Halb um den Manaslu
 

3. Teil meiner Nepal-Frühjahr-Reise 2011
 

Reisebericht 03.04. - 27.04.2011

 

 

 

 

 

Vorwort

 

Diese Tour ist schon lange mein Traum. Geplant war die Umrundung eigentlich im Herbst dieses Jahres, gemeinsam mit Gregor. Doch die dortige Entwicklung der Infrastruktur ging rasanter voran, als je gedacht. Die Möglichkeit in einigen Orten statt im Zelt auch in Gasthäusern zu übernachten, bestand bereits seit etwa 3 Jahren. In einem speziellen Angebot bietet der Summit Club des DAV im Herbst 2011 diese Tour als Lodge-Trekking an. So wird es für mich ein Muss, dieses Unternehmen schnellstens anzugehen. Govinda organisiert es, dass ich auch allein starten kann, obwohl das Permit für diese Region erst ab 2 Personen erteilt wird.

 

Zudem bietet sich die ideale Möglichkeit im Anschluss endlich den Nar Phu Trek zu verwirklichen. Der Tourverlauf ist abgestimmt. Wenn nichts Unvorhergesehenes passiert, werde ich mich mit Gisbert in Timang oder Karte treffen

 

 

 

© Klaus Töpfer

HIMATREK

Gelsenkirchen, Juni 2011

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01. Tag - 03.04.2011

 

Mit Radhika, Govinda als auch Radhikas Neffen (er hat Schulferien und freut sich auf die Hauptstadt) verlasse ich am frühen Morgen Pokhara in Richtung Kathmandu. In Dhading Beshi Pul heißt es für mich umzusteigen. Gemeinsam warten wir auf den Bus aus Kathmandu. Mit einiger Verspätung trifft der wie üblich überfüllte Bus ein. Neben Chabi ist zu meiner Überraschung Sange als Koch mit dabei, mit dem wir noch im Herbst vergangenen Jahres in Dhorpatan unterwegs waren. Des weiteren Dhurva und Anil als Träger/Küchenhelfer. Ich quetsche mich auf den reservierten Platz und los geht es nach Dhading Beshi auf recht gut ausgebauter Straße. Nach sehr langem Aufenthalt, man wartet auf einen anderen Bus, geht es schließlich weiter nach Arughat.

 

Gut vier Stunden auf einer Holperstrecke, dazu muss ich schrill kreischende nepalische Girli-Musik ertragen. Liebeslieder, in welche der Fahrer wohl total verknallt ist. Mir schmerzen die Ohren und ich tausche meinen Platz mit Anil, der vor mir sitzt und damit etwas ferner der quäkenden Lautsprecher. Die Bitte an den Fahrer, die Musik etwas leiser zu drehen, befolgt er. Aber beim nächsten Wechsel der MC sind wir wieder beim Status Quo. Ich schalte meinen MP3 ein, stülpe die Kopfhörer über und drücke diese fest an meine „tauben“ Ohren. Eine Wohltat.

 

Alles hat sein gutes Ende, als der Bus vor der Manaslu Lodge in Arughat (570 m) hält. Das noch nicht ganz im chinesischem Stil fertig gestellte Gasthaus ist ausgebucht. Eine private Gruppe aus UK und Canada ist anwesend. Trotzdem finden wir ausreichend Platz, jedoch nicht in den Komfortzimmern mit Bad und TV. Letzteres funktioniert mangels Strom sowieso nicht. Das gemeinsame Dhaal Bhaat lassen wir uns auch bei Kerzenschein schmecken.

 

02. Tag - 04.04.2011

 

Zu Dritt machen wir uns auf den Weg. Sange und Dhurva erledigen noch einige Einkäufe. Ich nutze die Zeit beim Barbier, die längst überfällige Rasur nachzuholen. Dem Fahrweg entlang des Budhi Gandkaki Nadi folgend, durchstreifen wir Bauernlandschaft. Junge Reispflanzen stehen im tiefem Wasser, der Mais wir ausgesät. Die am Wegesrand von einer Bäuerin feil gebotenen Bananen schmecken, obwohl noch grün, hervorragend.

 

Zur Mittagszeit erreichen wir Arkhet Bazar (620 m). Bis hierher kann man auch mit dem lokalen Bus fahren. Gelegenheit zur Mitfahrt in einem Fahrzeug werden ebenfalls angeboten. Wer genügend Zeit hat, sollte diese Strecke zur Eingewöhnung zu Fuß gehen. Es lohnt sich. Die Straße führt weiter hinauf. Zeitweise verkehren Jeeps bis zur Baustelle kurz vor Lapubesi. Während wir anfangs recht angenehmes Wanderwetter mit leichter Bewölkung hatten, brennt nun die Sonne herab. Hinter Soti Khola beginnt ein schattiger Wald und kurz darauf kehren wir in den von Sanje empfohlenen Gasthof in Armola ein.

