dach dient vor allem dazu Getreide zu trocknen, zu dreschen und schließlich das Stroh zu lagern. Mittlerweile ziert das Dach oft eine kleines Photovoltaikmodul um eine Glühbirne zum Leuchten zu bringen. Momentan wird die Wintergerste geerntet. Sobald dies erledigt ist, wird sich ein Großteil der Bevölkerung zur extrem kalten Jahreszeit in die tiefer gelegenen Gegenden um Tarakot und Dunai zurück ziehen. Der Besitzer des Hotels sogar nach Kathmandu. Das Lower Dolpo fällt in den Winterschlaf und wird erst im April wieder erwachen.

 

 

Oberhalb des Dorfes befindet sich, wie in diesem stark vom tibetischen Buddhismus geprägtem Land üblich, eine Gompa. Zur Akklimatisierung steigen wir hinauf. Im typisch rotbraun und weis gestrichenen Chörten überraschen Wandmalereien, die vom Buddhismus der alten Bön-Religion übernommen wurden.

 

Der Ausblick ist phantastisch. Gleich einer von gelb bis grün gleichenden Farbpalette liegen die bereits abgeerntet oder mit stehendem Getreide Parzellen zu unseren Füßen. Weit recht die Aussicht durch das Tal hinunter und hinauf, durch welches sich der Tarap Khola schlängelt.

 

Waren wir bislang allein unterwegs, so sind hier einige Gruppen aus Juphal oder Upper Dolpo kommend eingetroffen. Nachdem die Chinesen, die Einreise ausländischer Touristen, besser unerwünschter Beobachter, nach Tibet drastisch erschwert haben, dürften wohl einige Veranstalter/Touristen von der im September recht beliebten Kailash-Tour in dieses Gebiet ausgewichen sein.

13. Tag - 26.09.2012

 

Auf dem Weg zum Nama La BC (4.450 m) sind wir wie in den Tagen zuvor allein unterwegs. Die Wege all der gestern gesichteten Trekker haben sich in verschiedene Himmelsrichtungen zerstreut. Stattdessen laufen viele Kinder mit uns in gleicher Richtung. Sie besuchen die „Crystal Mountain School“. Im Rahmen dieses amerikanischen Hilfeprogramms werden möglichst alle Kinder dieser Region von 13 Lehrkräften unterrichtet. Neben den Grundfächern in Nepali und Englisch gehören auch die Sprachen Tibetisch und die lokale Mundart zur Ausbildung.

 

 

Hatte ich bislang gehofft, dass die Schmerzen meiner Rippenprellung insbesondere beim Atmen nachlassen würden, so habe ich mich gewaltig getäuscht. Petra, die ähnliche Erfahrung machte, klärte mich auf, dass es einige Wochen dauern kann, bevor eine Prellung endgültig geheilt ist. Wie es zu diesen Unfall kam, habe ich bislang verschwiegen, in der Hoffnung alles wird in den nächsten Tagen schon werden. Was ist passiert? Ich bin auf der Strecke zwischen Tarakot und Laisicap gestolpert. Mal wieder „Hans guck in die Luft“. Die Landschaft ist so schön und man achtet nicht auf den Weg! Schon lag ich lang und bin mit der linken Rippenseite auf den nächsten höher gelegenen Stein geknallt. Erst der Schock, dann der schnell abklingende Schmerz. Alles gut, nichts passiert. Pustekuchen wie die Erfahrung lehrt.

 

Bis zum BC werde ich es noch schaffen. Aber auch über den 5.200 m hohen Numa La? Notfalls auf dem Rücken eines Pferdes. Da hilft nur probieren! Nach der Mittagspause in Tokyu (4.200 m) beginnt das Experiment. Govinda hat ein Pferd mit Führer organisiert. Rauf auf das für mich etwas zu klein geratene Pferdchen. Ich lerne wie wichtigsten Verhaltensregeln zum Reiten. Na ja, etwas verkrampft aber schließlich glücklich, kann ich im Camp den Sattel verlassen.

