HELAMBU-MELAMCHI

 

Eine 4-tägige Rundwanderung im Gebiet
des Melamchi Khola
 

Reisebericht 08.10. - 11.10.2012

 

 

Reifelder in Timbu am Melamchi Khola, Helambu Bauer mit Weizenernte im Helambu, Nepal Mönch in Melamchi Gaon, Helambu, Nepal
Universum in der Höhle des Guru Ringpoche, Melamchi Gaon, Nepal Tal des Melamche Khola, Helambu, Nepal Urwald im Tal des Melamchi Khola, Helambu, Nepal

 

 

 

Vorwort

 

All meine Mitstreiter der Tour durch das Lower Dolpo sind wieder daheim oder auf dem Rückflug. Ich habe noch eine Woche Zeit. Erst ab den 14.10.heißt es gemeinsam mit Eva und Dieter das Tsum Valley zu erkunden.

 

Meine auf dem zurückliegenden Trek zugezogene Rippen-Prellung ist abgeklungen. Vorsorglich war ich mit Prasanta im Krankenhaus. Die Diagnose des Arztes bestätigt, dass nichts gebrochen ist. Ein paar Schmerz und Schwellungen mindernde Pillen wurden verordnet. Die Medizin soll ich in den kommenden Tagen weiterhin einnehmen. Also fällt die Wahl auf eine leichte und flexibel zu gestaltende Wanderung. Ganesh, der uns 2011 beim Nar Phu Trek und über den Tilicho Lake begleitete, wird mit mir auf Tour gehen.

 

 

 

© Klaus Töpfer

HIMATREK

Gelsenkirchen, Dezember 2012

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1. Tag - 08.10.2012

 

Zweieinhalb Stunden dauert die Fahrt mit dem Jeep von Kathmandu nach Melamchi (870 m). Der Fahrer benutzt eine neue noch nicht fertig gestellte Straße, die nördlich von Nagarkot in das Tal des Indrawat Nadi führt. Wir sind froh, die überwiegend holprige und kurvenreiche Schotterpiste mittags hinter uns gebracht zu haben. Auf der Normalroute über Dhulikhel verkehren lokale Busse. Deren Fahrzeit beträgt 5 - 6 Stunden.

 

Auf einen derartigen Bus warten wir nun, um nach Chanaute zu gelangen. Der ursprüngliche Plan, nach Kakani (1.990 m) zu fahren, ist nicht realisierbar. Die Straße wurde vom Monsun zerstört. Diese Strecke hatte ich im Frühjahr 2011 mit Ram als Guide zurück gelegt (siehe Reiseberichte) und wir bereuten damals, nicht den Bus genommen zu haben. Ein Fußmarsch bei sommerlicher Hitze durch Sand und Staub dort hinauf? Nein, danke!

 

Töt, töt, alle einsteigen. Die besten Plätze, gleich links hinter der Tür hat Ganesh reserviert. Der Bus füllt sich. In den Mittelgang drängen von der Schule kommende Kinder zwischen Erwachsene und diversem Gepäck. Die Reise beginnt und wir schaukeln dahin. In all den folgenden Ortschaften steigen mehr aus als ein. Somit lichtet sich der Bus. Trotzdem, der Schaffner hat die hat die Bezahlung der Fahrt und die Tageseinnahmen gut in Griff. Vorbei führt die Strecke an schier endlosen Bananenhainen. Beidseitig des Melamchi Khola erstrecken sich an den Hängen terrassenförmig angeordnete Reisfelder.