 

 

Die Zimmer sind recht einfach aber ordentlich und sauber. Ebenso frei von Moskitos garantiert die Wirtin. Jedoch sind die Räume nur über eine sehr steile Leiter erreichbar. Da die Türhöhen der nepalischen (asiatischen) Norm entsprechen und noch einige Schwellen und sonstige Stolperstellen hinzu kommen, ziehe ich die Übernachtung im Zelt vor. Wir haben es ja dabei. Das Risiko eines nächtlichen Unfalls ist mir zu hoch. Ruckzuck ist mein Nachtquartier aufgebaut und eingerichtet. Dhurva fragt, ob er auch noch das Toilettenzelt aufbauen soll. Es darf doch nicht wahr sein, dass Govinda es überhaupt mitgegeben hat. Das Gasthaus verfügt über eine neu gebaute Toiletten-/Duschraumkombination. Vernünftige Toilettenanlagen werden wir auf der weiteren Tour vorfinden.

 

Damit ich und Chabi im Zelt gut schlafen, gibt uns die Wirtin zur Nacht noch 2 flauschige Kopfkissen mit.

 

03. Tag - 05.04.2011

 

5:30 Uhr. Wer schnarcht da so laut? Chabi? Nein, es ist das Schnauben des Buffs im etwa 100 m entfernten Stall. Bis zum Frühstück kann ich noch etwas weiter dösen. Wir haben keine Eile. Das heutige Ziel ist Manchha Kholagoan (930 m).

Nach einer halben Stunde müssen wir die Straßenbaustelle umgehen. Ein Trampelpfad fast hinunter zum Budhi Ghandaki und über Terrassenfelder wieder hinauf, wo wir auf den alten Handelsweg nach Tibet treffen. Treppauf und -ab geht es entlang der steil aufragenden Felswände. Die uns entgegenkommenden Mulis laufen ohne Lasten; die hinauf  transportierten Lebensmittel und Getränke sind ausgeliefert. Vor etwa 10 Jahren hatten wir noch die gleiche Situation entlang des Kali Ghandaki. Heute ist dort die „Straße“ fertig und wie wird es in ein paar Jahren hier aussehen?

 

Plötzlich weitet sich das enge Tal. Felder am Hang, Obstbäume, Bananenstauden. Inmitten dieser grünen Oase liegt Lapubesi. Da es auf 11 Uhr zugeht, haben die Jungs Hunger, Pause! Die 6-köpfige Gruppe aus UK/Kanada, die mit uns in Arughat startete, überholt uns. Hallo, wir treffen uns später. Abermals eine enge Schlucht. Dahinter windet sich der Budhi Ghandaki durch ein langes, breites Kiesbett. Ein Sommer- und ein Winterweg sind hier ausgeschildert. Ein mächtiger Wasserfall donnert die Felswand hinunter. Wir überqueren wohl eine der längsten Hängebrücken Nepals auf der nun ein langes Band Gebetsfahnen flattern. Kurz darauf befinden wir uns im steinernen Flussbett – ganz wie am oberen Kali Ghandaki.

 

 

Während sich gestern zur Mittagzeit die Wolken auflösten, verfinstert sich der Himmel. Aus der Ferne kündigt sich ein Gewitter an. Die ersten Regentropfen fallen am Ortseingang von Manchhakholagoan. Sange kennt den Weg zum neu erbauten Hotel Chumvally, welches wir noch trockenen Fußes erreichen. Dann entlädt sich ein gewaltiger Regenguss. Erst am späten Nachmittag vermag die untergehende Sonne die abziehenden Gewitterwolken zu durchdringen.

 

In diesem Gasthaus sind noch nicht alle Zimmer eingerichtet, hier und da ein paar Arbeiten zu entrichten. Diese Unterkunft entspricht mit Gastraum und Speiseangebot denen im Annapurna und Khumbu. Der Bauboom ist unverkennbar. Teashops am Wegesrand bieten Speis und Trank. Bereit für den Trekking-Massentourismus. Sollte man die Annapurna in ein paar Jahren nur noch in Off Road Stil umfahren können, dann bieten wir die Alternative.

 

04. Tag - 06.04.2011

 

Zum 3. Male befinde ich mich in einem Ort namens Tatopani (Heißes Wasser). Wie im Annapurna am Kali Ghandaki und im Langtang im Gebiet der Tamang entspringt auch hier eine heiße Quelle. Die Gelegenheit zum Waschen/Duschen lässt man sich keinesfalls nehmen. Zudem haben wir endlich die Höhe von 1.000 m erreicht.