 

14. Tag - 27.09.2012

 

Wo ist mein Pony geblieben? Eigentlich sollte der Pferdeführer spätestens um 8 Uhr zugegen sein. Doch was bedeuten in Nepal eine Stunde Verspätung, nichts! Ärgerlich ist, dass der Preis um weitere 50 EUR auf 200 EUR steigen soll. Was kann man in dieser Situation unternehmen? Weiter handeln kostet nur Zeit. Da meine Umkehr und damit ein eventueller Abbruch der gesamten Tour ausgeschlossen ist, verzichten wir auf weitere Diskussion. Eine Stunde für die heute recht lange Tour ist bereits verstrichen. Mit Hilfe Govindas schwinge ich mich auf das Pferd, kralle eine Hand wie geübt in die Nackenmähne, die andere in den Sattel. Da die Steigbügel für meine Körpergröße einfach zu kurz sind, erfolgt in den nächsten Stunden die totale Verkrampfung oder positiv gesehen, eine Dehnübung meiner Beinmuskeln.

 

Es wird jeden einleuchten, dass ich wesentlich schneller als meine Gefährten(innen) bin. Kurz unterhalb des Passes, befindet sich der ideale Rastplatz. Während ich warte, kehrt Smutje, einer unserer Küchenjungen mit einer Kanne heißem Fruchtsaft zurück. So beschreibt Peter den Aufstieg und den weiteren Verlauf:

 

Wir müssen einen recht steilen, aber bei gutem Wetter völlig unproblematischen Hang erklimmen, der bereits die ersten 250 Höhenmeter bringt. Oben geht es zunächst deutlich gemächlicher über schöne Wiesen weiter, dann kommt ein weiteres etwas steileres Stück und wir erreichen den Lunchplatz, wie immer gestärkt mit einer Tasse Fruchtsaft, die uns ein fleißiger Küchenjunge entgegenbringt. Im Anschluss an den Lunch wieder ein etwas steileres Stück und am Ende ist der Numa La (5.200 m) geschafft.

 

Die Aussicht am Baga La (5.200 m) ist sehr schön, wer aber noch etwas Puste hat, kann einen direkt (nördlich) am Pass gelegenen Schuttberg von vielleicht noch einmal 30 Metern Höhe erklimmen, von dort hat man ein echtes 360° Panorama mit Blick auf Dhaulagiri und die tibetische Hochebene.

 

 

Allzu lange können wir nicht verweilen. Es folgt ein recht steiler Abstieg hinunter zum Panklanghi Khola. Diesen Abstieg möchte man nicht unbedingt in der umgekehrten Richtung als Aufstieg vor sich haben (und das ist beim nächsten Abstieg ähnlich), die Orientierung unseres „circuits“ gegen den Uhrzeigersinn war also richtig gewählt. Auch hier ist der Weg (bei gutem Wetter, das wir ja auf der Tour durchweg haben) völlig unproblematisch, je nach Lauftechnik ist der Abstieg  entspannend oder ein bisschen mühselig.

 

Den Abstieg bewältige ich zu Fuß, da ein Reiten hinunter nicht möglich, gar lebensgefährliche ist und nur geübten und „kleinen“ Reitern vorbehalten bleibt. Gemeinsam hatten wir dort das Nachtlager erwartet. Doch es folgt ein weiterer Anstieg bei bereits anbrechender Dunkelheit nach Danigar (4.400 m). Die Nachtwanderung auf gemächlich ansteigenden, aber schier unendlich erscheinenden Weg. Wir sind nach dieser längsten und beschwerlichsten Etappe der gesamten Tour froh, das Lager auf 4.400 m Höhe zu erreichen. Insgesamt waren wir an diesem Tag fast 12 Stunden unterwegs. Unter sternenklarem Dach der Milchstraße und weiteren Galaxien kriechen wir todmüde in die Zelte und unsere wärmenden Schlafsäcke.

 

15. Tag - 28.09.2012

 

Ich darf mich noch einmal auf das Pferd schwingen. Zwei Stunden später und der Baga La (5.100 m) ist erklommen. Abermals ein wolkenloser Himmel mit unbeschreibbarer Fernsicht. Als Geli, Kristina, Petra und Peter recht abgekämpft mit Govinda den Pass erreichen, schwingt sich mein Pferdeführer gekonnt aufs Pferd. Er wird im Galopp noch heute seine zu Hause in Dho Tarap erreichen.