 

In Chanaute eingetroffen, der Endstation dieses lokalen Busses, wird Geduld gefordert. Der von Kathmandu und bis Timbu (1.580 m) verkehrende Überlandbus lässt 2 Stunden auf sich warten. Kurzweilig ist der Zeitvertreib mit den hier ebenfalls wartenden Schulkindern und der Hunger wird mit den hervorragend mundenden Bananen gestillt. Als der Bus eintrifft, wird dieser von Schülern/Schülerinnen gestürmt. Auf der hinteren Bank, dort wo das Wippen auf dem holprigen Fahrweg am stärksten ist, finde ich gerade noch Platz. Zum Glück verlassen an jeder Haltestelle ein paar Kinder den Bus. Schritt für Schritt bewege ich mich Bank zu Bank nach vorne, bis der bequemste und erschütterungsfreieste Platz neben dem Fahrer erreicht ist.

 

Zur abendlichen Dämmerung kehren wir ins neu erbaute Helambu Guest House ein. Mit dabei sind zwei Mädels aus dem Schwarzwald, die mit ihrem Guide und einen Träger in etwa die gleiche Tour angehen. Es ist doch selbstverständlich, das erste Abendessen ist immer das nepalische Nationalgericht Dhaal Bhaat.

 

2. Tag - 09.10.2012

 

Aufstieg nach Kakani (2.060 m), Achtung auf dem Höhenrücken von Melamchi nach Sermathang befindet sich wie erwähnt, ein gleichnamiger Ort. Auf altbewährten, monsunfesten Steinstufen geht es durch überwiegend Reis- und Hirsefelder Felder aufwärts. Eine dünne Wolkendecke hängt über dem Helambu, welche die Sonne nur kurzzeitig durchbricht. Ein ideales Wanderwetter. Ohne schweißtreibende Hitze erreichen wir den Pass und kehren in das einzige dortige Gasthaus zur Teepause ein.

 

Eine gute Stunde müssen wir einer in die Landschaft gerammelten und vom immer wiederkehrenden Monsun zerstörten Piste folgen. Hier wurden zweckgebundene Gelder für den Straßenbau der europäischen Entwicklungshilfe sinnlos verbuddelt, statt diese z.B. in dringend notwendige Schulen, Sanitätsstationen usw. auf dem Lande zu investieren. Wir treffen auf den alten, von der einheimischen Bevölkerung weiterhin genutzten Weg. Nach insgesamt 1.200 m Aufstieg mündet der Pfad auf den von Sermathang kommenden Fahrweg. Zur Mittagszeit sind wir zur falschen Zeit am falschen Ort, in Tarkeghyang (2.600 m). Im gleichnamigen Hotel, wo ich 2011 mit Ram übernachtete, haben sich zwei von Gosainkund kommende Gruppen einquartiert und nicht nur den Campingplatz sondern auch die Zimmer belegt. Dementsprechend sind die beiden anderen im Ort vorhandenen Unterkünfte ausgebucht.

Dunkle Wolken sind aufgezogen. Regen droht. Nach kleinem Mittagsimbiss beschließen wir in das Tal des Melamchi Khola abzusteigen. Unterwegs soll es einige Gasthäuser geben. Recht steil führt der Pfad abwärts. Bereits nach einer halben Stunde bietet eine Lodge Unterkunft. Es ist noch zu früh, also weiter. Drunten am Flusslauf angekommen, heißt es die Brücke zum Hotel Riversite (ca. 1.900 m) zu finden, da ein Erdrutsch zu umgehen ist.

 

Rechtzeitig haben wir eines der geräumigen Zimmer bezogen, als sich die Himmelschleusen öffnen und ein heftiges Unwetter über uns hinweg braust. Als einzige Gäste verbringen wir den Abend mit der Familie gemeinsam in der Küche.