 

Das Tal verengt sich mehr und mehr. Es wird zur Klamm. Zwischen einigen 100 m steil aufragenden Felsen donnern die Wassermassen herab. Ein steiler Aufstieg nach Yuru Khola (1.330 m) und wieder öffnet sich ein weites Tal, umrahmt von schroff aufragenden Felswänden. Eine Ansammlung einfacher landestypischer Imbissbuden laden zum Verweilen ein. An diesem landschaftlich malerischen Ort ist Camping möglich. Noch eine Stunde, dann sind wir in Jagat (1.410 m). Es ist 17:30 Uhr und der erste lange Wandertag ist zu Ende.

 

Die einzige Lodge, das Hotel Manaslu Shanti Hotel im Ort ist ausgebucht. Der Anbau befindet sich noch in Bau. Zelten wäre kein Problem. Jedoch spüren Chabi und Sange nebenan ein unscheinbares Gasthaus auf. Hier finden wir alle Unterkunft im Hinterhaus. Die Steinstufen hinauf Zimmer Nr. 1 mit 3 Betten, eine enge niedrige Tür und Zimmer Nr. 2. Toilette und Dusche befinden sich im Neubau auf dem Hof. In 2 Wochen ist das neue Haus mit 5 Zimmern fertig eingerichtet.

 

Zum Abendessen schließe ich mich mit einer kleinen Portion Dhaal Bhaat der Gemeinschaft an, zumal Sange für mich als Vorspeise einen frischen Gurken-/Möhrensalat zubereitet hat.

05. Tag - 07.04.2011

 

Es hat nicht viel gefehlt und ich hätte den Hund eigenhändig erwürgt, der kläffend um unser Quartier seine Runden zog. Gegen 2 Uhr waren seine Stimmbänder hinüber oder jemand anders hat den Mord begangen.

 

Im Norden, an der Grenze zu Tibet, zeigt sich der Pama Himal. Die Berghänge werden flacher, Bauernlandschaft mit kleinen malerischen Siedlungen. Ein alter Mann treibt seine Kühe zur nächsten Weide. Am rauschenden Bach klappert die Mühle. Aufgeschreckte Geckos (Eidechsen) huschen in die Ritzen der Mauern oder liegen faul in der Sonne. In Nagjet verlassen wir den alten Handelsweg, der über Bangsing (1.720 m) nach Nyak (2.340 m) nach Dyang (1.800 m) führt und nicht mehr genutzt wird.

 

 

 

Eine lange, neue Hängebrücke spannt sich zum anderen Ufer hinüber. Der hervorragend ausgebaute Weg führt hinauf nach Philim (1.590 m). Einige Gasthäuser und Campingplätze laden hier zur Rast oder Übernachtung ein.

 

Oberhalb der tiefen Schlucht, durch die sich der Budhi Gandaki zwängt geht es nun fast gemächlich gerade aus. Eine Karawane mit mehr als 100 Mulis kommt uns entgegen. Warten und auf der Bergseite bleiben, denn auf der anderen geht es fast senkrecht hinunter. Schließlich erreichen wir den Grund der Klamm, überqueren das tosende Wasser steigen etwas aufwärts. Ein bescheidendes Teehaus, lädt zur Kaffeepause ein. Tief drunten mündet der Syar Khola, aus dem Ganesh Himal kommend, in den Budhi Ghandaki, dessen Verlauf wir weiter folgen.

 

Einige male müssen wir über recht altersschwache Hängebrücken die Ufer wechseln. Die letzte ist bereits in solch einer Schieflage, dass man eine Seite mit Steinen und Brettern ausgefüllt hat, damit Menschen und Tiere noch aufrecht gehen können. Puh, weiche Knie, für mich war es ein Balanceakt.

 

Gerade noch rechtzeitig, bevor der einsetzende Regen heftiger wird, finden wir Unterschlupf im einsam gelegenem Gasthaus und Pferdestation am Pewa Khola. Kurz darauf treffen auch die 6 Wanderer aus UK mit ihrer Begleitmannschaft ein, mit denen wir seit Tagen parallel unterwegs sind. Chabi und Sange kennen den Guide als auch ein paar Träger. Man kennt sich aus Kathmandu, denn Agentur liegt quase um die Ecke von der unsrigen.