 

Vor uns liegt der Abstieg nach Bagala Phedi (4.100 m). Vier Franzosen kommen entgegen, die unsere Tour in umgekehrter Richtung angehen und zum High Camp (4.900 m) aufsteigen.

16. Tag - 29.09.2012

 

Nach zwei recht anstrengenden Tagen, auch wenn ich aufwärts ein Pferd „reiten“ durfte, genießen wir die geruhsame Etappe hinunter zum Phoksundo See (3.600 m). Mit Ausnahme der ewig kargen und teilweise vergletscherten Gipfel vermehrt sich das Grün. Wälder und Wiesen auf denen Yaks weiden.

 

Entlang eines steil abfallenden Hangs, gilt es abermals einen Pass zu überqueren. Danach betreten wir einen immergrünen Kiefernwald, der uns letztendlich nach Ringmo (3.650 m) führt. Zwischen schroff aufragenden Felswänden des Upper Dolpo leuchtet das türkisblaue Wasser des mehr als 600 m tiefen Sees. In seinem kristallklaren, eisig kalten Wasser spiegeln sich die Gipfel des Kanjiroba Massivs. Ein gewaltiger Bergsturz führte in grauer Vorzeit zur Bildung dieses malerischen See. Auf dem Rücken dieses natürlichen Staudamms liegt das Dorf mit seinen lehmbraunen Häusern. Im Sherpa Hotel finden wir Unterkunft, bevor ein kurzes nachmittägliches Gewitter aufzieht. Drunten am Ufer des Sees ist der Campingplatz voll belegt. Eine mindestens 30-köpfige Gruppe des Veranstalters „Dolpo Trek“ hat dort neben weiteren kleineren Einheiten die Zelte aufgeschlagen. Von hier führt die recht populäre Trekking-Tour durch das Upper Dolpo, welche meist in Kagbeni am Kali Ghandaki endet.

 

17. Tag - 30.09.2012

 

Herrlich, abermals auf einer weichen Matratze im Bett geschlafen zu haben und der Tag erwacht wiederum unter einen wolkenlosen Firmament. Wir haben Zeit, das Frühstück ist nicht terminiert. Entlang des Sees laden die aus dem 11. Jahrhundert stammende Thashung Gompa und weitere der Bön-Religion gewidmete Stätten zur Besichtigung ein. Ein zusätzlicher Tag ist allemal lohnenswert, doch wir müssen leider weiter, da unser Rückflug von Juphal am 03.10. fest gebucht ist.

 

Dem Oberlauf des Phoksundo Khola folgend, wandern wir zunächst durch ein dichtes Tannen und Kiefernwäldchen, bis das Wasser mehr als 300 m in die tiefe enge Schlucht hinab stürzt. Steil und staubig führt der Weg in engen Kehren durch Wacholder-, Rosen- und weiterem niedrigem Buchwerk zum Talgrund. Nahe Rechi (3.000 m) stehen die Zelte in einem kleinen Wäldchen, direkt am Ufer des tosenden Phoksundo Khola. Beim unablässigen orkanlautem Donnern des schäumenden Wassers ist es schwierig Schlaf zu finden. Letztendlich hilft nur die Schalldämpfung mittels Musik aus den Kopfhörern.

 

18. Tag - 01.10.2012

 

Auf und ab geht es weiterhin den Fluss entlang. Die Unwetterkatastrophe im August 2010 in Pakistan und Nordindien hat auch hier ihre Spuren hinterlassen. Weite Abschnitte des Weges sind neu angelegt und stellenweise begradigt worden. In Chhepka (2.830 m) endet der Mischwald. Das dortige Yak Hotel lädt pünktlich zur Mittagsruhe ein.