 

3. Tag - 10.10.2012

 

Ganesh und ich diskutieren. Was ist heute und morgen machbar? Angeblich soll es einen direkten Weg von Melamchi Goan nach Khutumsang ohne 1.000 m Aufstieg über Thadepati geben. Schließlich ist Melamchi Gaon (2.530 m) das nächste Ziel. Auf von Einheimischen vor Jahrzehnten angelegten Weg steigen wir über bewährte Steinstufen aufwärts. In riesigen Kehren wurde auch hier eine „Straße“ in die Landschaft gebaggert. Diese Strecke dürfte nach ihrem Zustand zu urteilen, niemals ein Fahrzeug gesehen haben. Von der hiesigen Bevölkerung wird diese Trasse ebenfalls nicht akzeptiert, da ein Fußweg über die langen Kehren viel zu lang ist. Erschreckend, der Straßenbau hat stellenweise den ursprünglichen gut befestigten und monsunsicheren Weg zerstört. Öfters sind rutschige Geröllhalden beim Überqueren des an unzähligen Stellen durch Erdrutsche und Unterspülungen zerstörten Fahrweges, zu bewältigen. In ein paar Jahren wird diese Piste von der Natur überwuchert sein. Einige Bauern nutzen diese bereits als in Ackerland.

 

Wer kommt uns da entgegen? Die beiden Mädels vom Bodensee mit Guide und Träger! Alle sind gestern noch im Gewaltmarsch bis Melamchi Goan aufgestiegen. Es war doch etwas zu viel des Guten, ihr Unternehmen insgesamt zu knapp geplant. Mit Blasen an Füßen folgt in letzter Konsequenz zwangsläufig der Rückzug.

 

Das Kloster in Melamchi Gaon wurde 1859 gegründet. Ein Mönch weist uns den Weg zur oberhalb der Ortschaft gelegenen Höhle. Guru Ringpoche, der den Buddhismus nach Tibet und Bhutan brachte, soll in der Höhle vor etwa 2.500 Jahren mehrmals meditiert und das Universum neu geordnet haben. An der steinernen Decke zeugen noch heute Mond und Sterne davon.

 

Der direkte Weg von hier nach Khutumsang ist längst Vergangenheit. Durch dichten Urwald führte er einst über mehrere Tage zum Ziel. Für einen Rückweg über Thadepati - Khutumsang - Chisapani - Kathmandu ist die uns zur Verfügung stehende Zeit einfach zu knapp. So wagen wir ein anderes Experiment. Wieder zurück ins Tal und dann entlang des Melamchi Khola in Richtung Timbu.

 

Das Tal ist schnell erreicht. Der weitere Weg durch Weiden und Felder ist nicht leicht zu finden. Dann verschluckt uns im wahrsten Sinne des Wortes der Urwald. Schwankende Hängebrücken führen über den schäumenden Fluss und seinen Nebenläufen. Es geht ständig auf und ab. Affen rasen durch den Wald. er Pfad scheint nicht enden zu wollen. Endlich, Daring die nächste größere Ortschaft. Nun soll es nur noch eine Stunde bis Timbo sein. Fröhliche Schulkinder kommen uns entgegen, die in Timbo zur Hochschule gehen. Wie sich heraus stellt mit täglich zwei Stunden zur Schule und die gleiche Zeit zurück. Auf Zeitangaben Einheimischer ist kein Verlass. Noch eine Stunde, heißt so viel wie ich weiß es nicht. Nach etwa 2 Stunden steht am Wegesrand ein landestypisches Gasthaus, vorwiegend Lager- und Pferdestation. Dort endet unser heutiger Tag in der Abenddämmerung.

 

4. Tag - 11.10.2012

 

Welch eine Überraschung. Bis nach Timbu ist es gerade mal eine Stunde. Vorsorglich hatten wir mit 1 ½ Stunden gerechnet Daher brachen wir um 7 Uhr auf, um auf jeden Fall den „9 Uhr-Bus“ zu erreichen. Knapp 3 Stunden mit dem lokalen Bus hinunter nach Melamchi, wartet dort das Fahrzeug, mit Fahrer, der uns auf dem Normalweg über Dhulikhel drei Stunden später in Kathmandu abliefert.

 

Morgen treffen Eva und Dieter ein. Am 14.10. werden wir zum Tsum Valley aufbrechen.