 

So einfach und zugig die Zimmer in der anscheinend schnell zusammen gezimmerten Bretterhütte auch sein mögen, die Betten sind phantastisch: Lang, breit und oben drauf eine dicke Matratze. Zum Abendessen werden Sange und Dhurva aktiv: Kartoffelauflauf! All die anderen Gäste müssen mit dem verfügbaren Dhaal Baat vorlieb nehmen.

 

Lobenswert muss ich für die bisher zurückgelegte Strecke hervorheben, dass die Wegweiser gut platziert sind und die richtigen/wichtigen Informationen über aktuellen Ot und nächsten Ort mit ungefährer Wanderzeit angeben.

06. Tag - 08.04.2011

 

In Dyang oft auch Deng genannt, sind drei neue Lodges in Bau. Ein landschaftlich schöner Ort, wenn heute nicht die Wolken die Sicht auf das Ganesh Himal und des Grenzgebirges nach Tibet nehmen würden. Entlang steil abfallender Hänge geht es weiter. Vereinzelt steht der rote Rhododendron in voller Blüte. Durch fast senkrechten Felswände führen unzählige Stufen rauf und runter. Überbrückt ein steinernes Tor den Weg, liegt eine Siedlung meist gleich um der nächsten Ecke. Mannshohe Manimauern zeigen kunstvoll in Stein gemeißelte Buddhas und Mantras. Schließlich der gewaltige Durchschreitungschörten. Buddhas Augen blicken in die 4 Himmelsrichtungen. Im Durchgang Gebetsmühlen. An der Decke befinden sich meist noch alte, farbenprächtige tibetische Malereien, echte Kunstwerke.

 

 

In Bihi (2.130 m) verfeinert Sange eine Champion-Tütensuppe zu einer deftigen Gemüsesuppe. Abends im Manaslu Thakuri Hotel in Ghap (2.160 m) übernimmt wiederum unser Team das Küchenkommando. Das 3-Gang-Menü lasse ich mir schmecken. Ansonsten wird abermals nur Dhaal Bhaat aufgetischt.

 

07. Tag - 09.04.2011

 

Zwei Wege führen durch Mischwald nach Namrung (2.660 m). Der Alte am rauschendem Fluss entlang, der Neue als Höhenweg mit sicherlich bester Gebirgssicht, wenn das Wetter mitspielt. Wir entscheiden uns für den urwäldlichen Pfad. Die neue Lodge mit Kerosin-Depot bietet eine kleine Speisekarte und ansonsten eigentlich alles, was des Trekkers Herz erfreut: Cola, Schokolade, Chips und Bier sind verfügbar hier. Nicht nur das! Die Telefonverbindung nach Kathmandu funktioniert. Govinda am Apparat, alles ok hier und dort.

 

Ein grünes Tal folgt. Auch an den Berghängen gleicht es Oasen, dort wo die Felder bestellt sind. In den etwas höher gelegenen Regionen, sind die Bauern fleißig bei der Aussaat. Das tiefe Tal des Hinang Khola ist zu überwinden. Von dort unten besteht die Möglichkeit zum BC des Himal Chuli (7.500 m) aufzusteigen. Dieser Tag ist grau in grau. Regen, als wir den Chörten am Eingang von Sipgoan durchschreiten.

 

Endstation. Hier sind Zimmer/Betten frei. Eine halbe Stunde weiter in Lhogoan, auch Lo, könnte es eng werden. Dort existieren nur 2 kleine Lodges. Unsere Unterkunft ist eine für Touristen ausgebaute Pferdestation. So übernachten hier auch 6 Pferdeführer. Nachdem die Mulis auf der gegenüber liegenden Weide versorgt sind, versammelt man sich in der guten Stube (Küche) am Herd. Auf offener Flamme brodelt ein riesiger Schnellkochtopf mit Reis. Auf dem anderem Feuer köchelt das Dhaal. Es müssen nicht unbedingt Linsen sein. Dhaal steht für alle Hülsenfrüchte, also auch Ebsen und Bohnen. Im Rauch des Ofens hängendes Trockenfleisch wird gemeinschaftlich für die Beilage geschnippelt. Mit Chang (lokales Bier) wird währenddessen kräftig angestoßen.

 

08. Tag - 10.04.2011

 

Endlich, der lang ersehnte Sonnentag. Ein glitzernd weißer Manaslu (8.163 m) erbebt sich majestätisch vor unseren Augen. Dumpf schallen Pauken nach draußen, dazu die gemurmelten Mantras der Mönche unterbrochen vom Klang der Zimbeln und Tröten. Die morgendliche Puja wird vom anwesenden Lama zelebriert. Wir haben Zeit: Lauschen, entspannen, meditieren.