 

Das Tal weitet sich. An den Hängen sind Terrassenfelder angelegt zwischen denen vereinzelt Bauernhäuser stehen. Ein riesiges Feld mit wild wachsenden Marihuana ist zu durchqueren. Welch eine Freude für all die Hippies der 60er Jahre, wäre dieses Gebiet zu dieser Zeit für Touristen frei gegeben. In Shyanta (2.520 m) heißt es zum letzten mal ins Zelt kriechen zu müssen. Wir hätten auch in der nahe gelegenen Lodge nächtigen können, doch unsere Jungs hatten die Zelte bereits aufgebaut und das Essen vorbereitet.

 

19. Tag - 02.10.2012

 

Das Ende dieser erlebnisreichen und recht geselligen Tour naht. Bevor wir den Checkpoint in Sulighat erreichen, erfreut uns noch eine Horde Gibbon-Affen am gegenüberliegendem Ufer. Spaßige Gesellen mit weißem Bart, der inzwischen auch mein Gesicht ziert. Nach Überqueren der Hängebrücke über den Bheri River geht es auf bekannten Wege hinauf nach Juphal. Die zum dortigen Depot gehörende Lodge hat noch genügend Zimmer frei.

 

Die Abschiedsfeier, erster Teil, nimmt seinen Lauf. Dem obligatorischen Kuchen folgt der Umtrunk und die Übergabe der Trinkgelder. Letzteres nur an unseren Pferdeführer und „Smutje“ dem unermüdlichen Helfer, die Govinda hier angeheuert hatte. Der Rest des Teams wird morgen mit uns nach Nepalgunj fliegen. In Kathmandu wird übermorgen die große Party stattfinden!

 

20. Tag - 03.10.2012

 

Eine perfekte Rückkehr nach Kathmandu. Zwar müssen wir um 5 Uhr in der Frühe raus aus den Federn und ein paar Meter hinauf zum Landepiste. Nachdem mittels Personenwaage all unser Gepäck gewogen und im Formular registriert sind, passieren wir die sehr provisorischen Sicherheitskontrollen. Nun heißt es warten. Das zweite landende Flugzeug ist die Tara Air. Ruckzuck sind Gepäck und wir an Bord. Die Motoren brausen auf. Rumpelt die Schotterpiste hinunter und dann hebt sie ab und schwebt, zwar nicht schwerelos, Nepalgunj entgegen. Um 8 Uhr dort gelandet und um 9:15 heißt es bereits „boarding“ zum Weiterflug nach Kathmandu. Da hat Govinda alle Register seiner Kompetenz gezogen, so dass wir mittags in Kathmandu sind. Da uns die Übernachtung in Nepalgunj erspart bleibt und somit einen Tag eher eintreffen, müssen Kristina, Geli, Petra und Peter mit dem Hotel Buddha vorlieb nehmen. Über den Umweg ins Office kehre ich in die Obhut „Sitapaila“ zurück und lasse mich überraschen was Radhika zum Abendessen zubereiten wird.

 

21. Tag - 04.10.2012

 

Oh wie ist das schön. Frühstück mit Toast und Ei. Danach freue ich mich, einige unserer Gäste vor Ort begrüßen zu können. Seit 3 Tagen sind wetterbedingt wieder einmal keine Flüge nach/von Lukla möglich. Da hatten wir mächtig Glück oder waren zur rechten Zeit am richtigem Ort.

 

Im Bamboo Garden ist ein Tisch reserviert. Um 18 Uhr ist die Mannschaft unserer Tour mit Govinda, Sanje, Tenjing, Gelu und Tenju komplett zugegen. Die Abschlussparty kann starten, die nach gutem Essen mit Bier und Khukri Rum zu Tanz und Gesang übergeht. Haben normalerweise die Nepali in dieser Sache die Oberhand, so waren wir, die Gäste nicht nur heute unschlagbar! Zur recht späten Stunde heißt es Abschied zu nehmen. Zuvor wird aber die nächste gemeinsame Tour im Herbst 2014 beschlossen.

 

An dieser Stelle endet dieser Bericht.
In 10 Tagen werde ich in das Tsum Valley aufbrechen.
Dazwischen besteht Zeit für ein „Intermezzo“ ins Helambu