 

Oberhalb von Lhogoan (3.180 m) thront die neu erbaute Klosterschule, in der etwa 300 Schüler unterrichtet werden. Sicherlich ein lohnenswerter Aussichtspunkt, doch wir ziehen weiter. Erst ein Abstieg ins tiefe Tal und dann durch dichten Wald bergan nach Syatagoan. Von hier ist es gemäß Karte eigentlich nicht mehr weit bis Samagoan. Doch der Weg zieht sich. Ein kleiner Pass und das weite Tal liegt uns zu Füßen. Der Schule folgen schier unendliche Weideflächen auf denen Yaks grasen. Schwer mit Dung für die Felder bepackt, aber das Handy am Ohr, kommen uns junge Frauen entgegen.

 

Eingekesselt von einem unbeschreibbaren Bergpanorama zwischen Gorka Himal im Süden, Manaslu im Westen und Kutang Himal im Osten befindet sich Samagoan (3.530 m). In der gleichnamigen Unterkunft werden wir 2 Nächte bleiben. Die warme Dusche, Eimer mit Wasserhahn, ist eine Wohltat. Die nötige Wäsche wird gewaschen.

 

 

Die Küche der Lodge bietet eine recht vielseitige Speisekarte. Wir bleiben Selbstversorger. Zu gerne würde die Wirtin des Hauses unseren Koch Sange sofort einstellen.

09. Tag - 11.04.2011

 

Ein herrlicher, sonniger Ruhetag . Umrahmt von den gewaltigen schnee- und eisbedeckten Massiven spazieren wir zur nahe gelegenen Nyingma-Gompa mit der alten Statue Padmasambhavas, der einst den Buddhismus nach Tibet brachte. Mönche und Einheimische haben sich zur morgendlichen Puja versammelt. Auf den Weiden, grasen Yaks und knappern das spärliche Gras. Hinter einer kleinen Anhöhe entdecken wir den Birendra See unterhalb des gewaltigen Abbruchs des Manaslu Gletschers. Auf dem kristallklaren türkisblauen Wasser dümpeln noch Schnee- und Eisreste. Plötzlich kracht donnernd eine Gerölllawine die bizarre Felswand in den See hinunter. Wir genießen diese malerische Welt und kehren erst zur Mittagszeit zurück.

 

Es ist frustrierend, als es sich bewölkt und es wieder zu regnen beginnt. Ein eisiger Wind kommt auf. Lediglich in der Küche ist es warm, wo ich gemeinsam mit den Trägern und Guides am Ofen sitze. Der Gastraum ist nicht beheizt und dort ist es lausig kalt. Es erinnert mich an die Abende im Tilicho BC. Dies ist ein Manko in den hiesigen Gasthäusern. Es fehlt (noch) der Kanonenofen, den man ansonsten gewohnt ist.

 

10. Tag - 12.04.2011

 

Die Sonne lacht wieder. Sofort ist der gestrige Frust vergessen. Gemächlich geht es über Weidelandschaft, durchsetzt mit einigen Tannen und Birkenhainen gemächlich hinauf nach Samdo (3.860 m). Bereits zur Mittagzeit ist das Tagesziel erreicht und wieder verkünden aufziehende dunkle Wolkenmassen Unheil. Es beginnt zu schneien. Mir und der UK-Gruppe bleibt nur die Flucht in den eiskalten Gastraum. Guides und Träger haben sich unter die Decken im Gemeinschaftsschlafraum verkrochen. Die Küche ist geschlossen, die Wirtin irgendwohin verschwunden. Keine einzige Wärmequelle im gesamten Haus. Meine Zehe fühle ich wie Eiswürfel. Heißes Wasser in die Trinkflasche, dann die Füße darauf. Der Erfolgt ist bescheiden. Erst als ich mich in den Schafsack verkrieche, tauen die Füße langsam auf.

 

11. Tag - 13.04.2011

 

… und es schneit weiterhin. Bis Dharmashala bzw. Larke Phedi (4.470 m) benötigt man nur 3 - 3 ½ Stunden auf normalerweise recht bequemen Weg. Durch den Schnee stapfend, dauert es ein wenig länger. Auf dem letzten Stück zur Lodge, kommt uns Dhurva mit heißem Orangensaft entgegen. Etwas Warmes im Magen tut wahrlich gut und die letzten Meter bis zum sogenannten Base Camp sind schnell zurückgelegt. Zum Lunch sind wir alle wieder beisammen. Die Küche bietet eine große Auswahl an Speisen und Getränken, so dass wir dieses Angebot annehmen. Auch hier ist der Gastraum nicht beheizt. Jedoch schützen dicke Matratzen auf den Bänken und Wolldecken vor der eisigen Kälte. Füße hoch und unter die Decke, so lässt es sich ertragen.

 

Draußen nimmt der Schneefall kein Ende. Diese Schneemassen hat es zu dieser Jahreszeit noch nie gegeben, resümiert der Besitzer der Lodge. Ein Teil des Daches des Hauses mit den Gastzimmern ist aufgrund der hohen Schneelasten eingebrochen. Unter den Betten hat sich eine ca. 40 cm dicke Eisschicht gebildet. Schlafen im Kühlschrank. Wir haben die Möglichkeit unser Nachtquartier in das große feststehende Zelt zu verlegen. Hier drinnen ist es subjektiv wärmer und eisfrei unter den Betten.

 

 

Wie geht es morgen weiter, ist die Gretchefrage des Abends. Der Lodge-Besitzer rät von der Überschreitung des Larke La (5.106 m) ab. Aufgrund des späten Wintereinbruchs ist der recht steile Abstieg stellenweise vereist und nun noch mit Neuschnee überdeckt. Zudem wird man durch den Schnee wesentlich mehr Zeit für die schon recht lange Etappe bis hinunter nach Bimtang (3.720 m) benötigen. Nach langer Diskussion und Abschätzung der benötigten Zeit für den Rückweg, entscheiden wir uns für die Umkehr. Es könnte gerade passen, dass wir Beshi Sahar vielleicht mit einen Tag Verspätung erreichen, um dann von dort die Nar Phu Tour mit Gisbert zu beginnen. Ursprünglich war geplant, dass wir uns am 19.04. in Timang treffen.

 

12. Tag - 14.04.2011

Ich habe mit eiskalten Füßen schlecht geschlafen. Meine Trekkingschuhe sind hart gefroren und müssen in der Küche aufgetaut werden. Draußen glitzert die weiße Schneelandschaft unter azurblauem Himmel. Sollen wir es wagen? Die UK-Gruppe hat den Pass mit ihrer Mannschaft in Angriff genommen. Es ist also gespurt. Oder sollen wir bis Morgen warten? Noch eine Nacht in der Eishölle verbringen? Es fällt nicht leicht, bei der gestrigen Entscheidung für den Rückweg zu bleiben.

 

Wir machen uns umgehend auf und verschieben das Frühstück. Erst hinunter nach Samdo, bevor der Schnee matschig und glatt wird. Weiter nach Samagoan erlebe ich erstmals wie gewaltig und in welchen Mengen Schneelawinen durch enge Felstrichter ins Tal donnern und sich dort in breite Schneefelder ergießen. Innerhalb von einer Stunde können wir 4 Lawinen beobachten. So ist der Weg recht kurzweilig, zumal sich auf den Wiesen einige Murmeltiere tummeln. Im Hotel Samagoan herrscht Hochbetrieb. Im Hof werden Zelte aufgebaut. Eine größere Gruppe trifft ein.

 

 

Nach 11 Stunden sitzen wir mit der Familie in Lhogoan in der Küche am Ofen. Heute ist Neujahrstag in Nepal. Happy New Year 2068. Zu uns gesellt sich ein niedlicher Welpe. Er ist allein. Seine Mutter wurde von einem Schneeleoparden getötet. Sein Bruder verstarb. Wir nehmen ihn mit nach Kathmandu und taufen ihn auf den Namen Malu, hergeleitet von Manaslu.

13. Tag - 15.04.2011

 

Heute schaffen wir es in 9 Stunden nach Bihi. Unterwegs kommen uns 4 Camping-Gruppen zwischen 10 bis über 20 Personen entgegen. Mir kommen Zweifel. War die Entscheidung richtig? Hätten wir einen Tag abwarten sollen? Das Wetter hat sich wesentlich gebessert. Zwischenzeitlich konnten wir unser Büro in Kathmandu erreichen und Prasanta über unsere Umkehr informieren.

 

Malu hat sich an uns gewöhnt. Möchte spielen und toben. Chabi trägt ihn behutsam, gleich einem Känguru im Bauchbeutel. Hin und wieder darf er laufen. Am liebsten zwischen unseren Beinen herum. Vorsicht Stolperfalle.

14. Tag - 16.04.2011

 

Weiterhin ist es sonnig. So erleben wir die Landschaft in freundlicherem Gesicht, als auf dem Hinweg. Heute Nachmittag ist in Philim Feierabend. Morgen steht  abermals ein langer Wandertag bevor.

15. Tag - 17.04.2011

 

So weit die Füße tragen. Mehr als 11 Stunden sind wir unterwegs: Jagat, Tatopani, Manchhakholagoan. Wie gestern kommen uns auch heute einige bis zu 20 Personen starke Gruppen entgegen. Alle sind auf Camping-Tour.Es sind nur wenige Touristen, die diese Tour als privates Lodge-Trekking mit Guide angehen. Die verfügbaren Kapazitäten in den Gasthäusern für solch große Einheiten noch zu gering. Das wird sich sicherlich auch bald ändern. Einige Trägerinnen kommen uns schwer bepackt mit Matratzen und Baumaterialen zur Ausstattung der neuen Unterkünfte entgegen.

 

Die weitere Tour wird mit Govinda und Prasanta abgestimmt. Unser Guide Ganesh ist mit Gore (Träger) unterwegs. Beide kommen uns morgen entgegen. Chabi, Sange, Anil und Dhurva werden so schnell wie möglich nach Beshi Sahar sputen, um Gisbert einzuholen. Ich werde mich mit Ganesh und Gore nach Pokhara begeben. Nar Phu, d.h. Gisbert einholen, ist nicht machbar. Mal schauen, welche Alternative in 3 Tagen realisierbar ist.

 

Am Abend braust ein gewaltiger Sturm das Tal hinauf, als wäre dort oben ein Vakuum zu füllen. Blitz und Donner folgen.

 

16. Tag - 18.04.2011

 

Es war zu erwarten, Regenwetter. Zwischendurch auch mal ein heftiges Gewitter. Im Flussbett, nahe Kanibesi treffen wir Ganesh und Gore. Begrüßung und Tschüss. Chabi und Co. düsen los, versuchen einen Bus in Arkhet Bazar nach Arughat zu erwischen und von dort den letzten Bus nach Beshi Sahar. Malu bleibt in unserer Obhut und wir gehen es etwas langsamer an. Kurz darauf in Nauli Khola sind wir zur Mittagrast wieder beisammen. Heute ist es höchstens möglich bis nach Arughat zu kommen und das können wir gemeinsam unternehmen.

 

Die Baustelle ist in den zurückliegenden 2 Wochen bis kurz vor Lapubesi vorgerückt. In 5 Jahren soll die Straße bis Jagat fertig sein und dort enden. Hoffen wir es. Als ein weiterer heftiger Regenschauer auf uns herab prasselt, fällt die Entscheidung leicht, doch mit einen Jeep von hier bis nach Arughat zu fahren. Mit dem Fahrer einigen wir uns schließlich auf umgerechnet 30 EUR. Schnell ist das Gepäck verstaut. Sange und Dhurva bevorzugen den Platz auf dem Dach. Der Rest des Teams auf den Bänken der Ladefläche. Auf dem Beifahrersitz kümmere ich mich um Malu, der ängstlich Schutz an meiner Seite sucht. Motorenlärm und das Holpern sind für ihn ungewohnt. Etwas kraulen und streicheln braucht der kleine Hund in dieser Situation.

 

In Arkhet Bazar endet unvorhergesehen die Fahrt. Eine heftige Diskussion über die Wegerechte entbrennt zwischen den Besitzern der Jeeps und den Organisatoren der von hier verkehrenden lokalen Busse nach Arughat. Das ist Nepal. Während des heftigen Streitgesprächs haben Kinder und Erwachsene unseren kleinen Malu hingegen sehr lieb. Letztendlich bleibt uns und weiteren Reisenden nichts anderes übrig, als hier zu nächtigen und morgen mit dem lokalen Bus weiter zu fahren.

 

Ein paar Häuser entfernt, finde ich einen Barbier. Die Rasur kostet 20 Rupien (= 20 Cent). Im besten Gasthaus des Ortes feiern wir das Ende der Tour, handeln den Preis mit dem Jeep-Besitzer um 10 EUR runter und legen uns schließlich im Gemeinschaftszimmer zur Ruh. Jedenfalls sind die Betten besser, als in manch einem Lager der Hütten des Alpenvereins.

 

17. Tag - 19.04.2011

 

Der Bus bringt uns über Arughat nach Gorka. Malu gefällt die Schaukelei gar nicht. Der Kleine schmiegt sich ängstlich an mich. In Arughat übernimmt ihn Gore und fährt mit ihm nach Kathmandu zurück, wo er als Balu (Bär) angekündigt wird.

 

In Gorka gibt es keine Direktverbindungen per Bus nach Pokhara. Eine Privatfahrt soll 50 EUR kosten. So fahren wir gemeinsam mit dem lokalen Bus auf recht guter Straße bis nach Dumre, wo wir gegen 15 Uhr eintreffen. Während Chabi, Sange, Anil und Dhurva weiter nach Beshi Sahar fahren, steigen Ganesh und ich aus. Wieder ergießt sich ein heftiges Gewitter über uns. Wir sind froh, als wir in einen Micro-Bus nach Pokhara zusteigen können.

 

18. Tag - 20.04.2011

 

Sonnenschein und Faulenzen, wie geplant.

19. Tag - 21.04.2011

 

Bereits um 6:30 Uhr hängen Wolkenfetzen über dem Annapurna. Die mit Ganesh geplante Wanderung hinauf zur Stupa oberhalb des Phewa See lassen wir sausen. Richtig, denn eine Stunde später verhindern dicke Wolken den sonst herrlichen Blick auf das gewaltige Gebirgs-Panorama. Zur Mittagzeit wird es in Pokhara sehr heiß. So bleibt nur die Flucht auf die schattige Terrasse im Lake View.

 

20. - 24. Tag - 22. - 26.04.2011

 

Govinda trifft erst am Abend, aus Chitwan kommend, ein. Er musste noch eine Gruppe aus Australien betreuen. Nach ausgiebiger Diskussion was wir in den kommenden Tagen bis zu meinem gebuchten Rückflug am 04.05. unternehmen könnten, beschließen wir meinen Rückflug um etwa eine Woche vorzuverlegen und auf der Rückfahrt nach Kathmandu in paar Stopps mit Übernachtung einzulegen. Ein Besuch des malerischen Newardorfes Bandipur ist ein lohneswertes Ziel. Seit meinem letzten Besuch ist das kleine Dörfchen weiter restauriert worden. Plätze und Wege sind mit Steinplatten gepflastert. Hier gelingt es der Sauberkeit Realität werden zu lassen. Kathmandu erstickt immer mehr im Dreck und lärmenden Verkehr. Nicht einmal im Touristenzentrum Thamel gelingt ein Fortschritt.

 

 

Leider wird uns die Sicht auf das mächtige Massiv des Manaslu nicht gegönnt. Da Govinda Magenschmerzen und Übelkeit quälen, fahren wir tags darauf nach Kathmandu zurück. Der Arzt diagnostiziert ein Magengeschwür und verordnet 2 Wochen Ruhe. Stress aufgrund des saisonalen Geschäfts und gleichzeitig die Koordination des Hausbaus sind wahrscheinlich der Auslöser. Meinen Rückflug kann ich bei GULF auf den 27.04. vorverlegen.

 

Im Office freut sich Malu auf das Wiedersehen. Tollt herum und mag es mir in die Füße zu beißen. Frohe Ostern, ein Anruf daheim. Ich kündige meine Ankunft für den 28.04. an. Die letzten Nächte verbringe ich im Hotel Moonlight, welches ich mit Govinda vor ein paar Wochen erstmals besichtigte. Es dürfte wohl der letzte Hotelaufenthalt in Kathmandu gewesen sein. Demnächst werde ich im Gastzimmer bei Govinda übernachten. Kein Verkehrslärm, kein Smoke. Ein großer Supermarkt ist nur 100 m entfernt und dazu einiges preiswerter als in Thamel. 

25./26. Tag - 27./28.04.2011

 

Wie bereits gestern angekündigt, Generalstreik in Kathmandu. Newar und Tamang, ethnische Gruppen, fordern mehr Autonomie und werden durch die Maoisten unterstützt. Die Geschäftswelt gehorcht. Geschäfte und Restaurants bleiben geschlossen. Durch die Hintertür oder unter den halb herunter gezogenen Rollladen geht das Leben zumindest teilweise weiter. So kann ich mich doch noch einmal perfekt vor dem Antritt meines Rückfluges rasieren lassen.

 

Die Fahrt zum Flughafen ist problemlos. Keine Rushhour aufgrund des Streiks. Taxen und Shuttle-Busse für Touristen dürfen auch in dieser Situation ungehindert fahren.

 

Pünktlich hebe ich nach Bahrain ab und bin tags darauf zum sogenannten 2. Frühstück daheim bei Dorlis und den Kindern in Gelsenkirchen. Dorlis, Tanja, Nick und Lenny empfangen mich auf dem Bahnsteig. Lenny hat sich prächtig entwickelt, Nick freut sich, dass sein Opa wieder zu Hause ist. Fehlte ihm doch über einige Wochen der „Bauarbeiter“.

 

Abschied nehmen fällt niemals leicht. Ob in Kathmandu oder in Gelsenkirchen. Ich freue ich mich immer wieder auf die Heimat. Wiedersehen mit der Familie in Nepal und/oder mit Frau, Kindern und Enkeln in der königblauen Stadt des Schalke 04.